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brand eins 02/2003 - WAS UNTERNEHMERN NÜTZT

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Was ist eigentlich...? - Wireless LAN

Kabel am Computer – das war immer schon fies. Der Irrsinn hat ein Ende: Wireless LAN ist auf dem Vormarsch. Und degradiert nebenbei noch UMTS.

Streit gab es bei Familie Schmidt immer dann, wenn es darum ging, die beiden halbwüchsigen Kinder vom Computer loszueisen. Nicht weil die Schmidts verschrobene Vorbehalte gegenüber moderner Technik gehegt hätten, im Gegenteil. Schmidts hatten, wie man neudeutsch sagt, Access-Probleme. Im Klartext: Der Vater wollte abends noch schnell seine eMails checken, doch sein Sohn spielte ein Online-Game; seine Tochter saß daneben wie auf Nadeln, weil sie zum Chat mit einer Freundin verabredet war, und auch Mutter Schmidt wollte für ihre Vorlesung an der Universität noch ein paar Fakten im Netz recherchieren. Der Quell allen Übels: Schmidts hatten zu Hause zwar drei Computer, aber nur einen mit Draht ins World Wide Web. Und um den ging's, denn ein PC ohne Internet-Zugang ist eine kastrierte Maschine, die oft nicht viel nützt. Weil Schmidts sich nicht mehr um ihren Online-Access balgen wollten, suchten sie nach einer Lösung. Und fanden WLAN.

 

WLAN steht für Wireless Local Area Network und bedeutet "drahtloses lokales Netzwerk". Die Technik basiert auf einem internationalen Funkstandard, der auch als IEEE 802.11b oder Wi-Fi (Wireless-Fidelity) bekannt ist. Dummerweise muss man sich das IEEE 802.11b jetzt mal merken, denn wenn man neue Geräte in ein drahtloses Netzwerk einbindet, müssen die Sende- und Empfangsanlagen diesem Standard gehorchen. Sonst funkt nix.

 

Das ist die schlechte Nachricht. Dafür gibt es sonst nur gute: Die Installation ist einfach. Für ein drahtloses Netzwerk braucht man eine unscheinbare Antenne mit DSL-Breitbandanschluss. Sie ermöglicht in einem Umkreis von 50 bis 100 Metern Datenaustausch. Die Antenne sendet, Desktops, Notebooks und Personal Digital Assistants empfangen die Daten. Viele Rechner haben WLAN-Sende- und Empfangseinheiten heute ohnehin fest auf ihrer Platine verlötet. Wenn nicht, kann mit einer simplen Steckkarte - ab 30 Euro -nachgerüstet werden (ja, jetzt braucht man den IEEE 802.11b wieder).

 

Am Hot Spot sammelt sich das mobile Volk

 

Wenn ein Notebook in der Einflusssphäre einer Wireless-LAN-Antenne ist, baut sich die Online-Verbindung automatisch auf, Internet-Browser und eMail funktionieren dann ganz einfach. Wer mit einem einzigen Internet-Zugang parallel an mehreren Rechnern arbeiten möchte, muss einen Verteiler, im Fachjargon Router, zusätzlich dazwischenschalten. Ein Router und drei, vier Karten, die genauso viele Computer drahtlos mit dem Netz verbinden, kosten heute rund 300 Euro. Das ist nicht viel, vor allem, wenn man es gegen die direkten und unmittelbaren Folgekosten eines Nervenzusammenbruchs gegenrechnet, der beim Kabelgewirr bei Rechnern heute relativ wahrscheinlich ist.

 

Dieses Wissen um vermeidbare Rekonvaleszenzkosten ist wohl ein Grund, dass bei Computerdiscountern WLAN-Router palettenweise an den Mann und die Frau gebracht werden.

 

Der Funkstandard erobert zurzeit auch öffentliches Terrain. An hoch frequentierten Plätzen wie Restaurants, Hotels oder Flughäfen haben private Anbieter in den letzten Jahren so genannte "Hot Spots" errichtet, simpel ausgedrückt: WLAN-Antennen. Zum Teil sind diese öffentlichen Datenbezugspunkte noch kostenfrei zu nutzen, zunehmend werden die drahtlosen Internet-Services aber auch für die kommerzielle Nutzung entdeckt. Die österreichische Metronet, ein mit privaten Mitteln finanziertes Start-up und weltweit viertgrößter WLAN-Anbieter, hat ein Netz von insgesamt 236 Sendestationen installiert. "Ein Hot Spot ist eine Art Datentankstelle", erläutert Metronet-Geschäftsführer Michael McGinn. "Menschen, die viel unterwegs sind, haben dort die Möglichkeit, sich mit ihrem Notebook oder dem PDA ins Internet einzuloggen, ihre eMails zu erledigen oder Daten aus Firmennetzwerken abzurufen." Wer das braucht? In erster Linie all jene Berufsgruppen, die viel unterwegs sind: Außendienstmitarbeiter aus der Versicherungs- oder Pharma-Branche, aber auch Immobilien-Makler und Unternehmensberater. Studenten - das hat Metronet herausgefunden - sind ebenfalls stark an WLAN interessiert.

 

WLAN erweist sich als geländetauglich, funktioniert einfach und bietet hohes Tempo. Andere Mobilfunk-Techniken hinken deutlich hinterher. Der heute angebotene Datendienst GPRS schafft derzeit gerade mal zwischen 50 und 80 Kbit/sek, UMTS wird es in der Anfangsphase auf 384 Kbit/sek bringen, später sollen dann 2 Mbit/sek erzielt werden können. Wireless LAN hingegen schafft bereits heute 11 Mbit/sek, für die Zukunft werden 54 Mbit/sek prognostiziert.

 

Die Errichtung einer UMTS-Sendestation kostet wenigstens 130000 Euro. Ein Hot Spot zwischen 700 und 3000 Euro. Noch Fragen?

 

WLAN schlägt zu Hause und im Umkreis der Hot Spots, die sich ohne Hindernisse schon mal auf 300 Meter ausdehnen lassen, UMTS in allen Bereichen. Aber abseits von Antennen sieht es weniger gut aus. Und: Bei WLAN teilen sich die Nutzer die gesamte Frequenz. Je mehr an einer Antenne hängen, desto müder wird das Endergebnis. Zudem sind WLAN-Übertragungen nicht gerade sichere Datentransfers.

 

Wer am Flughafen oder im Cafe sein Internet-Banking erledigt, kann relativ einfach ausspioniert werden. Vor Hacker-Angriffen fürchten sich viele, allen voran die Hüter der Firewall-geschützten Firmen-Netzwerke, schon allein deshalb werden sie WLAN kaum befürworten. Metronet-Geschäftsführer Michael McGinn kennt diese Vorbehalte: "Die Netze müssen von ihren Nutzern naturlich erst sicher gemacht werden: Aber das ist ein Grundsatz, der nicht nur für drahtlose Systeme, sondern im Allgemeinen gilt." Sicherheit kostet Zeit und Geld. Und wenn WLAN direkt mit UMTS verglichen wird, dann entscheiden sich die Konsumenten wohl in ihrer großen Mehrheit für die weniger wasserdichte Variante. Dass WLAN der neue Standard wird, daran ist im Grunde nicht mehr zu zweifeln. Während für UMTS noch Standorte für Sendemasten erstritten werden müssen, stieg der Verkauf von WLAN-Chipsätzen im vergangenen Jahr auf 24 Millionen Einheiten - dreimal mehr als im Jahr zuvor.

 

Die Unternehmensberater von Frost und Sullivan prognostizieren für 2005 einen weltweiten WLAN-Umsatz von rund fünf Milliarden Euro. In drei Jahren sollen in Europa 37 000 Hot Spots errichtet worden sein.

 

WLAN ist gut - das glauben selbst UMTS-Riesen

 

Die Geschichte wiederholt sich: Glasfaserkabel sollten - so glaubte man bei den europäischen Telefongesellschaften bis weit in die neunziger Jahre hinein - die wichtigsten Medien zur schnellen Datenübertragung sein. Dann kam die auf den alten Kupferleitungen aufbauende DSL-Technik. UMTS und WLAN haben eine ähnliche Geschichte. Intel, der Weltmarktführer bei Prozessoren, setzt auf WLAN und stattet seine Computerplatinen damit aus. Praktisch jeder Hersteller packt heute seinen Notebooks eine kleine WLAN-Empfangseinheit bei.

 

Wen das noch nicht überzeugt, dem sollte zu denken geben, was UMTS-Riesen wie T-Mobile gerade planen. Nämlich die zügige Integration von WLAN-Empfangseinheiten in Mobiltelefonen - mit und ohne UMTS.


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