Ausgabe 09/2006 - Mikroökonomie

Ein Ureinwohner in Peru

Alberto Santoma Shantiori gehört zum Volk der Asháninka im peruanischen Regenwald. In seinem Dorf Chamiriari am Rio Perené gibt es keine Straße, keinen Strom, keine Kerzen und genau einen Wasserhahn für 200 Menschen. Der Wald gehört allen. Shantiori nennt ihn "meinen Supermarkt". Dort sammelt er Früchte, Wurzeln, Heilkräuter, Würmer, Spinnen, Raupen und jagt mit dem Bogen oder dem Gewehr Vögel, Wildschweine, Rehe oder Affen. Auf einem kleinen Feld baut der 41-Jährige außerdem mit seinen Brüdern Maniok und Kaffee an. Alle wohnen zusammen unter einem dicht geflochtenen Blätterdach, Wände gibt es nicht. Der Vater von vier Kindern hat nie eine Schule besucht, zählt aber zu den wenigen im Dorf, die Spanisch sprechen.

Monatsverdienst, Monatsgrundkosten, Altersvorsorge:

"Alles, was wir essen, und auch die Medizin holen wir aus dem Wald. Den Kaffee verkaufe ich mit meinen Brüdern einmal im Jahr an einen Zwischenhändler in der nächsten Stadt. Für 1000 Kilo bekommen wir 3000 bis 4000 Soles, zirka 960 Euro. Davon bezahlen wir die Transportkosten und kaufen alles für die insgesamt 20-köpfige Großfamilie, was wir nicht im Wald finden können - Kleidung, Munition, Salz, Zucker und Schulhefte. Meine vier Kinder sollen zur Schule gehen und später in der Stadt arbeiten, so dass sie mich unterstützen können, wenn ich alt bin. Bei uns jagen aber auch noch die 70-jährigen Männer."

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

"Ich arbeite immer. Für mich und meine Familie oder für das Dorf. An zwei Tagen im Monat arbeiten wir alle zusammen, wir bauen zum Beispiel eine Hütte für den Lehrer oder reparieren das Boot. So etwas wie Urlaub kennen wir nicht. Wer nichts macht, hat nichts. Dann leidet man. Nach der Arbeit trinke ich mit meinen Freunden und meiner Familie Masato, gekochten, vergorenen Maniok."

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

"Der Wald gehört uns, dafür haben wir sogar die Dokumente. Aber es kommen immer mehr Siedler aus den Anden, die unsere Bäume fällen. Wir reden mit ihnen und den Behörden, aber wenn sich nichts ändert, müssen wir kämpfen. Viele Wälder in der Gegend sind bereits zerstört, und wir müssen alles tun, damit uns das hier nicht auch passiert. Ohne den Wald können wir nicht leben."

Peru

Einwohner: 28 Millionen
Währung: Sol 4 Sol = 1 Euro
BIP pro Person: 1750 Euro
Human Development Index: 79 von 177

Aktuelle Durchschnittskosten

1 Liter Superbenzin: 1 Euro
Einfaches Hotelzimmer mit Bad: 17 Euro in Lima, 6 Euro in der Provinz
Gebratener Reis mit Huhn: 1,20 Euro
Fahrt mit dem dreirädrigen Mototaxi: 40 Cent (in der Provinz)
Nachtbus-Ticket Lima-Satipo, 1. Klasse, 10 Stunden Fahrzeit: 9 Euro
Hängematte: 6 Euro
Gummistiefel: 3 Euro
Moskitonetz: 5 Euro
10 frische Brötchen: 25 Cent
1 Liter Mineralwasser: 70 Cent
Jaguarfell auf dem Schwarzmarkt: 100 Euro
1 Minute Telefongespräch Inland: 25 Cent
1 Stunde Internetcafé: 25 Cent

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