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brand eins 06/2009 - MIKROÖKONOMIE

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Die kleinste wirtschaftliche Einheit: der Mensch: Eine Bankangestellte in den USA

Amy Burns lebt in Jamesport im US-Bundesstaat Missouri.
Sie ist 34 Jahre alt und arbeitet seit sieben Jahren bei der Home Exchange Bank, dem einzigen Geldhaus des Ortes, der 511 Einwohner hat und anderthalb Stunden nordwestlich von Kansas City liegt. Ihr Mann stellt in einem Zulieferbetrieb Autositze für Ford her. Die beiden haben zwei Kinder.
Bevor Amy Burns in der Bank anfing, machte sie eine Ausbildung zur Kosmetikerin.

Monatliches Einkommen, Grundkosten:

Amy Burns verdient etwa 1200 Euro netto im Monat. Drei Prozent ihres Gehalts gehen als Altersvorsorge auf ein steuerbegünstigtes IRA-Konto (Individual Retirement Account). Gemeinsam mit ihrem Mann muss sie monatlich 350 Euro für den Hauskredit abzahlen und zwei Autos finanzieren. Nach Abzug aller weiteren Fixkosten wie Strom, Telefon und Versicherungen bleiben ihr zwischen 75 und 150 Euro zur freien Verfügung.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

"Ich mag meinen Beruf. Es gefällt mir, Kunden zu beraten. Aber ehrlich gesagt geht es vor allem um eines: den Gehaltsscheck, der dazu beiträgt, meine Familie zu versorgen."

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

"Meine beiden Kinder: Ashley ist 15 und Dylan sieben. Beide sind sehr sportlich und spielen leidenschaftlich gerne Baseball und Basketball. Ich muss sie viel rumfahren, aber das mache ich gern."

Was möchten Sie in Ihrem Leben verändern?

"Ich hätte gern die Möglichkeit, nicht arbeiten zu müssen und bei meiner Familie zu sein. Eine Hausfrau, wie man es von früher kennt. Mein Mann arbeitet meistens Nachtschicht. Ich würde ihn dann öfter sehen als ein paar Minuten am Abend und am Wochenende. Und ich hätte mehr Zeit für meine Kinder."

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

"Die wirtschaftliche Lage macht uns große Sorgen. Die Johnson Control Company, für die mein Mann arbeitet, ist ein Zulieferbetrieb der Autoindustrie. Sie haben ihn seit Juli 2008 schon mehrmals in Kurzarbeit geschickt. Ich habe Angst, dass er seinen Job irgendwann verliert. Vielleicht wird ja auch alles wieder besser. Mancherorts erholt sich die Wirtschaft doch schon, oder?"

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

"Dann fahre ich mit der ganzen Familie nach Kansas City - mit 475 000 Einwohnern für uns eine Metropole. Dort gehen wir einkaufen, ins Kino und in eines der vielen Barbecue-Restaurants."

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

"Ich wünsche mir, dass ich weiter für meine Familie sorgen kann. Und für mich selbst? Dass es mir auch im Ruhestand finanziell gut geht und ich mich nicht zu sehr einschränken muss. Bis dahin werden wir hoffentlich das Haus bezahlt haben. Das macht es einfacher, im Alter über die Runden zu kommen."

Hat sich seit der Wahl von Barack Obama zum Präsidenten der USA für Sie etwas geändert?

"In der Kleinstadt bekommt man von Veränderungen kaum etwas mit. Was aber anders ist: Die Leute achten mehr auf ihr Geld."

USA

Einwohner 306,4 Millionen
Währung 1 Dollar (US$); 1,34 US$ = 1 Euro
BIP pro Kopf 33 702 Euro
Human Development Index Platz 12 (Deutschland auf Platz 22 von 179 Ländern)

Aktuelle Durchschnittskosten

1 Liter Benzin 0,38 Euro
1 Liter Milch 0,69 Eur
1 großes Glas Erdnussbutter (2,2 Kilo) . 6,70 Euro
1 Flasche "Vitamin Water" (590 ml) 1,20 Euro.
1 Päckchen Mikrowellen-Popcorn 0,39 Euro
1 Cheeseburger 0,75 Euro
1 Kinokarte 7,45 Euro
1 Portion Baby Back Ribs im guten Barbecue-Restaurant 11 Euro

 

Buchtipp:

Der Mensch - Die kleinste wirtschaftliche Einheit
Männer und Frauen erzählen von Arbeit, Geld und Leben in 38 Ländern. Herausgegeben von Gabriele Fischer und Peter Lau.


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