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brand eins 02/2009 - Das geht

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Schnüffler, die nie müde werden

Bei der Fahndung nach Sprengstoff- und Drogenkurieren waren Schäferhunde bislang unersetzlich. Doch die Vierbeiner brauchen regelmäßige Pausen.

Ein neuartiger Biosensor aus Bonn, hochempfindlich und rund um die Uhr bereit, kann die Super-Nasen vertreten.

- "Für einen Moment", sagt Markus Perpeet und schmunzelt, "habe ich mich wie ein Star gefühlt." Kaum hatte der promovierte Physiker, 40, mit seiner Geschäftspartnerin Sabine Bois, 28, beim Dortmunder Businessplan-Wettbewerb "Start2Grow" sein Projekt vorgestellt, sprangen etliche Zuhörer auf, eilten auf ihn zu, hielten ihm Visitenkarten hin und sagten: "Falls Sie einen Investor brauchen, rufen Sie mich an! " Und seine Kollegin ergänzt: "Als wir dann auch noch auf den ersten Platz kamen, konnten wir unser Glück kaum fassen."

30 000 Euro haben sie damals gewonnen, im Dezember 2006, für eine Idee, die ihnen Millionen einbringen könnte: neuartige Biosensoren, die Drogen und Sprengstoff zuverlässig nachweisen, im Unterschied zu richtigen Drogenspürhunden aber nie müde werden und weder Streicheleinheiten noch Futter brauchen.

"Damit kann man richtig Geld verdienen", sagt Perpeet. Eine Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) beziffert das Marktpotenzial für bioanalytische Geräte mit 15 Milliarden Euro. Davon entfallen auf Biosensoren erst winzige 0,1 Prozent - klingt nach besten Bedingungen für ein Start-up. Dabei hatte es kurz vor dem Businessplan-Wettbewerb so ausgesehen, als gäbe es für ihre Biosensoren keine Chancen.

Damals arbeitete Markus Perpeet als Projektleiter am Bonner Forschungszentrum Caesar (Center of Advanced European Studies and Research). Die Betriebswirtin Sabine Bois beriet die Wissenschaftler in kaufmännischen Fragen und ließ sich von Perpeets Begeisterung anstecken. Der wollte aus seinem Projekt ein Unternehmen entwickeln. 2006 kam das erste Laborgerät auf den Markt: "S-sens K5", ein Sensor mit fünf Messkanälen.

"Wir haben physikalische Messkonzepte mit biochemischen Analyseverfahren kombiniert, um Biomoleküle zu detektieren", sagt Perpeet. So können mit dem Gerät bestimmte Viren oder DNS-Mutationen aufgespürt und Eiweiße analysiert werden. Auch Umweltanalysen oder Lebensmittelkontrollen lassen sich damit durchführen. Praktisch war dieses Verfahren deshalb, weil Forscher die Moleküle ihrer Proben nicht mehr radioaktiv oder mit fluoreszierenden Substanzen markieren mussten, um sie im Labor analysieren zu können. Das ist zeitaufwendig und teuer. Doch "S-sens K5" ist als Laborgerät für Universitäten und Forschungsinstitute auf hoch qualifiziertes Personal angewiesen, sagt Perpeet. "Für den breiten Markt ist es nicht geeignet."

Um den zu erschließen, war eine Weiterentwicklung nötig. Allerdings gab es dafür kein Budget, da die Max-Planck-Gesellschaft, zu der Caesar gehört, den Schwerpunkt der Forschung verlagert hatte. So liefen Perpeets und Bois' Verträge aus. Aufgrund der hohen Kosten für Forschung und Entwicklung war weder eine Ausgründung zu finanzieren, noch war ein Investor in Sicht - bis zum Sieg beim Businessplan-Wettbewerb.

Mittlerweile hat das Team fünf Angestellte: Ingenieure, Biochemiker und Physiker. Die Entwicklung wird von einem strategischen Partner aus Schweden finanziert, der Biosensor Applications Sweden AB. Insgesamt drei Millionen Euro steckt das börsennotierte Unternehmen in das Start-up. Die Aufgaben der Partner sind eindeutig verteilt: Die Deutschen kümmern sich um die Entwicklung, die Schweden um Produktion und Vertrieb.

"Ziel ist es, gemeinsam einen Prototyp zu erstellen, der auch von Laien bedienbar ist", sagt Bois. Neben Polizei, Zoll und Grenzschutz kommen Sicherheitsdienste und der Strafvollzug als Nutzer infrage. Die mobilen Detektoren weisen zuverlässig auf Sprengstoff im Gepäck von Reisenden hin; Polizisten können mithilfe der Roboter bei einer Verkehrskontrolle feststellen, ob ein Autofahrer Drogen konsumiert hat.

Im vorigen Sommer haben Bois und Perpeet ihr erstes Gerät, das einem PC ähnelt, im Drogen-Behandlungszentrum Hagen aufgestellt. Um zu testen, ob ein Ex-Junkie rückfällig geworden ist, streicht ein Betreuer mit einem watteartigen Tuch über den Unterarm des Probanden und steckt die Probe anschließend ins Prüfgerät. Darin befindet sich das Herzstück der Forscher: ein goldfarben schimmernder Chip, der wie eine hochempfindliche Waage reagiert. "Auf seiner Oberfläche sind Moleküle angebracht", sagt Perpeet. "Die passen zu den gesuchten Substanzen wie ein Schlüssel zum Schloss: Befinden sich etwa Drogenspuren in einer Probe, bleiben sie an der Chip-Oberfläche haften. Dadurch verändert sich das Gewicht." Biosensor hat die Entwicklung durch mehrere Patente abgesichert.

Auf Flughäfen etwa bringen Wischtests an Koffern, die dem Zoll verdächtig erscheinen, unauffällig und schnell Gewissheit, ob das Gepäck kontaminiert ist. Die ersten Geräte sind bereits im Einsatz. -

Kontakt:
Biosensor GmbH
Ludwig-Erhard-Allee 2
53175 Bonn
info@biosensor-gmbh.info


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