Ausgabe 03/2006 - Schwerpunkt Kapitalismus

Wo kommt das Geld her?

Wie wohlhabend sind die Deutschen? Woher stammen ihre Milliarden? Immerhin 4,07 Billionen Euro hatten die Deutschen im Jahr 2004 allein an Geldvermögen zur Verfügung. Das entspricht einer Verdoppelung innerhalb von nur 13 Jahren - 1991 waren es 2,02 Billionen Euro. Überhaupt ist hier zu Lande eine Menge neuer Reichtum entstanden: In nicht mal drei Jahrzehnten verneunfachte sich das Nettovermögen (inklusive Immobilienbestand) der Bundesbürger von 1,3 Billionen Mark in 1970 auf 12,1 Billionen Mark im Jahr 1997.

Ermöglicht wird dieser Vermögenszuwachs vor allem durch eine im europäischen Vergleich konsequent hohe Sparquote, die sich in den vergangenen 15 Jahren zwischen neun und gut zwölf Prozent des verfügbaren Einkommens bewegte. Zwischen 1991 und 2004 wurden jährlich zwischen knapp 100 und rund 130 Milliarden Euro auf die Seite gelegt.

Werden die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher? Geld zum Investieren haben relativ wenige Haushalte, weil die Vermögen in Deutschland ungleich verteilt sind. Daten von 1998 zufolge, verfügen allein 40 Prozent der westdeutschen Haushalte praktisch über keine Ersparnisse, während die oberen 20 Prozent mehr als 60 Prozent des Gesamtvermögens auf sich vereinen. In Ostdeutschland sind es sogar trotz 45 Jahre Sozialismus 70 Prozent des Vermögens, die eine kleine Gruppe besitzt. Diese ungleiche Verteilung des Vermögens ist ein nicht unwichtiger Grund für die hohen Ersparnisse und Investitionsvolumina. Denn je mehr Kapital sich auf einige wenige konzentriert, desto mehr kann von dieser Gruppe gespart und investiert werden. Was die Ungleichverteilung weiter verstärkt.

Wo legen die, die es haben, ihr Geld an?

Das Anlage- und Investitionsverhalten der Deutschen ist eher konservativ, an der Börse spekulieren nur wenige. Der Großteil des Ersparten ruht in mündelsicheren Spar-, Sicht- und Termineinlagen, in festverzinslichen Wertpapieren und bei Versicherungen. Nur sechs Prozent des Geldvermögens sind direkt in Aktien investiert, knapp das Doppelte in Investmentfonds.

Woher kommt eigentlich der Wunsch, sein Vermögen zu mehren?

Unser modernes Leistungs- und Wachstumsdenken beruht auf dem Weltbild des Schweizer Reformators Johannes Calvin. Der Protestant entwickelte im 16. Jahrhundert die Idee, dass von Gott vorherbestimmt sei, wer auserwählt sei, also in den Himmel komme, und wer in die Hölle. Nach Calvin ist der berufliche und unternehmerische Erfolg auf Erden ein Spiegel der persönlichen Aussichten für die Ewigkeit: Nur die Erwählten können durch beruflichen Erfolg den Ruhm Gottes vermehren, und dies auch nur durch harte Arbeit und strenge Enthaltsamkeit. Im Gegenzug erhalten sie dafür die so genannte Gnadengewissheit, einen sicheren Platz an der Seite Gottes. Der Erlangung der Gnadengewissheit ordnete der gute Calvinist seine gesamte Lebensführung unter, denn je größer der durch Reichtum manifestierte Erfolg war, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, in den Himmel zu kommen - je mehr Geld, umso näher bei Gott.

Der deutsche Soziologe Max Weber (1864 - 1920) nannte diese Idee den "Geist des Kapitalismus". Personifiziert wurde der für ihn durch den etwas ungemütlichen Unternehmertyp, der sich durch einen unermüdlichen Schaffensdrang, starken Ehrgeiz, strikte Konsum- und Lustverweigerung, aber auch durch eine rationale, effiziente und zielorientierte Lebensführung auszeichnet. Das Paradebeispiel protestantischen Unternehmertums war für Weber der amerikanische Ölmagnat John D. Rockefeller. Rockefeller verachtete das Vergnügen und nannte sein milliardenschweres Vermögen "Gottesgeld", das er auf Erden lediglich zu verwalten und zu mehren habe.

Unbestritten ist, dass die protestantische Erwerbsethik den gesamten Wirtschafts- und Arbeitsprozess der westlichen Welt bis heute grundlegend und nachhaltig beeinflusst hat - unabhängig von der Konfession. Schon Weber erkannte, dass Kapital vor allem eines ist: ein Kulturgut. Folglich ist die Bildung und Entstehung von Kapital eine Kulturleistung. Das sollte man nicht vergessen, wenn man nach dem Ursprung des Wohlstandes in rohstoffarmen Ländern wie Deutschland fragt.

Ist der Mensch von Natur aus gierig?

Es ist keineswegs ausgemacht, dass die menschliche Natur darauf ausgelegt ist, ständig noch mehr zu wollen und unablässlich Schatztruhen, Depots und Bankkonten zu vergrößern. Im Gegenteil: Den meisten Menschen ist der Vermögenserhalt erheblich wichtiger als die Besitzmehrung. Der Behavioral Finance zufolge, also der Psychologie des Finanzverhaltens, hasst die menschliche Psyche Verluste viel mehr, als sie Gewinne liebt - wir grämen uns über tausend verlorene Euro deutlich mehr, als wir uns über gewonnene oder geschenkte tausend Euro freuen.

Allerdings scheinen gerade fehlgeleitete Verlustängste oft die Quelle für maßloses Besitzstreben zu sein. Vor allem, wenn vermeintlich sichere Gewinnchancen bereits als feste Besitzansprüche wahrgenommen werden, können aus Risiko-Scheuen schnell Hasardeure werden. Wenn über einen längeren Zeitraum hinweg, wie beispielsweise vor einigen Jahren am hoch spekulativen Neuen Markt, Gewinne wie von selbst zu entstehen scheinen, leiten gerade konservative Anleger daraus schnell ein Gewinnrecht ab. Sie haben dann nicht das Gefühl, in riskante Papiere zu investieren, sondern sie holen sich nur das, was ihnen quasi zusteht.

Dazu passt, dass in der Sozialpsychologie schon lange diskutiert wird, ob krankhafte Gier Folge eines Traumas sein könnte. Danach sind Gier und Neid die Reaktionen von Menschen, die glauben, sie kämen stets zu kurz. Das Raffen ist der Versuch, ständige Benachteiligungen oder permanente Verlustgefühle auszugleichen.

Heißt das, wir verdanken unsere Probleme mit den Zockern Religion und Macken? Nein, nicht nur. Das Wirtschafts- und Finanzleben hat mit der Zeit Gesetze und Gewohnheiten entwickelt, denen alle Beteiligten folgen. Eine der Grundregeln lautet: Wir brauchen hohe Wachstumsraten. Davon wird auch der weltweit mobile Finanz- und Kapitalmarkt angetrieben, der im Zuge der Globalisierung immer besser in der Lage ist, seine Gelder dorthin zu lenken, wo die höchsten Renditen bei möglichst geringen Risiken zu erwirtschaften sind.

Deshalb steht heute jeder Vorstand einer publikumsnotierten Aktiengesellschaft den Renditeerwartungen einer verwöhnten weltweiten Anlegergemeinde gegenüber. Kaum ein Fondsmanager kann gegenüber seinen Anlegern eine Investition in ein Unternehmen rechtfertigen, das sich dem internationalen Rentabilitätsdruck zu entziehen versucht. Die Globalisierung sorgt also dafür, dass die Anleger das höchste Zinsniveau erwarten.

Dasselbe gilt für die Arbeitsmärkte und auch die meisten Märkte für Güter und Waren, die heute ebenfalls in verschärfter Konkurrenz zueinander stehen und deshalb oft mehr Wert für weniger Geld bieten müssen: Über die engen internationalen Verflechtungen drücken einige hundert Millionen ehrgeiziger Chinesen die Löhne in Europa und Nordamerika.

Ist es realistisch, dass die Anleger auf ein wenig Geld verzichten, damit es allen besser geht?

Einige Anleger brauchen die Rendite, die sie erwarten, tatsächlich und haben sie in ihre Lebensplanung fest einkalkuliert. Ein wichtiger Grund, warum immer mehr Menschen in den westlichen Industrieländern sich darum kümmern, ihr Vermögen aktiv zu vergrößern, besteht in der zunehmenden Bedeutung von Kapitalerträgen und Ersparnissen zur Bestreitung des täglichen Lebensunterhaltes. Das betrifft ältere genauso wie jüngere Leute. Auch die derzeitige Erbengeneration schafft trotz breiter akademischer Grundausbildung oft nicht den Sprung in das geregelte Erwerbsleben - schlecht bezahlte Praktika und Gelegenheitsjob sind für viele die Regel. Die allgemein unsichere Arbeitsplatzsituation selbst in bisher vermeintlich krisenfesten Branchen wie Banken und Versicherungen sorgt noch zusätzlich dafür, dass immer mehr Beschäftigte ihr Vermögen bewusster anlegen, um befürchtete oder tatsächliche Lohneinbußen zu kompensieren.

Zugespitzt könnte man sagen, dass die einstigen Lohnforderungen der Gewerkschaften, die heute wegen drohender Arbeitsplatzverluste kaum durchzusetzen sind, von Ansprüchen der Kleinanleger ersetzt wurden.

In den angelsächsischen Ländern war der Dividendendruck auf die Aktiengesellschaften traditionell schon immer wesentlich stärker als in Deutschland, da viele Rentner oder Witwen und Waisen von dem angesparten Geld leben müssen. Auch die derzeitige Diskussion über die ungewisse Zukunft der Rentenversicherungssysteme begünstigt die Neigung zum privaten Sparen.

Lässt sich auf Dauer der Wohlstand mehren, wenn Geld vor allem mit der Anlage von Geld verdient wird?

Auf Dauer können nur dann alle ihr Vermögen vergrößern, wenn der realwirtschaftliche Sektor auch mehr produziert und die erzeugten Produkte und Dienstleistungen Gewinn bringend verkauft werden. Der Kuchen muss insgesamt größer werden, damit die Stücke für jeden Einzelnen üppiger ausfallen können. Im Moment geschieht genau dies durch die Globalisierung. Das Kapital aus den Industrieländern verbindet sich mit den neu hinzugewonnenen, hervorragend ausgebildeten Menschen aus Osteuropa und Fernost: Das große Angebot von Arbeitskräften ermöglicht günstige Produktionsmöglichkeiten für viele Branchen, während sich parallel dazu riesige Absatzmärkte entwickeln - wer arbeitet, gibt zumindest einen Teil seines Einkommens für Konsum aus. Die Ausrichtung der Volkswirtschaften auf so eine internationale Arbeitsteilung erzeugt zudem Gewinne aus verbesserten Handels- und Tauschbeziehungen und begünstigt den technischen Fortschritt, weil sie die Unternehmen zwingt, durch Umstrukturierungen die Effizienz zu erhöhen.

All das sorgt bei einem funktionierenden Kapitalmarkt zum Beispiel aufgrund der höheren Nachfrage nach Krediten, für eine höhere Verzinsung, also höhere Kapitalrentabilität - so kann im Moment bei klugen Anlagestrategien aus Geld tatsächlich immer mehr Geld werden.

Und warum geht es der Mehrheit hier nicht besser, wenn doch angeblich alles so gut läuft?

Die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass sich der realwirtschaftliche Sektor und der monetäre Bereich oft auch über längere Zeiträume unterschiedlich, manchmal sogar gegenläufig entwickeln können. Bei so genannten Börsenblasen steigen beispielsweise die Aktienkurse meist losgelöst von dem realen Erfolg der Unternehmen, bis die Blase platzt und die Kurse ins Bodenlose fallen, wie etwa am Schwarzen Freitag 1929. Auch damals haben viele Leute sehr gut verdient, aber eben zu Lasten anderer Anleger. Gewinne bei solch rein monetären Aufschwüngen sind meist Vermögensumverteilungen, im Gegensatz zum realwirtschaftlichen Wachstum, bei dem tatsächlich alle reicher werden können.

Warum ist realwirtschaftliches Wachstum in Deutschland so schwer zu erreichen? Die meisten Störungen in der Wirtschaft haben psychologische Ursachen. Eine dieser Störungen hat der Begründer der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik John Maynard Keynes die Liquiditätsfalle genannt: Die schnappt zu, wenn Unternehmen trotz niedriger Zinsen, die sich ja im Regelfall stimulierend auf die Konjunktur auswirken, nicht investieren, weil die Stimmung schlecht ist. Das ist bei uns nach 2001 passiert, nach den Terroranschlägen und dem Platzen der Börsenblase. Die Wirtschaft stagnierte jahrelang, jetzt gibt es leichte Anzeichen einer Erholung.

Nach einer solchen Schwächephase möchte kaum ein Unternehmen zu den ersten gehören, die wieder investieren, weil zu diesem Zeitpunkt noch die Nachfrage fehlt, um die produzierten Güter zu kaufen. Also warten alle Firmen darauf, dass die anderen den ersten Schritt tun, was natürlich ohne Impulse von außen nicht geschieht. In so einer Situation ist es für Unternehmen manchmal sogar lohnender, wenn sie ihre Firmenkassen auf dem Kapitalmarkt anlegen und Zinsen kassieren, statt ihr normales Geschäft zu betreiben.

Gerade in den achtziger Jahren, in der Zeit der US-amerikanischen Hochzinspolitik, haben viele deutsche Unternehmen ihre Gelder in die USA transferiert und dafür zum Beispiel die eigenen Forschungsaktivitäten vernachlässigt. Die Reagonomics wurden zu einem erheblichen Teil mit ausländischem Kapital finanziert. So wurden aus renommierten deutschen Technologieunternehmen schnell erfolgreiche Banken. Es gab Zeiten, da hat die Finanzabteilung eines Automobilherstellers mehr Geld verdient als der Autobau.

Warum wird so viel mit Fremdkapital in den Firmen gearbeitet? Wäre es nicht besser, mehr Eigenkapital einzusetzen - wenn man es hat?

Das liegt am so genannten Leverage-Effekt. Der Leverage-Effekt beschreibt die optimale Zusammensetzung von Eigenkapital und Fremdgeldern bei der Unternehmens- und Projektfinanzierung. Der Leverage bezeichnet dabei die Abhängigkeit der Rentabilität des Eigenkapitals vom Anteil der Fremdfinanzierung.

Ist die Gesamtrentabilität eines Unternehmen oder eines Projektes höher als der Fremdkapitalzins, ergibt sich ein positiver Leverage-Effekt. Das heißt in der Praxis: Es lohnt sich für den Unternehmer, zusätzlich Darlehen aufzunehmen, weil mit zunehmender Verschuldung auch die Eigenkapitalrentabilität steigt. Dieser oft sehr akademisch beschriebene Zusammenhang ist eigentlich sehr einfach, wie folgendes Beispiel zeigt: Wenn eine Firma mit einem Eigenkapital von 100 000 Euro eine Eigenkapital-Rendite von beispielsweise zehn Prozent, also 10 000 Euro, erwirtschaftet, kann sie ihre Rentabilität um sechs Prozent steigern, wenn sie Fremdkapital in Höhe von 100000 Euro aufnimmt und dafür vier Prozent Zinsen bezahlt. Sind die Soll-Zinsen allerdings höher als die Gesamtrentabilität des Unternehmens, ergibt sich durch die Fremdfinanzierung ein negativer Leverage-Effekt, es handelt sich dann um ein Verlustgeschäft.

Bei dem nicht unbeträchtlichen Vorteil, die ein höherer Einsatz von Fremdkapital bringen kann, sind allerdings zwei maßgebliche Einflussfaktoren zu beachten: Zum einen ist bei steigender Verschuldung des Unternehmens meist mit einer empfindlichen Verteuerung des Fremdkapitals zu rechnen, weil sich die Banken das höhere Risiko bezahlen lassen. Zum anderen ist es den Unternehmern nur in seltenen Fällen möglich, die Rentabilitätaussichten, die durch die mit Krediten finanzierten und erst ermöglichten Geschäftsausweitungen entstehen, im Vorfeld zuverlässig abzuschätzen. Erhöht beispielsweise ein Automobilhersteller seinen Fremdkapitalanteil, um damit eine weitere Fabrik zu bauen, wird er dadurch nicht automatisch mehr Autos verkaufen können als bisher.

Was macht einen erfolgreichen Anleger aus? Ist er vor allem schlauer als die anderen? Ein aktuelles wissenschaftliches Experiment, das gemeinsam von der Bank von England und der Unternehmensberatung McKinsey & Company durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass für den Erfolg an der Börse, beim Spekulieren und Geldanlegen nicht Rationalität oder Intelligenz entscheidend sind, sondern vor allem Intuition.

Die mehr als 6500 Probanden der Versuchsreihe setzten sich aus Psychologen, Physikern, Mathematikern und Ökonomen zusammen. Das mit ziemlichem Abstand beste Gespür zeigten dabei tatsächlich die Psychologen, deren Anlagestrategie intuitiv war und die damit überproportional häufig den richtigen Riecher hatten. Sie konnten dreimal so hohe Gewinne erzielen wie die Ökonomen oder Physiker. Besonders rational verhielten sich erwartungsgemäß die Mathematiker, was ihnen aber keinerlei Vorteile einbrachte.

Das Ergebnis des Experimentes bestätigt Vermutungen, die schon lange in einer Vielzahl wissenschaftlicher Diskussionen erörtert werden. "Menschliche Entscheidungen verlaufen meist geregelt, auch wenn sie im traditionellen Sinn des Wortes nicht rational sind", so die Quintessenz des amerikanischen Kapitalmarkttheoretikers Peter L. Bernstein.

Will heißen: Jeder Mensch folgt, ob im Beruf, Privatleben oder beim Geldanlegen seiner eigenen, ganz persönlichen Logik, sprich Intuition, die ein stimmiges, sinnvolles Muster erkennen lässt und aus Sicht des Einzelnen erfolgserprobt ist. Die beiden führenden Börsenpsychologen Daniel Kahnemann und Amos Tversky sprechen dabei von einer "Quasi-Rationalität", die ihrer Ansicht nach entgegen den herkömmlichen Annahmen "weder tödlich noch direkt unsinnig und zwecklos ist".

Für die beiden Fachleute ist die jeweilige individuelle Risikoscheu oder Risikofreude des Menschen ein Teil dieser Quasi-Rationalität. Wichtig sei es aber, sich danach zu verhalten und konsequent nur die Risiken einzugehen, die dem eigenen Risikoprofil entsprechen.

Wer eine ausgemachte Spielernatur ist und sein Geld verliert, weil er beim Roulette in vollem Risikobewusstsein auf eine Zahl setzt, verhält sich nicht subjektiv irrational. Hätte er den Einsatz auf mehrere Zahlen verteilt und trotzdem verloren, hätte er den Verlust dagegen als schmerzhart empfunden, weil er im Grunde gegen seine Überzeugung gehandelt hätte.

Wer dagegen eine hoch riskante Anlage kauft, in dem festen Glauben, sie sei sicher, wird den Verlust als eine persönliche Tragödie erleben, deren individuell erlebter Schrecken um ein Vielfaches höher ist als der rein materielle Verlust.

Mehr aus diesem Heft

Kapitalismus 

Der Sekundant

Wenn in Berlin mal wieder eine Fabrik aus Kostengründen geschlossen werden soll, haben die Mitarbeiter schlechte Karten. Oder den Unternehmensberater Thomas Wagner an ihrer Se