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brand eins 06/2009 - SCHWERPUNKT: Identifikation
Extrem, sensibel und rational
Kaum ein Versprechen wirkte nach innen und außen so wie "made in Germany".
Was bedeutet es heute? Eine Umfrage.
"Wenn ich ein gut gemachtes Produkt suche und an Ästhetik nicht besonders interessiert bin, dann fällt meine Wahl auf , made in Germany'."
Alberto Alessi, Unternehmer, Omegna, Italien
"Grüße eilen voraus, schaffen Erwartungen und verbinden. Der schönste Gruß unserer Produkte ist , made in Germany'. Arbeiten wir dafür, dass er mit schnörkelloser Qualität verbunden bleibt und immer öfter an , invented in Germany' denken lässt. "
Professor Helge Ritter, Roboter-Experte an der Universität Bielefeld und Leibniz-Preisträger
",Made in Germany' war für mich ein Begriff, als ich vor gut 65 Jahren meine Spielzeugeisenbahn Märklin und meine Spielzeugautos Schuco in den Händen hielt. Heute kennt man alle Automarken, die aus Deutschland kommen, ohne dass nur auf einem Wagen , made in Germany' ins Blech eingestanzt werden müsste. Das heißt, heute sucht man gar nicht mehr nach dem Begriff, insofern auch, weil man ja nie weiß, welche Bestandteile wirklich ihren Ursprung in Deutschland haben. Die Globalisierung macht solche Begriffe uninteressant."
Emil Steinberger, Kabarettist, Montreux, Schweiz
",Made in Germany' ist als Markenzeichen immer noch unverzichtbar und eine gute Werbebotschaft. Denn Deutschlands Unternehmen heben sich mit ihrer hochwertigen Produktion von vielen Standorten dieser Welt deutlich ab."
Professor Burkhard Schwenker, Vorsitzender der Geschäftsführung von Roland Berger in München
"Für uns sind weniger die deutschen Produkte interessant als die Art der Betriebsführung und des Social Engineering."
Orlando Diniz, Präsident der Handelskammer von Rio de Janeiro, Brasilien
"Echte Produkte , made in Germany' sind für mich Romantik und das Bauhaus. Das klingt sehr widersprüchlich - und das ist es auch. Die deutsche Mentalität zeichnet sich aus durch Extreme. Die Deutschen sind extrem sensibel, aber auch extrem rational . Sie sind oft auch arglos und wenig angriffslustig. Diese Mentalität erzeugt Respekt, aber keine Emotionen."
Oliviero Toscani, Fotograf und Leiter der Kreativschule La Sterpaia in San Rossore, Italien
"Ich denke an Qualität, Zuverlässigkeit, Innovation, Geschwindigkeit und das Besondere."
Axel Bree, Geschäftsführer des Taschenherstellers Bree in Isernhagen bei Hannover
"Ich denke an Etikettenschwindel, Politikersprüche und Stammtischgeschwätz. , Made in Germany' ist ein Anachronismus, der an Jahrhunderte erinnert, in denen das Denken und Wirtschaften noch stärker durch Kulturbarrieren, Staatsgrenzen und Zollschranken behindert wurde, als das heute der Fall ist."
Bernd Kreutz, Inhaber der Agentur Kreutz & Partner in Düsseldorf
"Meine beste und persönlichste Beziehung zu Deutschland ist mein BMW. Er gehört zu mir - der Umgang mit ihm, das Fahrgefühl bis hin zum Klang, mit dem die Türen schließen."
Tim Schigel, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Web-Dienstes Share This in Cincinnati, USA
"Deutsche Produkte gelten als gut und teuer. Sie sind den Konsumenten weniger bekannt als den Produzenten. Ohne deutsche Werkzeugmaschinen und Roboter gäbe es in Brasilien keine Industrie, das ist klar."
Míriam Leitão, Wirtschaftskolumnistin der Tageszeitung "O Globo" in Rio de Janeiro
",Made in Germany' bedeutet für mich erstklassige und höchst verlässliche Herkunft. Die Qualität ist top. Darauf lässt sich bauen!"
Johann N. Schneider-Ammann, Präsident des Verwaltungsrats des gleichnamigen Maschinenbauers in Lagenthal, Schweiz
"German Engineering genießt weltweit noch immer einen sehr guten Ruf. Deutsche Unternehmen wie Audi, Porsche oder Siemens nehmen im Ausland eine absolute Ausnahmestellung ein. Die Leistungsfähigkeit des deutschen Mittelstands, sich auf die Bedürfnisse seiner internationalen Kundschaft einzustellen, ist beispiellos."
Sanjiv Singh, Vorstandsvorsitzender des Textilunternehmens Bäumler, Ingolstadt
"Ich denke an das Filmepos , Heimat' von Edgar Reitz, in dem zum Beginn jedes Teils ein in der Landschaft sitzender Stein zu sehen ist, in den die Worte , made in Germany' eingehauen sind. Die gleichzeitig laufende Titelmelodie ist allerdings von ein em Griechen. Ich glaube, dass heutzutage nirgends, wo ,made in Germany' draufsteht, auch wirklich nur , made in Germany' drin ist. Der Film ist übrigens in seiner Langsamkeit, Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit so was von unamerikanisch und urdeutsch - und er wurde dennoch ein Exportschlager."
Thomas Brussig, Schriftsteller in Berlin
",Made in Germany' - gibt es das noch? Ist es nicht eher , created in Germany'? Ideen und Innovationen sowie die Planung entstehen in Deutschland, die Herstellung erfolgt global, Marketing und Vertrieb wird nicht selten dann wieder aus Deutschland heraus betrieben."
Professor Jutta Rump, Institut für Beschäftigung und Employability an der Fachhochschule Ludwigshafen