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brand eins 02/2009 - Kommunikation / PR
Science Pop
Scheuen Wissenschaftler den Austausch mit der Öffentlichkeit - oder interessiert die sich gar nicht für Details aus den Laboren? Ein PR-Report.
- Es gibt eine Frage, die Mark Benecke wirklich nicht mehr hören kann: "Sagen Sie mal, sind Sie das mit den Maden?" "Herr der Maden", dieses Etikett hängt dem Kölner Kriminalbiologen seit seinem ersten spektakulären Fall vor gut zehn Jahren an. Damals hatte er durch die Untersuchung von drei Maden auf der Leiche einer getöteten Pastorenfrau den genauen Todeszeitpunkt ermittelt. Der untreue Ehemann, der für die Tatzeit kein Alibi hatte, wurde daraufhin wegen Totschlags verurteilt. Die "Bild" brachte die Geschichte groß auf Seite eins. Seitdem wird Mark Benecke immer wieder als Sachverständiger herangezogen, wenn es darum geht, biologische Spuren, vorzugsweise Maden und Käfer, bei Tötungsdelikten auszuwerten.
Der hagere, meist schwarz gekleidete Mann mit dem kahl rasierten Schädel, der früher einmal in der Schlager-Punkband "Die Blonden Burschen" sang, hat es so zu erstaunlicher Popularität gebracht. Die akribische Arbeit an vermodernden Leichen, verbunden mit dem Reiz des Ekligen, hat ihn zum Medienstar gemacht. Mancher Politiker wäre froh, wäre er so oft in der "Bild" wie Benecke. Für manche Interviews verlangt er mittlerweile Honorare. Das Geld investiert er in seine Mitarbeiter. "Wenn ich eine Stunde mit einem Journalisten rede, können meine Mitarbeiterinnen sechs Stunden arbeiten", erklärt er. "Wir haben einen Berg von Experimenten, die wir nicht abarbeiten können, weil kein Geld da ist."
Benecke kennt keine Berührungsängste, er nimmt Journalisten mit auf die Body Farm der Universität Tennessee ("Traumziel aller an Verwesung und Fäulnis Interessierter"), wo zu Forschungszwecken Dutzende Leichen unter freiem Himmel vermodern. In einer wöchentlichen Radio-Kolumne plaudert er fröhlich und atemlos über Abseitiges aus dem Dschungel neuester wissenschaftlicher Erkenntnis. Ob der Vollmond das Paarungsverhalten wirbelloser Meerestiere beeinflusst, zum Beispiel. Oder ob es einen Zusammenhang zwischen der Erhöhung der Biersteuer und dem verringerten Auftreten von Geschlechtskrankheiten geben könnte. Irgendwie schafft er es dabei, dass sein wissenschaftliches Renommee nicht leidet. Zu seinen Vorträgen - etwa über Vampir-Enterdigungen, Hitlers Schädel und Zähne oder Insekten auf Leichen - strömen oft 500, 800, 1000 Leute.
Für seine fröhlich-dampfplaudernde Art der Wissensvermittlung hat sich Mark Benecke den Begriff "Popular Science" ausgeliehen. "Es gibt schon noch ein paar Leute, die ähnlich ticken wie ich", sagt er. "Wir sind die Talking Heads, coole Wissenschaftler. Besser die Zeitungsleute fragen uns und wir sagen etwas inhaltlich Sinnvolles, als dass sie irgendwas erfinden."
Keine Frage, Mark Benecke ist ein Popstar der Wissenschaft.
1. Axiom: Wer Geld will, muss auch erklären können, wofür er es braucht
Helmut Schmidt dachte vermutlich nicht unbedingt an Themen wie "Was sagen uns Maden und Fliegen an Faulleichen?", als er vor mehr als drei Jahrzehnten den Begriff von der "Bringschuld der Wissenschaft" prägte. "Ich sehe Schwierigkeiten für manchen Wissenschaftler und Forscher", hielt der Kanzler den Professoren entgegen, "sich richtig darauf einzustellen, dass der Mann auf der Straße sein Gesprächspartner sein muss." Später appellierten Forschungsminister in bester Schmidt-Tradition an die Wissenschaftler, "das Maul aufzumachen" (Heinz Riesenhuber 1986) und "in der Öffentlichkeit eine größere Rolle zu spielen" (Annette Schavan 2006). Sie alle eint offenbar das Bild des selbstvergessenen Forschers, den gar nicht so sehr interessiert, was die Welt außerhalb seines Labors über seine Arbeit denkt. Die Öffentlichkeit wiederum, so die Philosophin Eva-Maria Engelen in einer Studie über die Wahrnehmung von Wissenschaftlern, nehme die Forscher mehrheitlich als eine "Art bebrillte Laborratte" wahr.
Natürlich ist eine solche Vorstellung reichlich klischeebeladen. Und, so vermutet zumindest Klaus Tschira, sie hat auch viel mit der eigenen Distanz zum Forschungsgegenstand zu tun. Immer wieder ärgert sich der Mitbegründer des Software-Konzerns SAP, "wie manche Leute unter allgemeinem Beifall verkünden, dass sie mit Mathe und Naturwissenschaften nichts am Hut haben". Eine Fünf in Mathematik oder Physik sei gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Schon zu seiner Schulzeit sei das so gewesen. Tschira interessierte sich weit mehr für das Newton'sche Gesetz als für die Dramen Shakespeares. "Ein Lehrer verpasste mir daraufhin abschätzig den Beinamen 'Homo Faber' - der schlichte Handwerker."
Schon vor Jahren hat Tschira mehr als die Hälfte seines Vermögens in eine Stiftung eingebracht, die sich einer volksnahen Wissenschaft verschrieben hat. Jährlich prämiert er Naturwissenschaftler und Mathematiker, denen es gelingt, die Ergebnisse ihrer Dissertation in einem Artikel anschaulich zu beschreiben der dann in einem Sonderheft der Zeitschrift "Bild der Wissenschaft" veröffentlicht wird.
Die Berliner Physikerin Anne Julia Stähler, die im vorigen Jahr zu den Preisträgern zählte, versucht in dem prämierten Artikel den Transfer von Elektronen durch eine zwei Millionstel Millimeter dünne Eisschicht in ein Metall durch den Vergleich mit einem Staudamm plausibel zu machen. Häufig wird sie gefragt, wozu ihre Forschung eigentlich gut sei. "Für die Entwicklung leistungsfähigerer PC-Transistoren", könnte sie dann sagen, denn auch die funktionieren wie ein Staudamm - durch den Elektronen fließen, wenn er geschaltet wird. Aber der Weg vom Labor der jungen Physikerin bis zum PC-Chip ist unendlich weit. Transistoren sind nicht aus Eis, und Temperaturen von minus 200 Grad, wie sie für Stählers Experimente notwendig sind, lassen sich im PC nicht realisieren. "Es ist Laien schwer zu erklären, was ich da mache", räumt sie ein. "Das ist schon sehr abstrakt."
"Es existiert tatsächlich eine gewisse Barriere oder Kluft", sagt der Soziologe Hans Peter Peters vom Forschungszentrum Jülich, der seit fast 25 Jahren das Verhältnis von Wissenschaft und Öffentlichkeit untersucht. "Das ist in unserer Gesellschaft allerdings an vielen Stellen so. Wo Systeme aneinanderstoßen, gibt es eine natürliche Grenze."
Nach Peters' Erkenntnissen haben die Wissenschaftler ihre Bringschuld - vor allem mithilfe der Medien - allerdings weit besser abgearbeitet als allgemein angenommen. So ergab eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Befragung von mehr als 1300 Epidemiologen und Stammzellforschern aus den USA, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien, dass 69 Prozent der Wissenschaftler in den drei Jahren zuvor Medienkontakte hatten - die in den meisten Fällen sogar zu ihrer Zufriedenheit verliefen. Lediglich drei Prozent bezeichneten die Zusammenarbeit mit den Journalisten als "überwiegend schlecht". Das nach wie vor verbreitete Image des öffentlichkeitsscheuen Forschers reflektiere Zustände von vor 20 Jahren, sagt Peters. "Den Großteil der Wissenschaftler muss man heute nicht mehr davon überzeugen, wie wichtig die Kommunikation mit der Öffentlichkeit ist."3 Allerdings stellt sich die Wissenschaft dem Dialog mit dem Laien weniger aus Begeisterung als vielmehr aus Pflicht, Notwendigkeit und unter organisatorischem Druck. "Wer heute noch sagt, dass die Kommunikation mit den Stakeholdern Gedöns ist, riskiert im Extremfall seine Existenz", sagt Wolfgang Merten, Studienleiter der Technischen Universität Berlin Servicegesellschaft, die seit drei Jahren einen Master-Studiengang Wissenschaftsmarketing anbietet. "Wir müssen erklären, was wir mit dem Geld tun, das wir bekommen" - auf dass weitere Mittel fließen. 80 Prozent der Forschung an deutschen Unis würden heute mit sogenannten Drittmitteln finanziert; die Hochschulen stehen alle miteinander im Wettbewerb um die Finanzierung ihrer Arbeit.
So ist es wohl nur die halbe Wahrheit, wenn Wissenschaftler in Forscher-Befragungen erklären, dass ihnen, wenn sie sich in die Niederungen der Öffentlichkeit begeben, vorrangig an der Mehrung des Wissens in der Welt gelegen sei. Es geht auch um Fördertöpfe, Doktorandenstellen, Beraterverträge und manchmal um einen Aufsichtsratsposten. Die Wissenschafts-PR ist dafür das Schmiermittel, der Aufmerksamkeitskatalysator.
"Legitimitätsbeschaffung nach außen und innen", nennt das Peter Weingart, Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technikforschung der Universität Bielefeld. Denn selbstverständlich ist es für Klimaforscher nützlich, zwei- oder dreimal in den "Tagesthemen" gewesen zu sein. Und es ist auch von Vorteil, wenn man im Ministerium den Namen eines Wissenschaftlers schon mehr als einmal gelesen hat.
Speziell deutsche Forscher tun sich mit diesem Dialog noch schwerer als ihre Kollegen aus anderen, vornehmlich angelsächsischen Ländern. Kommunikative Fertigkeiten, und sei es die, vor 20 Zuhörern eine verständliche Präsentation abzuliefern, spielten vor allem in der Mathematik und in den Naturwissenschaften bis vor einiger Zeit so gut wie keine Rolle. Die preisgekrönte Julia Stähler kann sich jedenfalls nicht erinnern, während ihres gesamten Physikstudiums mehr als zwei kurze Vorträge gehalten zu haben.
In den USA und in Großbritannien dagegen ist die Scientific Community schon lange in die Offensive gegangen. Wissenschaft für jedermann hat dort allerdings grundsätzlich ein weit höheres Ansehen als in Deutschland. Den Unterschied kennen insbesondere Forscher, die sowohl dort als auch in Deutschland gearbeitet haben. Der Biologe Ralf Stanewsky zum Beispiel, den Studium, Promotion und Postdoc-Stipendium nach Köln, Regensburg und Boston führten, bevor er vor zwei Jahren eine Professur an der Londoner Queen Mary University übernahm. Dort befasst er sich mit der inneren Uhr der Fruchtfliege Drosophila Melanogaster in der Hoffnung, irgendwann vielleicht Erkenntnisse über Schlafstörungen zu gewinnen. "In Großbritannien bringt Medienpräsenz auf jeden Fall Pluspunkte", berichtet er. Über jeden Wissenschaftler werde ein Profil erstellt, "da zählt jeder Vortrag in einer Schule und jeder Talkshow-Auftritt".
Allerdings hält man in Deutschland auch an einer sonderbar anmutenden Arbeitsteilung fest. Die Gesellschaft habe die Produktion von Wissen an ein soziales Teilsystem delegiert, das nach eigenen Regeln funktioniere, erklärt Hans Peter Peters. Folglich spiele der Alltagsbürger"in der Wissenschaft schlichtweg keine Rolle", stellt er fest. "Das erklärt die Alltagsferne der Wissenschaft."
2. Axiom: Wer nur auf die Anerkennung der Kollegen schaut, wird nie populär
Für die Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnis hat das drastische Konsequenzen. Was immer da in den Medien berichtet wird, sei es in der "Bild", auf der Wissenschaftsseite der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") oder in TV-Magazinen wie "Abenteuer Forschung" - mit Wissenschaft habe es, streng genommen, nichts mehr zu tun. "Wissenschaftliches Wissen kann es nur innerhalb der Wissenschaft geben, weil ein 'Transfer' über die Systemgrenze hinweg nicht möglich ist", behauptet der Soziologe Peters. "Die authentische Wissenschaft, also der innerwissenschaftliche Diskurs, ist für Nichtwissenschaftler - inklusive der Wissenschaftsjournalisten - weitgehend unzugänglich, weil schlicht unverständlich."
Öffentliche Einlassungen von Wissenschaftlern, beispielsweise in Interviews, würden nicht als authentische wissenschaftliche Äußerungen gelten, sondern "werden speziell zum Zweck öffentlicher Darstellung der Wissenschaft konstruiert". Durch PR und Journalismus würden die Aussagen der Wissenschaftler "selektiert, interpretiert und rekontextualisiert", also in neue Zusammenhänge gestellt. Das Resultat sei ein simplifiziertes Konstrukt, eine Inszenierung nach den Regeln der Medien, nicht denen der Wissenschaft. Winfried Göpfert, emeritierter Professor für Wissenschaftsjournalismus an der Freien Universität Berlin, nennt das Ganze "Science Pop".
Und der verschaffe dem Publikum letztlich nur die Illusion, etwas verstanden zu haben. Den Urknall, zum Beispiel. Der Laie stellt sich darunter eine Explosion vor, in Zeit und Raum. Ein völlig falsches Bild, weil im Urknall Zeit und Raum überhaupt erst entstehen. "Man glaubt, mehr verstanden zu haben, als es tatsächlich der Fall ist", sagt Peters. Allerdings sei selbst diese Ver-stehens-Illusion sinnvoll und wichtig, "weil sie die Entfremdung reduziert und zur Integration der Wissenschaft in die Gesellschaft beiträgt".
Der Dialogbereitschaft der Wissenschaft mit dem Alltagsbürger dürften solche Erkenntnisse aus der Gedankenküche der konstruktivistischen Systemtheorie kaum zuträglich sein - wobei vielen Forschern das Tête-à-Tête mit Presseleuten ohnehin suspekt ist. Hin und wieder kommt es sogar zu einem richtigen Eklat, wie im Juli vorigen Jahres, als der Münsteraner Stammzellforscher Hans Schöler bei einem Genetik-Kongress in Berlin mitten im Vortrag sein Referat abbrach. Er weigerte sich weiterzureden, solange Journalisten im Saal seien.
Zuvor war Schöler von einem "FAZ"-Journalisten angeblich inhaltlich verzerrt und ohne sein Einverständnis zitiert worden was ihm den Unmut von Kollegen eingebracht habe. Nun verlangte der Forscher, dass Journalisten auf Fachkongressen künftig eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen sollen. Etliche Wissenschaftler signalisierten Verständnis. Sie befürchten, ihre Erkenntnisse nicht mehr in den für die Scientific Community maßgeblichen Zeitschriften-Flaggschiffen wie "Science" oder "Nature" unterbringen zu können, wenn das Wesentliche zuvor schon in der Tages- oder Wochenpresse zu lesen war.
Das führt zum Kern des Problems: Popularisiertes Wissen bedeutet für viele Wissenschaftler im besten Fall die "Vereinfachung, im schlimmsten Fall Verunreinigung" des von ihnen produzierten Wissens - so sieht es Peter Weingart. Die meisten Forscher haben Angst, sich auf diese Weise ihren Ruf innerhalb der Wissenschaft zu ruinieren und als Dampfplauderer dazustehen. "Wissenschaftsintern sind schon häufige Auftritte bei "Spiegel" oder "Focus" eher reputationsschädigend", sagt Ottmar Edenhofer, Co-Vorsitzender des Weltklimarats und Vizedirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, das die Klimadebatte in Deutschland mittlerweile dominiert - nicht zuletzt dank Edenhofers reger Medienpräsenz.
Der rührige Klimaökonom bewegt sich auf dünnem Eis. Einerseits fordert er die Forscher auf, sie sollten sich in ihrem Verhältnis zur Presse "eine gewisse Askese" auferlegen. Er selbst meide grundsätzlich Talkshows - "ein absolut unangenehmes Format". Zwar könne er sich fast jeden Abend in irgendein Fernsehstudio setzen, erzählt er, Anfragen gebe es genug, "aber warum soll ich mir dort Themen aufzwingen lassen, die mit meiner Forschung nichts zu tun haben"?
Andererseits nimmt Edenhofer selbst es mit dem Gebot der Askese nicht so genau. In den vergangenen Monaten hat er trotz vermeintlicher Reputationsschädigung immer wieder auch in "Spiegel" und "Focus" dezidiert Stellung bezogen - gegen die Einlassung der Industrie, es angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise mit dem Klimaschutz nicht so genau zu nehmen. Er stellt sich damit gegen jene Wissenschaftlerfraktion, die auf eine scheinbar wertfreie, positivistische Forschung pocht und sich aus den Niederungen der Politik vornehm heraushält - übrigens auch eine sehr deutsche Haltung. "Die Forderung nach einer Atempause im Klimaschutz ist absoluter Unsinn. Es muss doch genuine Aufgabe der Wissenschaft sein, das Maß an Unfug, das öffentlich gehandelt wird, in Schach zu halten und als Lobbyistengeklingel zu entlarven." Sagt Ottmar Edenhofer. Als Wissenschaftler. Und natürlich als Lobbyist - in eigener Sache. Schließlich steht auch sein Institut im Wettbewerb um die knappen Wissenschaftsbudgets.
3. Axiom: Wer Journalisten gängeln will, muss sein Bild in der Öffentlichkeit selbst malen
Weil dieser Wettbewerb alle trifft, versuchen die Forscher zumindest, die Kontrolle über den Kommunikationsprozess zu behalten - indem sie beispielsweise auf dem Gegenlesen von über sie verfassten Texten vor ihrer Veröffentlichung bestehen. Damit stoßen sie wiederum bei den Journalisten auf Granit, die Wissenschaftler als normale Informanten sehen, nicht als Verkünder einer unabänderlichen Wahrheit. "Ob etwas innerwissenschaftlich bedeutsam ist oder nicht, ist für den Journalisten zunächst irrelevant", sagt Hans Peter Peters. " Journalistisch relevant sind Wissenschaftler, wenn sie dazu beitragen, eine gute Story zu realisieren."
Die Kriterien, nach denen Wissenschaftler den Erfolg oder Misserfolg von Medienkontakten beurteilen, beginnen sich aber zu wandeln. Neuere Studien zeigen, dass sich viele Forscher gezwungenermaßen die Regeln der strategischen PR zu eigen gemacht haben und Abstriche bei der Exaktheit der Berichterstattung in Kauf nehmen - zugunsten eines positiven, akzeptanzfördernden Bildes über ihre Arbeit in der Öffentlichkeit.
Puristen wie Peter Weingart ist das ein Gräuel. Diese "Medialisierung der Wissenschaft", wie er es nennt, "der leicht erheischbare Massenapplaus" verfälsche nicht nur "das unbequeme und kritische Urteil der Fachkollegenschaft", sondern berge auch Gefahren für das Ansehen der Forschung schlechthin. "Wenn es zunehmend um öffentliche Wahrnehmung geht statt um inhaltliche Qualität", sekundiert der Jülicher Soziologe Peters, "könnte die klassische Rolle der Wissenschaft als Anwalt von Wahrheit und Rationalität in Zweifel gezogen werden und das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wissenschaft schwinden."
Oder es wächst, weil die Öffentlichkeit endlich versteht, was die Wissenschaft treibt. Und dass sie dabei auch irren kann. -
