Ausgabe 07/2012 - Schwerpunkt Digitale Wirtschaft

Sieben Anmerkungen zum kollektiven Wahnsinn namens Urheberrechtsdebatte.

1.

Es geht nicht um das Ende der Welt

Am 21. Dezember geht die Welt unter. Das ist ziemlich sicher, denn das haben die Mayas berechnet, Nostradamus und andere Experten. Außerdem steht es sogar bei Wikipedia, und dort erfährt man auch, wo man vor der Apokalypse sicher ist: in Bugarach in Südfrankreich. Weil da die Außerirdischen leben.

Das halten Sie für Blödsinn? Warum nehmen Sie dann die Debatte über das Urheberrecht ernst? Die befasste sich zwar ursprünglich mit der ernsthaften Frage, wie man in Zukunft die Werke von Künstlern im Internet honoriert, entwickelte sich aber bald zu einem wilden Schlagabtausch, der auf demselben Phänomen beruht wie die Weltuntergangsfantasien: auf der Angst vor der Zukunft.

Von den Kombattanten in den hastig angelegten Schützengräben werden zwei Endzeit-Szenarien entworfen. Das der Internetaktivisten sieht so aus: Eine Superpolizei - quasi eine Mischung aus GEZ und CIA - wird bald den Datenverkehr der Welt überwachen, und dann ist, Sie wissen schon: 1984.

Das Jüngster-Tag-Szenario der Kulturindustrie lautet wie folgt: Schon morgen wird niemand mehr Musik kaufen, weil alle alles illegal downloaden. Dasselbe gilt für Filme. Oder Bücher, wenn man erst mal alle Bücher runterladen kann und alle einen eReader haben oder ihre Bücher auf dem Computer lesen wollen oder ... Ach, ist auch egal, so weit denkt in der Panik ohnehin niemand.

Mit der Wirklichkeit, wie wir sie kennen, haben beide Szenarien allerdings nichts zu tun. Und das liegt nicht nur da ran, dass es hier um Spökenkiekerei geht, wie wir im Norden sagen - um Wahrsagen auf niedrigem Niveau. Nein, vor allem wird in beiden Szenarien eine Kleinigkeit übersehen:

2.

Es gibt nicht nur das Internet

Die Debatte um das Urheberrecht ist in erster Linie eine Debatte um die Rechte an digitalisierten Inhalten im Netz. Doch für viele Künstler sind diese Rechte nicht relevant: Die bildenden Künste, also Malerei, Bildhauerei und so weiter, leben von der nicht kopierbaren Einmaligkeit eines Objekts, so wie die darstellenden Künste, also Theater, Ballett, Livemusik und so weiter, auf dem nicht kopierbaren Moment basieren. Doch selbst die vom Internet angeblich gebeutelten Branchen, die Buch-, Film- und Musikindustrie, verdienen ihr Geld vor allem in der analogen Welt. Der Umsatz mit Büchern wächst in Deutschland, das Geschäft mit Livemusik läuft prächtig, Musik für Filme und Werbung wird ebenfalls weiterhin produziert, und selbst mit CDs kann man immer noch Geld verdienen.

Allerdings sinkt der Absatz von Tonträgern beständig. Das ist das Problem, um das es anfänglich ging. Die Musikindustrie behauptet seit Langem, illegale Downloads und Filesharing seien schuld am Umsatzrückgang, und führt deshalb seit Jahren vor Gericht und mit Abmahnanwälten einen Krieg gegen alle, die tausend, hundert oder auch nur ein Musikstück illegal herunterladen. Im Gegenzug betrachten sich die Filesharer als Opfer im Kampf um die Freiheit des Internets - ein Mythos, zu dem ich noch komme.

Die Musikindustrie hat bei der Durchsetzung ihrer Interessen früh jeden Maßstab verloren, sie ließ selbst Kinder wie Schwerverbrecher verfolgen, was einer der Gründe für den aktuellen Hass der Internetgemeinde ist. Zudem ignoriert sie, zumindest öffentlich jenseits des illegalen Filesharings, alle anderen möglichen Gründe für den Umsatzrückgang, etwa das sinkende Interesse der traditionell wichtigsten Zielgruppe: junge Leute, die heute vor allem Games spielen und Partys feiern. Musik läuft oft nur noch im Hintergrund - müssten die Kids für sie bezahlen, würden sie wohl eher darauf verzichten. Das hält die Hardliner aber nicht davon ab, härtere Gesetze zu fordern, deren Folgen sie wahrscheinlich nicht einmal selbst überblicken.

Hinzu kommt, dass neue Regeln möglicherweise wenig änderten. Vor einigen Monaten hat eine Studie zur Auswirkung des illegalen Filesharings auf den Umsatz der US-Filmindustrie ergeben, dass ein Schaden nicht nachweisbar ist - außer im Ausland, wenn die Filme dort später anlaufen als in den USA. Klar, wer einen Film oder eine Serie sehen will, die für ihn legal nicht verfügbar ist, besorgt sie sich eben anders. Aber solche Probleme sind lösbar: Als etwa die letzte Staffel der TV-Serie "Lost" in den USA gezeigt wurde, konnte man jede Folge einen Tag nach ihrer US-Erstausstrahlung bei iTunes kaufen. Das hat den Autor dieses Textes vorm Abrutschen in die Kriminalität gerettet.

Viele Probleme sind also recht überschaubar. Warum aber dann diese erbitterte Debatte? Ein Grund sind die Piraten: Eine neue Partei sucht ein Profil, und der juristische Umgang mit dem Internet ist dafür bestens geeignet, weil sich jenseits von Experten kaum jemand darum gekümmert hat, schon gar nicht in der Politik. Also trommeln die Piraten kräftig, Selbstmarketing nennt man das.

Der wichtigste Grund aber scheint ein Phänomen zu sein, das wunderbar zur Angst vor der Zukunft passt: die Nostalgie. Doch auch dabei wird etwas übersehen:

3.

Früher war nicht alles besser

Selbstverständlich ist die Behauptung der Kulturindustriellen, man sorge sich nur um die Künstler, lächerlich. Jeder, der mit der Branche zu tun hat, kennt Geschichten von Musikern, die von Plattenfirmen über Jahrzehnte betrogen wurden - und die meisten sind wahr. Ebenso umstritten ist die Verwertungsgesellschaft Gema, die sich gerade als Verteidiger der Schwachen darstellt. Wer sich jemals mit ihrer feudalistisch anmutenden Organisation und ihrem dazu passenden Verteilerschlüssel (siehe auch Seite 52) beschäftigt hat, kann einen Sturm auf die Gema-Bastille nur unterstützen. In der Filmbranche sind die Bandagen noch viel härter, in der Buchbranche geht es dagegen etwas gesitteter zu. Aber kein Rechteverwerter irgendeiner Industrie kann ernsthaft behaupten, er habe jemals aus reinem Altruismus gehandelt. Was man übrigens auch daran sehen kann, dass die Künstler vor der Internet-Ära ebenfalls nicht in Saus und Braus lebten. Falls sich noch irgendwer an diese Zeit erinnern sollte.

Auf der anderen Seite ist der Mythos vom Internet als Hort der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit ebenso blödsinnig. Ja, da gab es mal den Wilden Westen, als alle tun konnten, was sie wollten - aber unter welchen Bedingungen? Wenn einer sagte, er wolle eine Million Tracks sammeln, wusste man: Das ist eine Lebensaufgabe. Wie viele Minuten braucht man heute, um eine Million Tracks runterzuladen? Na? Null! Weil das keiner mehr tut. Weil es nicht mehr nötig ist. Weil wir überall auf viele Millionen Tracks zugreifen können. Natürlich braucht man dafür eine Regelung, so wie man Straßenverkehrsregeln brauchte, als es mehr als ein paar Autos gab und die auch noch immer schneller wurden. Und nein, das ist für die Pioniere des wilden Internets nicht schön, wenn sie plötzlich Teil einer Masse sind, in die sie sich einfügen sollen. Wie einst die Trapper im Wilden Westen. Aber das ist das kleinere Problem.

Das größere ist, dass das Internet schon lange nicht mehr der freie Raum ist, für den manche es halten. Konzerne wie Apple, Amazon oder Google haben ihre Stellung ausgebaut wie einst im Wilden Westen die Eisenbahnbarone: Erst kamen die Schienen, dann die Stationen, dann die Ortschaften, dann die Zäune, und plötzlich stand der Sheriff vor der Tür. Aber da war es zu spät.

Nur dass sich in diesem Fall die Trapper mit einigen der Barone verbündet haben. Denn der Kampf um die Urheberrechte ist zuerst mal ein Kampf der Giganten: Universal, die größte Plattenfirma der Welt, ist Teil des französischen Konzerns Vivendi. Jahresumsatz: 28 Milliarden Dollar. Youtube, die größte Videoplattform der Welt, ist Teil des Internetkonzerns Google. Jahresumsatz: 37 Milliarden Dollar. Wenn Vivendi von Google einige Millionen Euro für seine Musikvideos will, ist das für beide kein Problem: Google kann es sich leisten, und Vivendi ist nicht darauf angewiesen. Nur verzichten will eben keiner.

Ähnlich sieht es beim Filesharing aus. Facebook, das lukrativste soziale Netz der Welt, bietet bereits im kleinen Rahmen Filesharing an: Bücher kann man in Gruppen teilen, Musik noch nicht. Klar, dass das Interesse des Konzerns am Urheberrecht deutlich geringer ist als an seiner Abschaffung. Wie groß wird die Freude in der Konzernzentrale gewesen sein, als man bemerkte, dass nun einige Internetaktivisten für die Interessen der Firma kämpfen. Nein, wahrscheinlich nicht bezahlt, vermutlich sogar unwissentlich. Aber das ist auch kein Wunder, denn:

4.

Blogger sind nicht schlauer als der Rest der Welt

Für viele ist das Erstaunlichste an der Urheberrechtsdebatte der offene Hass auf die Künstler und ihre Denunziation als nicht zukunftsfähige Dinosaurier. Aber ist es nicht erstaunlicher, dass diese Beschimpfungen so ernst genommen werden? Schließlich war doch jeder schon mal auf einer Party und hat sich dort irgendeinen Quatsch angehört. Und jedem ist schon mal in einer Fußgängerzone ein Typ aufgefallen, der wie ein aufgeklapptes Taschenmesser herumläuft und flucht (Weltuntergang!). Aber niemand betrachtet diese Leute als Bedrohung. Doch wenn dieselben Personen im Internet Blogs schreiben oder von Kommentarfeld zu Kommentarfeld ziehen, um ihre Wahrheit zu verbreiten - dann ist das ein Problem? Weil alle, die sich online äußern, irgendwie erleuchtet sind?

Tatsächlich verläuft die Debatte, von den Extremisten mal abgesehen, durchaus sinnvoll. Es wird viel Quatsch geredet, doch das ist völlig okay, denn keiner weiß so recht Bescheid, auch wenn jeder eine Meinung hat, und um diese Meinungen gegeneinander abzuwägen, bis so etwas wie ein realistischer Gedanke entsteht - genau dafür sind Debatten da. Es gibt Stimmen der Vernunft (danke, Frank Schirrmacher), und es gibt Stimmen der Ignoranz, aber selbst aus dem Falschen kann man lernen. Es gibt "Wir sind die Urheber", und es gibt "Wir sind die Bürger", und die können vielleicht miteinander reden. Wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann sogar eine gemeinsame Allianz beider Seiten.

Nun fehlen nur noch Besserwisser, die es wirklich besser wissen. Also, Internetauskenner: Macht euch mal Gedanken, wie alle möglichst viel bekommen können und trotzdem keiner verhungern muss, weil er nichts verdient. Da gibt es sicher viele Möglichkeiten. Eines jedenfalls können wir als gegeben voraussetzen:

5.

Der Einzelhandel ist nicht die einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen

Das Internet ist ein Raum. Das ist eine Binsenweisheit, aber eine, die immer wieder vergessen wird, sonst würden nicht alle andauernd vom Verkaufen reden. In der analogen Welt besteht die Ökonomie schließlich auch nicht aus einigen Läden, in denen man einkaufen kann, und der Rest ist eine kommerzfreie Zone. Der Erfolg von Amazon und iTunes bedeutet nicht, dass deren Geschäftsmodelle das Beste fürs Internet sind. Gut möglich, dass das Gegenteil der Fall ist und es sich lediglich um Übergangsphänomene in einer Zeit handelt, in der die digitale und die analoge Welt miteinander verschmelzen. Und dann geht es möglicherweise ganz anders weiter.

Der Raum ist offen, die Möglichkeiten sind groß. Clouds sind derzeit en vogue: Amazon bietet zu seinen Kindle-eBooks die Cloud-Aufbewahrung gleich mit an - einen Lagerraum quasi. Aber wäre dann eine Leihbibliothek nicht besser? Zurzeit ebenfalls sehr beliebt: der personifizierte DJ. Der Musikservice Spotify stellt für jeden Hörer individuell Musik zusammen, ähnlich funktionieren Pandora oder Last FM. Als wäre man Stammgast in einem Club, wo der DJ immer das spielt, was man hören möchte. Man kann sich da sogar mit seinen Freunden treffen. Aber sind dann überhaupt noch Tracks auf dem eigenen Computer notwendig?

Und das ist nur der Anfang. Was kann man mit einem Raum alles machen? Na los, Leute, lasst euch was einfallen! Klar ist allerdings, dass die Abrechnungssysteme der Vergangenheit mit vielen der künftigen Konsummodelle nicht kompatibel sein werden - die Abrechnungen pro Einzelstück basieren auf der Idee des Einzelhandels. Und klar ist auch, dass neue Abrechnungssysteme Schwächen haben werden - das haben die aktuellen Systeme aber ebenfalls. Doch eines können wir nicht ändern:

6.

Es gibt nicht die perfekte Lösung

Einiges, das diskutiert wird, kann ganz offensichtlich nicht funktionieren, aber das ist das extremste Szenario. Die Abschaffung des Urheberrechts will nicht einmal die Piratenpartei, höchstens ein paar Internetaktivisten, die, freundlich formuliert, nicht über ihren Bildschirmrand gucken: In einer Gesellschaft, in der fast alle für Geld arbeiten müssen, um zu überleben, kann man nicht einzelne Berufsgruppen gratis rackern lassen. Auf der anderen Seite ist eine totale Kontrolle des Datenverkehrs im Internet nicht nur nicht wünschenswert, sondern wahrscheinlich nicht einmal machbar. Und da es nun mal Filesharing gibt, muss man damit umgehen lernen - verbieten lässt es sich nicht.

Manche schlagen einen Mittelweg vor. So könnte zum Beispiel jeder Internetnutzer eine Flatrate zahlen, die dann über mysteriöse Wege an Künstler verteilt würde. Wie das gehen soll, weiß keiner, und wenn man sich ansieht, wie die Gema ihre Gelder verteilt, lässt das für die zukünftige Gerechtigkeit nichts Gutes ahnen. Der Chaos Computer Club hat eine Kulturwertmark vorgeschlagen, die der Flatrate ähnelt, nur dass jeder User sein Geld selbst an Künstler verteilt, die ihm gefallen. Das ist technisch machbar, lässt aber einen irren Verteilungskampf befürchten. Zu den Vorschlägen zählt auch, dass man die Urheberrechte an einem Werk nur begrenzt und kostenpflichtig anmelden kann oder dass man umso weniger an einem Werk verdient, je älter es ist. Alles interessant, alles debattierbar. Und sicher nicht die einzigen Lösungen.

Andererseits haben alle Vorschläge ihre Haken: Die analoge Welt wird kaum beachtet, die Forderung nach einem Grundeinkommen für Künstler etwa, wenn nicht gar für alle Menschen, taucht in der Debatte nur am Rande auf, so wie auch fast nie erwogen wird, was eine Änderung der Gesetze für den analogen Musik- oder Buchhandel bedeuten kann. Ebenso wenig werden die Verwertungsunternehmen bedacht, Verlage, Plattenfirmen und so weiter, die eben nicht, wie manche meinen, grundsätzlich böse Konzerne sind, sondern erst mal für Künstler Sachen erledigen, die diese nicht können - das nennt man Arbeitsteilung, und es ist eine Errungenschaft der Zivilisation.

Jenseits aller Details sind aber zumindest zwei Dinge sicher. Erstens: Die Lösung, die sich durchsetzen wird, wird nicht die beste sein - weil es die beste Lösung nicht gibt. Es gibt nur den Fortschritt, und ob etwas wirklich ein Fortschritt ist, weiß man auch immer erst hinterher. Und zweitens: Das, worauf sich die Mehrheit irgendwann einigt, wird nicht alles bestimmen. Es wird weiterhin Idealisten geben und Beutelschneider, Kids auf der Suche nach Abenteuern und Machos, die sich nur im Internet trauen, ihr Testosteron auszuleben, Kontrollfreaks, denen es gar nicht gefällt, wenn etwas ungeregelt ist, und Chaoten, die es nicht gern haben, wenn irgendetwas geregelt ist. Es wird so sein wie jetzt: schwierig. Und außerdem wird all das, was derzeit so heiß diskutiert wird, nur für Produkte gelten. Aber:

7.

Ein Produkt ist nicht dasselbe wie teilbares Wissen

Die Lust an der Kreativität und die Freude am Konsum, der Wunsch nach Ordnung und die Sehnsucht nach Freiheit, die Zwänge der Ökonomie und die Schönheit der Ideale - beim Streit um das Urheberrecht kommt viel zusammen. Das ist sicherlich ein Grund, warum die Diskussion so wüst geführt wird. Und daran liegt wohl auch, dass eine Kleinigkeit häufig vergessen wird: Worum hier gestritten wird, ist nicht Wissen - es geht um Produkte. Eine Komposition ist Wissen, das man zum Beispiel interpretieren kann, um Neues zu schaffen. Das dagegen, was wir runterladen, die Aufnahme, ist ein handwerkliches Erzeugnis. Dasselbe gilt für Filme, Bücher oder auch Zeitungsartikel: Eine Nachricht ist Material, das von allen genutzt werden kann - eine Analyse ist dagegen das Ergebnis gedanklicher Arbeit. Kein Pilz, der im Wald wächst, kein Tsunami, der sich von selbst entwickelt, keine Wiese, auf der alle Kühe weiden können.

Deshalb ist auch die Idee der Commons oder Allmende, des gemeinsam genutzten Gutes also, für die Download-Diskussion unerheblich. Schließlich geht es hier in erster Linie nicht um Musiker, die Songs von Lady Gaga nachspielen wollen, sondern um Menschen, die Lady Gagas Produkte wollen. Und dort, wo die Idee der Commons interessant ist, wird die Diskussion leider bei Weitem nicht so aufgeregt geführt.

Für ein Recht auf Sampling, also die Nutzung von fremden Aufnahmen für eigene Tracks, engagieren sich noch vergleichsweise viele Menschen. Die Diskussion über freie Software wird zumindest in Fachkreisen breit geführt. Wenn es um die Nutzung medizinischen Wissens zur Entwicklung von Medikamenten oder neuer Heilmethoden geht, stehen sich aber meist nur Konzerne und Nichtregierungsorganisationen gegenüber. Ganz zu schweigen etwa von dem weiten Feld der Biopatente.

Das ist nicht wirklich verwunderlich: Die Komplexität eines Problems nimmt mit seiner Wichtigkeit zu - und zu Biopatenten eine belastbare Meinung zu entwickeln ist echte Arbeit. Wer sich aber wirklich ernsthaft um die Zukunft der Menschheit Gedanken macht, Schriftsteller wie Leser, Musiker wie Fan, sollte die Mühe auf sich nehmen. Da geht es wirklich um unsere Zukunft. Und die ist viel komplizierter als die Sache mit den Downloads. -

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Der Buchmarkt in Deutschland

Anzahl der veröffentlichten Titel im Jahr 2002: 59 916

Anzahl der veröffentlichten Titel im Jahr 2011: 82 048

Umsatz im Jahr 2011: 9,6 Milliarden Euro

Umsatzanteil von eBooks: 0,04 Milliarden Euro

Ungefähre Anzahl der lieferbaren deutschsprachigen eBooks im Jahr 2011 auf Amazon: 25000

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Filesharing (englisch für "Dateien teilen") ist der Austausch von Musik und Filmen im Netz. Die einzelnen Dateien befinden sich auf den Computern der Nutzer oder auf Servern, von denen sie verteilt werden. Meist können die Nutzer Inhalte sowohl herunterladen (download) als auch ins Netz stellen (upload)

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Der weltweite Musikmarkt

Gesamtumsatz im Jahr 2004: 23,2 Milliarden Dollar,

davon mit digitaler Musik: 0,5 Milliarden Dollar

Gesamtumsatz im Jahr 2011:16,6 Milliarden Dollar,

davon mit digitaler Musik: 5,1 Milliarden Dollar

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Frank Schirrmacher, Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", schrieb den lesenswerten Essay "Schluss mit dem Hass" über die aufgeheizte Urheberrechtsdebatte. Sein "Vorschlag zur Abrüstung" ist online auf faz.net verfügbar

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