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brand eins 11/2007 - MARKEN-KOLUMNE
Was Marken nützt: Freds Rache
Das erste Gebot der Unternehmenskommunikation lautet: Versündige dich nicht an deiner Marke. Und falls doch, leiste Abbitte.
So wie der Express-Schuster Mister Minit.
- Mister Minit - klingt altbacken. Das Fred genannte Maskottchen im roten Kittel - sieht spießig aus. So dachte die damalige Geschäftsführung der Schuhreparatur-Kette zur Jahrtausendwende, feuerte Fred und tilgte den Mister weltweit aus dem Firmennamen. Stattdessen ließ man sich von Marketingleuten ein auffallendes, unverwechselbares, junges, zeitgemäßes, einprägsames, unkompliziertes, fortschrittliches und sympathisches Logo aufschwatzen: einen rot umrahmten weißen Kreis, auf dessen Innenfläche Minit neben einem pinkfarbenen Punkt steht.
Die Schönheitsoperation hatte durchschlagende Wirkung. Franchise-Nehmer gerieten außer sich, irritierte Kunden fragten in den umgestalteten Shops, wo denn der nächste Mister Minit sei. Der Deutschland-Chef Andreas Berents erzählt das in der Zentrale in Monheim am Rhein ganz entspannt. Er ist von Haus aus Philologe und sieht fast so gut aus wie George Clooney, obwohl er harte Jahre hinter sich hat. Neben dem verpatzten Relaunch gab es noch andere Probleme, unter anderem Außenstände bei Franchise-Nehmern in Millionenhöhe sowie Qualitätsmängel.
In Berents' Ära wurde Fred wiederbelebt und die Zahl der Shops, die wieder Mister Minit heißen, radikal auf 255 reduziert; zu Zeiten der größten Expansion waren es in Deutschland mehr als 1000 gewesen. Die Mehrzahl wird heute von der Zentrale geführt, die Qualität durch Testkunden regelmäßig kontrolliert. Man verdiene, wie Berents stolz verrät, wieder gutes Geld. Der 45-Jährige führt den Besucher in den Keller, wo Minit seinen Nachwuchs an hauseigenen Maschinen schulen lässt. Die Firma konzentriert sich auf ihre Stärke: standardisierte Express-Services, unter Beachtung des - bei Handwerkern nicht angeborenen -Dienstleistungsgedankens. Zur Orientierung gibt es fünf goldene Regeln, die man gern auch anderswo verwirklicht sähe: "Sei freundlich. Sei aufmerksam. Sei hilfsbereit. Sei stolz. Sei dankbar."
Mister Minit fungiert als eine Art Nachlassverwalter des schwindenden Schusterhandwerks. Und muss heute selbst um seine Nische kämpfen. Unter anderem, weil viele Kaufhäuser traditionell die besten Standorte für Reparatur-Shops - aufgehübscht werden und kein Gewerbe in ihrer Beletage mehr dulden, das schleift, kreischt und staubt. Zudem leidet Mister Minit unter der Wegwerfmentalität: Berents rechnet vor, dass jährlich in Deutschland 400 Millionen Paar Schuhe im Müll landen.
Darin sieht er allerdings auch eine Chance. Denn etliche dieser Schuhe, so sagt er, würden repariert, gäbe es die Möglichkeit dazu. Die will er nun in Gegenden schaffen, in denen sich Mister-Minit-Shops nicht lohnen. Er arbeitet an einem Service nach dem Vorbild der Foto-Entwicklung, den er gemeinsam mit Super- oder Drogeriemärkten anbieten will. Die Kunden geben ihre ausgetretenen Schuhe dort ab, Mister Minit sammelt sie ein, repariert sie in regionalen Zentren und schafft sie zur Abgabestelle zurück. "Die Logistik steht bereits", sagt Berents. Eine ganz neue Geschäftsidee - an einen neuen Namen für Mister Minit werde aber nicht gedacht, versichert der Chef mit einem feinen Lächeln. -
Donald Hillsdon Ryans Idee beruht auf den Nöten seiner Frau: Ihr brechen in der kopfsteingepflasterten Brüsseler Altstadt, wo das Paar in den Fünfzigern lebt, regelmäßig die Pfennigabsätze ab - und der Schuster lässt sie warten. Das bringt Ryan dazu, 1957 im Warenhaus Au Bon Marché eine Absatz-Bar zu eröffnen, wo die Kundinnen an der Theke bei der Reparatur ihrer Pumps zuschauen können. Später kommen in der Mister Minit genannten Firma weitere Schnelldienste wie Schlüsselduplikate, Gravuren und Fotoarbeiten hinzu. Mit dem Schnell-Handwerk besetzt Ryan eine Marktlücke und expandiert ins Ausland. Allerdings nicht in die USA, weil sich die häufig als Einmannbetriebe geführten Shops bei den dortigen langen Öffnungszeiten nicht rechnen. Bei hoher Kundenfrequenz - Mister Minit konzentriert sich auf 1a-Lagen - ist das Geschäft sehr profitabel. Das reizt auch die Schweizer Großbank UBS, die das Unternehmen 1997 übernimmt, sich aber als schlechte Handwerkerin erweist. 2005 reicht sie die Kette an die Beteiligungsgesellschaft CVC Capital Partners weiter, die die Expansion nach Osteuropa finanziert. 2006 kauft der Minit-Chairman Howard Dyer das Unternehmen.
Umsatz: 220 Mio. Euro; in Deutschland: 33 Mio. Euro
umsatzstärkster Standort in Deutschland: Galeria Kaufhof München-Marienplatz
