Ausgabe 12/2009 - Schwerpunkt Kunst

Kann ich das auch?

Prinzip Masse

"Wenn die Digitalkamera nicht erfunden worden wäre, dann wäre ich heute auch kein Fotograf", sagt Borris Mayer. Dann gehörte er, Jahrgang 1982, heute nicht zu den gefragten Fotokünstlern der Online-Galerie Whitewall. Er fotografierte keine Werbung für Nespresso oder Volkswagen. Und er lieferte auch keine Cover für das Frauen-Erotik-Magazin "Alley Cat" oder würde unter den Subkultur-Helden des Rheinlandes als Porträt-Fotograf mit "echt abweichendem Style" weitergereicht. "Ohne Digitalkameras", da legt sich Mayer fest, "wäre ich wohl immer einer geblieben, der bei Schlecker für ein paar Cent Abzüge macht und die drei besten davon seiner Freundin schenkt."

Fotografie war die Technik, die das Abbild im 19. Jahrhundert technisch reproduzierbar machte. Durch die Kleinbildkamera entwickelte sich im 20. Jahrhundert die Fotografie zum Massenmedium für den Privatgebrauch. Und wurde dabei ein ästhetischer Anspruch erhoben, nannte man das dann meist "ambitionierte Hobbyfotografie". Doch erst die Digitalfotografie des 21. Jahrhun derts demokratisiert das Medium vollständig. Der Fotoamateur kann heute knipsen, bis der Akku leer ist. Er kann dank Kamera technik und Bildbearbeitung am Computer Ergebnisse erzielen, die von denen der Profis oft nicht mehr zu unterscheiden sind. Der Amateur kann seine Bilder um die Welt senden. Er kann sie billig in großen Formaten mit bestechender Qualität drucken. Und er kann sie in Online-Galerien wie Whitewall oder Seen By verkaufen und damit selbst zum Profi werden, der zumindest einen Teil seines Lebensunterhaltes mit Kunstfotografie verdient. So wie Borris Mayer.

Der war in seinem ersten Arbeitsleben Groß- und Außenhandelskaufmann. "Kein schlechter Job, und mein Arbeitsvertrag war unbefristet", sagt der Rheinländer. "Aber interessiert hat mich das kein Stück." Zum Glück für die eigene Biografie kaufte sich Mayer 2004 eine halbwegs anständige Digitalkamera, vor allem, weil er wissen wollte, was die Kamera so alles kann. Zum Spaß an der Technik kam rasch der Spaß an der Gestaltung. Und er fragte sich bald: Wie kann ich mein Hobby zum Beruf machen?

Fotografenlehrlinge verdienen weniger als Lehrlinge in der Gebäudereinigung, 300 Euro im Monat. Bei der Handwerkskammer schüttelten die Berufsberater den Kopf: Fotograf ist ein Beruf ohne große Zukunft. Die digitale Bilderflut habe die Preise kaputt gemacht, und nun ersetze auch noch Zug um Zug billige Bildbearbeitung die originäre Aufnahme, die kaum noch etwas wert sei. Im Frühjahr 2009 schloss Mayer als bester Fotografenlehrling der Handwerkskammer Düsseldorf seine Lehre bei einem Studio für Werbefotografie ab. Mit seiner Vier-Tage-Woche verdient er jetzt mehr als zuvor als kaufmännische Vollzeitkraft. Und es bleibt genug Zeit für freie Projekte, die er unter anderem auf dem sogenannten "Kunstmarkt" von Whitewall verkauft.

Die Jury ist der Flaschenhals

Mayers persönlicher Bestseller im Kunstmarkt von Whitewall hat den Titel "Dark Nightz". Er zeigt den Düsseldorfer Medienhafen in der Abenddämmerung, im Computer beraubt um alle Farben bis auf Rot- und Orangetöne. Das Bild wirkt auf den ersten, flüchtigen Blick wie ein Airbrush, auf den zweiten wie eine Animation und auf den dritten wie das, was es ist: eine poppige Bildbearbei tung, die auf Kontraste setzt.

Ist das Kunst?

Die Frage irritiert Mayer. Er denkt lange nach, scheint nach den Fallstricken der Frage zu suchen. Und sagt schließlich: " Ja, das ist Kunst. Denn ich habe das Werk genau so konzipiert. Ich habe auf Lichtverhältnisse gewartet, die für eine Bearbeitung mit diesen Kontrasten notwendig waren. Jetzt hat das Bild genau den Abstraktionsgrad, den ich mir im Kopf vorgestellt habe."

Fotokunst ist meist nicht ganz billig, unter anderem weil sie mit dem Marktinstrument der künstlichen Verknappung arbeitet. Die großen Fotografen legen meist Auflagen zwischen drei und zehn Bilder auf. Wenn knappes Angebot auf hohe Nachfrage trifft, steigt der Preis. Auf Whitewall dagegen geht es um Masse. Die Auflage kann jeder Künstler selbst bestimmen. Dark Nightz darf 150-mal verkauft werden. Das größte Format, 140 mal 93,3 Zentimeter, kostet unter edler Acrylglas-Versiegelung 789 Euro. Von jedem Verkauf bekommt der Künstler 15 Prozent. Das kann sich schnell rentieren, zumal der Aufwand für den Fotografen gering ist. Er konfiguriert in der Online-Galerie ein paar Details und wartet auf die vierteljährliche Abrechnung. Vor allem aber: Die Hürden zum Markteintritt sind ungleich niedriger als bei allem, was sich früher Fotokunst nannte.

Wäre Borris Mayer mit den Dark Nightz zu den führenden europäischen Fotogaleristen gegangen und wäre er auch ohne Fotostudium und Fotopreis bis zum Galeriechef vorgedrungen, hätte der ihn wohl nur milde angelächelt und gesagt: " Junge, vielleicht kann Photoshop auch ohne Kitsch? Kannst du ja mal ausprobieren." Aber Mayer ist diesen Weg nicht gegangen. Er hat bei Whitewall zehn Bilder hochgeladen. Die wurden von einer Jury bewertet, die sich aus besonders aktiven Mitgliedern der White-wall-Community zusammensetzt und sicherstellen soll, dass die Galerie spannende Arbeiten zeigt und nicht zur digitalen Fotomüllhalde verkommt.

Kunst ist, was gefällt

Von Mayers zehn Bildern ließ diese Jury eine Handvoll für den Kunstmarkt zu; eines ist nicht nur online zu betrachten (und zu bestellen), sondern hängt zusätzlich im realen Showroom von Whitewall in der Düsseldorfer Innenstadt. Mayer hätte auch nichts gegen einen Galeristen einzuwenden, der seine Werke gegen Kommission anbietet. Aber das sehe er "ganz entspannt". Er ist ja noch jung und auch ohne professionelle Vermarktungshilfe schon ziemlich weit gekommen. Und eigentlich hat er auch schon einen Galeristen: den Whitewall-Gründer Alexander Nieswandt. Der lernte vor 20 Jahren bei Bayer Industriefotograf, wechselte dann aber bald auf die Laborseite des Fotogeschäftes und baute vor zwei Jahren zusammen mit den Betreibern der Großauflagen-Fotogalerie Lumas in Frechen bei Köln die millionenschwere Laserprinter-Hardware auf, die hinter dem neuen Online-Fotoversandhandel für Fotografen mit künstlerischer Ambition steht. Nieswandt hat eine klare Definition, wann Fotografie zur Kunst wird: "Kunst ist, was gefällt. Was soll sie denn bitte sonst sein?"

Der Feind am Rechner

Auf Whitewall können Kunden unter anderem über eine Farbsuchfunktion nach Werken stöbern. Wenn sie ein passendes Bild zu einem grünen Sofa brauchen, könnten sie zum Beispiel bei Mayers Montage im Stadion von Fortuna Düsseldorf landen. Das passt nicht nur zum Sofa, sondern auch zu Mayers stilistischer Selbstbeschreibung: "schrill, bunt, knackige Kontraste". Der Foto graf steht in der Stadionkurve hinter dem Tor. Zwei Kumpels schauen, Mayer sagt "leicht dämlich", links und rechts ins Bild. Die Linien auf dem Spielfeld und des Stadiondachs wölben sich wie durch eine Fisheye-Optik und saugen den Betrachter ins Geschehen. Als er das Motiv kurz vor Anpfiff fotografierte, hatte Borris Mayer kein Fischaugen-Objektiv dabei. Er knipste das Stadion einfach hochkant mit einer digitalen Taschenkamera in mehreren Aufnahmen von rechts nach links ab und setzte sie, in stundenlanger Heimarbeit am Rechner, zu einem knalligen Pano rama zusammen. Da es ein grauer Tag war, holte er den Himmel direkt aus dem Archiv.

Durch eine Weitwinkeloptik betrachtet, ist Borris Mayer - der junge Mann, der durch die Digitalisierung die Chance bekam, Fotograf zu werden -, wirtschaftlich sein eigener Feind. "Keine Ahnung, wie lange die handwerklichen Fähigkeiten, die ich als Fotograf gelernt habe, auf dem Markt noch gefragt sind." Auch Mayer, den Fotografen, der ohne Digitalisierung keiner wäre, stimmt nachdenklich, wenn Düsseldorfer Kollegen für eine Autowerbung in die Wüste von Nevada geschickt werden, aber das Werbeobjekt, also das Auto, gar nicht mehr mit in die Wüste kommt, sondern später in die Landschaftsaufnahmen montiert wird. Oder wenn die Wangenknochen von Models in Modemaga zinen nicht mehr echt sind, sondern eine digitale Fälschung.

Seine Schlussfolgerung ist praktischer Natur: "Du darfst dich nie auf deinen technischen Lorbeeren ausruhen." Zurzeit arbeitet sich Borris Mayer in ein komplexes 3-D-Bildbearbeitungsprogramm ein, mit dem Collagen noch realistischer werden. "Denn das wird kommen. Todsicher."

Prinzip Verknappung

Ob er schon einmal digital fotografiert hat? Hans-Christian Schink schüttelt den Kopf, überlegt kurz. Dann schränkt er ein: "Natürlich nicht für meine Arbeiten. So eine Digitalknipse musste ich mir kaufen, weil Freunde Schnappschüsse von meinen Reisen gefordert haben." Erinnerungen in sieben Millionen Pixeln festhalten ist praktisch. Hans-Christian Schinks Œuvre kommt dagegen aus einer Großformatkamera. Seine Bilder, oft mehr als zwei Meter hoch und drei Meter breit, sind allesamt Handabzüge, für 1500 Euro angefertigt in einem Düsseldorfer Speziallabor. Sie sind in der Regel auf acht Exemplare pro Motiv limitiert und hängen bei privaten Sammlern, in Galerien der Weltmetropolen oder in den Hamburger Deichtorhallen.

Als Hans-Christian Schink mit dem Fotografieren begann, warteten der PC noch gut zwei, die ersten Digitalkameras noch knapp drei Jahrzehnte auf ihre Massenverbreitung. Dem Siebenjährigen schenkte sein Vater, ein Hochschullehrer für Kunsterzie hung in Erfurt, eine Rollfilmkamera des Typs Pouva Start. "Mit der fotografierte ich meine Meerschweinchen, aber das sollte man vermutlich noch nicht Fotografie nennen."

48 Jahre ist Hans-Christian Schink heute alt. Er gehört zu den großen Namen der deutschen Kunst-Fotografie. Nicht zu den ganz großen, er ist kein Andreas Gurski, Thomas Ruff oder Thomas Demand. Aber er steht direkt in der Reihe hinter ihnen. Vergangenes Jahr hat er den Real Photography Award für zeitgenössische Fotografie gewonnen. Sein Bildband "Verkehrsprojekte Deutsche Einheit" ist mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet worden. Schink war "artist in residence" in der Villa Aurora in Los Angeles, Stipendiat der Stiftung Kulturfonds auf Schloss Wiepersdorf und des Else-Heiliger-Fonds der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Sein Galerist Rudolf Kicken sagt nicht: "Kunst ist, was gefällt." Er sagt: "Schinks Werk beschäftigt sich mit dem Eingriff des Menschen in die Natur." Auf den meisten Schink-Bildern ist der Himmel weißgrau, ohne dass Wolken zu sehen wären. Menschen tauchen fast nie auf. Dafür wirkt ein Dschungel so plastisch, als stünde man mittendrin. Ein großer Schink-Abzug kostet ab 10 000 Euro aufwärts, 50 Prozent gehen an seinen Agenten Kicken.

Schlechte Künstler sind keine Künstler

Bis Privatsammler oder gar Museen so viel für eine Fotografie zahlen, ist es ein langer Weg. Vom Meerschweinchenkäfig führte er den jugendlichen Schink zum Fotoclub des Kulturbundes der DDR, zur ambitionierten Hobbyfotografie in Schwarz-Weiß. Mit seiner Kleinbild-Spiegelreflexkamera konzentrierte er sich "auf Straßen szenen und Porträts, natürlich in Schwarz-Weiß, natürlich mit sozialdokumentarischem Ansatz, denn das war, was fast alle ambitionierten Hobbyfotografen zu DDR-Zeiten gemacht haben". Sein Idol kam aus Frankreich: Henri Cartier-Bresson.

Abitur durfte Schink nicht machen, er hatte es sich mit dem Schulleiter verscherzt. 1978 begann er eine Lehre als Mess-, Steuer- und Regelungstechniker. Sieben Jahre arbeitete er in dem Beruf, und mit jedem Jahr wurde ihm klarer: Fotografie sollte sein eigentlicher Lebensinhalt werden. Dreimal bewarb er sich auf einen der vier Studienplätze, die es in der DDR für Fotografie gab. Als er 1986 mit seiner dritten Mappe von der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst aufgenommen wurde, war er glücklich. Rechnete allerdings fest damit, "beruflich eine Nischen existenz zu führen". Die paar Stellen für Magazin- und Werbefoto grafen der Planwirtschaft schienen auf Jahre besetzt. Als künstlerisches Medium war Fotografie in der DDR nicht anerkannt, und einen Kunstmarkt für Fotografen gab es schon gar nicht.

Die Wende kam für ihn gerade rechtzeitig. Nach seinem Studium gründete er mit ein paar Kommilitonen eine Fotoagentur in Leipzig. Reportagefotografie, wie sie die großen West-Magazine in der Zeit druckten, beherrschte Schink nicht. Der Bau-Boom im Osten brachte ihm die ersten Aufträge. Architekten und Bauunternehmen fanden Gefallen an seinem Blick auf ihre Gebäude - und buchten ihn für Projektdokumentationen und Werbebroschüren. Mit den Auftragsarbeiten subventionierte Schink seine freien Arbeiten, die er im Eigenverlag publizierte: Feldsteinkirchen in der Prignitz, die seelenlosen Gewerbeparks, mit denen damals Investoren die noch neuen Bundesländer verschandelten. Und dann eben jene Brücken, Tunnel und Trassen der "Verkehrsprojekte Deutsche Einheit", die ihn als Künstler bekannt machten, Stipendien ermöglichten und Schink die Option schufen, die Auftragsarbeiten sein zu lassen.

"Das hört sich nach einem einfachen, logischen Schritt an, war es aber nicht", sagt er. "Fotografie als Dienstleistung hat viele Vo r teile. Wenn ein Auftraggeber mal nicht zufrieden ist, dann gibt es halt etwas Ärger. Auf dem Kunstmarkt lieferst du dich als Person aus." Kritik auf dem Kunstmarkt ist immer persönlich. Ein schlechter Künstler ist gar kein Künstler. Und das besonders Gemeine daran ist für Schink: "Es gibt ja keine objektiven Kriterien, wann Fotografie Kunst ist und wann nicht. Sondern nur subjektive."

Alle Zacken in der Krone

Selbstvermarktung ist vermutlich nicht die große Stärke von Schink. Er sagt von sich, dass er "das Netzwerken immer zu stark vernachlässigt" habe. Dass er immer darauf gewartet habe, dass sein Werk entdeckt würde. Vermutlich wäre das schneller gegangen, wenn er nach den ersten Erfolgen offensiver den Kontakt zu Galeristen und Sammlern gesucht hätte. Wenn es ihm gelungen wäre, Kunsthistoriker, die in wissenschaftlichen Publikationen die Basis für Aufmerksamkeit auf dem Kunstmarkt legen, zu "sehr guten Bekannten" zu machen. Oder noch besser: Wenn er mit Kuratoren Freundschaften geschlossen und damit den Weg in möglichst renommierte Museen beschleunigt hätte, was den Wert auf dem Sammlermarkt umgehend vervielfachen kann. Schink hat sich vorgenommen, "ein bisschen offensiver auf Leute zuzugehen". Ihm werde "schon kein Zacken aus der Krone brechen", wenn er sich mit einem Sammler mal intensiver über sein Werk unterhalte. Die Gefahr der Anbiederung an die Führungsspieler des Kunstmarktes dürfte Hans-Christian Schink dennoch kaum drohen. Er ist ein zurückhaltender Mensch und dabei auf leise Art selbstbewusst, wie viele Ostdeutsche, die nach der Wende ihr Ding gemacht haben und damit auch irgendwann erfolgreich wurden. Und wie viele selbstbewusste Menschen hat er keine Probleme damit, die eigene Situation offen zu diskutieren.

"Reich geworden bin ich nicht mit meiner Fotografie. Aber ich habe auch keine Geldsorgen", sagt Schink. Er lebe "eher bescheidener als ein Studienrat". Es gibt gute Jahre, in denen dank einer Ausstellung in Los Angeles in kurzer Zeit 20 Großformate über den Galerietisch gehen. Und es gibt Jahre wie 2009, in denen bis zum Herbst gerade mal zwei Bilder verkauft wurden.

Schink versteht sich als Unternehmer, der seine Projekte gut kalkulieren muss, damit sie sich am Ende lohnen. Sein aktuelles Projekt trägt den Titel "1 h", für das er an 24 Orten der Welt den Weg der Sonne mit einer Langzeitbelichtung aufzeichnet. Zwölf der Werke stehen und wurden in der Fachöffentlichkeit angeregt diskutiert. Gekauft wurde bislang wenig, doch zum Glück bekam er für seine Solarisationen, so der Fachbegriff für die Aufnahmetechnik, vergangenes Jahr den Real Fotopreis. Mit den 50 000 Euro Preisgeld finanziert er jetzt den zweiten Zyklus vor.

Echt oder montiert?

Hans-Christian Schink gehört nicht zu denen, die in der Digitalfotografie den ästhetischen Untergang des Abendlandes sehen. Als Lumas, jene erfolgreiche Fotogalerie, die ihr Geschäft mit hohen Auflagen meist semi-renommierter Fotografen macht, ihn vor eini gen Jahren fragte, ob er nicht auch bei ihnen verkaufen wollte, lehnte er nicht, wie einige Kollegen, entrüstet ab. Er findet das Geschäftsmodell "Günstiger durch Masse und Digitaldruck" nicht verwerflich, er hat nur den Eindruck, dass es seinem eigenen Geschäftsmodell widerspricht. Zu viele Bilder, automatisiert hergestellt, verderben nun mal die Preise.

Und dennoch: Die Digitalisierung der Fotografie bedroht auch sein analoges Medium. Zum einen wird das Arbeitsmaterial des klassischen Fotografen teurer und das Angebot an verschiedenen Filmen, Entwicklungschemikalien und klassischem Fotopapier ausgedünnt. Die zweite, vermutlich größere Gefahr ist eine ästhe tische: "Digitale Bearbeitung wird heute häufig wie selbstverständlich vorausgesetzt", bedauert Schink. Dem Künstler wird gar nicht mehr zugetraut, mit seiner Kamera eine bestimmte Stimmung einzufangen, die mit Wirklichkeit zu tun hat. Er hat das selbst erlebt: Auf der Art-Forum-Messe hing eines seiner "1 h"-Werke, auf dem die Sonne durch die einstündige Belichtung ihre Spur hinterlassen hatte. Ein Vater näherte sich mit seinem Kind auf der Schulter dem Bild. Das Kind fragte: "Was ist das für ein Balken?" Der Vater: "Der ist da reinmontiert."

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