Ausgabe 09/2005 - Schwerpunkt Erkenne die Möglichkeiten

Goldenen Boden gut machen

Schusters digitale Leisten "Durch die intelligente Nutzung neuer Technologien wird das Handwerk künftig wieder vermehrt individuelle Produkte anfertigen können - zu deutlich niedrigeren Preisen." So lautet eine der Prophezeiungen aus dem Buch "Handwerk der Zukunft" der Volkswirtin Christine Ax von 1997. Als sie sechs Jahre zuvor die Leitung der Zukunftswerkstatt der Handwerkskammer Hamburg übernahm, erschienen solche Prognosen fern jeder Realität. So gab es in Deutschland nur noch eine Hand voll Schuster, die Maßanfertigungen anboten; Schuhe waren zum Wegwerfprodukt geworden. Oder als Maßanfertigung so teuer, dass sie, wenn überhaupt, meist im billigeren Ausland gekauft wurden.

Dennoch stellte Ax einen Forschungsantrag. Sie wollte, dass Schuhmacher und Wissenschaftler gemeinsam nach ökonomischeren Lösungen suchten, denn sie war überzeugt: Nicht nur sie selbst, sondern viele Menschen würden gern wieder hochwertige, passgenaue Schuhe kaufen - allerdings nicht zu Preisen von bis zu 2000 Euro. Die Antwort, so glaubte sie, liege in der Verbindung von Hightech und Handwerk.

Daran glaubt sie bis heute fest. So sehr, dass sie mittlerweile selbst ins Schuhgeschäft eingestiegen ist. Im März kommenden Jahres soll ihr Vertrieb von Maßschuhen im großen Stil starten. Den Beweis, dass passgenaues Schuhwerk günstig hergestellt werden kann, hat sie nicht zuletzt dank des von ihr angestoßenen Forschungsprojektes erbracht. Kernstück der Erfolg versprechenden Idee ist eine Internetplattform und ein Scanner. Mithilfe des Scanners vermessen die Schustermeister die Füße ihrer Kunden. Danach erstellen sie am Bildschirm den entsprechenden digitalen Leisten. Diese Informationen werden samt den Kundenwünschen über Leder und Schuhform auf die Internetplattform gestellt. Zugriff haben neben den Kunden, die sich in elektronischen Musterbüchern über die Modelle informieren können und den zwölf Schustermeistern, die bisher an dem Projekt teilnehmen, auch die Zulieferer: die M. Spenlé GmbH aus dem Harz, die alle Leisten herstellt, und die Johann Herges GmbH aus Saarbrücken, die die Lederstücke für sämtliche Bestellungen anfertigt. Dank dieser Zentralisierung sinken die Preise. Der Schuster bekommt sowohl Leisten wie auch die Lederstücke zugeschickt und macht schließlich einen Schuh daraus.

120 Euro kostet das einmalige Anfertigen einer Leiste. Für den Schaft, das Vermessen und Vernähen kommen je nach Schnitt und Lederart noch einmal zwischen 230 und 500 Euro hinzu. So entstehen zwar keine Unikate, sondern Maßanpassungen auf der Grundlage vorhandener Schnittmuster. Dafür aber sind die so gefertigten Schuhe deutlich günstiger als die traditionell hergestellten Stücke. Das große Ziel: ein Netzwerk von Schustern mit kleinen Geschäften ohne große Lager, in denen sich die Kunden die Modelle direkt vor Ort anschauen können - bisher gibt es erst zwei solcher Läden in Hamburg.

"Ein einzelner Handwerker wäre überfordert, ein solches System aufzubauen", sagt Ax. Der Zentralverband des Deutschen Schuhmacher-Handwerks hat deshalb das Projekt von Anfang an unterstützt. Mittlerweile gibt es wieder rund 150 Schuster in Deutschland, die Maßschuhe anfertigen. Und auch wenn Ax nicht allein für diesen Aufwärtstrend im Schuhmacherhandwerk verantwortlich ist, so hat sie mit ihrem Projekt, das sie mittlerweile privatwirtschaftlich als Geschäftsführerin der "Schuhe nach Maß GmbH" betreut, doch wichtige Perspektiven geschaffen.

Nicht ganz ohne Eigennutz: Zumindest ihr lang gehegter Traum von günstigeren Maßschuhen ist nun schon mal Realität.

Bäcker aus Leidenschaft Als einst treue Kunden anfingen, die Preise für Brötchen zu vergleichen, stand das Ende der Selbstständigkeit des Bäckermeisters Hermann-Josef Hacks unmittelbar bevor. Immer häufiger ließen die Leute seine Backstube in der rheinländischen Kleinstadt Erkelenz links liegen. Immer weniger wollten sie für frische Ware ausgeben. Und immer mehr der kleinen Supermärkte, die Hacks bis dato mit seinen Backwaren belieferte, gingen Pleite. Als er schließlich aufgab, glaubte er, der Beruf des Bäckers sei vom Aussterben bedroht.

Heute, nur einige Monate später, schauen ihm die Leute begeistert beim Backen zu, und viele sagen ihm, wie schön es sei, dass es so einen echten Handwerker wie ihn noch gibt. Hacks arbeitet nicht im Museum und nicht in einem Liebhaberprojekt von Nostalgikern, sondern in der im September 2004 eröffneten Bäckerei Bastian's, im Zentrum von Düsseldorf, direkt am Carlsplatz gelegen. Ideengeber war der einstige Großbäcker Heiner Kamps, dessen Sohn Sebastian heute die Düsseldorfer Filiale leitet. Das Konzept: Unter dem Motto "Bäcker aus Leidenschaft" soll das Handwerk aufleben und die Menschen davon überzeugen, dass es sich lohnt, für Qualität Geld auszugeben.

"Wir geben jedem Brot Zeit, um zu reifen", steht mit weißer Kreide auf einer Tafel im Schaufenster, daneben liegen ein rechteckiges Körnerbrot namens " King Karl" und ein "Landknecht", ein runder Brotlaib. Die Wörter "Brot, Baguette, Brötchen" sind in goldener Schrift auf die braune Fassade aufgemalt, im Inneren des Ladens gibt es neben lederbezogenen Holzmöbeln, einer langen Holztheke, Wein- und Marmeladenregalen eine opulente Brotauslage und eben die offene Backstube. Es duftet nach frischem Brot. Man sieht wie Menschen mit weißen Mützen und karierten Hosen Teig kneten. Und die Tische sind, obwohl noch früh am Tag, bereits gut besetzt. An diesem Morgen mit Senioren mit Pullover über den Schultern, Müttern mit Kinderwagen und Herren im Anzug.

35 Mitarbeiter hat die Bäckerei mittlerweile, darunter zwei Bäckermeister, einen Gesellen und drei Auszubildende. Wer samstags an einem der hellen Holztische drinnen etwas essen möchte, muss laut Kamps reservieren, um einen Platz zu ergattern. Und die Anfragen von Bäckern, die sich die Backstube und den Laden gern mal aus nächster Nähe ansehen wollen, überträfen schon seit einiger Zeit die Kapazitäten der Vorzeige-Bäckerei.

Kamps ist es offenbar gelungen, die Kundschaft davon zu überzeugen, ihre Brötchen nicht in der Back-Factory schräg gegenüber für 15 Cent das Stück zu kaufen, sondern in handgemachte Qualität, ein Gefühl von Authentizität und in Frische zu investieren. Während in herkömmlichen Backstuben das Brot oft nachts gebacken wird, starten die Bäcker im Bastian's in der Regel erst gegen 6:30 Uhr. So ist zwar nicht immer jede Brotsorte vorhanden, dafür liegt das Backwerk selten länger als einen halben Tag in der Auslage. Und es gibt fast bis Mitternacht frisches Brot zu kaufen, weil das Bastian's - zwei Drittel des Umsatzes macht der Gastrobereich - so lange geöffnet ist.

Sebastian Kamps denkt schon weiter und kann sich " pro Ballungsraum ein Bastian's" vorstellen.

Auch Bäckermeister Hacks ist zufrieden. Seine Arbeit ist durch die offene Backstube attraktiver und abwechslungsreicher geworden: Vor allem Kinder, Hausfrauen und Senioren schauen ihm gern bei der Arbeit zu. Und zum ersten Mal interessieren sich die Kunden dafür, was er eigentlich genau macht.

Kaiser Kooperative Mit dunklen Wolken und Nieselregen macht sich in Wuppertal an diesem Tag der Herbst bemerkbar. Die großen Gebäude an der Friedrich-Engels-Allee wirken grau und vernachlässigt. Und fast scheint es, als nutze das Ladenlokal der Handwerker-Kooperative "Raumfabrik" die Kulisse, um an den Mehrwert einer schönen Wohnung zu erinnern: Hell erleuchtet sind ihre Räume, warm, heimelig, mit Farbtafeln, Oberflächenmustern und naturfarbenen Gardinen dekoriert. Auf der Empore sitzen die Innenarchitektin Gaby Fromm, der Malermeister Klaus Braun und der Fassadenbauer Christian Ossé, drei der insgesamt 20 Geschäftsführer aus 15 unterschiedlichen Gewerken der Raumfabrik. Sie alle zahlen im Monat 400 Euro an die Kooperative. Sie alle treffen sich mindestens einmal im Monat zur Gesellschafterversammlung, manchmal verbringen sie aber auch vier Abende in der Woche zusammen, um über die Entwicklung ihrer Kooperative zu diskutieren. Sie alle haben ein aufwändiges Aufnahmeverfahren hinter sich. Und sie müssen sich bei ihrer Arbeit an ein komplexes Regelwerk halten. Zudem müssen sie sich einmal pro Jahr eine Selbst- und Fremdeinschätzung gefallen lassen.

Warum arbeiten Handwerker, allesamt Inhaber selbstständiger Betriebe, die zwischen einem und 50 Mitarbeiter beschäftigen, unter solchen Bedingungen? Für wen lohnt sich dieser Aufwand? Zuerst mal für die Kunden. Denn mit dem, was normalerweise nervt am Umbau, Ausbau oder Neubau - die Koordination der Handwerker, Terminprobleme, unklare Qualitäts- und Qualifizierungsstandards, das Streiten über die Frage, wer am Ende für den Schaden im Treppenhaus verantwortlich ist - hat der Kunde nichts mehr zu tun. Er hat während der kompletten Bauzeit nur einen Ansprechpartner für alle Handwerker, alles andere regeln die Mitglieder der Kooperative untereinander. Als Gegenleistung ist der Kunde bereit, keine Dumping-Preise, sondern die marktüblichen Kurse zu zahlen.

Der Aufwand der Kooperative lohnt sich aber auch für ihre Mitglieder. Eine gute Koordination der Arbeitsschritte auf der Baustelle bringt Geld. Zum Beispiel wenn der Gerüstbauer wartet, bis der Maler seine Folie ausgelegt hat, damit er sie später nicht um das Gerüst herum schneiden muss, das spart bereits Kosten von rund fünf Prozent. Die können die Beteiligten unter sich aufteilen.

Zudem haben sich die Geschäftsfelder für die Mitglieder der Raumfabrik erweitert: Kleinere Betriebe können gemeinschaftlich nun größere Bauvorhaben realisieren. Gerüstbauer, die vorher nur noch auf Großbaustellen zu tun hatten, werden über die Kooperative-Kollegen auch wieder zu kleineren Baustellen gerufen. Es gibt einen gemeinsamen, einheitlichen Marketingauftritt und dadurch Werbemöglichkeiten, die das Budget einzelner Betriebe überstiegen hätten.

Und es wird permanent an der Verbesserung der Geschäftsprozesse und der Weiterqualifizierung gearbeitet: Alle Gesellschafter müssen sich im Rotationsprinzip entweder in einer der acht Arbeitsgruppen - Finanzen, Qualifizierung, Einkauf, Veranstaltung, Innere Strukturen, Marketing, Ausstellung, Mitarbeiterzeitung - oder in der Schlichtungsstelle engagieren. Die wird angerufen, wenn es zu Konflikten zwischen Gesellschaftern kommt: Dort versucht man eine gute Lösung zu finden, dort können im Notfall aber auch Strafpunkte verhängt werden. Bei drei Punkten droht der Ausschluss aus der Kooperative.

"Das alles ist im Kooperationsstatut, den 40 Seiten starken Spielregeln, genau vermerkt", erklärt Malermeister Braun, einer der Gründungsmitglieder. Überhaupt die Spielregeln. Sie sind das Herzstück der Kooperative, und es hat Jahre gedauert, bis sie zu ihrer jetzigen Form gereift sind. Denn damals, 1997, als der Konkurrenzkampf härter wurde, war "Kooperative" nur ein Wort. Niemand wusste wirklich, wie man eigentlich kooperativ zusammenarbeitet.

Als Braun sich mit einigen Kollegen an die Handwerkskammer wandte, weil sie gemeinschaftlich arbeiten wollten, jedoch Angst vor juristischen Grauzonen etwa bei Haftpflichtfällen hatten, konnten man ihnen nicht richtig helfen. Umso stolzer ist er heute auf die Spielregeln, deren Urfassung die Handwerker gemeinsam mit einer Unternehmensberatung formuliert haben und die heute bei Kollegen heiß begehrt ist. Denn immer mehr Handwerker drängt es in einen solchen Verbund. Und immer häufiger wird die Raumfabrik, die 2003 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur besten deutschen Kooperation gekürt wurde, um Aufnahme gebeten.

Andere Handwerker folgen dem Beispiel der Wuppertaler und gründen eigene Kooperativen, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Darunter auch solche aus gleichen Gewerken wie der bundesweite Zusammenschluss von Malermeistern namens Farbrat. Wie bei der Raumfabrik gibt es auch für die 35 Mitglieder des Farbrats ein kompliziertes Aufnahmeverfahren, eine monatliche Gebühr, Treffen mit Anwesenheitspflicht und etliche weitere Spielregeln: von der Qualität der Ausstellungsräume über die Ordnung in den Werkstätten, dem Erscheinungsbild der Kraftfahrzeuge bis zur Buchführung.

Der Unterschied: Während der größte Vorteil der Raumfabrik das Bauvorhaben aus einer Hand ist, sind es beim Farbrat das Wissen über Zusammenhänge zwischen Farbe, Licht und Gestaltung und die Vorliebe für besondere Techniken. So verwenden die Farbräte exklusive Le-Corbusier-Farben, die seit kurzem wieder in der Schweiz produziert werden. Oder sie arbeiten mit speziellen Deckenbürsten aus chinesischen Schweineborsten, die exklusiv für den Farbrat hergestellt werden und innovative Maltechniken erlauben.

Ihr Wissen über neueste Farben und deren Wirkzusammenhänge tauschen die Mitglieder, deren Betriebe insgesamt rund 320 Millionen Euro pro Jahr umsetzten, auf einer Intranetplattform aus. Dreimal im Jahr treffen sich alle, um sich auf Messen oder bei Besichtigungen weiterzubilden. Und sie haben sich von Markus Schlegel, Professor für Gestaltung an der Fachhochschule Hildesheim, ein spezielles Seminar zum Thema "Gestaltung und Farbe" konzipieren lassen, zu dem sie sich viermal im Jahr in Kassel treffen.

"Sie sind ja gar kein Malermeister, sondern Künstler", hört der Vorstand der Farbrats, der 48-jährige Stuttgarter Thomas Hoffmann denn auch häufig von seinen Kunden. Die erfreuliche Konsequenz dieser Erkenntnis: Die Kunden behandeln ihn nicht wie einen Anstreicher, der möglichst günstig etwas überpinseln soll, sondern reden mit ihm auf Augenhöhe. Sie lassen sich gern beraten und nehmen seine Vorschläge ernst. Und so kann er immer wieder zeigen, welchen Einfluss die Wandgestaltung auf das Wohngefühl haben kann. Am Ende geben die Kunden nicht selten mehr Geld für eine exklusivere Malerarbeit aus, " Budgetverschiebung" nennt Hoffmann das. Sorgen um die Zukunft hätten er und seine Farbrat-Kollegen nicht.

Genauso wenig wie die Mitglieder der Raumfabrik. Dort fluchen Mitarbeiter der einzelnen Unternehmen mittlerweile, wenn sie nicht auf einer Raumfabrik-Baustelle, sondern auf einer herkömmlichen arbeiten müssen. Und die Gesellschafter haben inzwischen angefangen, ihr Konzept an interessierte Handwerker in anderen Teilen Deutschlands inklusive Schulungsseminaren zu verkaufen. In Münster und Düsseldorf gibt es bereits zwei weitere Raumfabriken, andere sollen in Kürze folgen. Ziel ist es, ein bundesweites Netzwerk mit dem gleichen Qualitätsstandard aufzubauen. Die Handwerker-Kooperative als Marke.

"Letztlich ist jedoch nicht das Regelwerk entscheidend, sondern die Chemie zwischen den Mitgliedern", hat man in Wuppertal gelernt. " Denn das Schwierigste ist", so der Fassadenbauer Ossé, "wenn über 20 Königen plötzlich ein Kaiser thront." Ein Kaiser namens Kooperative.

Spezialisten fürs Alter Dass man sich bei der Wahl der Badezimmerfliesen am Preis, Geschmack oder Qualität orientiert, war dem Fliesenleger Karl-Heinz Müdder bekannt. Neu war ihm der Faktor Alter: Je nach Trübungsgrad der Augenlinse durch das altersbedingte Katarakt-Leiden (Grauer Star) können den Benutzer die Lichtbrechungseigenschaften der Fliese irritieren. Eine von vielen wichtigen Informationen, die Müdder im Laufe seines sechsmonatigen Lehrgangs "Senioren- und behindertengerechtes Bauen und Wohnen" des Oberhausener Handwerkszentrums "Wohnen im Alter" an acht Wochenenden gelernt hatte.

Wissen, das ihm beim Umgang mit seinen Kunden - einer wachsenden Anzahl von Menschen über 50 Jahren - hilft und die das Vertrauen wachsen lässt. Genauso ging es dem Elektriker Christoph Schöneborn, einem weiteren Teilnehmer. Er war besonders überrascht, mit welch einfachen Mitteln man eine Wohnung altengerecht herrichten kann - manchmal genügen schon Rollläden mit Fernbedienung. Neu war für ihn auch, dass 90 Prozent der alten Menschen nicht als Alte angesprochen werden möchten und wie viele unterschiedliche Kundentypen es in der Altersgruppe zwischen 50 und 90 Jahren gibt.

Beide, Müdder und Schöneborn, dürfen sich seit Bestehen der Abschlussprüfung "Fachkraft für barrierefreies Bauen" nennen. Und wenn sie möchten, können sie sich in das daumendicke Handwerkerverzeichnis eintragen lassen. Darin empfiehlt das Handwerkszentrum eine Auswahl von 180 aus 5000 Handwerksbetrieben in Nordrhein-Westfalen - vom Metallbauer über den Schreiner bis zum Dachdecker. Sie alle gelten aufgrund bereits geleisteter Arbeiten und besuchter Seminare als besonders qualifiziert, Wohnungen altengerecht zu gestalten.

Bedarf gibt es: Nur rund fünf Prozent aller Senioren wohnen in einem Altenheim. Und: Rund 50 Prozent aller Deutschen, darunter viele Ältere, haben bereits Wohneigentum. Das Marktvolumen für seniorengerechte Wohnraumanpassungen schätzt man beim Handwerkszentrum auf rund 650 Milliarden Euro - laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) verrügen die Senioren über das höchste frei verfügbare Grundvermögen aller Altersgruppen.

Doch so groß die potenzielle Kundschaft ist, so wenig wissen viele Handwerker über die Bedürfnisse von Senioren. 2003 wurde deshalb das Oberhausener Handwerkszentrum "Wohnen im Alter" von der Handwerkskammer Düsseldorf gegründet. Das Ziel: Informationen und Initiativen rund ums Thema seniorengerechtes Bauen zu bündeln. Welche technischen Neuheiten gibt es? Wie kommt man an Geldtöpfe, etwa für Kriegsgeschädigte? Auf welche Weise spricht man die Zielgruppe am besten an? Denn viele fangen mit dem ersten großen Umbau ihrer Eigentumswohnung mit 50 Jahren an, sind noch körperlich fit - und reagieren auf Hinweise, schon im Hinblick auf eine mögliche Pflegebedürftigkeit zu planen, empfindlich. Darüber hinaus hält das Zentrum einen "Age-Explorer" bereit, einen Ganzkörperanzug, der die körperlichen Folgen von Krankheiten wie Rheuma simuliert.

Die Kunden von Müdder und Schönborn haben auf die neue Qualifizierung interessiert reagiert. Und die beiden Handwerker sind dabei, ihr neues Wissen zu vermarkten. So organisiert der Elektriker für seine Kunden Besichtigungsfahrten zur Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik. Und der Fliesenleger Müdder plant eine Werbeoffensive: inklusive Flyer, Anzeigen und riesigem Aufkleber für sein Auto: "Fachkraft für barrierefreies Bauen" steht dort - selbst für schwer Kurzsichtige nicht zu übersehen.

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