Ausgabe 09/2007 - Schwerpunkt Mehr Selbstständigkeit

Integrieren durch Investieren

- Ali Demir ist ein Bilderbuchmigrant. Ständig läutet zwischen unzähligen Papierstapeln das Telefon, weil beispielsweise jemand wissen möchte, wie das in Deutschland mit der Schulausbildung ist. Demir muss das wissen, weil er als Lehrer für Mathematik und Wirtschaft an der Abendschule lehrt und dort Betriebsrat ist. Oder ein Anrufer braucht Hilfe bei der Steuererklärung. Demir kann auch da helfen, weil er als Volkswirt einen Lohnsteuerhilfeverein leitet und eine Unternehmensberatung gegründet hat, in der er Bürokaufleute und Steuerfachangestellte ausbildet.

Das alte Büro von Ali Demir, mittlerweile ist er wegen Platzmangels ein paar Blocks weiter gezogen, liegt in der Keupstraße in Köln-Mühlheim. Morgens gibt es Backwaren im Café Ugur ("Traditionelle türkische Konditorei since 1970"). Wer Lust auf Döner hat, kehrt in kleine Buden ein oder ins "Mevlana", einen regelrechten Dönertempel mit Tischdecken. Wessen Heimweh groß ist, der geht zu Ikizler Reisen, Hochzeiten organisiert ein Laden, über dem "Dügün Evi" steht. Und die Brautkleider gibt es gegenüber, neben den Import-Export-Läden mit ihren Basarauslagen.

Die Keupstraße ist ein türkisches Dorf, mitten in Köln. Zwar kommen auch Deutsche einkaufen und zum Mittagessen, ein paar wohnen hier auch. Die Erdgeschossetagen, die Lokale und Geschäfte gehören aber türkischstämmigen Menschen. Zu großen Teilen spiegeln Ali Demir und seine Nachbarn das, was Selbstständigkeitsforscher über die sogenannte ethnische Ökonomie in Deutschland herausgefunden haben.

Es sind in erster Linie keine kulturellen Gründe, die Migranten zu Gründern werden lassen. Viele, die nicht gut ausgebildet sind, gründen Unternehmen, weil sie keine andere Wahl haben. 30 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen mit türkischen Wurzeln sind ohne Arbeit. Zudem sehen viele Gründer in der Selbstständigkeit eine Chance zu sozialem und ökonomischem Aufstieg, sie hat eine höhere Reputation als unter Deutschen. Dennoch ist spezielle Förderung der Selbstständigkeit von Einwanderern in Deutschland nicht weit gediehen. Dabei wäre das eine Chance: Wer hier investiert, hat ein wirtschaftliches Interesse an Integration.

Die meisten Unternehmen der ethnischen Ökonomie sind Familienbetriebe, ein paar bringen es zu beachtlicher Größe. Einige richten sich nur an Landsleute als Kunden, in der Regel umwerben sie aber auch deutsche Zielgruppen und sind mit deutschen Unternehmen verflochten, bei denen sie einkaufen. Dazu kommen gut Qualifizierte wie Demir, die als Mittler zwischen den Welten eine Nische gefunden haben und dafür sorgen, dass Zuwanderer die Ausbildung wichtiger nehmen.

Nach Erhebungen des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) an der Universität Mannheim arbeiten 566 000 Menschen "mit Migrationshintergrund" - also eingebürgerte wie ausländische in Deutschland als Selbstständige, ein Anteil an den ausländischstämmigen Erwerbstätigen von 9,7 Prozent. Die größte Gruppe unter den selbstständigen Migranten stellen die Türken, gefolgt von Italienern und Griechen. Dabei haben die Mannheimer Forscher seit Beginn der neunziger Jahre einen starken Anstieg der Selbstständigkeit unter den Migranten registriert, der Anteil der türkischen Selbstständigen hat sich fast verdoppelt. Allerdings scheitern sie häufiger als die deutschen.

Es gibt kaum Beratung für Migranten. Die Folge sind blauäugige Gründungen

Die Gastarbeiter aus Italien, Griechenland und der Türkei waren mit verschiedenen Anwerbeabkommen seit 1955 ins Land geholt worden, damit sie einfache Tätigkeiten erledigen, von denen es in Deutschland inzwischen immer weniger gibt. "Jeder zweite Migrant, der 2006 ein Unternehmen gegründet hat, war vorher arbeitslos", sagt René Leicht, Migrations-Experte am ifm. Zudem nehme die Konkurrenz von Migranten aus Osteuropa zu, die oftmals besser ausgebildet seien. Für viele Gastarbeiter der ersten Generation sei nur die Selbstständigkeit geblieben. "Dazu leiden deren Kinder und Enkel daran, dass die Bildungschancen mit der Herkunft zusammenhängen, sodass heute auch ihre Chancen am Arbeitsmarkt nicht immer gut sind", sagt Leicht. Migranten entscheiden sich früher zur Selbstständigkeit als Deutsche. "Sie sind im Durchschnitt fast 35 Jahre alt, während Deutsche im Schnitt erst mit 42 gründen", sagt Margarita Tchouvakhina, Expertin für Start-ups von Einwanderern bei der KfW-Bankengruppe. "Unter den Gründern mit Migrationshintergrund haben dabei 10,7 Prozent keinen Schulabschluss, unter den deutschen Gründern sind es lediglich 3,7 Prozent."

Ali Demir ist einer derjenigen, die ihre Herkunft nicht am Studium gehindert hat. Er kam 1951 als ältester Sohn einer Familie mit neun Kindern in einem anatolischen Dorf auf die Welt. Es gab 20 Schafe, ein paar Hühner, eine Kuh, zwei Felder für Kartoffeln. "Meine Eltern waren arme Bauern", sagt Demir. "Was wir brauchten, machten wir selbst, außer Zucker und Teeblätter." Der Jüngste hütete die Hühner, damit der Fuchs sie nicht holte. Ali, der Älteste, hütete die Schafe, vier Jahre lang, bis er zwölf war. Grundschule, Mittelschule, Gymnasium, teilweise zehn Kilometer Fußmarsch, in den Ferien Schafe hüten. Bis der Vater 1965 nach Deutschland ging, um für die Bahn Schienen zu verlegen, für 300 Mark im Monat - nicht viel in Deutschland, ein Vermögen in Anatolien. "Meine Eltern sagten: Die Ausbildung ist wichtig, um sich satt zu machen. Sonst bleibt man ein armer Bauer. Die Kinder waren für die türkischen Eltern eine Versicherung, wenn sie sie gut ausbilden. Das war eine gemeinsame Unternehmung."

Die Versicherung Ali Demir funktionierte prächtig. Er studierte Volkswirtschaft in der Türkei und folgte seinem Vater Ende der siebziger Jahre nach Deutschland, wo, auch das ist ein Problem zahlreicher Migranten, sein Abschluss nicht anerkannt wurde. Er lernte Deutsch und machte in Köln das Hauptstudium noch einmal, nebenbei jobbte er in einem Lohnsteuerhilfeverein: "Da habe ich gelernt, Steuererklärungen für Gastarbeiter zu machen. Die hatten ihre Familien in der Türkei. Vor allem bei der doppelten Haushaltsführung kannte ich mich aus."

Die Situation von Ali Demir, der überwiegend türkische Kunden hat, ist typisch für gut qualifizierte Einwanderer, die eigene Unternehmen haben. Während Unternehmer in Sektoren wie dem Gastgewerbe auf Laufkundschaft angewiesen seien, stellten bei vielen Dienstleistungen Landsleute den größten Anteil an der Kundschaft, schreiben die ifm-Wissenschaftler in einer 2005 veröffentlichten Studie. Vor allem Türken fragten Unternehmens-, Steuer- und Rechtsberatung bei ihren Landsleuten nach.

Das Gros der ausländischen Gründer sind Gastronomen. Während mehr als die Hälfte aller griechisch- und italienischstämmigen Selbstständigen gastronomische Betriebe gründet, ist es bei den türkischstämmigen nur jeder vierte, davon entfallen 90 Prozent auf Fastfood-Lokale. Dass es in diesen Nationen eine größere Selbstständigenkultur gebe, hält der Wissenschaftler René Leicht aber für einen Mythos: "Die Selbstständigenquoten in der Türkei kann man nicht mit jenen Deutschlands vergleichen, weil es dort wesentlich mehr kleine landwirtschaftliche Betriebe gibt." Außerdem sei die Wirtschaftsstruktur zum Beispiel in Italien eine andere: "Sie haben dort kaum Kaufhäuser und mehr kleine Bekleidungsgeschäfte. Es gibt auch wegen des Tourismus viele kleine Bars, die hier gar nicht nachgefragt werden. Selbstständigenquoten sind kein Indikator für Prosperität. In Entwicklungsländern gibt es höhere Quoten als in reichen Industriestaaten." Die entscheidende Frage sei, welche Unternehmen gegründet würden.

Migranten gründen nicht nur, um aus der Arbeitslosigkeit zu fliehen. Ali Demir sagt: "Ein türkischer Mann konnte, wenn er als Gastarbeiter gekommen war, nicht sagen: Ich bin arbeitslos." Eine Frage der Ehre sei das gewesen. Er weiß, wovon er spricht; auch sein Vater hatte in den achtziger Jahren keine Arbeit mehr. In der Keupstraße gibt es zahlreiche Unternehmen, die in dieser Zeit gegründet wurden. Allerdings sind bis heute nicht alle Gründer so kompetent im Gründen, wie sie motiviert sind: "Weil es kaum eine Beratung der Wirtschaftsförderung für Migranten gibt, ist das oft schwierig. Die investieren manchmal, wie ein Blinder schießt", sagt Demir.

Wer aus politischen Gründen die Heimat verließ, hat manchmal Angst vor Behörden

In der Keupstraße gibt es in einem Hinterhof einen Trog aus Beton. Er steht vor einem Teppichladen. Errichten ließ ihn ein Türke, der ein Fischrestaurant eröffnen wollte, aber nicht ahnte, wie lange es mit den behördlichen Genehmigungen dauern könnte. Die Genehmigung kam zu spät. Der Trogbauherr ging pleite. Der Trog ist geblieben.

Damit so etwas nicht häufiger passiert, berät in Hamburg das Zentrum für Existenzgründungen und Betriebe von Migranten mit Hilfe des Vereins "Unternehmer ohne Grenzen" meist Arbeitslose, die gründen wollen. Auch die Handelskammer Hamburg hat mit der Arbeitsgemeinschaft türkischer Unternehmer und Existenzgründer (ATU) eine Organisation eingerichtet, die sich um die Belange ausländischer Unternehmer kümmert.

Im Foyer der Kammer gab es bis vor Kurzem eine Ausstellung unter dem Titel "Wir sind Hamburger", in der zahlreiche Gastarbeiterbiografien dargestellt wurden, Unternehmer, die klein anfingen und heute Anwälte sind, große Dönerspießfabrikanten oder riesige Lebensmittelläden für die Community betreiben.

Viele Träume von Migranten, ähnlich erfolgreiche Unternehmen zu gründen - die meisten sind ohnehin Familienbetriebe -, sind in Gesprächen mit Brit Tiedemann geplatzt. Sie hat Steuerfachangestellte gelernt, Betriebswirtschaft studiert und einen MBA draufgesetzt. Dann hat sie bei den Unternehmern ohne Grenzen gründungswillige Migranten beraten. Unter ihnen scheiterten viele schon am Business-Plan. "Der Plan ist wichtig. Mir liegt immer viel daran, dass der Gründer ihn als Leitfaden versteht und nicht als notwendiges Übel", sagt Brit Tiedemann.

Die Beratung des Vereins wird aus EU-Mitteln und von der Arbeitsagentur bezahlt. Viele Gründer kommen hoch motiviert zu Brit Tiedemann. Für ihren Business-Plan müssen sie sich um einige Fragen kümmern: Wer sind mögliche Kunden? Wie steht es um Konkurrenz? Wie viel Geld brauche ich, und woher bekomme ich es? Was verdiene ich mit meiner Idee, und was muss ich verdienen, um meine Familie ernähren zu können? Weil die Antworten gerade zur Konkurrenzsituation bisweilen ernüchternd sind, verzichten manche Kandidaten lieber darauf, einen Im- und Exportladen oder einen Kurierdienst zu gründen.

Brit Tiedemann hat beobachtet, dass viele Migranten Berührungsängste mit der Verwaltung haben: "Wenn jemand sein Land wegen der politischen Situation verlassen musste, dann ist da kein Vertrauen. Ich versuche zu zeigen, dass Behörden helfen." Sie betreut die Suche nach passenden Förderungen und Krediten. Was auch nötig ist: Zahlreiche Studien zur Selbstständigkeit von Migranten weisen darauf hin, dass sie wenig über mögliche Förderung wissen. Oft scheitert das an der Sprache, weshalb beispielsweise die KfW versucht hat, Migranten über Medien in ihrer Muttersprache zu erreichen. Zu Ämtern begleitet Tiedemann ihre Klienten aber nicht: "Ich kann versuchen, die Leute zu stärken. Die Idee vertreten müssen sie selbst, wenn sie Unternehmer sein wollen." Die Frau weiß, wovon sie spricht: Vor ein paar Monaten hat sie sich als Gründungsberaterin selbstständig gemacht.

Dass zahlreiche Gründer auch ohne Förderung auskommen, erklärt Kazim Abaci, der Geschäftsführer der Unternehmer ohne Grenzen, mit dem starken Familienzusammenhalt: "Das ist eine Stärke der Migrantenökonomie. Schlechtere Voraussetzungen bei Bildung oder Sprache kompensieren Migranten oft durch sozialen Rückhalt. Ein wichtiger Grund für Gründungen ist, dass auch die Familienmitglieder Arbeit haben. So bekommen sie von ihnen oft auch Kapital für Gründungen geliehen."

Geld zu investieren bedeutet häufig auch, dass einer im Land bleiben will. "Viele meiner Landsleute sind physisch in Deutschland, aber gedanklich in der Türkei", sagt Ali Demir, der ihnen in der Stadtteilzeitung deswegen regelmäßig ins Gewissen redet. Auch was die Steuerzahlungsmoral anbelangt, hat er bisweilen einen schweren Stand. So sitzen ihm manchmal Mandanten gegenüber, die darüber schimpfen, dass sie schon wieder Umsatzsteuer zahlen sollen, wo sie das doch erst im vergangenen Monat getan haben. Und Einkommen- und Unternehmensteuer auch noch. Und nichts bekämen sie dafür. Ali Demir fragt dann: Hast du Kinder? Sechs? Dann rechnet er das Kindergeld aus und was die Schulen kosten, und meistens sind die Leute dann wieder zufrieden. Ali Demir ärgert sich ein bisschen über Familien, die alle paar Monate das Gewerbe abmelden und von einem anderen Familienmitglied wieder aufnehmen lassen, um Steuerprüfungen zu entgehen.

Nach so einer Geschichte lächelt er aber meist versöhnlich, als spreche er über seine schlitzohrigen Kinder. Schließlich verbessere sich das alles mit der Zeit.

Manches verbessert sich aber nicht. Zum Beispiel wundert sich Demir, wenn er über die Keupstraße schlendert, über das, was der Forscher René Leicht so formuliert: "Die Konzentration auf Einzelhandel und Gastgewerbe innerhalb der ethnischen Ökonomie kann zu vernichtendem, auch innerethnischem Verdrängungswettbewerb führen, was oft auch an der schlechten Vorbereitung und Ausbildung liegt."

Da ist zum Beispiel ein Türke mit einem Bekleidungsgeschäft. Darin hängen Herrenanzüge, schwere dunkle Stoffe, Mode für den traditionsbewussten Einwanderer. Er sagt, dass die Geschäfte schlechter gingen seit einem Bombenanschlag in der Straße vor ein paar Jahren. Ali Demir sagt draußen, dass die Brüder des Mannes auch Bekleidungsgeschäfte eröffnet haben. Ebenfalls in der Keupstraße, links und rechts vom Bruder.

Die Erinnerung an den bis heute nicht aufgeklärten Bombenanschlag von 2004 lastet dennoch über der Straße, und sei es als Erklärung für ausbleibende Geschäfte. Damals explodierte ein mit Nägeln versetzter Sprengsatz. Die Feuerwehr sprach von einer Spur der Verwüstung. Es sah aus, als sei Krieg in Köln und die Keupstraße Schauplatz des Häuserkampfes. Aber Ali Demir gab nicht auf. Er hatte auch nicht aufgegeben, als die Straße wegen Drogenhandels in Verruf geraten war und die Polizei in Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft Keupstraße Plakate klebte. "Alle, die investiert hatten, wollten, dass die Straße einen guten Ruf hat", sagt er. So hat der Wunsch nach wirtschaftlichem Erfolg das bürgerschaftliche Engagement der Geschäftsleute gestärkt und Ali Demir einen Brief der Stadt eingebracht, den er stolz vorzeigt und in dem steht, dass sie ihn für seine ehrenamtliche Arbeit auszeichnen möchte.

Neben gesellschaftlicher Integration sieht Margarita Tchouvakhina von der KfW noch einen weiteren Grund, warum Deutschland von Gründungen durch Migranten profitiert: "Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung haben wir auch ein ökonomisches Interesse daran, dass viele Menschen in Beschäftigung sind und Unternehmen gründen."

Die Kinder türkischer Einwanderer haben eine Chance mehr: Sie sprechen eine Weltsprache

In den vergangenen Jahren drängen zunehmend Angehörige der dritten Generation der Gastarbeiter auf den Arbeitsmarkt. Viele kennen wie Ali Demirs Kinder die Heimat ihrer Familien nur als Urlaubsziele. Viele sind besser ausgebildet als ihre Eltern und Großeltern. Viele verstehen, so schreibt das Zentrum für Türkeistudien, Selbstständigkeit nicht als Alternative zur abhängigen Beschäftigung, sondern messen ihr einen "hohen Eigenwert als Symbol der Unabhängigkeit und als Ausdruck einer besonderen Lebens- und Arbeitsform" zu.

Dennoch bilden von Migranten gegründete Unternehmen seltener aus als deutsche, was für die Entwicklung der Qualifikation schlecht ist, weil die meisten dieser Unternehmen überwiegend Landsleute beschäftigen. Die Türkisch-Deutsche Industrie- und Handelskammer (TD-IHK) in Köln würde das gern ändern. Gegründet, um deutschen und türkischen Unternehmen gegenseitige Kontakte zu vermitteln, gibt es nun auch ein Projekt, um türkischen Unternehmern in der Region das duale Ausbildungssystem zu erklären. Holger Hey, Geschäftsführer der TD-IHK, sagt: "Viele kennen es gar nicht. Wenn sie sehen, dass es gut ist, die Kinder auszubilden, weil die dann einen Abschluss haben, können wir sie auch dafür begeistern." 260 Ausbildungsstellen hat das Team in zweieinhalb Jahren akquiriert. Hey wirbt auch dafür, Jugendlichen mit Migrationshintergrund Chancen zu geben: "Diese jungen Leute haben ungeheures Potenzial. Sie sprechen eine Weltsprache und kennen zwei Kulturen."

Notwendig ist das auf jeden Fall, um zusammen mit besserer Gründungsberatung etwas gegen die Arbeitslosigkeit unter den Einwanderern zu tun. Denn das Problem wird das Land nicht loslassen. Doppelte Haushaltsführung spielt in Ali Demirs Steuersparmodellen kaum noch eine Rolle. -

Selbstständige Migranten

Gesamtzahl der Selbstständigen mit Migrationshintergrund (eingebürgerte und ausländische) in Deutschland: 566 000
Selbstständigenquote (Anteil der Selbstständigen an den Erwerbstätigen) in Prozent: 9,7

Gesamtzahl aller deutschen Selbstständigen (2005) in Millionen: 3,72
Selbstständigenanteil unter den Deutschen in Prozent: 11,1

Anzahl türkischstämmiger Selbstständiger: 66 000
Selbstständigenquote in Prozent: 7,5

Anzahl italienischstämmiger Selbstständiger: 53 000
Selbstständigenquote in Prozent: 14,3

Anzahl griechischstämmiger Selbstständiger: 28 000
Selbstständigenquote in Prozent: 15,2

Quelle: Institut für Mittelstandsforschung (ifm), Mannheim 2005

 

Wirtschaftskraft türkischer Selbstständiger in Deutschland 1985 -> 2005

Selbstständige: 22 000 -> 64 600
Durchschnittl. Investition pro Betrieb in Euro: 88 400 -> 114 000 Investitionsvolumen insgesamt (in Mrd. Euro): 1,9 -> 7,4
Durchschnittsumsatz pro Betrieb in Euro: 400 000 -> 457 000
Jährlicher Gesamtumsatz (in Mrd. Euro): 8,8 -> 29,5
Beschäftigte pro Betrieb: 3,5 -> 5,0
Beschäftigung insgesamt: 77 000 -> 323 000

Quelle: Zentrum für Türkeistudien, Essen 2005

 

Qualifikationsniveau türkischstämmiger Migranten:

Berufliche Ausbildung: Zahl -> Prozent

Kein Berufsabschluss: 17 300 -> 26,8
Nur deutscher Berufsabschluss: 23 400 ->36,3
Nur türkischer Berufsabschluss: 8 500 ->13,2
Deutscher und türkischer Berufsabschluss: 3 600 ->5,5
Nur deutscher Universitätsabschluss: 6 300 ->9,8
Nur türkischer Universitätsabschluss: 3 600 ->5,5
Deutscher und türkischer Universitätsabschluss: 1 900 ->2,9
Insgesamt 64 600 ->100

Quelle: Zentrum für Türkeistudien, Essen 2005

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