Ausgabe 09/2006 - Schwerpunkt Ortsbestimmung

Jenseits des Tellerrands

Erst wurde die Region Bregenzerwald im westlichsten Zipfel Österreichs als förderungswürdig von der EU eingestuft. Dann kamen mit den EU-Geldern jede Menge Berater. Und als sie 1999 wieder gingen, hinterließen sie den 30000 Einwohnern in ihren 22 Kleinstgemeinden mit rund 400 Handwerksbetrieben eine gut gemeinte Idee: Der „Werkraum Bregenzerwald", eine Art Dachorganisation für das regionale Handwerk, sollte alle drei Jahre den Gestaltungswettbewerb „Handwerk und Form" organisieren. Internationale Designer und Architekten sollten mithilfe von Handwerkern aus der Region ihre Ideen umsetzen - und so das Bregenzerwälder Handwerk bekannt machen.

So klingt oft das Ende einer EU-Förderungsgeschichte. Anders im Bregenzerwald. Dort traf die Idee auf eine neue Generation von Handwerkern, die gerade die alteingesessenen Betriebe der Eltern übernommen hatten. Unter ihnen herrschte, so der Schreiner Markus Faißt, „eine kulturelle und emotionale Unzufriedenheit". Ihnen kam der Werkraum gerade recht.

Heute, gut sieben Jahre später, ist die Marke Bregenzerwald ein Begriff. Es gibt eine permanente Ausstellung in der Region, in der man Möbel, Teppiche, Kleider, Schmuck oder Bodenbeläge sieht - alles in hochwertigem, schlichtem, sehr zeitgemäßem Design. Es wird eine Zeitschrift herausgegeben. Es gibt einen Internetauftritt. Der Wettbewerb „Handwerk und Form" findet in diesen Tagen zum dritten Mal statt - mehr als 110 Designer und Architekten aus der ganzen Welt haben sich beworben.

Und es gibt mit Karin Kaufmann eine Halbtagskraft, deren Hauptaufgabe es ist, die zahlreichen Besuchsanfragen von Journalisten und Politikern zu koordinieren. Denn nun wollen viele wissen, wie das funktionieren kann: die Stärkung des Handwerks in einer Region.

Auf den ersten Blick eine merkwürdige Frage. Wen interessiert das Handwerk? Jahrzehntelang galt es als verstaubt und rückwärtsgewandt. Schaut man sich die Pressearchive der vergangenen zehn Jahre an, so gibt es außer in Handwerkerfachzeitschriften im Grunde keine erwähnenswerten Berichte - sieht man von Debatten über die Notwendigkeit von Meistertiteln, das Problem der Schwarzarbeit oder die Bedrohung alteingesessener Handwerker durch polnische Fliesenleger ab. Und auch in der Politik standen statt den Handwerkern Großkonzerne, Zukunftstechniken oder der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft im Fokus des Interesses.

Warum also pilgern so viele in den Bregenzerwald?

Unter anderem deshalb, weil viele Kommunalpolitiker ein baldiges Ende der EU-Agrarsubventionen erahnen - und nach neuen Beschäftigungsfeldern für die Bauern suchen, die dann keine Unterstützung mehr erfahren werden. Und weil man langsam die bisher oft völlig unterschätzte Bedeutung des Handwerks für die Entwicklung und den Wohlstand einer Region erkennt.

Rund 923 000 Handwerksbetriebe, in denen zirka 4,8 Millionen Menschen arbeiten und rund 480000 Lehrlinge eine Ausbildung erhalten, gab es im vergangenen Jahr allein in Deutschland. Anders ausgedrückt: 12,4 Prozent aller Erwerbstätigen und 30,7 Prozent aller Auszubildenden sind hierzulande im Handwerk tätig. Gemeinsam erwirtschafteten sie 2005 einen Umsatz von 456 Milliarden Euro.

Viele Handwerksbetriebe in einer Region bedeuten nicht nur viele Arbeitsplätze, Ausbildungsmöglichkeiten, eine gute Sozialstruktur und eine hohe Wertschöpfung, sondern auch einen hohen Grad an Innovationskraft. Denn Handwerker sind nicht nur selbst oft Tüftler. Sie sorgen auch dafür, dass Innovationen aus der Industrie oder den Universitäten sich auf dem Markt durchsetzen. Die Handwerker sind es, die die Solaranlagen dem Kunden nahe bringen und auf dem Dach montieren. Und sie sind es auch, die von den Alltagsproblemen erfahren, die Menschen mit neuen Techniken haben.

Manchmal hat das zur Folge, dass Rückmeldungen an die Industrie erfolgen, die daraufhin ihre Produkte verbessert. Und immer wieder führt es auch dazu, dass Handwerker sich selbst einer Sache annehmen, ein neues Unternehmen gründen und zum Mittelständler reifen. So lautet das Fazit der Studie „Zukunft Handwerk!", die verschiedene Handwerkskammern vor kurzem beim Marktforschungsunternehmen Prognos in Auftrag gegeben haben. „Das Handwerk leistet entscheidende Beiträge zur Innovation in Deutschland. Die Rolle des Handwerks ist vielfältig und erstreckt sich über den gesamten Innovationsprozess." Außerdem gilt: Ist einmal eine kritische Menge an Handwerksbetrieben und Industrieunternehmen in einer Region überschritten, kann eine fruchtbare Wechselbeziehung entstehen, die in Wohlstand für die gesamte Region mündet. Das Handwerk fragt die Produkte der regionalen Industrie nach. Die Industrie übernimmt gern die gut ausgebildeten Lehrlinge aus den Handwerksbetrieben. Und gegenseitig inspiriert man sich, sodass immer wieder innovative, marktreife Produkte entstehen.

Kilian Bizer, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Göttingen und gleichzeitig Direktor des dortigen Seminars für Handwerkswesen, sagt: „Viele denken nur an den Bäcker oder den Friseur, wenn vom Handwerk die Rede ist. Dabei gibt es vor allem im Metallbereich unglaublich innovative Betriebe. Das Handwerk allein kann keine Region stark machen. Aber dort, wo sich eine Industrie gut entwickelt, dort entwickelt sich auch ein gutes Handwerk. Und umgekehrt." Die geistige Armut ist das größte Problem des Handwerks. Sagt eine, die es wissen muss Das Paradebeispiel für eine solche Entwicklung ist Baden-Württemberg, erklärt Christine Ax. Die Unternehmerin und Wissenschaftlerin hat jahrelang die Zukunftswerkstatt der Hamburger Handwerkskammer geleitet. „Im 17,18. Jahrhundert hat man die Bauernhöfe in Baden-Württemberg drastisch zwangsverkleinert. Die Erträge der Höfe reichten plötzlich nicht mehr. Die Bauern mussten etwas dazuverdienen - aus der Not heraus gründeten sie kleine Handwerksbetriebe, wurden geschäftstüchtig und weltläufig. Das ist einer der Gründe für die heutige Stärke der Stuttgarter Region", sagt Ax, die nicht müde wird, immer wieder auf die Bedeutung des Handwerks hinzuweisen.

Vor allem jetzt, da die Chance bestehe, dass die Handwerker ihre Minderwertigkeitskomplexe ablegen. Christine Ax empfiehlt ihnen, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und neue Erfahrungen zu sammeln, denn „dort, wo Handwerk mit Bildung gepaart wird, wo Quereinsteiger handwerklich tätig werden, wo Anregungen von außen zugelassen werden, da floriert die Region". Und: „Die geistige Armut ist das größte Problem des Handwerks." Der Schreiner Markus Faißt aus dem Bregenzerwald ist einer dieser neuen, weltoffenen Handwerker. Der heute 44-Jährige machte erst eine Lehre zum Schreiner in seiner Heimat, um dann für vier Jahre als Entwicklungshelfer nach Kolumbien zu gehen. So fremd sei ihm Südamerika damals vorgekommen, dass es ihn geschmerzt habe. Um den Schmerz zu lindem, beschäftigte er sich intensiv mit seiner Heimat, fragte sich, was seine Wurzeln waren. „Ich musste mir im Geiste etwas aufbauen, um die Sehnsucht zu ertragen." Nach einem anschließenden wirtschaftlichen Aufbaustudium und zwei Jahren Arbeit bei einem „akademischen Innenarchitekten" in Wien kehrte er 1992 in seine Heimat zurück und übernahm den Betrieb seines Vaters.

Dort engagiert er sich nun im Werkraum und hat beim jüngsten „Handwerk-und-Form"-Wettbewerb mit einem deutschen Produktdesigner eine „Tischbank" hergestellt. Diese Kombination aus Tisch und Bank wurde bei dem Wettbewerb ausgezeichnet und war mittlerweile auf den wichtigsten Möbelmessen in Deutschland, Italien und Japan. Davon profitieren Markus Faißt und die Region.

Der Designer hat den Schreiner nach der guten Zusammenarbeit nun für ein Projekt in der Münchener Pinakothek vorgeschlagen. Und dem Bregenzerwald gelingt es dank solcher Kooperationen trotz der immer größer und billiger werdenden Konkurrenz aus Osteuropa, die alten Wurzeln des Handwerks und seine aufwendigen Verarbeitungsverfahren zu bewahren. Denn die Kunden sind bereit, für zeitgemäßes Design in Verbindung mit hoher handwerklicher Qualität zu zahlen.

An der Modernisierung des Handwerks durch Kooperationen arbeitet auch der Ingenieur Reinhold Bottin in Nordrhein-Westfalen (NRW). Seit gut 20 Jahren ist er mit seinen Kollegen vom Technologie-Transfer-Ring Handwerk für NRW zwischen Minden, Köln, Oberhausen und Siegen unterwegs, um Handwerksbetriebe durch neue Ideen zu inspirieren. Finanziert werden sie zur einen Hälfte von den Handwerkskammern, zur anderen vom Wirtschaftsministerium NRW.

Bottin und sein Team beraten bei technischen Problemen und stellen möglicherweise hilfreiche Kontakte zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen her. Ein wichtiges Ziel ist es, Handwerkern neue Techniken nahe zu bringen. Jeden Monat fährt Bottin mit seinen Kollegen an eine Hochschule oder ein Fraunhofer-Institut und informiert sich dort über aktuelle Forschungsprojekte. Zeichnet sich ein für das Handwerk interessantes Thema ab, wird eine Informationsveranstaltung organisiert. Vor kurzem etwa zur LED-Technik (LED steht für Light Emitting Diode, Leuchtdiode). Im Schnitt erscheinen 150 Handwerker bei solchen Gelegenheiten, um dazuzulernen und sich auszutauschen.

Die Ergebnisse lassen sich sehen. So entstand eine fruchtbare Kooperation zwischen einem Handwerksbetrieb und einem medizinisch-psychologischen Fachbereich, wo „Lichttherapie" erforscht wird. Der Handwerker baut die entsprechenden Geräte, die gemeinsam mit den Wissenschaftlern ständig verbessert werden.

In der Region Göttingen-Braunschweig-Hannover hat man zunächst den Austausch unter den bestehenden Handwerksunternehmen untersucht, um herauszufinden: Wer hat eigentlich mit wem etwas zu tun? Denn, so Professor Bizer: „Es gibt dort auf dem Land viele Handwerker, die zwar national agieren, aber sich kaum mit ihrem Nachbarbetrieb austauschen." Statt auf Anregungen von Designern oder von Universitäten setzt man im Raum Göttingen auf die gegenseitige Inspiration der Handwerker. Bei Veranstaltungen, die von der Universität Göttingen initiiert werden, trifft etwa der Küchenbauer, der auf der Suche nach einer harten Arbeitsplatte ist, auf den Handwerksbetrieb aus dem Nachbarort, der spezialisiert ist auf Verhärtung von Oberflächen.

Bingo?

Nicht unbedingt.

Von den 1312 Handwerksbetrieben, die in der Prognos-Studie schriftlich befragt wurden, gaben 40 Prozent an: „Wir werden aufgrund von Finanzierungsproblemen an der Umsetzung innovativer Ideen gehindert." Der Grund dafür ist, dass die meisten Handwerksbetriebe nur über eine dünne Eigenkapitaldecke verfügen. Vor allem in Zeiten, in denen durch die sogenannte Basel-II-Regelungen den Banken strengere Vorgaben für die Kreditvergabe gemacht wurden, gibt es für viele Handwerker keine attraktiven Darlehen mehr. Gleichzeitig sind die Renditen, die Handwerker erwirtschaften, oft zu klein, als dass sie für Risikokapitalgeber interessant waren.

Ein Problem, das das Handwerk hemmt - und es, wenn es auf kluge Weise gelöst wird, beflügeln kann. So etwa in der norditalienischen Region Friaul, im sogenannten Dreieck der Stühle. Rund 1000 kleine Handwerksbetriebe produzieren dort in Arbeitsteilung einen Großteil aller weltweit hergestellten Stühle. Experten wie der Wirtschaftsprofessor Alberto Guenzi halten vor allem das Verhalten der lokalen Bank Cassa rurale ed artigiana di Manzano für entscheidend für die Entwicklung der Region. Die Bank engagiert Handwerker, die sie bei der Kreditvergabe für Handwerksbetriebe beraten, etwa, indem sie sich durch persönliche Besuche ein sehr genaues Bild von den Kollegen machen. Anschließend teilen sie ihre Einschätzung den Bankern mit. Als Folge dieser Maßnahme florierten nicht nur die Handwerksbetriebe im Stuhldreieck, sondern auch die Bank.

Anlaufstellen für solche und andere Kooperationen zwischen Handwerk und anderen Institutionen gäbe es gerade in Deutschland mehr als genug: etwa die Handwerkskammern, in denen Handwerksbetriebe Pflichtmitglied sind. Sie können durch Beratungen etwa über EU-Gelder-Förderung, Existenzgründerseminare oder Hilfsangebote im Insolvenzfall einen sehr wichtigen Beitrag zur Regionalentwicklung leisten. Und sie können helfen, die Interessen der Handwerker einer Region zu bündeln.

Die ideale Konsumentengruppe für das Handwerk hat schon einen Namen: Lohas Zum Beispiel durch das Schaffen einer gemeinsamen Präsentationsplattform, einer Marke wie der „Werkraum" im Bregenzerwald. Etwas Ähnliches gibt es auch im Dreieck der Stühle, wo die Marketingdachorganisation „Promosedia" etwa eine Möbelmesse organisiert. Und im Göttinger Raum versucht man den Begriff „Genius Göttingen" zu etablieren.

Einen anderen Weg geht das Leipziger Unternehmen Tectonet (siehe brand eins 01/2004), das die Interessen von Handwerkern bei der Bewerbung um öffentliche Bauaufträge bündelt. Die Vergabeverfahren sind häufig so komplex, dass sie kleine Betriebe überfordern. Zudem werden die Aufträge allein aufgrund ihrer Größe normalerweise an Baukonzerne vergeben. Seit der Gründung von Tectonet 2001 haben die beiden Geschäftsführer Axel Dietrich und Rafael Salzberger daher eine Kartei von mittlerweile mehr als 400 Handwerksbetrieben angelegt, mehr als 300 kommen aus der Region um Leipzig.

Entdecken die beiden Vermittler einen interessanten öffentlichen Auftrag, bewerben sie sich darum, zerlegen ihn und bieten die einzelnen Teile den Handwerkern aus ihrem Pool an. Erst wenn der Auftrag schließlich gewonnen ist und der Auftraggeber gezahlt hat, müssen die Handwerker an Tectonet fünf Prozent der Auftragsnummer überweisen. Ein faires Verfahren, bei dem neben der Tectonet GmbH und den Handwerkern vor allem die Region profitiert.

Genau wie durch die Zunft AG, so zumindest der Plan. Seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 2000 kauft oder mietet die Zunft AG brachliegende Industrieflächen in deutschsprachigen Ballungszentren. Gegen eine günstige Miete können sich anschließend Handwerker in den Gebäuden einmieten und ihre Produkte dort anbieten. So sollen in den Innenstädten große, marktähnliche Orte entstehen, in den zu rund 50 Prozent regional Erzeugtes gekauft werden kann.

Das Konzept erinnert an das des Versandhandels Manufaktum, allerdings sollen die Produkte billiger angeboten werden. „Und zum Großteil auch durch den Erzeuger angeboten und verkauft", sagt der Fachbeiratsvorsitzende der Zunft AG, Christoph Hinderfeld. Zielgruppe: die immer größer werdende Konsumentengruppe der Lohas (Lifestyles of Health and Sustainability), Leute also, die einen gesunden und nachhaltigen Lebensstil schätzen. In Zukunft müssten sie dann nicht mehr an verschiedene Orte fahren, um in Handarbeit produzierte Waren zu kaufen, sondern nur noch etwa zur Rinderauktionshalle nach Berlin oder zum Kraftwerk in Erfurt. Die Anzahl potenzieller Kunden für jeden einzelnen Handwerker steigt - dank der gemeinsamen Vermarktungsplattform - gewaltig.

So also, durch Inspiration von außen und die Bündelung von Interessen, könnte es sich entwickeln, das Handwerk in einer Region und damit die Region an sich.

Könnte.

Wäre da nicht die Unklarheit, wer überhaupt dafür zu sorgen hat, dass es dem Handwerk langfristig gut geht: die Politik, weil sie den nachhaltigen Nutzen des Handwerks für die Menschen und die Wirtschaft erkannt hat? Oder die Handwerker selbst, die ein Interesse daran haben sollten, dass ihre Existenz auch in Zeiten der Globalisierung gesichert bleibt?

„Die Weitsicht ist Sache der Politik", sagt Karin Kaufmann, die Halbtagskraft beim Werkraum im Bregenzerwald. „Man kann nur an einigen Stellen Initialzündungen geben und dann hoffen, dass die Handwerker die Dinge weiterführen", sagt Professor Bizer von der Universität Göttingen. Fast alle Beteiligten sind sich einig: Handwerker muss man häufig zu ihrem Glück tragen. Sie sind es nicht gewohnt, über sich oder ihre Strategie nachzudenken. Sie sind oft sehr misstrauisch, wenn es um die Zusammenarbeit mit anderen geht. Und sie haben meist nicht die Kapazitäten, um Zeit oder Kraft in Dinge zu investieren, deren direkter Nutzen nicht klar erkennbar ist.

„Eine träge Masse gibt es überall", sagt dazu Christine Ax. Und Bizer meint: „Wir müssen auf die Pioniere unter den Handwerkern setzen. Sowie bei der Ausbildung von Handwerkern auch auf Dinge wie Sozialkompetenz Wert legen." Einsatzmöglichkeiten für solche kommunikative Fähigkeit gibt es überall, wo man versucht, das regionale Handwerk zu stärken: Im Bregenzerwald herrscht etwa derzeit Uneinigkeit über den Mitgliedsbeitrag für den Werkraum. Die einen sagen, mit 150 Euro plus 30 Euro pro Mitarbeiter und Jahr sei er zu hoch. Bei einem niedrigeren Beitrag würden sich noch mehr als die momentan 70 von 400 Handwerksbetrieben des Bregenzerwalds engagieren. Die anderen finden die Höhe angemessen. Sie ärgern sich aber darüber, dass sie mit ihrem Mitgliedsbeitrag für eine Verbesserung des Images der gesamten Region und damit auch der 330 nicht zahlenden Handwerksbetriebe sorgen.

Und in Norddeutschland haben die Göttinger und die Northeimer um den Namen gerungen, mit dem sie nach außen auftreten wollen. Bis die Northeimer bereit waren, die Marke „Genius Göttingen" zu akzeptieren, war es ein langer Prozess. Und ein hartes Stück Arbeit für die Region. Zum Weiterlesen: „Landschaft des Wissens" heißt ein weiteres Projekt, mit dem die österreichische Region Kärnten versucht, nützliche Anregungen für das Handwerk in die Region zu holen. Kernstücke des Projektes sind Symposien und Buchveröffentlichungen zu Regionalthemen. Das jüngste Symposium fand im Juni 2006 unter dem Motto „l. Internationale Handwerkergespräche am Weissensee" statt. Die dazu entstandene, empfehlenswerte Veröffentlichung heißt „Strategien des Handwerks" und ist bei Haupt erschienen. (www.landschaft-des-wissens.org)

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