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brand eins 02/2009 - MIKROÖKONOMIE

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Die kleinste wirtschaftliche Einheit: der Mensch:
Eine Lebensmittelhändlerin in Rom

Stefania Placidi führt ein Lebensmittelgeschäft im römischen Stadtviertel San Giovanni. Sie ist 36 Jahre alt und alleinstehend. Sie hat Kunstgeschichte studiert, aber von ihrer Familie auch eine Ausbildung im Einzelhandel erhalten. Ihr Laden liegt in einer kleinen Straße nahe der Lateran-Basilika. In dieser Straße ist sie auch aufgewachsen.

Monatsverdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Placidi arbeitet zwölf Stunden am Tag und hat eine Sechs-Tage-Woche. Am Monatsende, nach Abzug der Kaufraten und Kosten für das Geschäft, Steuern und rund 300 Euro für die Rentenversicherung, bleiben ihr 1200 Euro. Davon kann sie leben, weil sie mietfrei bei Verwandten wohnt. Wie alle Italiener zahlt sie keinen individuellen Beitrag für die Krankenversicherung, die über Steuern finanziert wird.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

"Ich führe weiter, was meine Eltern aufgebaut haben. Durch den Laden bin ich unabhängig und trotzdem dauernd mit Menschen zusammen. Die Tür meines Geschäftes steht immer offen, auch im Winter. Dann muss ich mir eben dicke Socken anziehen. Die alten Leute, die mich von Kind auf kennen, aber auch die jungen kommen herein, um zu reden. Der Laden ist ein Treffpunkt für die Nachbarschaft. Deshalb halte ich die Preise auf einem Niveau, das sich meine Stammkunden leisten können."

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

"Ich habe im Laden keine Hilfe. Die kann ich mir nicht leisten. Deshalb muss ich selbst ununterbrochen da sein."

Bis vor wenigen Jahren gab es in Italien noch zahlreiche Läden wie Ihren. Inzwischen setzen sich auch hier die Supermärkte durch. Wie reagieren Sie auf die Konkurrenz?

"Wir Kleinen müssen eine eigene Identität entwickeln, professionell weiter sein als die anderen und hohe Qualität anbieten. Ich kaufe meist bei kleinen Herstellern ein. Deshalb kostet der Schinken bei mir aber nicht mehr als im Supermarkt. Die Hersteller kennen meine Familie und mich seit Langem und machen mir einen guten Preis. Ich achte auf gute Auswahl und Beratung, weil ich den Geschmack meiner Kunden kenne."

Italien

Einwohner: 58,1 Millionen
Währung: Euro
BIP pro Kopf: 21 751 Euro
Human Development Index: 20 (Deutschland Platz 22 von 177)

Aktuelle Durchschnittskosten

Miete einer Drei-Zimmer-Wohnung in Rom: etwa 1500 Euro
1 Paar Lederschuhe (Damen): 50 Euro
1 Liter Milch: 1,60 Euro
1 Liter Benzin: 1,53 Euro
1 Kilo Äpfel: 1,80 Euro
1 Kilo Brot: 4,90 Euro
1 Pfund Markennudeln: 1,80 Euro
1 Espresso in der Bar: 0,80 Euro
1 Damenhaarschnitt beim Friseur: 35 Euro
1 Flasche Hauswein im Restaurant: 12 Euro

 

Buchtipp:

Der Mensch - Die kleinste wirtschaftliche Einheit
Männer und Frauen erzählen von Arbeit, Geld und Leben in 38 Ländern. Herausgegeben von Gabriele Fischer und Peter Lau.


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