Ausgabe 12/2011 - Hinter der Statistik

40 Prozent vom Himmel

- Frauen sieht man in den Chef-Etagen der Dax-Unternehmen selten. Von den knapp 190 Vorstandsmitgliedern sind sieben Frauen, das entspricht 3,7 Prozent. Und in den Aufsichtsräten sind es auch lediglich 15,6 Prozent.

Anders ist es in Norwegen, das als erstes europäisches Land 2003 eine gesetzliche Quote einführte. Die 338 börsennotierten Unternehmen dort mussten bis zum Jahr 2008 ihre Aufsichtsräte mit mindestens 40 Prozent Frauen besetzen. Vor Einführung der Regelung lag der Anteil bei gerade einmal 6 Prozent.

Mittlerweile ist die Quote erfüllt - aber mehr auch nicht. Der Frauenanteil entsprach zu Beginn dieses Jahres mit etwa 330 von insgesamt 834 Aufsichtsräten dem Pflichtwert. In den Gremien gibt es immer noch eine klare Hierarchie: Nur 6,6 Prozent der Aufsichtsratsvorsitzenden sind weiblich. Auch im Topmanagement sind Frauen mit rund 10 Prozent in der Minderheit.

Und: Die Verhältnisse in der norwegischen Wirtschaft lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Industrieländer übertragen. So liegt der Börsenwert der vier wertvollsten Konzerne Statoil, Telenor, DnB Nor und Seadrill bei rund 105 Milliarden Euro. Die vier größten deutschen Unternehmen Siemens, Volkswagen, SAP und BASF sind zusammen mit rund 233 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel wert. Weil sie auch mehr Mitarbeiter beschäftigten, sind die Führungsgremien entsprechend größer. Während in deutschen Großkonzernen durchschnittlich 17,1 Mitglieder im Aufsichtsrat sitzen, gibt es in Norwegen lediglich drei Unternehmen mit elf oder mehr Aufsichtsräten.

In 70 Prozent der börsennotierten Unternehmen hat der Aufsichtsrat dagegen nur zwischen drei und sechs Mitgliedern, sodass die Quote schnell erfüllt ist: Ein bis zwei Frauen in der Führungsriege genügen. -

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