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brand eins 04/2009 - MIKROÖKONOMIE

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Die kleinste wirtschaftliche Einheit: der Mensch: Ein Dolchmacher im Jemen

Amin Abdulrani al-Barawi, 24, fertigt Krummdolche auf dem Altstadtmarkt der Hauptstadt des Jemen, Sanaa. Von Bet- und Essenspausen abgesehen, sitzt er von acht Uhr morgens bis elf Uhr abends in seiner Werkstatt. Sein Geschäft ist krisensicher: Etwa ab dem fünften Lebensjahr trägt fast jeder Jemenit im Hochland die sogenannte Dschambija als Zeichen seiner Männlichkeit. In einfacher Ausführung kostet ein Dolch vier Euro, für feine Exemplare aus Elfenbein und Silber muss man mehrere Tausend Euro bezahlen.

Monatliches Einkommen, Grundkosten:

Amin al-Barawi fertigt im Monat etwa 200 Krummdolche und nimmt rund 900 Euro ein. Den größten Teil davon gibt er für Stahlklingen und das Horn für die Griffe aus. Die Werkstattmiete beträgt monatlich zwei Euro plus acht Euro für den Strom. Im Monat bleiben ihm rund 125 Euro. Die Hälfte davon gibt er für die Droge Qat aus, aufputschende Blätter, die er während der Arbeit kaut. Wohnungsmiete bezahlt Al-Barawi keine, da er bei seinem Vater lebt. Eine Krankenversicherung gibt es im Jemen nicht, und über eine Altersvorsorge hat er noch nicht nachgedacht.

Wie und wie oft machen Sie Urlaub?

"Zweimal im Jahr: zehn Tage zum Fest nach dem Ramadan und zehn Tage zum Opferfest. Dann sitze ich mit meinen Verwandten zusammen, und wir kauen Qat. Geld haben wir dann genug. Vor den Festen kaufen sich viele Männer neue Krummdolche."

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

"Ich komme auch am Freitag, unserem Feiertag, in die Werkstatt. Aber da arbeite ich wenig. Die meiste Zeit sitze ich mit meinem Vater und den Kollegen herum. Konkurrenz unter den Dolchmachern gibt es nicht. Die Dolche kosten bei allen das Gleiche."

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

"Das Wichtigste sind die Religion und meine Familie. Ich habe vor einem halben Jahr geheiratet. Und immer wenn ich hier auf dem Markt arbeite, gehe ich in die Moschee zum Beten."

Was möchten Sie in Ihrem Leben verändern?

"Ich möchte nicht mein ganzes Leben auf dem Markt in der Altstadt arbeiten. Es wäre schön, wenn ich in dem moderneren Teil der Stadt arbeiten könnte, vielleicht in einer großen Straße. Die Art der Arbeit ist mir dann nicht so wichtig. Aber gerne wäre ich Verkäufer in einem Bekleidungsgeschäft."

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

"Arbeit muss sein, sie gehört zum Leben. Aber was soll man sonst auch tun? Wenn man den ganzen Tag zu Hause sitzt, wird man bloß müde."

Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?

"Ich würde weiter in meine Werkstatt kommen. Hier auf dem Markt ist mein Vater, hier arbeiten auch meine fünf Brüder."

"Arabia Felix", glückliches Arabien, wurde der Jemen früher genannt. Ist Ihr Land noch immer glücklich?

"Von Arabia Felix habe ich nie gehört. Aber auf jeden Fall ist der Jemen das schönste Land der Welt. Hier leben die nettesten Leute, wir haben das beste Essen und eine große Kultur."

Jemen

Einwohner 23 Millionen
Währung 100 Rial = 0,40 Euro
BIP pro Kopf 972 Dollar
Human Development Index Platz 153 (Deutschland auf Platz 22 von 177 Ländern)

 

Aktuelle Durchschnittskosten

1 Brötchen 8 Cent
1 Liter Milch 70 Cent
1 Essen in der Garküche 1 Euro
1 Liter Benzin 27 Cent
1 Liter Mineralwasser 65 Cent
1 Fahrt mit dem Stadtbus in Sanaa 12 Cent
1 Schachtel jemenitische Zigaretten 55 Cent
1 Dose Bier (auf dem Schwarzmarkt) 4 Euro
1 Flasche alkoholfreies Bier im Laden 50 Cent
1 Portion Qat 1 bis 10 Euro
1 Kilo Weihrauch 6 Euro

 

Buchtipp:

Der Mensch - Die kleinste wirtschaftliche Einheit
Männer und Frauen erzählen von Arbeit, Geld und Leben in 38 Ländern. Herausgegeben von Gabriele Fischer und Peter Lau.


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