Ausgabe 04/2011 - Schwerpunkt Fördern

Aus dem Winterschlaf erwacht

- Sie haben die stärkeren Bilder. Als die Tagesthemen im August 2010 über den großen arktischen Traum berichten, greift die Redaktion auf Filmaufnahmen zurück, die ihnen Greenpeace von der Westküste Grönlands geschickt hat. Es ist der Sommer nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Die Bilder sind dramatisch: ein Greenpeace-Schiff, irgendwo am Ende der Welt. Eine rote Bohrinsel, gleich dahinter. Ein Schlepper, der einen Eisberg von seinem Kurs abzubringen versucht. Und schließlich, in Sichtweite eines dänischen Kriegsschiffs, eine Aktivistin mit Pudelmütze, die auf einem Schlauchboot sitzt und "die Regierungen" vor dem Einzug "aller großen Konzerne" in die Arktis warnt.

"Ein Schreckensszenario, nicht nur für Umweltschützer", klingt es aus dem Off. Dann erscheint der Ministerpräsident Grönlands auf dem Bildschirm, seine Botschaft klingt dagegen sehr schwach: "Wir wollen unsere Wirtschaft entwickeln."

Er darf das in dem Bericht nur in wenigen Sätzen erklären. Denn die Rollen sind klar verteilt: Greenpeace, das Gewissen der Welt. Dänemark, die Schutzmacht der Konzerne. Und Grönland? Ach, Grönland. Niemand in der Welt traut Grönland zu, für sich Verantwortung zu übernehmen. Selbst im Tagesthemen-Archiv ist der Beitrag unter dem Titel "Greenpeace gegen Ölmulti" abgelegt. Als ob es Grönland nicht gäbe.

Schuld an diesem Image sind die Subventionen, die Dänemark seit Jahrzehnten an seine ehemalige Kolonie überweist. Sie machen die Hälfte der staatlichen Einnahmen aus und vermitteln den Eindruck, als wäre Grönland ohne Stütze verloren. Doch es ginge sehr wohl ohne. Sagen sie in Grönland. Sonst hätte man sich 2008 kaum für die Unabhängigkeit und damit für das Ende des Geldsegens ausgesprochen.

Grönland will endlich ernst genommen werden.

Der Traum vom Aufbruch

Der Taxifahrer, bei dem Nivi Christensen vor viereinhalb Jahren in Kopenhagen einstieg, wird das vermutlich nicht verstehen. Damals kam sie nach Dänemark, um zu studieren, und wollte die Fahrt mit Kreditkarte bezahlen. Der Mann las ihren Namen: Nivi Christensen. "Du siehst gar nicht aus wie eine Grönländerin. Du bist nicht betrunken." Er grinste. Sie war sauer. "In Dänemark", sagt die junge Frau, "haben selbst die Studenten den Eindruck, als würden wir am Nordpol leben. In Iglus. Mitten auf dem Eis." Sie wissen nicht viel über Grönland. Sie denken an Suff, Selbstmord und Sozialhilfe.

Alles nicht ganz falsch: "Die Siedlungen in Grönland sind winzig und völlig isoliert. Da kannst du nicht weglaufen, wenn du unglücklich bist."

Aber eben auch nicht mehr ganz wahr. Grönland verändert sich. Noch schneller als das Eis, das auf seinen Felsen schmilzt.

Die Veränderungen sind keine Folge der dänischen Politik. Sicherlich ist Dänemark, das die Insel seit fast 300 Jahren dominiert, schon lange darum bemüht, den Lebensstandard der 56 000 Grönländer auf europäisches Niveau zu heben: Es wurden Tuberkulosestationen, Plattenbauten und Schulen errichtet. Am Rande des Inlandeises aber ging die in Dänemark durchaus erfolgreiche Politik ins Leere. Das Land ist einfach riesig. Straßen fehlen. Alles, sagt Christensen, werde da kompliziert und irrsinnig teuer. "Ich komme aus dem größten Ort im Osten. Um eine weiterführende Schule zu besuchen, musste ich tausend Kilometer weit wegziehen. Allein der Flug dorthin kostete mehr als ein Flug von Nuuk nach Kopenhagen."

Dann kamen das Internet, der Klimawandel, die Nachricht, Grönland könne eine Schatzinsel sein. Und alles wurde anders.

Das Internet, sagt Christensen, habe die Befreiung gebracht. "Auf einmal konnten wir als Gemeinschaft kommunizieren. Wir waren mit der Welt verbunden und bestellten per Mausklick, was wir seit Jahrzehnten nur aus dem Fernsehen kannten." Der Klimawandel ließ im Süden Kartoffeln gedeihen, Landwirtschaft wurde möglich. Und der Schatz unter dem Eis, im Boden, im Meer? Der ließ Grönland träumen wie nie. "Das Öl, das Gas und die Mineralien sind unsere große Chance. Wir haben Gold. Wir haben Diamanten. Wir haben Minen, die in den siebziger Jahren schon in Betrieb waren und darauf warten, wieder geöffnet zu werden", sagt Christensen.

Das waren die Aussichten, als sich im November 2008 bei einer Volksabstimmung 76 Prozent der Grönländer gegen die dänische Bevormundung, für die Anerkennung als eigenständige Nation und die Selbstverwaltung ihrer Bodenschätze entschieden. Für Dänemark ging das in Ordnung. "Die junge, die derzeit aufwachsende Generation", sagte Königin Margrethe, als die Autonomie ein halbes Jahr später gefeiert wurde, "wird Grönlands Zukunft sichern."

Die Angst vor dem Absturz

Noch freilich sprudelt kein Öl, fließt auch kein Gas. Es gibt nur das Abkommen, mit dem das Verhältnis zwischen Dänemark und Grönland im Jahr 2009 auf eine neue Grundlage gestellt wurde. Die meisten der 650 Grönländer, die derzeit in Dänemark studieren, werden einen Job im öffentlichen Dienst anstreben, der in Grönland ohnehin die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung beschäftigt. Sie wollen Krankenpfleger werden, Lehrer, Museumsleiter, Ärzte. Alles andere wäre zu riskant.

Und genau das ist das Problem. Ein Sozialstaat ist eine teure Angelegenheit. Und schon jetzt kommt der größte Teil der Einnahmen, die ihn finanzieren müssen, nicht aus Grönland, sondern aus Dänemark. Im Jahr 2009 nahm die Selbstverwaltung in Nuuk 114 Millionen Euro an direkten Steuern ein. Rechnete sie die indirekten Steuern und "weiteren Einnahmen" hinzu, verfügte sie insgesamt über 302 Millionen Euro. Mit diesen Einnahmen könnte sie allerdings kaum die Hälfte ihrer Ausgaben decken, gäbe es nicht den jährlichen Zuschuss aus Kopenhagen. 2009 betrug er 462 Millionen Euro - das waren 57 Prozent der staatlichen Einnahmen, hinzu kamen weitere 42,4 Millionen Euro, die von der EU für Fischereirechte gezahlt wurden. Und auch dann fehlten am Ende noch 42 Millionen Euro.

"Diese Lage wird in den nächsten Jahren kaum besser werden." Anders Møller Christensen arbeitet bei der Nationalbank in Kopenhagen. Der Ökonom zählt zu den Sachverständigen, die Grönlands Selbstverwaltung beraten. Er legt eine Studie auf den Tisch, den "Bericht des Wirtschaftsrates 2010". Der erinnert daran, welche Folgen die Abnabelung von Dänemark hat: Kopenhagen wird zwar weiter Subventionen zahlen. Deren Höhe ist aber absprachegemäß gedeckelt, während auf Grönland steigen de Kosten zukommen, die die überalterte Gesellschaft verursacht: "Das Missverhältnis zwischen Ausgaben und Einnahmen wird bis 2040 dramatisch wachsen."

Aber gut. Es gibt das Öl. Das Gas. Und die Mineralien.

Anders Møller Christensen reagiert nicht auf den Einwand. Er runzelt die Stirn und sagt: "Sie müssen schon zur Kenntnis nehmen, was in der Studie des Wirtschaftsrates über die Ausbildungssituation steht." Da ist zu lesen: "Nur etwa die Hälfte der Geburtenjahrgänge 1971-76 hatte bis 2006 eine berufsqualifizierende Ausbildung. Nur zehn Prozent haben eine weiterführende Ausbildung. Die Geburtenjahrgänge 1981-86 haben generell kein höheres Ausbildungsniveau als die Jahrgänge 1971-76."

Was will er damit sagen? Dass der Entschluss zu mehr Unabhängigkeit ein Fehler war? Dass sich die Geschichte von damals wiederholt, als die Selbstverwaltung in Nuuk zehn Jahre nach ihrem ersten Schritt in Richtung Autonomie schwer ins Schlittern geriet? Oder dass man nun drastisch sparen muss, um etwa in die Bildung zu investieren?

Anders Møller Christensen ist ein zurückhaltender Mann. Statt einer Antwort sagt er: "Wenn ich in Grönland bin ...". Er liebt Grönland und schätzt auch die Regierung in Nuuk. "Also wenn ich in Grönland bin, kann sich mein Eindruck von Tag zu Tag verändern. An einem Tag sehe ich, dass alles irgendwie funktioniert, nicht anders oder zumindest nicht schlechter als in Dänemark." Am anderen Tag kommen ihm Zweifel. Dann sieht er nur die Herausforderungen an die Bildungspolitik. Und eine Wirtschaftskultur, die es in sich hat: "In Grönland gibt es manchmal eine sehr entspannte Attitüde. Eine Tendenz, bei Problemen zunächst nach dem zu suchen, der sie löst - anstatt zu fragen, ob man sie selbst lösen kann."

Gibt es also eine Subventionsmentalität?

Es gebe jedenfalls keine Unternehmermentalität, sagt Christensen. Projekte, für die es keine staatlichen Zuschüsse gibt, werden in Grönland selten realisiert. Und selbst wenn, bleiben sie oft unrentabel, auch weil an den Klagen mancher Unternehmer durchaus etwas dran sei: Ein Fischschwarm vor der Küste, und schon bleibe die Arbeit liegen. Er richtet sich auf: "Tja, und jetzt scherzen einige in Grönland natürlich. Wir werden gar nicht mehr arbeiten müssen, wenn das Öl kommt! Doch dieser Traum vom Luxus liefe vermutlich auf eine gesellschaftliche Katastrophe hinaus, weil die Anreize fehlen, sich überhaupt noch ausbilden zu lassen."

Das klingt ein bisschen so, als könne sich ein Vater nicht vorstellen, dass sein Kind einmal auf eigenen Füßen stehen kann.

Der Mut zur Verantwortung

Der Eisbär auf der anderen Seite des Hafenbeckens kann auf eigenen Füßen stehen. Er wurde ausgestopft und in das Foyer von "Nordatlantens Brygge" gebracht, das alte Lagerhaus, in dem die ständige Vertretung der grönländischen Selbstverwaltung in Kopenhagen residiert. Holzboden, edle Computer, Kunst an den Wänden. Viel schöner als im Büro von Tove Søvndahl Pedersen kann man in Kopenhagen nicht arbeiten. "Im Leben ist es doch so: Du lernst dazu, wenn du für etwas Verantwortung übernehmen musst. Du wächst mit dem, was man dir zutraut", sagt sie.

Und dann spricht sie erst mal von Deutschland und wie sich die Ostdeutschen, nach einem Leben in Sozialismus und Planwirtschaft, auch erst in der neuen Freiheit zurechtfinden mussten. "Es hat etwas gedauert", sagt sie. "Aber die Menschen haben es geschafft, Selbstvertrauen und unternehmerisches Denken zu entwickeln. Ein wenig verhält es sich so auch mit der Herausforderung, der wir uns in Grönland 2009 gestellt haben."

Diese Herausforderung ist für die Dänen eher zwiespältig. Einerseits waren die Zuschüsse für viele ein Ärgernis: Die "haben das als rausgeworfenes Geld empfunden, obwohl zahlreiche dänische Firmen von Grönland profitierten", sagt Søvndahl Pedersen. Andererseits: Mehr Selbstbestimmung, die volle Kontrolle über die Bodenschätze - für viele Dänen war das unerhört, solange Grönland mehr als 450 Millionen Euro im Jahr aus dem Staatshaushalt erhielt, mehr als 8000 Euro pro Einwohner.

Für Grönland aber sei es wichtig gewesen, über mehr Autonomie und das Ende der Subvention zu diskutieren, sagt Søvndahl Pedersen. "Wir sind nicht wirklich Herr im Haus, solange wir nicht die Verantwortung für unsere Wirtschaft und Finanzen übernehmen."

Die grönländisch-dänische Kommission, die sich vor dem Referendum 2008 den Kopf über mehr Autonomie zerbrach, fand eine pädagogische Lösung: Sie hat Grönland keine Frist gesetzt. Sie hat teure Angelegenheiten wie die Landesverteidigung vorerst in dänischen Händen belassen. Der wirtschaftliche Druck auf Nuuk beschränkt sich darauf, dass die Subventionen gedeckelt wurden. Erst wenn das Energiegeschäft boomt, sind alle Einnahmen, die zehn Millionen Euro im Jahr übersteigen, zur Hälfte mit den Zuschüssen aus Kopenhagen zu verrechnen.

Offenbar ist genau das der eigentliche Sinn des Abkommens: Grönland soll endlich anfangen, über die eigene Wirtschaft nachzudenken. Ohne Panik.

"Ich glaube, dass wir in Grönland schon die ersten Zeichen eines neuen Denkens erkennen können", sagt die Gesandte Pedersen. Das entstehe nicht allein durch die Aussicht auf Autonomie. Teils werde es durch den Klimawandel erzwungen, der traditionelle Erwerbsformen unmöglich mache. Teils komme es von einer neuen Generation, die in einer globalisierten Welt aufwachse. Und auch die vielen Profis, die Grönland an Land ziehe, Dänen vor allem, die in fast allen wirtschaftlichen Schlüsselpositionen der Verwaltung tätig sind, tragen zum Lerneffekt bei. "Es gibt heute junge Leute, die eigene Unternehmen gründen möchten. Und Grönländer, die am Wochenende Muffins backen, um sie auf der Straße zum Verkauf anzubieten. Das gab es früher nicht."

Nicht zuletzt denke die Politik um. Vor einem halben Jahrhundert handelte sich Dänemark noch viel Wut ein, als es kleinere Siedlungen in Grönland zu größeren Einheiten zusammenlegen wollte. Und jetzt? " Jetzt erlebt Grönland Debatten, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren", sagt Pedersen. "Wir können nachvollziehen, dass sich mit Zentralisierung Geld sparen ließe. Wir beginnen sogar, über die Privatisierung verlustbringender staatlicher Betriebe nachzudenken."

Sie schaut aus dem Fenster. Pedersen weiß, dass Grönland ein Bildungsproblem hat. Sie weiß auch, dass Grönland Experten aus dem Ausland anwerben muss, um den Schritt in die wirtschaftliche Selbstständigkeit zu meistern. "Wir müssen geduldig sein", sagt sie. "Wir haben eine Vision, die uns antreibt. Das ist doch schon einmal ganz gut." Als käme es auf das Öl gar nicht an.

Das Potenzial

Tatsächlich wäre es eine "sehr unsichere Strategie", sich auf das Öl zu verlassen. Zu diesem Schluss kommt der Arbeitgeberverband Grönlands. Er hat einmal versucht, den großen Traum von norwegischen Verhältnissen in Zahlen zu fassen. Theoretisch, so das Ergebnis, könnte das Öl in den nächsten 50 Jahren 47 Milliarden Euro einbringen. Damit wäre es möglich, auf die dänischen Zuschüsse zu verzichten und wirklich unabhängig zu werden, vielleicht schon in 20 Jahren. Garantien freilich gibt es nicht. Schon die Entwicklung des Ölpreises ist nicht vorhersagbar. Und dann könnte man die Einnahmen aus diesem Geschäft ja auch nicht aufbrauchen. Man müsste sie für die Zeit nach dem Öl anlegen, in einem Fonds.

Was ist die Alternative? Ist es wirklich möglich, die Privatwirtschaft zu stimulieren? Auf die "unglaubliche Kreativität" zu setzen, von der die Gesandte spricht? Vom Fisch jedenfalls, dem wichtigsten Exportgut Grönlands, der mehreren Tausend Menschen Arbeit gibt, sind keine Wunder zu erwarten. Auch nicht vom Tourismus: "Das Potenzial ist nicht groß genug, als dass sich dies entscheidend auf die Volkswirtschaft und die öffentlichen Finanzen auswirken könnte", so die Studie der Arbeitgeber.

Aber gottlob, es gibt ja noch die Rohstoffe an Land. Sie können abgebaut werden, weil das Eis schmilzt. Und da es auf Grönland die unterschiedlichsten Mineralien und Metalle gibt, selbst Uran und Seltene Erden, mit denen China prächtig Geld verdient, könnten damit die Preisschwankungen auf dem Ölmarkt abgefedert werden. Von den Arbeitsplätzen gar nicht erst zu reden. In einem Land, in dem nicht einmal 30 000 Menschen einer Beschäftigung nachgehen, können schon 1500 Jobs einen Unterschied ausmachen.

Es ist früh am Tag, in Kopenhagen ist es noch dunkel, da parkt Kim Ulrik Hansen seinen Wagen vor einem Hotel. Ein Gespräch über Grönland? Jederzeit. Hansen arbeitet für MT Højgaard A /S, das große dänische Bauunternehmen. Seit mehr als 50 Jahren ist es auf der größten Insel der Welt tätig. Das neue Einkaufszentrum in Nuuk oder das neue Gebäude für Grönlands Nationalbank? "Das sind wir. Wir betreiben seit Langem auch den Luftstützpunkt Thule der Amerikaner, ganz im Nordwesten Grönlands. Die US-Soldaten müssen da nur noch auf die Radarschirme gucken." Völlig klar, dass MT Højgaard auch beim Bergbau mitmischt.

Die Projekt-Flyer, die Hansen auf den Tisch legt, sehen mit ihren Hubschraubern, Baggern und Camp-Baracken im Geröll allerdings noch aus wie Einladungen auf einen Abenteuerspielplatz. Malmbjerget steht auf dem einen; da geht es um das Metall Molybdän. Garnet Lake steht auf dem zweiten; da geht es um Diamanten. Auf den beiden anderen steht Olivine Mine und Isua Magnetite Project. "Minen wie diese könnten Teil der grönländischen Zukunft sein", sagt Hansen. "Die Unternehmen müssen verstehen, welche Hoffnungen mit ihnen in Grönland verbunden werden. Sie müssen erkennen, dass sie mit ihren Projekten eine große gesellschaftliche Verantwortung übernehmen."

Offenbar war das beim letzten Boom, als Rohstoff-Cowboys aus aller Welt Marmor, Blei und das Mineral Kryolith in Grönland abbauten, keineswegs so.

Hansen sagt, das könne er nicht beurteilen. Seine Firma habe schon immer auf Kommunikation mit den Menschen in den Gemeinden gesetzt, wo sie aktiv ist. "Und wir wollen auch jetzt als diejenigen wahrgenommen werden, die den Traum ermöglichen." Der grönländische Zweig von MT Højgaard suche ganz bewusst nach einheimischen Arbeitskräften: "Natürlich ist das bei einer Gesellschaft von 56 000 Menschen nicht immer machbar. Es wird immer Arbeiten geben, für die man Spezialisten aus dem Ausland braucht. Aber zum einen werden auch die in Grönland Steuern zahlen. Und zum anderen: Es gibt geeignete Arbeitskräfte in Grönland. Man muss sie nur suchen."

Im Übrigen: Grönland ist überschaubar. Es ist gut vernetzt, und die Regeln, die für die Rohstoffausbeutung aufgestellt wurden, sind streng. "Wenn Sie sich da schlecht verhalten oder die Gesellschaft nicht mitnehmen, fällt das schnell auf Sie zurück." Er sagt es nicht, doch es ist ganz klar: Jetzt, da Nuuk und nicht mehr Kopenhagen für die Rohstoffverwaltung zuständig ist, wird die Industrie Grönland respektieren müssen.

Die Zukunft

Das heißt nicht, dass es unmöglich wäre, die Grönländer zu überrumpeln, wenn man etwa versuchte, sie mit gigantischen Ölbohrplattformen zu locken. Es gibt Leute, die da sehr skeptisch sind. Schon weil die Entwicklung so schnell geht.

Aber klar, auch das ist nun Sache der Grönländer selbst.

Tove Søvndahl Pedersen, die Botschafterin in Kopenhagen, sagt: "Wenn wir auf eigenen Füßen stehen wollen, müssen wir die Verantwortung für unsere Entscheidungen übernehmen." Nivi Christensen, die Studentin, sagt: "Europa hat einst seine Ressourcen verbraucht, um seine Modernisierung voranzutreiben. Dieses Recht haben wir auch." Und Kuupik Kleist, der Ministerpräsident Grönlands, sagte, als er es im August 2010 für einige Sekunden in die Tagesthemen brachte: "Wir wissen, dass wir eine enorme Verantwortung auf unsere Schultern laden. Aber wir tun unser Bestes." -

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