Ausgabe 11/2009 - Schwerpunkt Denken

Projekt Vernunft

- Die Filmstars waren eben verschwunden, da rückten in der Stadt mit den zwei Stränden schon wieder Journalisten an mit ihren Kameras und Scheinwerfern. Sie bauten sich im Kursaal auf. Sie sprangen aus dem Dunkel nach vorn, sobald der Gast seinen Vortrag gehalten hatte, und mit ihnen stürmten die Fans hervor, die auf Erinnerungsbilder hofften, einen Wortwechsel, ein Autogramm. Harold Kroto enttäuschte sie nicht. Mehr noch: Der Mann mit den ergrauten Haaren streckte die Arme aus und lächelte. Er umarmte reihenweise Menschen, als seien sie alle Teil eines Teams. Und wer ihn danach fragte, dem verriet er im Blitzlichtgewitter seine E-Mail-Adresse, schulterklopfend und ohne falschen Stolz.

Harold Kroto ist kein gewöhnlicher Star. Seit Jahrzehnten ist er mit derselben Frau verheiratet. An der Gitarre kennt er nur wenige Akkorde. In den Filmen, die er machte, sitzen blasse Leute auf Sesseln und reden über ihr Leben. Und trotzdem hat er es zum Idol gebracht, ganz ohne Castingshow. Harold Kroto erhielt 1996 einen Preis, den vor ihm bereits Heroen des Fortschritts wie Marie Curie, Fritz Haber oder Otto Hahn erhalten hatten: den Nobelpreis für Chemie.

Ein solcher Nobelpreis ist eine merkwürdige Angelegenheit.

Es gibt eine Reihe bedeutender und unabhängiger Wissenschaftspreise. Es gibt auch eine Reihe von Auszeichnungen, die mit höheren Preisgeldern als jenen der Nobel-Stiftung verbunden sind. Keiner dieser anderen Preise aber kommt an das Renommee der Nobelpreise für Chemie, Physik, Medizin, Literatur und Friedensbemühungen heran. Die Preise, schrieb der schwedische Er finder Alfred Nobel 1895 in seinem Testament, sollen "denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben". Für die beteiligten Institutionen wie die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften mag dieser letzte Wille manchmal schwer erfüllbar sein. Aber Nobels Testament war eine Ansage, die kühn war und forsch, und die Galerie der Pioniere wächst unter diesen Vorzeichen seit 1901 unaufhörlich an. Als könne es im Olymp der Denker nie voll genug sein.

Harold Kroto freilich machte die hohe Ehrung unruhig. Seit er und zwei Kollegen für die Entdeckung kugelförmiger Kohlen-stoff-Moleküle ausgezeichnet wurden, läuft bei ihm das Postfach über vor wohlfeilen Anfragen aus aller Welt. Nicht immer ist dabei auszumachen, ob der Sinn und Zweck einer Einladung darüber hinausgeht, eine Veranstaltung durch die Anwesenheit eines Nobelpreisträgers zu adeln. Umso stärker fühlt sich Kroto zu einem Vortrag verpflichtet, dessen Botschaft unangenehmer kaum sein könnte: "Wir sind dabei", lautet sie, "die Lehren der Aufklärung zu vergessen und das kritische Denken einzustellen."

In San Sebastián, der Küstenstadt im Baskenland, verstehen das nicht alle sofort. Aber Kroto weiß, dass er mit seinem unorthodoxen Vortragsstil vor allem jene erreichen kann, die sich noch beeinflussen lassen wollen: die nächste Generation. Und das wissen auch die Schirmherren der Konferenz "Atom by Atom", die ihn als großen Motivator eingeladen und angekündigt haben.

Die Hausherren tragen Schlips und Kragen, um die Hände von Politikern und Sponsoren schütteln zu können. Sir Harold Kroto hingegen, den alle Harry nennen, trägt über dem schwarzen T-Shirt ein Hemd in grellem Orange. Er will ein Störkörper sein.

"If you make people think they're thinking, they'll love you. But if you really make them think, they'll hate you."

Das bin ich als Kind, sagt Kroto also, als das erste Bild seiner wilden Powerpoint-Präsentation zu sehen ist. Das ist Superman, der ich gern gewesen wäre. Das bin ich bei einem Glas Wein, die Hausarbeit eines Studenten lesend. Das sind einige Zeitschriften-Cover, mit denen ich einst einen Design-Preis gewann. Das ist der Meccano-Baukasten, der mich prägte. Das bin ich auf einem Gruppenbild mit Kollegen aus aller Welt. Das bin ich beim Tennis, von Wimbledon träumend. Und das ist ein Auftritt von mir im Schultheater, Shakespeares "Heinrich V.", Seite an Seite mit Ian McKellen, der später ein professioneller Schauspieler wurde. Schließlich mein Lieblingsfilm: eine Turnhalle voller Kinder in Mexiko. Die Kinder basteln überdimensionierte Kohlenstoff-Moleküle. Sie tanzen mit ihnen wie in Trance.

Kroto stellt die Musik an, dreht die Lautstärke hoch und strahlt. Reinste Poesie.

Unten freilich, im Publikum, halten sie den Nobelpreisträger Harold Kroto nach diesem Auftakt für einen ziemlich schrägen Vogel. Doch dann packt er auch sie - mit eingestreuten Zitaten. Das wichtigste dieser Zitate stammt vom amerikanischen Schriftsteller Don Marquis, der durch die Erfindung einer sprechenden Küchenschabe namens Archy bekannt wurde: "If you make people think they're thinking, they'll love you", schrieb er. "But if you really make them think, they'll hate you."

Das ist Krotos Lieblingszitat. Das ist sein Motto. Es hilft dabei, den Vortrag als Plädoyer für die ständige Neugier zu begreifen, für das Künstlerische und Suchende im Leben. Kurz darauf, als er in einem Nebenzimmer des Kursaals sitzt und die Beine hochlegt, sagt Kroto: "Für einen Wissenschaftler geht es darum, die Dinge nicht zu akzeptieren. Es geht darum, immer weiterzufragen. Es geht darum, allen Dingen auf den Grund gehen zu wollen - und wenn es nur die Reflexion einer Armbanduhr an der Wand ist, auf die ich gerade aufmerksam wurde."

Eine Frage der Haltung.

Der Mann, der das alles nicht akzeptieren möchte, wartet in der Tür zum Buffet. Er ist hochgradig erregt. Er kann sich nicht damit abfinden, was dieser Nobelpreisträger in seiner Hemds ärmeligkeit soeben sagte: dass man als Wissenschaftler fast automatisch zum Atheisten werde müsse - zum Kritiker der Religion mit ihren Schöpfungsgeschichten, Mythen und Denkverboten.

20 Minuten diskutieren die beiden Herren. 20 Minuten rühren sie nicht eines der Tapas-Häppchen an, die freundliche Hos tessen loswerden wollen. Dann bricht Kroto kopfschüttelnd auf. "Wissen Sie, woran man einen Menschen erkennt, der nicht nachdenkt?", fragt er seine Begleitung, dampfend. "Er hinterfragt die Sachen nicht, weil er sich fürchtet. Er trägt einen Fischaufkleber auf dem Auto und ein Bändchen mit Kreuz am Hals! "

Das sind starke Worte. Sie sind ein Echo der Konflikte, die in den Geschichtsbüchern in den Kapiteln "Aufklärung" und "Säku larisierung" nachzulesen sind. Sie haben aber auch mit der persönlichen Geschichte der Familie Krotoschiner zu tun, die Ende der dreißiger Jahre von Berlin nach Bolton in Nordengland emigrieren musste, da der Vater jüdischen Glaubens war. Wie konnte man angesichts der vielen Grausamkeiten und des vielen Leids in der Welt noch an einen Gott glauben? Das waren Fragen, wie sie den 1939 geborenen Harold schon früh beschäftigten, bis er vom Glauben an einen göttlichen Schöpfer abkam.

Der Glaube an die Wissenschaft hingegen ließ Zweifel nicht bloß zu - er war für Kroto vielmehr die Voraussetzung für den menschlichen Fortschritt, ob er der Welt nun Betäubungsmittel für Operationen bescherte, Antibiotika wie Penicillin, einen ersten Lösungsversuch des Welternährungsproblems (ja, sagt er, genau durch jenen Fritz Haber, der auch das Giftgas ermöglichte) oder die Nanotechnologie. "Ich verstehe durchaus, welchen Wert der Glaube haben kann", sagt Kroto. "In Florida aber gab es diesen Fall, in dem ein Gefangener 25 Jahre lang beteuerte, Gott werde eines Tages seine Unschuld beweisen. Es war nicht Gott, der ihm letztlich half. Es war der wissenschaftliche Fortschritt. Der Mann kam dank eines neuen DNS-Tests frei."

Für ihn ist die Sache klar: Entweder gelingt es der Gesellschaft, den Widerstand gegen die moderne Forschung einzudämmen, der in den vergangenen Jahren wieder überraschend stark religiös motiviert war (von den Fundamentalisten gar nicht zu reden, die in Amerika und im Nahen Osten jede Wissenschaft als Gotteslästerung und einander mit religiösem Fanatismus bekämpfen). "Oder wir werden das 21. Jahrhundert nicht überleben. Ohne kritisches Denken wären wir schnell wieder zurück im Zeitalter vor der Entdeckung des Penicillins."

Dabei sei die Rückkehr der religiösen Dogmen, sagt Kroto, ja nicht die einzige Herausforderung der Gegenwart. Dazu komme die Profitgier, die alle Bereiche des Lebens durchdringe. Und eine Politik, die ebenfalls von einer Rückkehr des Dogmatismus erfasst werde. Die Politik gebe sich zunehmend einem Kosten-Nutzen-Denken hin. Sie erkenne nicht mehr, dass ruhiges Arbeiten und Denken mit langfristigen und festen Stellen für Nachwuchswissen schaftler beginne. Sie erwarte von der Wissenschaft zur eigenen Entlastung, was der Kultur des Zweifelns widerspreche: schnelle und eindeutige Erkenntnisse.

Und dann ist da noch eine Beobachtung, die Kroto den Schlaf raubt. "Wir lernen dadurch, dass etwas nicht funktioniert", sagt er. "Die Jugend von heute ist von Mobiltelefonen, Digitaluhren und Digitalkameras umgeben. Als ich klein war, konnte man all das noch selbst reparieren. Man konnte die Dinge zumindest öffnen, um die Schönheit ihrer Mechanik zu verstehen. Heute schmeißt man sie weg, um sie durch neue zu ersetzen." Die Gesellschaft, sagt er, verlerne just in dem Moment ihre Überlebensmechanismen, in dem sie vom Fortschritt profitiere wie noch nie.

Harold Kroto klingt müde, als er dies sagt. Es ist fast Mitternacht. Er hat sich heißgeredet, zwei Stunden lang. Er sieht sich um: Die Gäste der Veranstaltung im Kursaal sind alle gegangen. Es ist still. Nur der Pförtner wartet und will endlich die Türen schließen. Krotos Frau sagt, so sei das bei Harry immer. Er wolle die Dinge klären, auch wenn es ihn die allerletzten Reserven koste.

Wir brauchen Scientists - nicht Scientologen

Der Wagen, der Professor Kroto am nächsten Morgen vor dem Luxushotel erwartet, bringt ihn von der Promenade fort in die Hügel über der Bucht. Das weiche Sonnenlicht lässt die Gebäude des Technikmuseums wie eine Kulisse erscheinen. Vor dem Eingang wartet Albert Einstein, verewigt in Stahl. Um Einstein herum stehen 300 baskische Schülerinnen und Schüler, alle kurz vor dem Schulabschluss. Sie sind nervös. Sie halten eine Liste mit 172 Fragen in der Hand, die sie zwei Nobelpreisträgern stellen möchten: Sir Harold Kroto und Heinrich Rohrer, Preisträger für Physik des Jahres 1986. Beide lassen sich mit kleinen Handykameras fotografieren, schütteln Hände, geben Autogramme.

Die Jugend, wird Kroto gleich in seinem Vortrag sagen, sei die Zukunft der Wissenschaft. Und sie brauche Wissenschaftler, die ein Vorbild sein könnten, keine pseudowissenschaftlichen Dogmatiker. Im Englischen ist das ein Wortspiel: Gesucht würden "Scientists", nicht "Scientologists".

Die Vorbilder. Selbst Kroto, der ewige Zweifler, hat eine Reihe von Menschen, die ihn begeistern. Einer von ihnen ist Józef Rotblat, polnischer Kernphysiker und Friedensnobelpreisträger. Er hatte den Mumm, 1944 aus dem legendären Manhattan Project auszusteigen, sobald deutlich war, dass Nazideutschland zu keiner Entwicklung der Atombombe mehr kommen würde; stattdessen nahm er den Kampf auf gegen diese Waffen und ihre Verbreitung in der Welt. Ein anderer ist der taube Penicillin-Forscher John "Kappa" Cornforth, der seine Zunft mit dem Vortrag "Scientists as Citi zens" an ihr Verantwortungsbewusstsein erinnerte. Ein Dritter der Physiker Richard Feynman, Nobelpreisträger des Jahres 1965. Feynman war leidenschaftlicher Forscher und brachte es als "begnadeter Kommunikator" zugleich zum Kultautor. "Ich könnte Ihnen auch eine Reihe von Kollegen nennen, die Sie gar nicht kennen werden", sagt Kroto. "Sie beeindruckten mich durch die Art, in der sie forschten, dachten und mit ihren Studenten umgingen. Man muss keinen Nobelpreis haben, um Respekt zu verdienen."

Die Namen all seiner Vorbilder muss man sich nicht notieren. Kroto hat dafür gesorgt, dass Gespräche mit diesen Denkern zu Dutzenden im Internet archiviert wurden. Sein Vega Science Trust, eine kleine Stiftung, die Kroto schon kurz vor dem Nobelpreis ins Leben rief, versorgt seit 1995 den britischen Fernsehsender BBC mit Filmen und Gesprächen zur Wissenschaft. Denn auch das angebliche "Wissenschaftsfernsehen" bringt Kroto in Wallung. Es erschöpfe sich zu oft, sagt er, in niedlichen Tierbildern, in einer populistischen Oberflächlichkeit, in reiner Unterhaltung.

20 Prozent Zweifel

Krotos Vega Science Trust war der Versuch, hochwertiges Wissenschaftsfernsehen zu produzieren - und Lebenserfahrungen zu bewahren. Mehr als ein Drittel der bislang 200 Produktionen wurden von der BBC ausgestrahlt. Alle Dokumentationen sind online frei verfügbar und thematisch sortiert, darunter auch Vorträge von Kroto, tiefsinnige Gespräche mit Nobelpreisträgern und Begegnungen zwischen Preisträgern und Studenten in Lindau, beim alljährlichen Treffen der Nobelpreis-Gemeinde. "Ich gebe mich keinen Illusionen hin. Mit einem Angebot wie diesem werden wir die Fanatiker auf der Welt nicht umstimmen können. Aber es ist ein Anfang, und die Nutzerzahlen und Reaktionen zeigen, dass Vega durchaus ein Erfolg ist."

Heute, anderthalb Jahrzehnte später, sind Mediatheken auf den Seiten der schwedischen Nobel-Stiftung und des Treffens von Lindau etwas Selbstverständliches. Eine Folge seines Engagements? Kroto ist zu bescheiden, um darauf eine Antwort zu geben. Als er 1996 den Nobelpreis erhalten habe, sagt er, habe seine Entdeckung der "Buckyballs" bereits ein Jahrzehnt zurückgelegen. Er hätte sogar schon darüber nachgedacht, aus der Wissenschaft auszusteigen, um sich einen alten Traum zu erfüllen: die Eröffnung eines Grafikbüros. Auf einmal aber, sagt er, sei "dieses Verantwortungsgefühl" dagewesen. Und ein Publikum, das einem Nobelpreisträger Gehör schenkt, auch wenn es die Wissenschaft normalerweise gern überhört. "Ich mache hier bloß das, was ich einigermaßen gut kann. Ich halte Vorträge. Ich arbeite als eine Art Erzieher (, educator'). Ich weise auf die Bedeutung der , Goo-You-Wiki-World' für die Vermittlung von Wissenschaft hin."

Sein jüngstes Projekt heißt Geoset: Global Educational Outreach for Science Engineering and Technology. Die zugehörige Internetplattform hat Kroto von Florida aus gestartet, wo er auch mit 70 Jahren noch lehrt. Wissenschaftler aus aller Welt sollen hier kleine Lehrelemente und Präsentationen zum Download aus tauschen können. "Wir müssen auch den Lehrern helfen", sagt Kroto. Auch sie sollen zukunftsweisende Techniken wie die Nanotechnologie verstehen, um die wirkmächtigen religiösen Denkmuster und Vorbehalte im Unterricht überwinden zu können. Auch sie sollen endlich wieder Vorbilder sein.

Eine der Fragen, die den beiden Nobelpreisträgern im Technikmuseum gestellt werden, lautet: "Sie werben hier für die Nanotechnologie. Gehen nicht auch von dieser Technologie unberechenbare Gefahren aus?" Kroto antwortet: " Jede Technologie kann zum Nutzen und Schaden der Menschheit verwendet werden. Denken Sie an den Alkohol. Ein bisschen macht Spaß, tut gut. Zu viel davon bringt Sie um. In der Nanotechnologie stecken große Chancen, allein in der Medizin."

Die Schüler fragen zurück: "Wird es nicht Kontroversen geben, wenn wir mit der Nanotechnologie ganz tief ins Leben eingreifen?" Kroto antwortet: "Das ist keine Frage der Wissenschaft. Sie muss unabhängig und frei arbeiten können. Diese Frage müssen Sie der Gesellschaft stellen. Die Gesellschaft hatte einst auch die Möglichkeit, den Bau von Atombomben zu stoppen. Und die Gesellschaft besteht auch aus den Politikern, die Sie wählen."

Hmmm. Lange Gesichter. Schließlich meldet sich ein Mädchen mit großem Knutschfleck am Hals. "Also, was heißt das: Was soll ich studieren? Welches Thema ist wichtig"? Kroto und Rohrer antworten wie aus einem Mund: "Sie dürfen sich nicht nach anderen richten. Sie müssen machen, was Sie begeistert. Sie dürfen nicht forschen, um einen Nobelpreis zu gewinnen. Und Sie dürfen nicht aufgeben, weil Forschung Zeit braucht."

Es sei noch nicht lange her, sagt Harold Kroto später, als er mit seiner Frau am Strand von San Sebastián entlangläuft, da habe er nach einer Veranstaltung wie dieser einen Brief bekommen. Der Brief war nicht übermäßig lang. Er stammte von einer jungen Studentin aus Neuseeland, und er verfehlte seine Wirkung auf Harold Kroto nicht. " , Vielen Dank', schrieb mir dieses Mädchen. , Ich hatte Zweifel, ob die moderne Wissenschaft für mich das Richtige ist. Ich komme aus einer religiös geprägten Familie. Jetzt weiß ich, dass ich mit meinen Gedanken nicht allein bin.' "

Mit einem Nobelpreis, sagt Kroto, sei es ein bisschen wie bei einer guten Schulnote: In dem Moment, in dem man etwas erreicht habe, löse sich alles irgendwie in Luft auf.

Dieses Dankeschön aber bleibt. Dieser Brief, könnte man meinen, dient als Beleg dafür, dass Harold Krotos Arbeit Früchte trägt. Kroto selbst freilich würde dergleichen nie sagen. Er würde sich durchs Haar fahren, sagen: "Ich bin ein Wissenschaftler. Ich bin nicht hundertprozentig sicher. Aber zu 80 Prozent glaube ich, dass dies in die richtige Richtung geht."

Was bleibt, sind Zweifel. 20 Prozent. -

Die von Sir Harold Kroto angestoßenen Vega Science Trust-Videos - Gespräche mit Wissenschaftlern, Dokumentationen, Vorträge, Diskussionsbeiträge - finden sich kostenfrei im Internet unter vega.org.uk. Sein neues Projekt ist zu sehen unter: www.geoset.info.

Auch die Tagung der Nobelpreisträger in Lindau (Bodensee), die viel Wert auf den Austausch der Preisträger mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs aus aller Welt legt, ist inzwischen dabei, hochinteressante Audio- und Videomitschnitte aus 60 Jahren Lindau zugänglich zu machen: www.lindau-nobel.de (die Mediathek öffnet sich über "Watch Lectures Online Here").

Eine weitere Mediathek mit Interviews und Dokumentationen steht auf der Seite der Nobel- Stiftung in Stockholm: nobelprize.org/mediaplayer/

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