Navigation

Inhalt

brand eins 11/2007 - Das geht

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Der Sieger

Er hatte eine gute Idee, gewann einige Wettbewerbe und schmiss schließlich sein Studium. Nun ist Marvin Andrä Unternehmer. Mit 25.

- Eine Bank in Saarbrücken, im Frühjahr 2005. Marvin Andrä erzählt einem Kreditberater begeistert von seiner Geschäftsidee, für die er 25 000 Euro Startkapital benötigt: Er will einen Laderaumschutz - eine Vorrichtung für die sichere und geordnete Aufbewahrung von Gegenständen im Kofferraum - produzieren, flexibel, günstig und für jedes Modell zu nutzen. Der Banker hört sich die Geschichte anderthalb Stunden lang aufmerksam an, das Produkt gefällt ihm. Aber er fragt immer wieder nach Andräs Qualifikationen, und am Ende geht der junge Mann mit leeren Händen nach Hause. Andere hätten resigniert, doch der heute 25-Jährige hat sogar Verständnis: "Einem Studenten im dritten Semester würden wahrscheinlich die meisten keinen Kredit einräumen."

Dennoch ist das Gespräch für Andrä aus einem ganz anderen Grund ein Erfolg: Der Banker gibt ihm Unterlagen für einen Businessplan-Wettbewerb der Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung Saarland (GIU): "Machen Sie da mal mit, dann brauchen Sie unser Geld nicht mehr." Gesagt, getan: Vier Wochen später sitzt Andrä wieder in der Bank, demselben Mitarbeiter gegenüber - und bekommt, was er will. "Ich hatte in der Zwischenzeit den GIU-Wettbewerb gewonnen und außerdem den Wettbewerb ,1, 2, 3, GO', bei dem ich schon vor dem ersten Gespräch meine Unterlagen eingereicht hatte. Plötzlich hatte ich 15 000 Euro Mietzuschüsse und 15 000 Euro in bar zur Verfügung", erzählt der gebürtige Ludwigsburger. Die 25 000 Euro von der Bank nimmt er trotzdem gern noch mit.

Außerdem lernt Andrä etwas, auf das er seither immer wieder zurückgreift: "Mit solchen Wettbewerben kann man sich sehr gute Referenzen schaffen." Zudem erzeugt man eine Öffentlichkeit für das eigene Projekt, ohne viel dafür tun zu müssen. Die Auslober übernehmen diese Aufgabe schon aus Eigennutz selbst, weil sie mit den Siegern gern auf ihre Vereinigungen oder Firmen aufmerksam machen.

Das Ganze hört sich jedoch einfacher an, als es ist, denn bei Wettbewerben ist die Konkurrenz hart. Seit 2005 hat der Gründer der Firma Bagpax - so heißen seine weißen Schutzsäcke aus reißfestem Kunststoff, die mit Saugnäpfen an Autoscheiben befestigt werden - acht zum Teil deutschlandweite Wettbewerbe gewonnen. Dafür braucht man Glück, natürlich eine gute Idee, aber vor allem enormen Fleiß. "Ich habe meine Businesspläne immer wieder überarbeitet und verfeinert", erklärt Andrä, dessen Job sowieso schon zeitintensiv ist. Denn der junge Unternehmer führt seine Firma allein. Er sagt: "Alles, was andere besser können, habe ich ausgelagert." Die Produktion ist in der Türkei, das Lager in Ludwigsburg, den Vertrieb macht eine Fremdfirma und die Buchhaltung ein Steuerberater.

Als Einzelkämpfer sieht sich Andrä trotzdem nicht, im Gegenteil. Seine ersten geschäftlichen Schritte mit Bagpax macht er mithilfe des saarländischen Business Angels Helmut Hensel. Außerdem engagiert er sich in Netzwerken, bei den Wirtschaftsjunioren, beim Bundesverband Junger Unternehmer und hält nach Preisverleihungen Kontakt zu Mitbewerbern oder Juroren. In vielen Gesprächen und Diskussionen lernt er, was andere Gründer vielleicht aus der Familiengeschichte mitbringen. Denn bei den Andräs gibt es keine Selbstständigen: Der Vater "arbeitete 40 Jahre von der Lehre bis zur Rente bei derselben Firma", seine Mutter ist pharmazeutisch-technische Assistentin, der zwei Jahre ältere Bruder Maschinenbauingenieur.

Eine feste Anstellung kann sich Marvin Andrä schon als Jugendlicher nicht vorstellen. Er möchte sich mit dem beschäftigen, was er wirklich wichtig findet und worin er gut ist. Weil er schon mit 18 Jahren für kleine Firmen Computer repariert, studiert er Wirtschaftsinformatik. Aber: "Ich habe schnell gemerkt, dass Programmieren nicht meine größte Stärke ist." Er konzentriert sich auf den ökonomischen Teil, bis ihm auch das zu viel wird. Sein Geschäft wächst derweil, Ende September dieses Jahres schmeißt er das Studium endgültig.

Seine Eltern tragen die Entscheidungen mit. Andrä bekommt sogar noch finanzielle Unterstützung von zu Hause - die Gewinne mit Bagpax fließen ins Unternehmen. Eine der größten Investitionen ist sein Mittelklasse-Kombi, den er sehr überlegt ausgesucht hat. "Der Erfolg eines Unternehmers wird oft an seinem Auto abgelesen. Auf der anderen Seite darf man aber nicht überheblich wirken."

Stattdessen will er seriös sein, konzentriert und offen. So beschreibt Andrä auch sein Auftreten bei Geschäftsterminen, bei denen sein Alter selten von Nachteil ist. Im Gegenteil. "Wenn ich irgendwo reinkomme, sind die Gesprächspartner vielleicht zwei Minuten lang irritiert", sagt er und lächelt. "Wenn wir dann ins Gespräch kommen und die Kunden sehen, wie ich hinter meiner Idee stehe, vergessen sie, wie jung ich noch bin. Und oft lassen sie sich dann von meiner Begeisterung anstecken." -


Anzeige

Anzeige