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brand eins 02/2009 - Kommunikation / PR
Das Glücksdorf
Ein Lotteriegewinn hat vor zehn Jahren aus einem verschlafenen Nest in Apulien eine Legende gemacht. Seither lebt Peschici von seinem Ruf, ein Ort des Glücks zu sein.
Auch wenn alles längst ganz anders ist.
- Peschici in der Region Gargano, Apulien. Über den Corso Umberto I, die schmale Hauptstraße, dröhnt das Knattern eines Mopeds. Fernando de Nittis steht in seinem kleinen Laden, einem quadratischen Raum voller Zeitungen, Süßigkeiten und Krimskrams. Wie oft er die Geschichte schon erzählt hat? De Nittis lächelt. Er habe nicht mitgezählt in den zehn Jahren seither, aber die Fragen der Journalisten kenne er auswendig. "Na ja, ist auch eine schöne Geschichte."
De Nittis, 53, ist ein drahtiger Mann, listige Augen, graues Haar. Er lebt nicht mehr primär vom Zeitungsverkauf wie sein Onkel, von dem er den Laden übernommen hat, auch nicht von den tausend Dingen des täglichen Lebens wie früher. Lotto, Superenalotto, Totocalcio, Le Scommesse oder Gratta è Vinci heißen heute die Verlockungen, Stapel von Tippscheinen überall. Zehn Prozent Kommission kassiert de Nittis, der sagt: "Ich habe ein Faible für Zahlen." Als er ein System für Superenalotto ausgetüftelt hatte, Hunderte Tippreihen mit 99 Anteilsscheinen, sogenannten Quoten, beschwatzte er monatelang den ganzen Ort. "Eine Quote kostete zwölf Euro, das war viel Geld."
Superenalotto, ausgespielt vom Unternehmen Sisal Sp.A. in Mailand, ist in Italien besonders populär. Das liegt vor allem an den Jackpots, die gewaltige Summen erreichen, weil Treffer in den höchsten Gewinnklassen selten sind. Für sechs Richtige liegt die Chance bei 1: 622 Millionen. Ein Jahr und einen Tag nach Einführung von Superenalotto, am 31. Oktober 1998, steht der Jackpot bei 63 Milliarden Lire, was ungefähr 32 Millionen Euro entspricht.
1, 21, 30, 61, 73, 84 - das waren die Zahlen der Ziehung vom 31.10.1998. De Nittis hatte sie. 99 Mal. Das bedeutete umgerechnet 320 000 Euro pro Quote. Und so entstand die Legende von der Vincita, wie sie in Peschici sagen. La Vincita. Der Gewinn.
Es war der bis dahin größte Jackpot der italienischen Lottogeschichte. Und dass er ein armes, pittoreskes Fischerdorf traf, 4000 Einwohner, zwei Kirchen, keine Krankenstation, einen Ort, der malerisch an einem steilen Kreidefelsen klebt, machte daraus eine Story, die um die Welt ging. Schließlich, hieß es, seien in Peschici irgendwie alle miteinander verwandt, verschwägert, verstrickt, also würden alle profitieren von den Lire-Milliarden. De Nittis: "Man hätte dieses Szenario nicht besser erfinden können."
Drei Stunden nach der Ziehung sind die ersten Reporter im Ort und sprechen von einem apulischen Märchen. Sie erzählen von Giovanni Ranieri, dem Maurer, der eine Villa für seine zwölf Kinder bauen will und von einer Tankstelle träumt; von Matteo Costante, dem Fischer, der nie wieder mit dem Boot rausfahren will; und von Camilla de Nittis, der Köchin des "Piccolo Paradiso", die ihr Restaurant erweitern möchte. Und Michele Sicurio, der auf dem Bau gearbeitet hatte, als Mechaniker und Landarbeiter, erkennt die Chance seines Lebens. Er spekuliert, die Leute würden Autos kaufen. Autos müssen gewaschen werden. Sicurio: "Ich kaufe mir eine Waschstraße als Investition für die Zukunft." Das Magazin der "Süddeutschen Zeitung" titelt: "Hier wohnt das Glück."
Nichts braucht eine Lotterie mehr als Gewinner. Als Bestätigung der Versprechen von Geld, Gold, einem sorgenfreien Leben. Als Beweis, dass Hoffnung, Wünsche, Träume nicht bei allen vergeblich sind. Und so gesehen war die Vincita von Peschici die beste PR, die sich Sisal Sp.A. für Superenalotto wünschen konnte. 1990 gaben Italiener für Lotto und dergleichen jährlich 5,16 Milliarden Euro aus, 1999, im Jahr nach dem Peschici-Gewinn, waren es 17,8 Milliarden Euro.
Wie macht man PR für das Glück? Das muss man gar nicht, das läuft allein
"Lotto - das sind die Geschichten, von denen wir uns das märchenhafte Glück versprechen", schreiben Christoph Lau und Ludwig Kramer in der Einleitung ihres Buches "Die Relativitätstheorie des Glücks - Über das Leben von Lottomillionären". Und, wie praktisch: "Die Gegenleistung ist keine Mutprobe, keine gerettete Prinzessin, kein selbstloses Opfer, sondern ein schnöder Spieleinsatz von ein paar Euro. Das Lottospiel hebt die Sehnsüchte und Hoffnungen der Menschen in die Sphäre des Möglichen, des Unwahrscheinlichen zwar, aber des Möglichen."
Es ist ein Multimilliardengeschäft weltweit, das auf einer zeitlosen Leidenschaft basiert. Die ersten Würfel? Vor etwa 5000 Jahren. Die erste nachweisbare Lotterie? 1445 in Sluis, niederländische Grafschaft Flandern. Die erste Lotterie mit Geldgewinnen? 1611 in Hamburg. Das erste Zahlenlotto? Ende des 16. Jahrhunderts in Genua. Die Stadt ermittelte traditionell fünf Ratsherren durch das Los, statt Namen wurden 90 Nummern verwendet; also begannen die Bürger Genuas, auf die gezogenen Nummern zu wetten. Steuern auf Lotterien, sagen Lau und Kramer, seien stets die einzigen Steuern gewesen, die freiwillig gezahlt wurden.
Das ist umso bemerkenswerter, als jede Lotterie einem besseren Etikettenschwindel gleicht. Die Stiftung Warentest hat einmal errechnet, man stürbe eher beim Kegeln, als beim Lotto einen Sechser mit Zusatzzahl bei 6 aus 49 zu tippen. Selbst die Wahrscheinlichkeit für den kleinsten Gewinn liegt bei nur zwei Prozent. Dazu Absurditäten, ständig Ereignisse wider alle Wahrscheinlichkeit. Die am häufigsten gezogene Zahl im deutschen Samstagslotto ist die 32, die am Mittwoch bislang am seltensten gezogen wurde. Und im Juni 1977 hatten 205 Tipper aus dem Rheinland sechs Richtige mit den Zahlen, die eine Woche vorher beim niederländischen Lotto gezogen wurden. Völliger Irrwitz, der allerdings einem neurologischen Phänomen entgegenkommt. Der Mensch ("Homo irrationalis", nennen Lau und Kramer den passionierten Tipper) neigt dazu, die Wahrscheinlichkeit positiver Ereignisse konsequent zu überschätzen.
Den Peschiciani ging es 1998 nicht anders. "Der Gewinn", sagt Vincenzo de Nittis, "war ein Geschenk des Himmels." Das Geld sei gut investiert, versichert der junge Mann, der im Besprechungsraum des Rathauses wartet. Alles? "Das meiste", verbessert Vincenzo. Er ist der Neffe von Fernando und verwaltet die Ferienanlage seines Onkels, 55 Apartments, gekauft von der Vincita, nebenher fungiert er als Tourismusdirektor.
Früher hatten sie wie überall an der Küste nur Fischfang und Olivenanbau, inzwischen führt Peschici ein Doppelleben. Im Winter ist es weiter ein vergessenes Dorf am Rande Italiens; im Sommer kommen die Urlauber zu Zehntausenden. Deshalb floss ein Großteil der Vincita auch in den Kauf oder Ausbau von Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätzen, Strandbars, Restaurants. Doch dann geschah die Katastrophe. An der Wand hängt ein großes gerahmtes Luftbild von Peschici, und Vincenzo zeigt darauf, wo der Brand hinter dem Ort bis hinunter zum Strand eine Schneise der Verwüstung hinterließ. Dutzende Häuser, Hunderte Autos verbrennen, Tausende von Urlaubern flüchten aufs Meer.
"Es waren schreckliche Bilder", sagt Vincenzo, "PR-technisch eine Katastrophe." Danach seien die hohen Benzinpreise und die Wirtschaftskrise dazugekommen, 2008 waren schon 40 Prozent weniger Touristen da. Wie, fragt Vincenzo, solle er nun dieses Reiseziel verkaufen, da die Leute immer noch nicht bereit seien, die Hotels über den Winter zu öffnen? Peschici hat kein Kino, kein Theater, immer noch keine Krankenstation. Mallorca und Ibiza haben Nightlife, Bali und Phuket Exotik, Florida hat Shopping Malls. Vincenzo sagt: "Wir haben nur den Ruf des glücklichen Fischerdorfes." Deshalb habe er jemanden bestellt, der wie keiner die Vincita verkörpere. Türe auf - und unter einem Schlapphut erscheint ein unrasiertes Gesicht mit großer Brille.
Was tun, wenn sich der Wind dreht? Selber pusten
Elia Salcuni. Redet ohne Punkt und Komma. Ciaoamicicomestaivabenegrazie. Ist, wie er selbst behauptet, "der Glückspilz von Peschici, egal bei welchem Spiel, ich gewinne immer". Und schon kommt seine Vita im Schnelldurchlauf. Aufgewachsen in einer Gasse namens Largo Matto, verrückte Ecke, wo mal ein Quacksalber gelebt haben soll; als Kind bittere Armut, er kennt nicht die Bedeutung von Cena, Abendessen; danach Obstverkäufer, Müllmann, Lagerarbeiter, Pizzabäcker, Barmann, Lastwagenfahrer; weiter bittere Armut; der Lohn reicht kaum für die Miete; er muss sich Geld leihen, um Lotto zu spielen; doch dann das Schicksalslos, Fernandos System. "Io vinto, io vinto", ruft Elia. Ich habe gewonnen. Als sei es gerade eben passiert.
Komischer Typ, dieser Elia. Behauptet erst, er habe zwei Wohnungen gekauft, plötzlich sind es drei. Erzählt erst, er sei Bibliothekar des Ortes, dann auch Meteorologe. Später gibt er sich noch als italienischer Meister im Kreiselspiel aus. Wieso ist er mit dieser tollen Story nach der Vincita in keinem Artikel aufgetaucht? Dutzende Gewinner tauchten auf, Elia nicht. Nach der Vincita, sagt er, habe er noch mal 200 000 Euro im Superenalotto gewonnen, erst gestern wieder 256 Euro bei Pferdewetten. Verstorbene flüsterten ihm im Traum gewinnträchtige Zahlen zu. Elia sagt: "Schaut mich an! Das Unglück gibt es nicht."
Untersuchungen über Lottogewinner besagen das Gegenteil. Von einem Glücksschock ist dort die Rede. Erbleichen, Herzrasen, Appetit- und Schlaflosigkeit sind gängige Symptome bei sogenannten Großgewinnern; die meisten fallen zunächst in einen längeren Trancezustand. Das Geld kommt über sie wie die Liebe. Ohne Ankündigung, heftig, ein Ratatouille der Gefühle. Der perfekte Moment für Dummheiten. "Wer seine Freude teilt", sagt Christoph Lau, "der muss auch den Gewinn teilen." Sind nicht auch in Peschici dubiose Spekulanten und Vermögensberater eingefallen? Gab es dort nicht sogar Zorn und Neid? Wurde nicht die Metzgerei von Mimmo Tavaglione, einem Gewinner, boykottiert? Lau: "Es ist abenteuerlich, unter welchem Druck die Gewinner stehen."
Es mangelt jedenfalls nicht an tragischen Fällen im Buch von Lau und Kramer, die Umfragen in Deutschland gemacht sowie Statistiken aus anderen verarbeitet haben. Lau, der Sozialarbeiter und Leiter einer Werkstatt für Behinderte in Oranienburg ist, möchte nicht mit Lottomillionären tauschen. "Ein Lottogewinn ist nicht charakterbildend, er ist charakterabbildend." Der Geizige wird geiziger, der Ängstliche ängstlicher, der Labile labiler. Lau kennt Gewinner, die nicht mal ihre Familie einweihten, und solche, die Lokalrunden warfen und bei denen "man zuschauen konnte, wie die Nullen auf dem Konto wegschmolzen".
Angelo Dinunzio muss man das nicht erzählen. Hochwürden sagt, er wisse das schon lange. Don Angelo sitzt in seinem Büro neben der Sakristei von San Michele, der kleineren der beiden Kirchen von Peschici. Es ist ein spartanisches Büro, nichts an der Wand außer einem Kruzifix und einem Bild des Heiligen Elia, dem Schutzpatron Peschicis. Davor also Don Angelo, steif und bis zum Kinn geschlossen der Kragen, strenge Miene. Er will nicht reden über die Vincita. Weil er, wie er behauptet, noch nicht in Peschici gelebt habe, als sie passierte. Stattdessen klagt er über den Sittenverfall, über Promiskuität und den Zerfall der Familie.
"Was früher ein Skandal war", sagt Don Angelo, "ist heute normal." Schlimmer sei nur noch die teuflische Gier nach Geld. "Alle behaupten, Geld macht glücklich", schimpft der Pfarrer, "die Zeitungen, das Kino, das Fernsehen." Da! Er greift zur Zeitung auf dem Schreibtisch. Sogar "L'Avvenire", die Postille des Vatikans, habe einen Börsenteil! Skandalös, da doch der Heilige Vater erst unlängst, als die Immobilienkrise zu wüten begann, sinngemäß aus dem Neuen Testament zitierte: "Lasst das, was auf der Erde ist, und bemüht euch um das Gute im Himmel." Zur Vincita nur so viel: "Schauen Sie nur, wie sie alle zum Lottoladen rennen! " Je höher der Jackpot, umso "verrückter verhalten sie sich".
"Das Gute ist ein Gleichgewicht", so das Fazit von Don Angelo, "Gott, Jesus, der Glaube bringen das Glück." Freut euch im Herrn, nicht im Geld. Er wolle jetzt das Profane nicht mit dem Heiligen vermischen, aber er wolle nicht ausschließen, dass "Gottes Hand involviert war" beim großen Feuer.
Am Morgen des 24. Juli 2007. Gianni Tavaglione liegt noch im Bett, nebenan schlafen seine beiden zehnjährigen Töchter. Bis fünf Uhr war er auf den Beinen, Hauptsaison, sein Nachtklub "Grecale" war rappelvoll. Gianni gehörte auch zu den Gewinnern der Vincita. Schon damals wollte er das Geld in eine Disco stecken, sein Motto: " Joy, Gin, Jazz." Und so entstehen zwischen Olivenhainen zwei Bars, eine Pizzeria, ein Restaurant, es gibt Live-Musik, getanzt wird Open Air. Jeden Sommer ist Peschici voller Kids und Teenager, die Spaß und Abwechslung suchen, einen Urlaubsflirt. Gianni hat alles richtig gemacht. Grecale floriert.
Es ist ein heißer Morgen, der Libecio weht, der, wie der Name sagt, aus der libyschen Wüste kommt. Um 9.15 Uhr bricht das Feuer aus. Gianni schaut aus dem Fenster, packt die Mädchen ins Auto und rast davon. Als er zurückkommt, steigt er durch einen Haufen verrußter Spumante- und Bierflaschen, aus denen braune Soße rinnt. Mauern ohne Dach. Fenster ohne Glas. Schwarze Stummel, die keine Baldachine mehr tragen. Gianni sagt, er bräuchte 250 000 Euro, um wieder von vorn anzufangen. Seine Bank, bei der er noch mit 150 000 Euro verschuldet ist, will sie ihm nicht geben. Eine Brandschutzversicherung hatte er nicht. Entschädigung vom Staat habe es nicht gegeben. Jetzt wolle die Bank seine Eigentumswohnung pfänden: "Ich fühle mich wie gelähmt." Hat keiner aus Peschici geholfen? "Erst hieß es: , Klar doch' wir sind da! ' Ich dachte, das sind meine Freunde, aber dann kam nichts." Inzwischen wird im Dorf erzählt, die Tavagliones seien geborene Bankrotteure, die sollten nicht jammern.
Wie ein apulisches Märchen hört sich das nicht an. Und Gianni ist nicht der Einzige, der Pech hatte. Matteo, der Fischer, hat sich bei einem Sturz von der Leiter schwer am Rücken verletzt, sein Restaurant "L'Orizzonte" mit Meerblick, das er sich vom Gewinn baute, ist abgebrannt. Micheles Waschstraße ist pleite. Camilla hat das Nachbarhaus gekauft, das Restaurant erweitert. Jetzt bleiben die Gäste aus, und Camilla, 81, sagt: "Die Zukunft macht mir Angst." Und Giovanni, der Maurer? Doch, doch, sagt Piero Ranieri, einer seiner Söhne, der vor der Tamoil-Tankstelle am Ortseingang steht, Vater habe seinen zwölf Kindern und 18 Enkeln ein Haus gebaut. Die Tankstelle habe er nicht mehr erlebt. Herzinfarkt mit 63.
Was hält einen Mythos am Leben? Dass keiner wissen will, ob er wahr ist
"Wissen Sie", sagt Matteo D'Amato, der als reichster Mann Peschicis gilt und dem das größte Hotel im Ort gehört, "die Menschen wollen diese Märchengeschichten glauben, alle wollen träumen, aber mal im Ernst: Was sind schon 320 000 Euro? Für ein sorgloses Leben reicht das nicht." Dass das Gerede und die Gerüchte um die Vincita dennoch kein Ende nehmen wollen, stört ihn nicht. Die Leute sollen ruhig weiter glauben, Peschici sei der glücklichste Platz der Welt. Sie sollen weiter spekulieren, wie viele Quoten Fernando de Nittis nicht verkaufen konnte und selbst einlöste oder wer genau zu den Gewinnern gehörte. "Hauptsache, die Leute reden über uns, wir können jede Werbung gebrauchen." Fernando de Nittis sagt derweil: "Macht es wie Elia: Spielt! Die Vincita kommt noch einmal zurück, ganz sicher."
Natürlich habe er von Peschici gehört, sagt Christoph Lau, jeder, der sich mit dem Thema Lotto beschäftige, habe von Peschici gehört. "Es ist ein Mythos, und bei einem Mythos ist es gar nicht so wichtig, ob stimmt, was erzählt wird." Vielleicht erklärt das auch, warum der Sprecher von Sisal Sp.A. verspricht, per E-Mail auf Fragen zu antworten, und sich dann nie wieder meldet. Vielleicht befürchtete er, Stellung nehmen zu müssen zum Rekord-Jackpot im Herbst 2008. Der betrug mehr als 100 Millionen Euro, ehe er am 23. Oktober in Catania, Sizilien, geknackt wurde. Der Jackpot hatte zuvor ein nationales Wettfieber ausgelöst. Viele Italiener setzten ihre Ersparnisse, verschuldeten sich, sogar aus dem Ausland waren Tipper angereist. Der Website von Sisal Sp.A. ist zu entnehmen, dass Italiener 2005 in der Hoffnung auf ihre persönliche Vincita bereits 27 Milliarden Euro ausgaben.
Dabei weiß man doch, was mit Lottomillionären in aller Regel geschieht. Überall auf der Welt. Ein bis zwei Jahre nach dem Gewinn, so diverse Studien, sind sie wieder so glücklich oder unglücklich wie zuvor. Lau sagt: "Menschen sind offenbar unterschiedlich glücklich veranlagt, ein Lottogewinn ändert daran nichts." Das gilt im Übrigen bei Schicksalsschlägen generell. Unfallopfern beispielsweise geht es genauso. -
