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brand eins 06/2009 - SCHWERPUNKT: Identifikation

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Ist doch Ehrensache

Das Deutsche Rote Kreuz versucht sich an einer lebenswichtigen Übung: dem Spagat zwischen Sozialkonzern und selbstlosem Helfer.

-Wie jeder Rotkreuzler war Gerhard H. den edelsten Grundsätzen verpflichtet. Der Menschlichkeit. Der Unabhängigkeit. Der uneigennützigen Hilfe ohne jedes Gewinnstreben. Doch im echten Leben dachte der Geschäftsführer des Kreisverbands Aachen-Stadt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) vor allem ans eigene Wohlbefinden. Er habe seinen Kreisverband nach "Gutsherrenart" geführt, attestierte ihm der Vorsitzende Richter am Landgericht Aachen vor wenigen Wochen. Zum Beispiel hatte sich H. auf Kosten des DRK zwei Chevrolet Corvettes mit 400 und 600 PS als Dienstwagen geleistet, was ihm den Titel "Don Johnson von Aachen" eintrug. Und ohne Gegenleistung hatte er die Auszahlung von Beratungshonoraren an ehrenamtliche Vorstandsmitglieder angewiesen, um sie für sich einzunehmen. "Sie konnten machen, was Sie wollten", sagte der Richter. Er bezifferte den Schaden für das Rote Kreuz auf mehr als 80 000 Euro und verurteilte den längst geschassten Funktionär wegen Untreue in 22 Fällen zu einem Jahr Haft auf Bewährung. Außerdem muss der 59-jährige Ex-Geschäftsführer 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten - was Anlass war für den Spott, die solle er am besten beim Roten Kreuz verrichten, endlich, nach so viel Selbstherrlichkeit in gemeinnütziger Verkleidung.

Es gab Skandale beim Deutschen Roten Kreuz, die seinen Generalsekretär, Clemens Graf von Waldburg-Zeil, noch mehr geärgert haben. Etwa jener in Schleswig-Holstein vor einigen Jahren, als der Medizinische Dienst der Krankenkassen und die örtlichen Heimaufsichtsbehörden in sechs Pflegeheimen Unterernährung der Heimbewohner und mangelnde Hygiene beanstandet hatten. "Mich brachte damals auf die Palme, wie die DRK-Verantwortlichen zuerst zum Gegenangriff auf den Medizinischen Dienst übergingen. Wenn hilfsbedürftige Menschen Schaden erleiden, hat man sich zuallererst um diese Menschen zu kümmern. Diesen Umgang mit solchen Vorwürfen würde es heute nicht mehr geben."

Von Waldburg-Zeil, 49, sitzt in seinem Büro in Berlin-Steglitz, einem Raum von herrschaftlichem Zuschnitt, durch den oft das Lachen des Generalsekretärs hallt. Er ist ein großer Mann mit lauter, sonorer Stimme, dem etwas Lässig-Jugendliches, Unkonventionelles, Unbekümmertes anhaftet. Wenn er übers Rote Kreuz spricht, über die Stimmung in der Organisation bei seinem Amtsantritt, über die zahlreichen Skandale der Vergangenheit, kommen ihm ohne Scheu Wörter wie "Defätismus" oder "Sumpf" über die Lippen; er bekennt, der menschliche Aspekt bei seiner Arbeit bereite ihm wesentlich mehr Freude, "als wenn ich strukturierte Wertpapiere verkaufen würde. Wenn man einen Sinn sieht, knistert es sofort." Er schwärmt vom Rotkreuz-Gedanken: "Die Idee der uneigennützigen Hilfe haben andere auch, aber das überragend Schöne bei uns ist, dass wir völlig unabhängig sind von konfessionellen oder weltanschaulichen Positionen. Wir würden selbstverständlich auch Herrn bin Laden helfen, wenn er über einen Stein stolpern und sich das Bein brechen würde."

Hinter Waldburg-Zeils Schreibtisch hängt das Gemälde eines Denkmals, das in einem Berliner Park steht: Auf einem Sockel sitzt ein Mops, der nach Mopsart stoisch in die Welt blickt. "Das Bild hat mir so gut gefallen, weil es Wesenszüge zum Ausdruck bringt, die man hier im Generalsekretariat braucht", sagt der Generalsekretär und lacht. "Man muss sehr gelassen sein, aber auch bullig genug, um mal eine Welle über sich rollen lassen zu können. Es gilt: Keine Aufregung, wir kriegen schon alles hin, auch wenn wir dafür drei, vier Anläufe brauchen."

Einerseits wächst der Markt für den Hilfe-Multi. Andererseits schläft die Konkurrenz nicht

Ungefähr so viele Versuche hat das Rote Kreuz bereits unternommen, sich zu verändern. Und auch von Waldburg-Zeils Auftrag lautete so, als er 2003 sein Amt antrat. Sechs Jahre später meldet er Vollzug: In diesem März hat sich der Wohlfahrtsverband bei einer außerordentlichen Bundesversammlung eine neue Satzung gegeben, die den Moloch besser steuerbar machen soll. Hin- und hergerissen zwischen dem Selbstverständnis einer humanitären Hilfsorganisation und eines Sozialkonzerns, zwischen Ehrenamt und Professionalität war das Rote Kreuz ins Schlingern geraten. Die Antwort lautet jetzt: weitermachen wie bisher, nur professioneller. Vielleicht eine unlösbare, in jedem Fall eine Herkulesaufgabe, an der sich der Generalsekretär freudig abarbeitet.

Das DRK - ein Konzern: mehr als 110 000 Festangestellte in Kliniken, Notfallstationen, Kindergärten, Alten- und Pflegeheimen. Mit 5,5 Millionen Rettungs- und Krankentransporten pro Jahr dominieren die Rotkreuzler den Markt zu 50 bis 60 Prozent, bei den Blutspendediensten sind sie mit einem Marktanteil von 80 Prozent de facto Monopolist. Hinzu kommen Auslandseinsätze in 53 Ländern, die Leben retten und der Marke DRK nützen. Und die Märkte wachsen. "Die Not und Hilfsbedürftigkeit ist deutlich größer geworden, vor allem bei den Senioren, aber auch in den Familien, bei Kindern, Jugendlichen und Migranten", sagt der Kölner Unternehmensberater Michael Rosenbaum, der das DRK seit fast zwei Jahrzehnten begleitet. "Infolge der Finanzkrise werden wir es mit mehr sozialen Härten zu tun haben, und infolge des Klimawandels mit mehr Unwettern und Hitzesommern", sekundiert der Rotkreuz-Präsident Rudolf Seiters.

Allerdings wächst auch die Konkurrenz. "Im Rettungsdienst, in der Pflege und im Hausnotrufdienst hat das DRK Marktanteile verloren", berichtet der Berater Rosenbaum. Zudem werden die meisten DRK-Dienste aus den Haushalten der Kommunen und Krankenkassen finanziert, die immer härter um die Vergütungssätze verhandeln. Defizitäre Heime, Rettungs- oder ambulante Dienste sind keine Seltenheit. Der Gedanke liegt deshalb nahe, das DRK eben wie einen Konzern zentral zu steuern.

Das DRK - eine ideelle Bewegung: vor 150 Jahren geboren aus dem Kriegserlebnis des Schweizer Geschäftsmanns Henry Dunant. Seither in Jahrzehnten gewachsen zu einem föderalen Gebilde aus 5000 Ortsvereinen, 500 Kreis-, 19 Landes- und einem Bundesverband, getragen von 400 000 Ehrenamtlichen und mehr als vier Millionen Mitgliedern. Vor allem ihren Vereinsmitgliedern sind die ehrenamtlichen Orts- und Kreis-Chefs verpflichtet - und nicht dem DRK-Landeschef, schon gar nicht einem Generalsekretär in Berlin. Bis heute gelten die ehrenamtlichen Kreisvorsitzenden, fast ausschließlich Männer jenseits der 50, oft ehemalige Bürgermeister und Landräte, als Fürsten. Ob sie ein Altenheim bauen, wie sie ihren Blutspendedienst organisieren und ihre Kindergärten betreiben, war jahrzehntelang allein ihnen überlassen; manche fühlten sich so frei, dass sie darüber nachdachten, ins Beerdigungsgeschäft einzusteigen.

Diese Selbstherrlichkeit erlebte auch der Generalsekretär: "Als ich 2003 anfing", erzählt Waldburg-Zeil, "hat keiner der Landesverbände seine Jahresabschlussberichte an uns geliefert, obwohl sie es hätten tun müssen." Aus der starken Stellung der Basis erklärt sich, dass bis heute niemand genau weiß, wie viele Euro in den DRK-Einrichtungen bundesweit umgesetzt werden. Die Schätzungen reichen von vier bis acht Milliarden.

In der Macht der Basis liegt auch eine Erklärung für die vielen Skandale der Vergangenheit - vom Corvette-fahrenden Geschäftsführer bis zum insolventen Landesverband und zur Korruption im Blutspendedienst. Sie schreien geradezu nach einem Durchregieren von oben. Nur: Möglich ist das nicht, die Orts-und Kreiseinheiten sind rechtlich unabhängige Vereine, geschützt durch das Bürgerliche Gesetzbuch. Den Satz "Wir sind eine föderale Struktur, es kann jeder machen, was er will" hört man oft im DRK - und das oben wie unten. Nur wenn ein Kreisverband auf die Idee käme, "einen hygienischen Puff zu eröffnen", witzelt ein Kreis-Chef, "könnte der Landesverband wohl einschreiten".

"Am Anfang der Strukturreform gab es die Diskussion, den Idealverein von den Wirtschaftsbetrieben zu trennen", sagt Wald-burg-Zeil. Doch die Idee wurde bald wieder verworfen, sie hätte das Rote Kreuz, in dem viele Ehrenamtliche ohnehin argwöhnen, die Hauptamtlichen wollten sie entmachten, zerreißen können. "Das wäre unglaublich schädlich und riskant gewesen", sagt der Generalsekretär. Schon heute verliert die Hilfsorganisation freiwillige Helfer. Nicht in Scharen, aber kontinuierlich. "Die Ehrenamtlichen hatten nach und nach den Spaß verloren. Ein Indiz dafür war, dass immer häufiger bekannte Figuren aus Politik und Wirtschaft abwinkten, wenn man sie auf ein Ehrenamt ansprach", sagt Waldburg-Zeil, der diesen Trend umkehren will.

Tatsächlich ist das DRK geradezu verdammt, den Spagat auszuhalten, gleichzeitig Hilfsorganisation und Wirtschaftsbetrieb zu sein. Es kann sich nicht für das eine oder andere entscheiden, sondern nur mehr und besser trainieren für den Kraftakt. Weil der Markt der sozialen Dienstleistungen wächst, die Anteile des DRK aber eher stagnieren, braucht die Organisation ihre Ehrenamtlichen noch mehr - um sich von der Konkurrenz abzuheben. "Regeldienstleistungen kann jede Rosenblümchen-Pflege-GmbH erbringen, dazu braucht es kein DRK", so sein Generalsekretär.

Extradienstleistung sind auch für das Rote Kreuz nicht finanzierbar, wohl aber organisierbar: indem es seine Ehrenamtlichen bei Laune hält und sinnvoll einsetzt. "Unser Hauptziel muss sein, unsere ideelle Ausstrahlung zurückzugewinnen", postuliert Clemens Graf von Waldburg-Zeil. Und ideell strahlen können Ehrenamtliche nun mal besser als Hauptamtliche.

Seit 2006 betreibt das Rote Kreuz deshalb ein Pilotprojekt, bei dem die jetzt beschlossene Satzungs- und Managementreform und damit auch das neue Zusammenspiel von Haupt- und Ehrenamt - schon einmal erprobt wird. Naheliegenderweise in der Ambulanten Pflege, wo die Rotkreuzler großen Nachholbedarf haben. Waldburg-Zeil: "Wir haben in Deutschland keine Vulkanausbrüche, aber wir haben sehr viele alte Menschen, die vereinsamen. Das sind bei uns die most vulnerable, für die wir völlig neue Arten der ehrenamtlichen Tätigkeit aufbauen müssen."

Dabei sei eine ganze Menge ins Rollen gekommen, wie die Leiterin des Strategischen Projektmanagements Katharina Wolter sagt. Es fing damit an, dass das DRK überhaupt erst mal erfuhr, dass es nicht 900 Pflegeeinrichtungen hatte, sondern 532. Bei einem Drittel habe man dringenden "Optimierungsbedarf" festgestellt. In der Folge gab es - früher undenkbar - in vielen Kreisverbänden sogenannte Betriebs-Checks mit internen Beratern vom Bundes- oder Landesverband. Es gibt jetzt Entwicklungspläne, die beschreiben, in welchen Regionen das DRK neue Einrichtungen eröffnen sollte, inklusive eines "Startersets".

"Allein dadurch, dass wir jetzt zentral planen, ist eine Dynamik entstanden", berichtet Wolter. Plötzlich gibt es Kreisverbände, die sich mit anderen zusammenschließen, die sich viel mehr austauschen, vergleichen und so voneinander lernen. Unter anderem, wie man systematisch neue Ehrenamtliche gewinnt und die vorhandenen pflegt. "Die Entwicklung des Ehrenamts ist jetzt klar als ein Hauptziel der Hauptamtlichen definiert und nicht mehr nur eine Nebensache", betont der Generalsekretär.

Nach dem Vorbild des Pilotprojekts wird es durch die Satzungsreform im März bald auch auf anderen DRK-Geschäftsfeldern mehr Regeln für die Wirtschaftsführung und die Umsetzung von Beschlüssen geben. Mehr Abstimmungen zwischen den Ebenen. Entwicklungspläne mit Sollzahlen. Ein Kreisverband kann jetzt nicht mehr wie früher Aufgaben, die das DRK für wichtig hält, der Konkurrenz überlassen. Tut er es doch, können andere DRK-Gliederungen in die Lücke stoßen.

Die Ehrenamtlichen machen den Unterschied. Sie gilt es zu pflegen

Die Aufgabe dieses Territorialprinzips ist für das Rote Kreuz eine kleine Sensation. Doch "das alles funktioniert ohne formales Durchgriffsrecht von oben nach unten. Es genügt, wenn wir bei einer Tagung über Benchmarks sprechen und die Zahlen an die Wand geworfen werden", sagt Waldburg-Zeil. Allein durch den sanften Druck des Vergleichs und durch zentrale Koordination habe das DRK flächendeckend strategische Handlungsfähigkeit gewonnen, übrigens mühsam herbeiargumentiert in vielen Regionalkonferenzen im ganzen Land mit Hunderten, teilweise aggressiven Teilnehmern. "Wir haben keine Strukturen zerstört, aber Prozesse verändert", bilanziert der Verbandsmanager.

Zu beobachten ist das bei Lorenz Menz und Hans Heinz, ehrenamtlicher Präsident des Roten Kreuzes Baden-Württemberg der eine, hauptamtlicher Geschäftsführer des Landesverbands der andere. Sie sind beide CDU-Mitglieder, Menz ist 73, war Staatssekretär, Heinz, 54, ist Landtagsabgeordneter. Gemeinsam führen sie den neben Bayern stärksten Landesverband, der sich als schärfster Kritiker der Reform hervorgetan hat. In einem der Hauptstreitpunkte haben sie sich durchgesetzt gegen die Zentrale in Berlin, wie sie nicht ohne Stolz berichten - und am Ende haben sie ihr damit vermutlich einen Dienst erwiesen. Es ging um die Frage, ob es beim DRK in Zukunft nur noch hauptamtliche Vorstände geben soll, die das operative Geschäft führen, und ehrenamtliche Präsidien, die die verbandspolitischen Grundsatzentscheidungen treffen und den Vorstand kontrollieren, ähnlich dem Aufsichtsrat eines Unternehmens.

Die Büros von Lorenz Menz und Hans Heinz liegen nur zwei Türen auseinander. Der Präsident Menz ist an mindestens drei Tagen in der Woche für das Rote Kreuz im Einsatz, gleichzeitig ist er noch Präsident des Kreisverbands Stuttgart und nutzt für das DRK seine Kontakte aus Jahrzehnten in der Politik. Dafür bekommt er - wie der Rest des Präsidiums - keinen einzigen Cent, "nicht mal Sitzungsgeld", wie sein Geschäftsführer bedauert. Und trotzdem ist Menz der Chef, was man schon daran erkennt, dass er 20 Minuten spricht, bevor "sein" Geschäftsführer das Wort ergreift. Es ist ein kurioses Verhältnis, wie die beiden einräumen.

Geschäftsführer Heinz: "Herr Doktor Menz haftet mit seinem Häusle dafür, wenn ich das Finanzamt betrüge und nicht alle Steuern überweise. Wenn ich Mist mache, geht er ins Gefängnis, wo ich ihn dann mit seiner Frau besuche und Kuchen vorbeibringe." Präsident Menz: "Es ist schon eine ernst zu nehmende Frage, ob einer so was ehrenamtlich noch verantworten kann. Allein schon so ein Kreisverband wie Stuttgart mit 400 hauptamtlichen Angestellten ist ein großes Unternehmen. Da geht's ja um viele Millionen."

Aber weil die Ehrenamtlichen nicht nur die große Linie vorgäben, sondern auch ins operative Geschäft eingebunden seien und Verantwortung trügen, seien sie hochmotiviert, argumentiert der Präsident. "Das Rote Kreuz ist eben kein Konzern, der von einer zentralen Leitung dirigiert wird, sondern auf das Ehrenamt angewiesen. Am Ende sind es doch immer einzelne Personen, die vor Ort Feuer gefangen haben für eine Aufgabe, ob das nun ein Kleiderladen ist, ein Hausnotruf oder eine Initiative für Kinder von Migranten."

Oder für den Rettungsdienst. Wie Beate Könn, Grundschullehrerin in Erkrath bei Düsseldorf und seit einem halben Jahr ehrenamtliche Erste Vorsitzende des DRK-Ortsvereins mit 50 Aktiven und 1300 passiven Fördermitgliedern. Sie trägt eine golden gerahmte Brille, spricht druckreif und strahlt eine durch nichts zu erschütternde Verbindlichkeit aus. Selbstverständlich holt sie den Reporter mit ihrem roten Golf am Bahnhof ab und kocht beim DRK sofort Kaffee. Könn blieb beim Roten Kreuz, als sie dort ihren Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein machte. Das war 1972, und seither ist die DRK-Stelle ihre "zweite Heimat", wie sie sagt. Dienstagabend ist Rotkreuz-Tag. Im Kreis der "Kameraden" und "Kameradinnen" geht es um medizinische Themen, um die nächste Großveranstaltung in Erkrath, um die neue Innenausstattung eines Krankenwagens.

Könn hat bei unzähligen Blutspendeaktionen geholfen. Alle paar Wochen gibt sie samstags oder sonntags Kurse für "Erste Hilfe am Kind" und Erste-Hilfe-Kurse für Führerscheinanwärter. Sie ist bei der Vorbereitung von Sanitätswachen beim Neandertal-Lauf, beim Martinsumzug oder auf dem Fußballplatz dabei. Und als man sie irgendwann fragte, ob sie Erste Vorsitzende werden wolle, hat sie nach einer Woche Bedenkzeit Ja gesagt.

Das Schlimmste, was sie je sah, waren schwere Knochenbrüche, eine wirklich dramatische Situation hat Beate Könn noch nie erlebt. "Toi, toi, toi", sagt sie und klopft auf den Tisch. Aber wenn zum Beispiel mal ein Bus auf der Neandertalbrücke zwischen Hilden und Mettmann von der Fahrbahn abkäme und es einen MANV gäbe, einen Massenanfall von Verletzten, "dann würde ich da mit anpacken, dazu bin ich da, dafür halte ich mich auf dem Laufenden". Fragt man Beate Könn, warum sie das alles macht, sagt sie: "Es ist ein wunderschönes Gefühl, Menschen zu helfen, das muss ich schon sagen. Entweder man steht voll dahinter, oder man lässt es besser. Ich weiß gar nicht, woher das kommt. Ich habe einfach diesen Bazillus, und den kriegt man nicht mehr los." Deswegen ärgert es sie, wenn Leute wie der Geschäftsführer in Aachen das Rote Kreuz in ein schlechtes Licht rücken. "Wir Ehrenamtlichen leiden unter solchen Geschichten."

Ob das Rote Kreuz eine neue Struktur braucht? "Sicherlich ist Veränderung angezeigt im DRK, aber das sollen die hohen Herren ausmachen. Wir sind die Basis, und da sind ganz praktische Antworten gefragt." Etwa die Organisation der 100-Jahr-Feier des Ortsvereins Erkrath vor wenigen Wochen in der Stadthalle. Beate Könn hielt ihre erste Begrüßungsrede als Vorsitzende, später bekam sie eine Auszeichnungsspange des DRK-Landesverbandes Nordrhein für 35 Jahre aktive Mitgliedschaft. "Es war", sagt sie, "ein bewegender Augenblick, als sich alle Anwesenden zu Standing Ovations erhoben." -


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