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brand eins 02/2009 - WAS WIRTSCHAFT TREIBT
Hilf dem Zufall auf die Sprünge!
Giganten beherrschen den internationalen Pharmamarkt. Und dann gibt es da noch das Frankfurter Familienunternehmen Merz. Ein selbstbewusster Zwerg mit cleverer Nischenstrategie.
- Es ist einer der bewegendsten Momente im Leben des Jochen Hückmann: 3000 Pharmareferenten erheben sich von ihren Stühlen und klatschen. Die Begeisterung im riesigen Konferenzsaal von Disneyland im US-Bundesstaat Florida gilt Axura, einem Medikament gegen Alzheimer, entwickelt von einem Mittelständler in Frankfurt am Main. Als der Chef der Merz-Gruppe am 23. Februar 2004 ins Scheinwerferlicht tritt, spürt er eine innere Freude darüber, dass "wir es geschafft haben, Schwerstkranken helfen zu können".
Nur wenige Wochen zuvor hatte die US-Arzneimittelbehörde grünes Licht für die Vermarktung des Präparats zur Behandlung moderater bis schwerer Alzheimer-Demenz gegeben; die europäische Zulassungsbehörde erteilte die Erlaubnis bereits 2002. Seitdem hat das Medikament mit dem Wirkstoff Memantine dem Pharmazwerg und seinen Partnerfirmen weltweit schon das zweite Jahr in Folge mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz beschert.
Axura alias Ebixa, wie die Arznei im europäischen Ausland heißt, alias Namenda in den USA, liegt weltweit gleich hinter dem Marktführer Aricept des Giganten Pfizer. Es stammt aus einem Gemischtwarenladen. Die Merz-Gruppe entwickelt, produziert und vertreibt Medikamente, Badezusätze, Dragees, Gebisse und Kugelschreiber. Der Renner ist Axura. Allein im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz im Kerngeschäft Pharma damit um 60 Millionen auf 420 Millionen Euro.
Wie schafft es ein vergleichsweise kleines Familienunternehmen, Big Pharma mit einem Blockbuster zu überrumpeln? Wie kann es überhaupt eigene Pharmaforschung betreiben, ohne sich bei diesem Hochrisikogeschäft zu ruinieren?
Jochen Hückmann macht nicht viel Aufhebens um sich. Der Vorsitzende des Gesellschafterrats der Merz GmbH & Co. KGaA hat ein bescheidenes Büro ohne Vorzimmer. Seinen Kaffee holt er sich selbst; seine Tür steht immer offen. Seine Devise lautet: "Man muss zur Spitze zählen, und wenn man nicht zur Spitze zählt, hat man keine Existenzberechtigung." Diese Darwin'sche Formel hat der Enkel von seinem Großvater, Firmengründer Friedrich Merz. Ein typischer Vertreter der Gründergeneration, der allerlei nützliche Dinge erfand, immer nach dem Motto "Wie kann ich dem Menschen etwas Besonderes bieten?" (Hückmann).
Der Pharmazeut und Chemiker experimentierte mit Heilsalben, füllte als Erster Zahnpasta in Tuben und brachte 1911 - zum Leidwesen von Papst und Kaiser - das Verhütungsgel Patentex auf den Markt. Im Ersten Weltkrieg mischte er Menthol in die Zigarette und begeisterte damit die Soldaten an der Front. Mit dem vom verstorbenen Bruder geerbten Federhalterbetrieb wurde das Produktportfolio nochmals erweitert. In den fünfziger Jahren peppte Merz seine Kosmetik mit Placenta-Extrakt auf, der er eine hauterneuernde Wirkung zusprach. Nach der Salbe Placentubex ließ er Hefepillen herstellen, die er als Merz-Spezial-Dragees und mit dem Slogan "Schönheit kommt von innen" ab 1964 erfolgreich unter die Leute brachte.
Doch Friedrich Merz wollte mehr, als nur Schönheitspillen zu produzieren, und experimentierte mit verschreibungspflichtigen Wirkstoffen. In den siebziger und achtziger Jahren brachte die Firma eine Reihe von Medikamenten auf den Markt, darunter das Virusstatikum Viri-Merz gegen Herpes, den Lipidsenker Lipo-Merz und das Leberpräparat Hepa-Merz. "Wir haben uns immer auf die Dinge konzentriert, von denen wir glaubten, dass wir dort einen Wissensvorsprung haben", sagt Hückmann.
Die Merzianer erkannten schon in den sechziger Jahren, dass sie nur mit Nischenprodukten eine Chance auf dem Pharmamarkt haben würden. So gab es nach Auskunft Hückmanns damals noch kein Virusstatikum. Auch Medikamente für das zentrale Nervensystem (ZNS) waren dünn gesät und Demenz-Erkrankungen noch kein großes Thema. Die Merz-Chemiker aber experimentierten mit dem Wirkstoff Amantadinsulfat, der auf das ZNS wirkt. Diese Erkenntnis ist einem Zufall zu verdanken. Bei einem Parkinson-Patienten in London, dem Ende der sechziger Jahre Amantadin zur Grippe-Prophylaxe verabreicht worden war, besserten sich typische Parkinson-Symptome wie Zittern.
"Bis weit in die achtziger Jahre", so Rolf Hömke, Sprecher des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller VFA, "war der Zufall zugleich Methode. Nur wenige Zielmoleküle im menschlichen Körper waren bekannt. Dass ein Wirkstoff dann auch für eine andere Indikation Wirkung zeigt, konnten die Forscher damals nicht vorhersehen."
Statt auf einen neuen Zufallstreffer zu bauen, suchten die Merz-Forscher nach weiteren, möglicherweise wirksameren Substanzen zur Parkinson-Behandlung. Und fanden in der Wirkstoffdatenbank des US-Konzerns Eli Lilly ihren späteren Blockbuster: Memantine. Lilly hatte damit unter anderem Diabetes behandeln wollen, aber die erwünschte Wirkung war ausgeblieben.
Auch für Merz war Memantine zunächst eine Enttäuschung, "denn er wirkte bei Parkinson nicht besser als das Amantadinsulfat", erinnert sich Hückmann. Trotzdem blieb man bei Merz am Ball, ahnend, dass sich aus dem für das ZNS relevanten Wirkstoff - der zudem für seine geringen Nebenwirkungen bekannt war - etwas machen lassen könnte. Gemeinsam mit Forschern der Universität Göttingen erprobten die Frankfurter ihn bei ähnlichen Indikationen - und hatten Erfolg bei Alzheimer-Demenz, der häufigsten aller Demenzerkrankungen. In fortgeschrittenen Stadien der Krankheit verliert der Patient sein Kurzzeit-, später auch sein mittelfristiges Gedächtnis und seine Orientierung. Er ist zu einfachsten Verrichtungen nicht mehr in der Lage. Sieben Jahre dauert dieser Prozess im Durchschnitt, die Unterbringung in einem Pflegeheim ist unausweichlich.
Merz' Vorteil war die damals gängige Auffassung, Verkalkung sei die häufigste Demenzerkrankung. So konnte der Pharmawinzling ungestört ein Medikament aus einem bekannten Wirkstoff entwickeln, den die übermächtige Konkurrenz nicht beachtete. Zwischen den Jahren 1993 und 2001 brachten Pfizer, Novartis, Johnson & Johnson und Sciele in den USA nur jeweils ein Alzheimer-Medikament auf den Markt, allesamt mit dem gleichen Wirkstoff: Cholineste-rase-Hemmer. Dieser und Memantine sind die einzigen beiden weltweit zugelassenen Wirkstoffe zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit. Beide Medikamente können nur die Symptome lindern und den Patienten so rund ein halbes Jahr länger vor dem Pflegeheim bewahren.
Im September 2013 läuft das Patent für Merz' Blockbuster in den USA aus, in Europa ein halbes Jahr später. Deshalb wird es in naher Zukunft eng für den Mittelständler. Er muss nicht nur den Einbruch bei den Lizenzeinnahmen für Memantine verkraften, sondern wird es auch ungleich schwerer haben als früher, mit eigenen Innovationen beim Thema Alzheimer zu punkten. Die Pharmariesen haben das Potenzial entdeckt und investieren massiv in die Forschung.
Die Alzheimer Forschung Initiative geht von weltweit 15 Millionen Kranken aus. Mit steigender Lebenserwartung werden im Jahr 2020 etwa 30 Millionen Menschen von Alzheimer betroffen sein. Die Chance, in Zukunft einen verwirrten alten Menschen zu treffen, werde in "tragischer Weise normal" sein. Deshalb gibt es fast keinen größeren Pharmahersteller, der sich nicht mit dem Thema befasst. Pfizer ebenso wie Wyeth, Novartis, Eli Lilly oder Bayer/Schering. Die Investmentbanker von Goldman Sachs, immer auf der Suche nach gewinnversprechenden Anlagen, listen rund 60 Forschungsprojekte auf, bei denen es um bessere Medikation der Alzheimer-Demenz geht. Vier Medikamente werden derzeit in mehreren Studien an Tausenden Alzheimerpatienten weltweit erprobt und haben damit eine reelle Chance auf Zulassung und Vermarktung. Eines davon stammt von Pfizer, mit Aricept bereits Marktführer.
Angesprochen auf Pfizers Wirkstoff Dimebon, huscht ein Lächeln über das Gesicht von Matthias Henrich, Bereichsleiter chemische Forschung bei Merz. "Dimebon ist eine olle Kamelle aus der Sowjetunion."
Genüsslich referiert er, wie der Wirkstoff seit den siebziger Jahren seine Runden durch die Pharmabranche drehte. Ursprünglich als Antihistaminikum bei Allergikern eingesetzt, erlebte es ein Revival zur Behandlung von Alzheimer durch Pfizer, als man seine Blockadefunktion neurologischer Signalwege entdeckte.
Hömke spricht von der "Zweitverwertung" eines Wirkstoffs. Eine Methode, die auch Merz anwendete: So führte man schon 1982 den Wirkstoff Memantine unter dem Namen Akatinol in Deutschland ein. Zugelassen durch die deutsche Arzneimittelbehörde war das Mittel gegen leichte bis mittelschwere Hirnleistungsstörungen. Im August 2002 taufte Merz Akatinol in Axura um. Der Grund: die Zulassung des Wirkstoffs für die Indikation Alzheimer in Deutschland.
Kugelschreiber, Schönheitspillen, Biotech: Das Portfolio ist skurril - und profitabel
Eine solche eierlegende Wollmilchsau kann das Risiko der im Schnitt rund 800 Millionen Dollar teuren Pillenentwickung reduzieren. Ein schon bekannter Wirkstoff minimiert den Aufwand der ersten beiden Forschungsphasen, denn der Wirkstoff wurde bereits an gesunden Probanden auf Nebenwirkungen getestet. Ohne große Umwege kann die Substanz ihre Wirkung für die eigentliche, ihr zugedachte Indikation in der dritten Phase beweisen. So ist schon einmal Geld eingespart worden, falls diese teuerste klinische Phase schiefgeht. Dieses Risiko ist hoch. "Rund ein Drittel aller Kandidaten in Phase drei der klinischen Forschung schaffen keine Markteinführung", sagt Matthias Krings, Partner der Pharma-Unternehmensberatung Catenion.
Das ist eine bittere Pille für die gesamte Branche. Ein Großteil der mehrere Hundert Millionen teuren Entwicklungskosten geht für Fehlschläge in Phase drei drauf. Der Mittelständler Merz kann sich solche Abenteuer nicht leisten. Deshalb bewegt er sich auf bekanntem Terrain. Das am weitesten fortgeschrittene Forschungsteam arbeitet wieder an einem vertrauten, Melantineähnlichen Wirkstoff, diesmal für die Tinnitus-Indikation. Unter dem "Ohrenklingeln" leidet schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung weltweit. Hückmann sagt, dass es bisher noch keine Medikation gebe.
2012, so hofft man bei Merz, soll das Neramexane genannte Präparat die Zulassungshürde in Europa nehmen. Läuft alles nach Plan, wäre das Tinnitus-Medikament der Nachfolger des Blockbusters Axura. Und wie bereits heute würden die Partner einen Großteil der Umsätze mit dem hoffnungsvollen Produkt machen. Im vergangenen Geschäftsjahr haben der US-Konzern Forest Laboratories in USA mit Memantine unter dem Namen Namenda und die dänische Pharmafirma Lundbeck unter dem Namen Ebixa in Europa 1,3 Milliarden US-Dollar eingenommen. Ein Großteil des Pharma-Umsatzes sind Überweisungen der beiden Lizenzpartner für die Nutzung des Merz-Patents. "Ohne großen Partner geht es für kleine und mittlere Unternehmen oft nicht", sagt der Unternehmensberater Krings. "Manches Unternehmen zieht in Phase zwei schon einen Kooperationspartner hinzu, um das größere finanzielle Risiko einer späten Phase drei nicht allein zu tragen. Die Vermarktung im Ausland wird dann vom größeren Partner komplett übernommen." Für kleinere Pharma-Unternehmen die einzige Chance, ins Geschäft zu kommen.
Hückmann betont, dass Axura "von uns allein zu Ende entwickelt wurde". Doch die teure Phase-drei-Studie in den USA dem größten Pharmamarkt der Welt mit Tausenden Patienten finanzierte und realisierte Forest. Und brachte das Medikament dann mit der geballten Vertriebskraft von 3000 Außendienstlern an den Arzt. Forest ist ein Spezialist für die Vermarktung von Innovationen anderer Unternehmen in den USA.
Um stärker vom internationalen Geschäft zu profitieren, arbeitet Merz mit Nachdruck am Aufbau eigener Länderorganisationen. Im September 2006 wurde die Merz Pharma France gegründet, ein halbes Jahr später die Merz Pharma España, und es gibt noch weitere Tochtergesellschaften in Europa, in den USA und in Mexiko.
Nichts bleibt unversucht, sich auf den Tag X vorzubereiten, an dem die Lizenzeinnahmen mit dem Alzheimer-Medikament einbrechen werden. Hückmann ist klar, dass das Geschäft mit künstlichen Zähnen, Kugelschreibern und Badezusätzen (Gesamtumsatz im vergangenen Geschäftsjahr: rund 190 Millionen Euro) diesen Verlust nicht wird kompensieren können. Aussichtsreicher sind Innovationen in der ästhetischen Medizin. Merz setzt auf den Wirkstoff eines Medikamentes gegen spastische Erkrankungen, mit dem die Frankfurter schon gut im Geschäft sind. Diesen Wirkstoff empfiehlt Merz nun auch zur Faltenglättung: Unter dem Namen Belotero soll er Botox den Rang ablaufen.
Gern zitiert Hückmann den damals modernen Wahlspruch seines Großvaters: "Das Problem erkennen und eine eigene Lösung finden." Und übersetzt ihn in aktuelles Merz-Englisch: "Challenge for excellence and outperformance." Wenn er seine Mitarbeiter auf "Marktführerschaft mit Produkten von höchster Qualität" einschwört, klingt er wie ein Motivationsseminarleiter.
Seine kleine Firma arbeitet bei Forschung, Entwicklung und Vertrieb ähnlich wie die Pharma-Giganten - nur in kleinerem Maßstab und deshalb vielleicht etwas effektiver. Und wie die Konzerne strebt auch Merz Partnerschaften mit kleineren Biotech-Unternehmen an. Denn aus deren Laboren kommen heute die meisten vielversprechenden Kandidaten für neue Arzneien.
Derzeit wagt sich Merz, zusammen mit Wissenschaftlern der Universität von Tel Aviv und finanziell betreut vom Technologietransferunternehmen Ramot, an eine "neue aussichtsreiche" Substanz (Merz) gegen die Alzheimer-Demenz sowie an ein neues Medikament gegen Parkinson. Alles noch streng geheim. Beide Projekte existieren mehr oder weniger erst als Computersimulation in der präklinischen Forschungsphase. Merz will sich endgültig als forschende Pharmafirma etablieren. Das Unternehmen steckt 14 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Allein im vergangenen Jahr hat der Mittelständler 40 Wissenschaftler eingestellt, die nun in den neuen Merz-Laboren im Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie die neuen ZNS-Projekte vorantreiben.
Die überschaubare Zahl der forschenden Mitarbeiter erweist sich gegenüber den Tausenden Biochemikern und Pharmakologen von Big Pharma als Vorteil. Man kennt sich und kann sich problemlos auch über die Projektgrenzen hinweg austauschen. Ob das dann tatsächlich zur Entwicklung eines neuen Medikamentes führt, steht in den Sternen: 15 Jahre dauert der Prozess von der Kreation des Wirkstoffs bis zur Zulassung. Wenn es überhaupt dazu kommt. Schließlich, so der Branchenkenner Krings, erhalten "in der präklinischen Phase nur sieben Prozent der Wirkstoffe die spätere Eintrittskarte zum Markt".
Ein Erfolgsgeheimnis des Familienunternehmens: Die Verwandten haben wenig zu melden
Mit seinen beiden Forschungsprojekten in den Kinderschuhen geht Merz ein hohes Risiko ein, ohne das aber keine "strategische Erweiterung der Kapazitäten für Forschung und Entwicklung" (Konzernlagebericht) zu haben ist.
Während in der Pharmasparte ehrgeizige Pläne verfolgt werden, leben die Töchter Dental, Consumer Care und Schreibgeräte ihr eigenes Leben. Dass es sie überhaupt noch gibt, ist keine Traditionspflege mit Rücksicht auf den genialen Großvater Friedrich Merz - sie sind alle profitabel.
Geführt wird dieses Konglomerat von Familienmitgliedern der dritten Generation, dem Gesellschafterrat, und, außer Hückmann selbst, familienfremdem Führungspersonal. Hückmann versteht es, ein solches Unternehmen zu leiten, in dem die Verwandten möglichst wenig zu sagen haben: "Es ist wichtig, dass Familienmitglieder nicht in Positionen kommen, denen sie nicht gewachsen sind."
Der Aufsichtsrat, in dem ehemalige Topmanager aus der Pharmabranche und ein Wirtschaftsprüfer sitzen, entscheidet mit, ob ein Gesellschafter in die Führungsriege aufrücken darf. Geschickt wird verhindert, dass unterschiedliche Auffassungen zwischen den beiden Linien Hückmann und Baatz, der Cousine Hückmanns, dem Geschäft schaden könnten. In einer Pattsituation zwischen den Interessen beider Linien muss sich der Aufsichtsrat für die Meinung einer der beiden Parteien entscheiden. So werden Blockaden - ein Problem vieler Familienunternehmen - vermieden.
Gern referiert Hückmann die Vorteile der Pharma-Familienfirma, etwa die Unabhängigkeit von gierigen Anlegern und die Möglichkeit, Forschungsprogramme langfristig zu verfolgen. Was aber nicht bedeutet, dass man bei Merz nicht aufs Geld achtet: Jochen Hückmann, von Haus aus Jurist und Kaufmann, klopft alle Unternehmensentscheidungen auf Kosten und Effizienz ab. Egal in welcher Sparte - der Chef segnet keine Entwicklung eines neuen Produktes ab, ohne die Marktchancen zuvor sorgfältig geprüft zu haben. "Insofern sind wir auf dem Weg zur Börsenfähigkeit", sagt er selbstbewusst. Am Zehnten jedes Monats bestellt er die Chefs seiner Tochtergesellschaften zur Berichterstattung über Gewinne und Verluste, Umsatz- und Ertragsentwicklung ein. Mit dem Ergebnis ist er derzeit zufrieden: Im vergangenen Geschäftsjahr schrieben alle Segmente schwarze Zahlen. -
