Ausgabe 04/2011 - Was Wirtschaft treibt

Sherry Turkle im Interview

„Die E-Mail erledigt uns“

Sherry Turkle
Sherry Turkle, 63, erforscht seit fast vier Jahrzehnten die computerisierte Gesellschaft. Die Professorin für Gesellschaftsstudien zu Wissenschaft und Technik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat seit 1984 drei Bücher veröffentlicht, die das Wechselspiel zwischen neuer Technik und ihren Nutzern anhand von breit angelegten Feldstudien untersuchen, dokumentieren und kritisieren: 1984 erschien "The Second Self", 1995 "Life on the Screen" und 2011 "Alone Together" als letzte Folge der Trilogie. Turkle ist nicht die einzige Wissenschaftlerin, die die immer weiter voranschreitende Vernetzung anprangert: Parallel zur Web-Euphorie hat sich eine Gruppe von Technik-Skeptikern etabliert, die den Niedergang des menschlichen Geistes und der zwischenmenschlichen Beziehungen voraussagen. Deren düstere Szenarien haben umso mehr Gewicht, als sie zumeist von ehemals technikbegeisterten Autoren stammen, die inzwischen Angst haben vor den Geistern, die sie einst selbst riefen. Ähnlich kritisch wie Turkle ist etwa Nicholas Carr mit seinem Buch "Wer bin ich, wenn ich online bin" oder der Stanford-Psychologe Elias Aboujaoude mit "Virtually You: The Dangerous Powers of the E-Personality". Eine der prominentesten Verfechterinnen der Gegenposition ist die Spiele-Designerin Jane McGonigal. In ihrem neuen Buch "Reality Is Broken" stellt sie die These auf, dass "Spiele uns zu besseren Menschen machen und die Welt verändern können".

brand eins: Frau Turkle, Sie beobachten seit Langem den Siegeszug von Computern, mobiler Kommunikation und des Internets. Aber anders als viele Ihrer Kollegen am Massachusetts Institute of Technology sind Sie dabei von einer Optimistin zur Pessimistin geworden. Ihr neues Buch "Alone Together" zeichnet das düstere Bild einer Welt vernetzter Autisten.

Sherry Turkle: Ich würde nicht sagen, dass mein Buch pessimistisch ist, aber wir haben bei all der Begeisterung für unaufhörlichen technischen Fortschritt etwas aus den Augen verloren - und das trifft auf unser Geschäfts- wie das Privatleben zu: Wir sind so damit beschäftigt zu kommunizieren, dass wir keine Zeit mehr haben, zu denken und wirkliche Verbindungen einzugehen. Eltern simsen am Esstisch und wenn sie ihre Kinder zur Schule fahren, und ebenso halten es Manager in Besprechungen. Man schickt sich eine SMS, auch wenn der Kollege nebenan sitzt. Die Erledigung des E-Mail-Aufkommens tritt an die Stelle der eigentlichen Arbeit.

Sie propagieren also eine elektronische Entziehungskur?

So einfach ist es nicht. Mir geht es nicht um die Frage, wie viele Informationen jeden Tag auf uns einprasseln. Schätzungen gehen von vier bis sechs Stunden E-Mail-Arbeit am Tag aus, und einen Teil davon verbringen wir sicherlich mit der legitimen Kontaktpflege und Networking. Aber wer wirklich kreativ sein und etwas zu Ende bringen will, muss sich ausklinken. Das Volumen und die Umlaufgeschwindigkeit unserer modernen Kommunikation sind an einem Punkt angekommen, bei dem wir nicht mehr mithalten können. In gewisser Weise gräbt man sich mit einem Blackberry oder iPhone sein eigenes Grab, denn das Gerät und die Programme gaukeln einem vor, dass man sein Leben besser im Griff habe. Dabei wird man in Wahrheit mit mehr Informationen zugeschaufelt, als man je verarbeiten könnte - das Rennen kann man nicht gewinnen.

Also schaltet man irgendwann ab und geht nicht mehr ans Telefon, wenn es klingelt.

Nicht nur das. Wir stecken in einem zweiten Teufelskreis. Da wir wissen, dass wir überall und ständig verbunden sind, erwartet mein Gegenüber eine unverzügliche Antwort. Wenn ich eine E-Mail nach zwei, drei Stunden nicht beantwortet habe, wird nachgehakt. Also setzt man sich nicht nur unter Druck, sondern verändert die Art und Weise, wie man kommuniziert. Ich modifiziere meine Fragen dahingehend, dass sie sofort beantwortet werden können. Die Qualität unserer Fragen und unserer Antworten sinkt. Das ist eigentlich paradox: Wir alle behaupten, dass die Gesellschaft und das Wirtschaftsleben vor immer komplexeren Fragen stehen, aber gleichzeitig stellen und beantworten wir immer simplere Fragen, die in die vorgegebenen Stakkato-Formate passen, die uns unsere Technik vorschreibt.

Vielleicht ist das ja nur eine zeitgemäßere Art und Weise, um sich auszutauschen?

Ich halte es für höchst problematisch, wenn Geschwindigkeit zum Gütesiegel wird, die vor dem Gehalt von Frage und Antwort rangiert - und zwar in Familien ebenso wie in Vorstandsetagen. Ich habe 15 Jahre lang Situationen beobachtet, quer durch Berufe, Familien, Generationen - das Problem ist überall gravierend, bei Unternehmensberatern ebenso wie bei Juristen, in der Schule wie im Altersheim, wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen. Wir werden alle zu kleinen 24-Stunden-Nachrichtensendern, in denen es ständig etwas zu plappern geben muss, um das Vakuum zu füllen, und in denen alles immer schrecklich wichtig zu sein hat. So kann man auf Dauer weder eine Familie noch ein Geschäft managen und schon gar nicht eine sogenannte Informationsgesellschaft.

Das klingt sehr pessimistisch. Wie kommen Sie zu Ihren Thesen?

Ich habe kein Untergangs-Essay geschrieben, sondern Interviews, Beobachtungen und Tagebücher ausgewertet, in denen insgesamt 300 Kinder und 150 Erwachsene minutiös festgehalten haben, wie sie mit Technik umgehen. Ich bin keine Maschinenstürmerin. Ich war als Psychologin von Anfang an sehr begeistert von den Verheißungen des Computers. Dank ihm und des Internets kann man Verstand und Gedächtnis erweitern sowie mit seiner Identität experimentieren. Oder nehmen wir den positiven Effekt des Webs auf politische Protestbewegungen wie unlängst in Ägypten. Aber gleichzeitig sehe ich, wie dieselbe Technik unsere Gesellschaft verändert. Wir bauen unsere gesamte Privatsphäre um sie herum auf und werden gemeinsam einsam, wie ich es nenne. Seit 1995 haben sich für mich zwei große Trends herausgeschält, an denen sich das belegen lässt. Einmal die Tatsache, dass sich gesellige Roboter immer mehr in unserem Alltag breitmachen, und zweitens, dass uns der zwanghafte Umgang mit IT dazu abrichtet, immer auf Abruf zu stehen.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Kleine Roboter wie Plastikhamster oder lernfähige Mini-Saurier und Robo-Hunde sind nur moderne Spielzeuge.

Keineswegs. Mitte der neunziger Jahre stieß ich auf einen Roboter namens Cog, der im Labor für künstliche Intelligenz hier am MIT entwickelt wurde. Er sollte wie ein zweijähriges Kind von seiner Umwelt lernen können. Dabei ging mir plötzlich auf, dass es gar nicht darum geht, wie schlau diese Dinger sind und ob sie uns beim Schach oder in Quiz-Sendungen schlagen, sondern darum, dass der Roboter uns emotional anspricht. Wir können gar nicht anders, als uns auf ihn einzustellen, egal wie unbeholfen die Maschine daherkommt - weil sie tief in uns liegende Gefühle weckt. Dazu gibt es übrigens erstaunliche Experimente: Wenn man ein Spielzeug auf den Kopf stellt und es dank eines einfachen Sensors "Hilfe" ruft, will es niemand mehr so festhalten. Bei einer Puppe hat kaum jemand diese Skrupel, obwohl es sich in beiden Fällen um ein lebloses Stück Plastik handelt.

Das müssen Sie bitte genauer erklären.

Das Verlangen nach Hegen und Pflegen ist die Killer-App, um Menschen zu beeinflussen. Seit 1995 habe ich dazu 15 Studien durchgeführt, von Kindern bis Senioren. Dabei hat sich herausgestellt, dass gesellige Roboter nicht die moderne Version von Puppen oder Haustieren sind. Eine Puppe ist passiv, sodass ein Kind seine Wünsche und Bedürfnisse auf sie projiziert. Ein Roboter hingegen hat seinen eigenen Willen und stellt Forderungen, auch wenn diese voreingestellt sind. So entsteht vom ersten Moment, in dem ich den Ein-Schalter betätige, eine Beziehung mit dieser künstlichen Persönlichkeit. Dabei kommt es nicht auf das äußere Erscheinungsbild an, ob der Hund wie ein Blechkasten aussieht oder wie schnell die Augen zwinkern. Menschen neigen sogar dazu, sich für dumme oder ungeschickte Maschinen Entschuldigungen einfallen zu lassen, um sie vor ihren Mitmenschen nicht bloßzustellen.

Roboter im Kinder- oder Wohnzimmer sollen also schädlich sein, auch wenn sie nur so tun, als wollten sie gestreichelt werden?

Der Roboter schafft eine Verbindung zu seinen Nutzern, die aus psychologischer Sicht unangebracht oder ungebührlich ist. Ich spreche hier nicht von Maschinen, die für uns nach Sprengstoff suchen, Teller waschen oder gebrechlichen Rentnern ihre Medizin bringen. Aber wenn Roboter darauf ausgelegt sind, so zu tun, als ob ihnen etwas an unseren Sorgen und Nöten liegt, überschreiten wir eine wichtige Grenze. Wir können schon heute bei jungen wie alten Menschen beobachten, dass sie diesen synthetischen, geheuchelten Beziehungen gegenüber wirklichen zwischenmenschlichen Beziehungen den Vorzug geben. Eine Beziehung zu einem Roboter bringt bedeutend weniger Verpflichtungen mit sich, von denen man sich jederzeit frei machen kann. Man muss sich nicht rechtfertigen, argumentieren, entschuldigen, man drückt den Pause-Knopf und wendet sich etwas anderem zu.

Trotzdem heißt das nicht, dass man deswegen seine Mitmenschen vernachlässigt.

Es läuft darauf hinaus, dass wir Maschinen menschliche Eigenschaften zuschreiben, während wir andere Menschen zunehmend wie Objekte behandeln, deren Informationen man möglichst effizient verarbeiten soll. Früher machten wir uns Gedanken, ob eine Simulation gut genug ist. Heute sind wir durch den alltäglichen Umgang mit Technik so weit, dass wir ein schlechtes Abbild der Wirklichkeit bevorzugen, da es einfacher und bequemer ist. Es gibt bereits Pflegeroboter, die in Altersheimen im Einsatz sind. Was als Helfer empfohlen wird, mausert sich schnell zum Gefährten.

Ähnlich wird es sich mit Kleinkindern verhalten, und es wirft eine fundamentale Frage auf: Ob sich Maschinen oder Menschen um andere Personen kümmern, ist letztlich eine Entscheidung, wie eine Gesellschaft ihre Ressourcen verteilen will. Der neueste Trend ist die Glorifizierung von Online-Spielen. Plötzlich argumentieren Programmierer, dass Spiele die bessere Wirklichkeit seien.

Verfechter dieser "Gamification" sind der Ansicht, dass man sich beim Spielen Fähigkeiten aneigne, die einen besser für die Realität und die Karriere wappneten.

Mal im Ernst: Können wir uns der Wirklichkeit stellen, wenn wir 20 Stunden in der Woche in virtuellen Welten und mit Computerspielen verbringen? Wie soll das funktionieren? Ich bin keineswegs ein hauptberuflicher Gutmensch, aber ich habe freiwillig in armen Stadtvierteln und in Krankenhäusern, in Obdachlosenheimen und für politische Kampagnen gearbeitet. Welche Art von gesellschaftlichem Engagement vermitteln wir kommenden Generationen, wenn wir ihnen die Flucht in virtuelle Welten als Ideal vorleben? Ich glaube nicht, dass sich irgendwelche Bo-nus-Punkte mit der Erfahrung vergleichen lassen, einer alten Dame vorzulesen oder einem Häftling Mathematik beizubringen. Ich sage nicht, dass Computerspiele grundsätzlich schlecht sind. Man lernt online eine Menge nützlicher Dinge, aber wir alle haben nur rund 40 Stunden in der Woche, in denen wir produktiv arbeiten können. Wenn 20 für die Online-Welt draufgehen, leidet die Gesellschaft darunter.

Roboter sind für die meisten Menschen eine Zukunftsvision, die permanente Vernetzung hingegen ist ein Teil des Alltags. Was verbindet diese beiden Entwicklungen?

Digitale Beziehungen und gesellige Roboter locken beide mit der Illusion der Gemeinschaft, ohne die Anforderungen echter Freundschaft zu stellen. Je mehr wir ein ständig vernetztes Leben führen, umso mehr behandeln wir andere Menschen als Objekte, die man verwaltet und zu einem Rhythmus zwingt, den die Technik diktiert. Moderne Smartphones sind die bisher beste Umsetzung des Ingenieurstraumes, mit Maschinen eins zu werden. Hier am M IT waren eine Handvoll Technik-Enthusiasten schon früh dabei, tragbare Maschinen und Roboter in ihr Leben zu integrieren. Sie nannten sich Cyborgs, und sie wurden belächelt oder gefeiert. Dank Smartphones sind wir alle kleine Cyborgs geworden, auch wenn wir keine speziellen Rucksäcke mit Antennen und maßgeschneiderte Brillen mehr tragen. Für den schleichenden Übergang sind SMS, E-Mails und Facebook verantwortlich. Schauen Sie mal beim nächsten Besuch auf dem Spielplatz, wie viele Väter am Blackberry hängen, während sie ihr Kind schaukeln.

Was hat die Szene auf dem Spielplatz mit den Anforderungen des modernen Berufslebens zu tun?

Stellen wir uns ein Büro vor, in dem ich stundenlang nur damit beschäftigt bin, die Maschine zu füttern. Logistik in kleinen und kleinsten Häppchen ist an die Stelle von wirklicher Arbeit getreten: Wo bist du? Wo bin ich? Was mache ich gerade? Was tun andere zur selben Zeit? Wer sieht, wie gut ich heute drauf bin? Was Sekretärinnen früher an Papierkram erledigten, ist durch elektronische Werkzeuge wie den Blackberry plötzlich auch für Top-Manager akzeptabel und fast zwingend geworden. Man könnte sagen, dass wir nicht E-Mail erledigen, sondern die E-Mail erledigt uns! Das ist umso ironischer, als ich 1978 Teil einer Arbeitsgruppe am MIT war, die sich mit der Frage beschäftigte, wie man diese neuen Dinger namens Computer beschäftigen könnte.

Das Problem stellt sich in der Tat heute nicht mehr.

Mit fatalen Folgen! Hier ist noch ein Beispiel, was passiert, wenn uns Technik ihre Vorlieben aufdrängt. Erst rief man jemanden an, dann kamen Anrufbeantworter, sodass man unangenehmen Gesprächen gezielt aus dem Weg gehen kann. Heute sehe ich dank Visual Voicemail, wer angerufen hat. Darum hören immer mehr Menschen gar nicht mehr die Nachrichten ab. Sie bevorzugen die nächste Stufe dieser Evolution, das Leben maschinenlesbar zu machen: Sie reagieren nur auf Textnachrichten oder verwenden automatische Transkriptionsdienste. Das Telefonat zwischen zwei Menschen wird zur Rarität, und das verändert das Denken und die Umgangsformen grundlegend.

Was kann ein Unternehmen dagegen tun, wenn bei Besprechungen die Hälfte der Anwesenden simsen oder mailen?

Man sollte "heilige Stätten" schaffen, wie ich sie nenne. Keiner will den Stecker ziehen, und das ist auch gar nicht möglich. Wenn Experten von einer neuen Sucht sprechen, dann kann ich nur den Kopf schütteln. Der Vergleich hinkt, denn eine Sucht lässt sich heilen, indem man die schädliche Substanz entzieht. Die Netz-Gesellschaft, das sind keine Junkies auf Heroin. Wir leiden vielmehr an einer Art Essstörung: Jeder braucht Nahrung, aber ihre Aufnahme und Verwertung ist hochgradig gestört. Wer abends arbeiten will, soll das ruhig tun. Aber wer nicht mehr zwischen der Zeit für das Essen mit der Familie und der für den Mail-Austausch mit Kollegen unterscheiden kann oder will, macht sich zum Roboter - ohne zu erkennen, dass er nie mit seinen neuen vermeintlichen Gefährten mithalten kann.

Sie haben Multitasking als "Alchemie des 21. Jahrhunderts" bezeichnet. Was genau meinen Sie damit?

Bis vor ein paar Jahren glaubten wir, wir hätten dank Multitasking mehr Zeit, um mehr zu erledigen. Inzwischen gibt es eine Studie von Clifford Nass, einem Soziologen an der Universität Stanford, in der er nachweist, dass wir von Multitasking buchstäblich high werden, weil das Gehirn den Neurotransmitter Dopamin ausschüttet. Wir fühlen uns wie der "Herr des Universums", aber in Wirklichkeit nimmt unsere Leistung mit jeder dieser Aufgaben ab. Es geht uns zwar besser, aber unterm Strich leisten wir immer weniger. Das ist die moderne Alchemie - aus Multitasking wird kein Gold!

Die Entwickler all dieser neuen Kommunikationsmittel behaupten aber, dass wir damit alle innovativer und kreativer sein können. Kaum ein Unternehmen kann sich erlauben, das zu ignorieren.

Da sind wir wieder bei den Dopaminen, die uns Leistung vorgaukeln. Wenn ich alle zwei Minuten etwas versende oder hochlade, kriege ich im Handumdrehen Reaktionen. Doch was entsteht wirklich dabei? Wenn jemand so argumentiert, wie von Ihnen dargestellt, möchte ich gerne eine Liste von handfesten Innovationen oder Profite sehen, die dank dieser Werkzeuge entstanden sind.

Viele Experten tun die These allgemeiner Verblödung als die übliche Angst vor neuer Technik ab. In Wahrheit stehe uns ein ungeahnter Fortschritt bevor, wenn wir erst die Suchergebnisse direkt auf die Netzhaut oder ins Hirn geschickt bekämen.

Jede neue Technik konfrontiert uns mit der Bedeutung menschlicher Werte, sie zwingt uns zum Nachdenken, das ist nichts Neues. Ich bin keine Neurologin, aber so viel steht fest: Meine Studenten am MIT können die Bedeutung von "Suchen" und "Nachdenken" nicht mehr auseinanderhalten. Sie suchen bei Google und finden eine von vielen Antworten, die sie akzeptieren. Die Ergebnisse sind gut genug, um sie davon zu überzeugen, dass der Prozess abgeschlossen ist. Dabei geht die Arbeit jetzt erst los: Es müssten Theorien angewendet werden, Antworten in den historischen oder gesellschaftlichen Kontext gestellt werden. Das muss man lernen, aber kaum jemand will das noch auf sich nehmen. Außerdem warten schon die nächsten zehn Aufgaben, das Lichtlein blinkt - und eine neurochemische Belohnung lockt. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist Raum zur Analyse und zum Austausch, das Geben und Nehmen, das uns zu Menschen macht. Eine Maschine wird das nicht fordern, und deswegen begeben wir uns gerne in ihre Arme. ---

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