Ausgabe 12/2012 - Schwerpunkt Das gute Leben

Von Maikäfern und innerer Haltung

Denn Herr Rossi sucht das Glück ...
... sucht man es, so fehlt ein Stück,
ja, es fehlt ein Stück vom Glück.


(Aus dem Titelsong der Zeichentrickfilmserie
"Herr Rossi sucht das Glück" von Bruno Bozzetto)

• "Was müsste ich über Sie wissen, um Sie als einen glücklichen Menschen spielen zu können?" Mit dieser Frage beginnt Sebastian Weber gern.

Von Beruf ist er Schauspieler. Eine Arbeit, die das genaue Analysieren einer Figur verlangt. Und das praktiziert Weber mitunter auch mit Menschen, die das Glück selbst nicht finden können.

Der Schauspieler arbeitet nämlich auch als Coach. Seine Klienten sind Akademiker zwischen 20 und 40 Jahren mit guten Jobs und meist auch genügend Geld, deren Leben sich dennoch nicht richtig, sondern falsch anfühlt. Deren eigentliches Unglück heißt: nicht glücklich zu sein. Nur selten kann einer von ihnen formulieren, wie die glückliche Version seines Lebens denn aussehen müsste.

Jedenfalls reagieren die meisten auf Webers Eingangsfrage, indem sie tief Luft holen und die Backen aufblasen, gefolgt von Schulterzucken und Sprachlosigkeit. Der Blick wendet sich nach innen, ein ungläubiges Lächeln, ratloses Kopfschütteln, Verwunderung. "Natürlich gibt es keine wirkliche Antwort auf diese Frage", sagt Weber. Sie führe aber, oft nach einem zunächst ausdauernden Schweigen in der Runde, zu den ersten Ideen für ein besseres Leben, zu Tätigkeiten und Situationen etwa, die man sich häufiger wünschte – oder am liebsten vermiede.

In diesem Text wird die Suche nach Glück noch zu Maikäfern führen, zu mentalen Wirbelsäulen, hinein ins Gehirn und wieder hinaus, zu Lebenskurven, Bauklötzen und in die Vergangenheit. Wer das Glück sucht, der kommt herum - und landet am Ende nicht selten wieder dort, von wo er einst aufgebrochen war. Im besten Fall gelangt er auf dieser Reise zum Kern der eigenen Person. Und spätestens dann erkennt es jeder: Die Suche nach dem Glück ist eigentlich eine Suche nach dem Sinn.

Gestatten, Rossi! Andere können alles haben,
können sich an Feinstem laben,
u
nd von eben diesen Gaben
möcht' Herr Rossi auch was haben!

Es gab schon einfachere Zeiten. Als der italienische Trickfilmer Bruno Bozzetto in den Siebzigerjahren seinen Signor Rossi das Glück suchen ließ, erschien vieles klarer. Glück bedeutete, endlich zu bekommen, was man nicht hatte. Herr Rossi, tragikomischer Held der gleichnamigen Trickfilmserie, verkörperte die Tristesse des Industriezeitalters: am Fließband einer Fischkonservenfabrik beschäftigt, einem cholerischen Chef ausgeliefert und nur einen einzigen Freund zur Seite: Gastone, den Hund seines Vorgesetzten.

Herr Rossi träumte von materiellen Dingen. In seinen eigenen Worten: "Eis vom Nordpol, flambiert, mit Punsch, eine Schokoladenburg, 3 Stück Kuchen, 6 Kaffee, 20 Törtchen, dazu Tee – und auch mal Sekt statt immer Milch." Für die Suche nach dem Glück gab es noch keinen Coach, sondern die Zauberpfeife einer guten Fee. Herr Rossi reiste damit durch Raum und Zeit – und war am Ende jeder Reise heilfroh, wenn er schließlich halbwegs wohlbehalten wieder zu Hause in seinem stupiden Alltag angelangt war. Statt ins Glück steuerte er nur von einem Malheur zum nächsten.

Das Arbeits-Ich

So ungefähr empfinden heute auch die Klienten von Sebastian Weber. Dabei könnten sich viele leicht auch mal Prosecco statt immer Milch leisten. Sie befüllen keine Fischkonserven am Fließband, sondern befeuern Karrieren, verantworten Marketing oder PR, zählen nicht nur einen Freund, sondern meist Hunderte – auf Facebook. Eigentlich haben sie alles. Nur ist das für viele unbefriedigend.

Glück findet sich nur in dem, was man tut. Sebastian Weber arbeitet mit Menschen, die sich ihrer Art zu leben nicht mehr sicher sind, auch wenn ihre Karrieren erfolgreich scheinen. Das gute Leben, es scheitert fast immer am Beruf. Weber spricht vom Arbeits-Ich: Von dem vermag sich heute kaum jemand zu lösen.

Der Schauspieler und Coach spricht langsam, er formuliert überlegt. Nur dann und wann, wenn ihn ein Gedanke wirklich fesselt, wird der hagere Mann lauter und hastiger. Sein eigenes Arbeits-Ich begann der Mittdreißiger in Leipzig. Er spielte an Theatern in Hamburg, Berlin, Zürich und München, wo er heute lebt und arbeitet.

Nach dem ersten Schulterzucken, Wundern, Schweigen werfen ihm seine Klienten auf die Frage, wie er sie als glückliche Menschen spielen könnte, überraschenderweise fast identische Begriffe zu. Immer wieder fällt das Wort Sinn, auch Stolz, über sich hinauswachsen, Gutes tun.

"Die meisten sehnen sich nach einem sinnstiftenden Tun", sagt Weber. Etwas, das über sie selbst hinausweist - das sie aber nicht erreichen, trotz gutem Auskommen und hoher Position. Das Arbeits-Ich will etwas tun, das Stolz und Emotionen weckt. Für das man sich nicht schämt, wenn Leute in der Bar fragen: Was machst du? "Viele haben ein Problem damit zu sagen, dass sie jeden Morgen antreten, um Kühlschränke zu vermarkten. Oder Toaster", sagt Weber.

Für viele fühlt sich das auch nicht anders an, als Fischkonserven zu verpacken wie Signor Rossi. Die Menschen, die Weber berät, möchten der Welt etwas Gutes tun. Sie wollen irgendwo dazugehören, über sich hinauswachsen, sich entwickeln. Und blicken dann doch wieder nur angstvoll nach unten, aus Sorge, der Boden könnte sich unter ihnen auftun. Wenn sie die Tür zu dem Leben, das sich falsch anfühlt, zuschlagen und stattdessen - ja, stattdessen eigentlich was machen?

"Viele Menschen träumen von einer zweiten Geburt, einer Erlösung. Wer könnte man sein, außer der Mangelversion seiner selbst?", sagt Weber. Seine Klienten hätten durchaus Ideen, was sie anstelle ihres aktuellen Jobs gern täten. Nur wollten die meisten zuvor von irgendwem die Garantie, dass das Neue auch funktionieren werde. Weber versucht seinen Klienten die Angst zu nehmen, will stattdessen bei ihnen Lust wecken, Entscheidungen zu treffen. Daraus entstünde neue Dynamik, ein neuer Sog. Und der geht dann schon in Richtung Glück.

"Eine Tür wirklich zuzuschlagen erfordert Mut", sagt Weber. Die Gesellschaft bestärke die Menschen nicht gerade bei Entscheidungen, die Konsequenzen haben könnten. Im Gegenteil. Oft fehle schon das Verständnis für jene, die glücklich sein wollten. Sie bekämen Sprüche zu hören: Das Leben sei kein Ponyhof. Es gehe einem wohl zu gut. Man solle froh sein, einen Job zu haben.

Die Plackerei ist noch immer eine Zier. Weber erkennt darin ein Überbleibsel des vergangenen Industriezeitalters, als Herr Rossi am Band keine andere Wahl hatte als durchzuhalten. Heute passt das vielen nicht mehr.

Bauklötze und Diagramme

Doch wie kommt man aus der Mühle des falschen Lebens raus, wenn es keine Fee gibt, die Zauberpfeifen reicht?

Indem man Bauklötze zu Ereignisketten aufreiht oder Diagramme kritzelt. Wer nicht weiß, was ihn glücklich macht, dem hilft vielleicht die Erinnerung an Zeiten, als er glücklich war. Weber fragt zu Beginn seines Coachings nach solchen Momenten: "Wo bist du da? Was passiert da um dich herum? Was machst du? Wer ist da noch?" Und dann die Frage: "Welches Wissen, welches Können setzt du da ein?"

Es ist wie das Entwickeln von Szenen für ein Drehbuch. Am Ende spielen sich die Klienten selbst, in den Momenten, die sie nicht vergessen, sondern tief in ihrem Innern bewahrt haben. Lassen sie noch einmal aufleben, holen Menschen und Orte zurück. "Und merken, dass es in ihrem Leben diese Zeiten gab, als alles zusammenpasste, alles einen Sinn ergab, etwas gelang – als sie glücklich waren", sagt Weber.

Er legt dieses frühe Glück wieder frei, spricht von Lebenskurven, die er seine Klienten als fortlaufendes Auf und Ab entlang eines Zeitstrahls zeichnen lässt. Auf die Ausschläge nach oben kann man sich fortan konzentrieren. Es geht dabei gar nicht um die maximalen Amplituden. Mittelprächtig bis gut, das reicht vielen, um sich als glücklicher Mensch zu fühlen. Bauklötze werden dann symbolisch als Lebensabschnitte aneinandergefügt. Menschen, die glaubten, ihre Biografie sei Stückwerk, Fragment und sie selbst nur eine Marionette, an deren Fäden ein anderer zieht – sie sehen nun plötzlich wieder einen Sinn und erkennen sich selbst als Gestalter. Bauklotz an Bauklotz fügt sich ein Leben, von dem man fand, man sei hineingerutscht, alles nur Zufall. Stattdessen zeigt die Lebenskurve, dass vieles zumindest unbewusst durchaus einer Wahl folgte.

Weber fertigt mit seinen Klienten eine Matrix an: Was treibt den Menschen an? Die Antworten klingen für Außenstehende unspezifisch. Für die Klienten aber bilden diese Begriffe die Essenz ihres Tuns. Freude. Erleben. Dazugehören. Triebfedern, durch die Lebensabschnitte unversehens einen Sinn erhalten: Der Job in der Marketingagentur, die eine oder andere Entscheidung für dieses oder jenes – alles hat einen Grund.

Man geht nicht als Funktion, etwa als Eventmanager durchs Leben, sondern ist Träger von Eigenschaften, Werten, Fähigkeiten und Interessen, die im Eventmanagement vielleicht einen besonders wirksamen Einsatz finden. "Es geht darum, den Menschen einfach mehr Möglichkeiten zu suggerieren", sagt Weber. Ein Pastor bringt nach dieser Logik alle Fähigkeiten mit, um auch Bundespräsident werden zu können.

Der Maikäfer funktioniert nicht mehr

Warum ist es heutzutage so schwer, das Nötige zu wissen, um einen glücklichen Menschen nicht nur zu spielen, sondern wirklich glücklich zu sein? Warum reden alle über Glücklichsein, verschlingen Ratgeber, buchen Kurse – nur in der Schule steht "richtig leben" auf keinem Lehrplan? Auch in der Universität ist es das Letzte, was die Bildungsminister interessiert. Arbeitsämter geben Nachhilfe im Schreiben von Bewerbungen. Aber an wen man diese sinnvollerweise adressiert, unabhängig von Abschlüssen und Praktika, sondern dem folgend, wer man ist oder gern wäre – das sagt einem niemand. "Träum weiter" war schon immer die unverhohlene Aufforderung, mit dem Träumen endlich aufzuhören.

Man könnte sich auch einfach an den einzig wahren Glücksexperten wenden. Nicht an die Fee, nicht an den Coach – an sich selbst. Dafür müsste man sich selbst aber über den Weg trauen. Sebastian Weber beobachtet bei seinen Klienten ein Unvermögen, sich selbst zu fühlen, einen Mangel an Zutrauen in die innere Stimme. Dabei käme es heute mehr denn je darauf an. Die Zeit der Maikäfer ist nämlich vorbei.

So beschreibt es Gerald Hüther, wenn er auf das Glück und die damit verbundenen gegenwärtigen Schwierigkeiten eingeht. Der Neurobiologe von der Universität Göttingen und umtriebige Buchautor nähert sich dem guten Leben aus der Perspektive des Mandelkerns, des Cortex oder des dopaminergen Nucleus accumbens, letzteres Areal bildet positiv eingefärbte Gedächtnisinhalte und Lust ab. Wir sind im Gehirn angekommen.

Dort suchen Forscher seit Jahrzehnten nach dem Zentrum für Glück und Bewusstsein, messen den regionalen Glukoseverbrauch und die örtliche Sauerstoffsättigung im Cortex bei allerlei Vorstellungen, Aufmerksamkeiten oder dem Abruf bestimmter Erfahrungen. Neurobiologen suchen in Fruchtfliegen, Fadenwürmern, Nacktschnecken oder Labormäusen nach neuen Erkenntnissen – und finden im Grunde nur heraus, dass es den Ort für Glück im Gehirn nicht gibt. "Glück folgt keinem genetischen Bausatz. Es entspricht eher einer Art Metarepräsentanz aus der Gesamtheit aller Erfahrungen, aber keinem vom Gehirn aus sich selbst hervorgebrachten Phänomen", behauptet Hüther.

In der Vergangenheit war der glückliche Mensch wie ein Maikäfer. "Das richtige Leben trugen die Menschen wie eine Art Außenskelett mit sich herum", sagt Hüther. Das Dasein war durch Religion, Moral, Familie eingegrenzt, durch starre Regeln von außen gestützt. Die Verhältnisse bestimmten, was man über jemanden wissen musste, um ihn als glücklichen Menschen darstellen zu können. Der Spielraum war vorgegeben, da blieb nicht viel: Der Mensch fand außen Halt, wie der Maikäfer in seinem Chitin.

Von diesem Panzer haben wir uns erfreulicherweise befreit. "Wir müssen die Evolution aber weiterführen und eine Wirbelsäule ausbilden", sagt Hüther. Für neuen Halt könne nur noch die innere Haltung sorgen.

brand eins: Woher bezieht man innere Haltung, Herr Hüther?

Gerald Hüther: Durch Emotionen. Sie geben unserer Wahrnehmung Bedeutsamkeit. Man spricht von emotionaler Aufladung. So lernt das Gehirn, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Was wir Erfahrung nennen, sind letztlich gemerkte Gefühle.

Unser eng getaktetes Leben lässt aber kaum noch große Emotionen zu. Keine Angst, keine Spannung, keine Überlebensfreude - was, wenn es diese Gefühle nun nicht mehr gibt?

Dann kann ein Mensch keine innere Haltung entwickeln und muss sich ein anderes Außenskelett zulegen. Schuhe kaufen, Facebook - diese Dinge brauchen diejenigen, die es nicht schaffen, ihrem Leben Relevanz zu geben, eine Aufgabe zu finden.

Warum wird das immer schwieriger?

Weil wir schon den Kindern die Gelegenheit für eigene Entdeckungen nehmen. Die Außenwelt stimuliert uns permanent. Wer kommt heute noch dazu, sich selbst etwas zu tun zu suchen? Wer nicht mehr wahrnimmt, nur noch Akteur ist, dem geht die Intuition verloren.

Intuition wofür?

Zum Beispiel für dieses Gefühl, dass es einem den Hals zuschnürt. Angst und Ohnmacht in Situationen, die uns nicht behagen. Es gibt heute Menschen, die das nicht mehr spüren.

Was braucht der Mensch aus neurobiologischer Sicht, um glücklich zu sein?

Neurobiologisch strebt der Mensch nach etwas, das es nicht mehr gibt.

Was ist uns denn abhandengekommen?

Der eigentliche Grundzustand des Gehirns während seiner pränatalen Ausbildung: die Kohärenz. Im Leben fallen wir immer wieder aus diesem Glück, weil sich die Welt um uns herum ständig ändert. Die Welt stört unser Glück, sobald das erste Licht auf unsere Netzhaut fällt. Die Suche nach Glück ist die Sehnsucht nach einem Zustand, den wir einmal kannten, und sei es auch nur als Wunschtraum. Wie im Märchen.

Und das wollen wir wiederhaben?

Wir sind geradezu gierig nach einem Moment der Ruhe im Gehirn, dem vorübergehenden Zustand einer Beruhigung. Das aktiviert unser Belohnungszentrum. Wir fühlen uns besser – nur hat das leider nichts mit Glück zu tun.

Was ist dann aber Glück?

Zugehörigkeit, Verbundenheit, Autonomie und das Gefühl, wachsen zu können.

Das klingt banal.

Vielleicht, aber darauf kommt es an: eigene Leistung, eigene Anstrengung, über sich hinauswachsen.

Also das, was die Marktwirtschaft fördert?

Nein, die Marktwirtschaft lässt die wenigsten über sich hinauswachsen. Ganz im Gegenteil: Sie ist geradezu von unglücklichen Menschen abhängig.

Das System baut auf unglückliche Menschen?

Die Wirtschaft braucht ständig Kunden für irgendwelche Produkte. Glückliche Menschen aber brauchen keine Schönheitsoperationen, keine teuren Autos, keine Südsee.

Sie sprachen von Zugehörigkeit. Ist es das, was die Menschen in den sozialen Netzwerken suchen?

Ja, jeder auf seine Weise. Mädchen suchen aus neurobiologischer Sicht Nähe, tummeln sich daher eher auf Facebook. Jungen wiederum leiden an fehlenden Aufgaben, also favorisieren sie Computerspiele. Diese Märkte würden zusammenbrechen, hätten die Leute im realen Leben wirklich etwas zu tun.

 

Gerald Hüther propagiert in seinen Texten eine neue Kultur: Potenzialentfaltung statt Ressourcennutzung, eine Gesellschaft, die wieder etwas wagt, die verbunden ist und frei.

Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky hat aus dem Kohärenzmodell gar eine Theorie der Gesundheitsentstehung und des Wohlbefindens entwickelt. Seine Formel für ein gutes Leben überschreibt er mit dem Begriff "Salutogenese". Gesundheit und Wohlbefinden sind demnach keine Zustände, sondern Prozesse. Ein Kohärenz- und damit Glücksgefühl könne erlangen, wer seine Umwelt verstehe, sie als handhabbar betrachte und ihr eine Bedeutsamkeit zuschreibe.

Diese drei Komponenten ergeben nach den Erfahrungen Sebastian Webers ein taugliches Gerüst, um als Schauspieler eine glückliche Figur zu entwickeln. Er sagt, als letzte Stufe vom Glück müsse dann nur noch die Umwelt zulassen, was man selbst gern sein möchte. Er nutzt den Begriff "Selbstwirksamkeit", die auch bedeutet, sein Selbst so einzusetzen, dass man auf Probleme, Bedürfnisse und Wünsche anderer wirksam eingehen kann. "Das ist ein sehr beglückendes Zusammenspiel", sagt Weber. Und meint damit das Gegenteil vom Schicksal des Herrn Rossi. Der hatte zwar ein Zauberpfeifchen, nur scherte sich die Welt trotzdem nicht um ihn. Sie schickte ihn stets zurück in die Realität, dorthin, von wo aus er gestartet war, ans Fließband der Fischkonservenfabrik, mit einem Hund als einzigem Freund.

Am Ende der Coaching-Runden von Sebastian Weber ist dies übrigens kein untypisches Szenario. "Die Veränderungen sind oft gar nicht so gewaltig", sagt er. Manch einer wechselt den Job, beginnt eine Weiterbildung, zieht in eine andere Stadt. Weber spricht vom Schaffen "neuer Lebenssituationen". Vieles bleibe aber auch beim Alten. Den glücklichen Menschen mache dann vor allem eines aus: dass er die Regie für die eigene Rolle wieder selbst übernommen hat.

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