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brand eins 07/2005 - SCHWERPUNKT: Arbeit
Die kreative Klasse
Sie können etwas, das nur wenige können.
Sie sind anpassungsfähig, eigensinnig, wertvoll und schwer zu steuern.
Erkundigungen beim neuen Arbeiter-Adel.
"Das essenzielle Resultat der Ausbreitung von Wissen ist eine Verlagerung innerhalb der Erwerbsstruktur hin zu einem neuen, statistisch nur schwer fassbaren Akteurstypus, der eine qualifizierte Arbeit verrichtet, dem ,Kopf- oder Wissensarbeiter'." Martin Pfiffner, Peter Stadelmann: Wissen wirksam machen - wie Kopfarbeiter produktiv werden. Paul Haupt Verlag, 1999 Der Beichtvater Klaus Vollmer ist mittelalt, mittelgroß und in seiner Essener Dachwohnung so eingerichtet, wie sich die Mittelschicht gern einrichtet: Parkettfußboden, Designerliege, offene Küche, nicht überkandidelt. Auf der Terrasse Pflanzen, die auch ein paar Tage ohne Wasser auskommen; Vollmer ist Single und viel unterwegs. Zum Interview tischt er italienische Vorspeisen auf. Das Auffälligste an dem unauffälligen 45-Jährigen sind seine braunen Augen, die signalisieren: Dieser Mann fuhrt nichts Böses im Schilde. Erzählen Sie ihm alles. Bei ihm sind Ihre Sorgen gut aufgehoben.
Vertrauen ist das wichtigste Kapital des psychologischen Unternehmensberaters Klaus Vollmer, der ein rundes Dutzend Kunden, meist aus der Versicherungswirtschaft, in Personalfragen berät oder deren Führungskräfte coacht. Er selbst bezeichnet sich als "eine Mischung aus kompetentem Prozessberater und -begleiter, geistigem Sparringspartner und verständnisvollem Freund, den man in kritischen Zeiten gern zur Seite hat". Das klingt nebulös und passt zu der schwer durchschaubaren Branche, für die sich Vollmer entschieden hat. Dort tummelt sich ein Heer von Sozial- und Geisteswissenschaftlern, das auf lukrative Aufträge aus der Wirtschaff hofft.
Den meisten seiner Kollegen hat Vollmer etwas Wesentliches voraus: Er kennt die Chefetage eines Großkonzerns aus eigener Erfahrung. Deshalb falle es ihm leicht, die Welt mit den Augen von Managern zu betrachten, "weil das früher selbst meine Welt war. Ich weiß, dass viele Entscheidungen in Unternehmen nicht auf sachlichen Erwägungen beruhen, sondern dass es Managern oft darum geht, die eigene Macht zu erhalten oder zu vergrößern. Diese Perspektive ist vielen Außenstehenden völlig fremd". Dem Beichtvater Vollmer, der weiß, was Führungskräfte treibt, und der sich mit ihnen in ihrer Sprache unterhalten kann, schütten sie gern ihr Herz aus.
Dieses Wissen hat er sich mit einer Bilderbuchkarriere erarbeitet. Nach dem Psychologiestudium und einem kurzen Abstecher in eine Personal- und Unternehmensberatung trat er mit 27 in die Colonia Versicherung (heute Axa) als Personalentwickler ein und stieg dort rasch auf. Mit Anfang 30 war er Abteilungsdirektor, mit 37 Mitglied der Geschäftsleitung. Zwei Jahre später verließ Vollmer den Konzern - zum Erstaunen vieler Kollegen, die einen solchen Platz an der Sonne nie freiwillig räumen würden.
Warum?
Dienstleister Vollmer drückt es diplomatisch aus: " Ich war damals mit einem Projekt beschäftigt, das in absehbarer Zeit enden würde. Und habe mich gefragt: Was willst du dann eigentlich machen? Ich hatte in den vergangenen Jahren viele verschiedene Aufgaben übernommen und war damit aus meiner Sicht schon recht erfolgreich gewesen. Ich hatte das betriebliche Leben mit all seinen Dschungelkämpfen kennen gelernt und auch, wie man diese Äußerung oder jenen Vermerk zu interpretieren hat. Nur meine Autonomie hatte nicht zugenommen. Das war der Grund, mich selbstständig zu machen." Ängstlich sei er bei seinem Absprung nicht gewesen: "Ich hatte das Wissen, die nötige Erfahrung, gute Referenzen und nebenbei schon freiberuflich gearbeitet. Außerdem kannte ich den Markt und wusste, dass es nicht viele psychologische Berater mit eigener Führungserfahrung gibt. Eigentlich konnte nichts schief gehen, und so war es dann auch. Was auch daran lag, dass ich im Guten gegangen war und mein ehemaliger Arbeitgeber ein guter Kunde wurde." Der Insider mit dem Blick von außen ist nach wie vor gut im Geschäft, das allein auf Empfehlungen beruht. Anders als andere Kollegen veröffentlicht er keine Bücher oder Artikel, hat keinen großspurigen Titel, auf seiner Visitenkarte, keine Selbstdarstellungsbroschüre und noch immer keine Internetseite. Wenn ein Kunde Interesse bekundet, fährt Vollmer zu ihm und erzählt ihm, wie er arbeitet. Eine One-Man-Show, lediglich einige studentische Hilfskräfte gehen ihm in seinem Büro zur Hand. Das hat er in seinem ebenfalls in Essen gelegenen Elternhaus, was günstig ist und seine 83-jährige Mutter freut, die dort im Untergeschoss wohnt.
Auch finanziell geht es ihm gut, obwohl viele Unternehmen ihre Etats für Personalentwicklung deutlich reduziert haben. Er verdiene etwas mehr als früher als Festangestellter, sagt Vollmer, der Umsatz sei allerdings durch seine persönliche Kapazität begrenzt. Sie durch die Einstellung von Mitarbeitern zu. erhöhen kommt für ihn nicht in Frage, "weil ich dann wieder in Zwänge geriete, die ich hinter mir gelassen habe". Reine Selbstverwirklichung ist sein Job aber nicht: Er verbringt viel Zeit im Auto und in Hotels, und fährt, obwohl privat ungebunden, nur im Sommer und über Weihnachten in den Urlaub, weil dann bei seinen Kunden Flaute ist. Außerdem steht er ständig unter dem Druck, seine Sache gut zu machen, um den eigenen Ansprüchen zu genügen und weil er sonst schnell aus dem Geschäft wäre.
Den Seitenwechsel habe er trotzdem nie bereut. Er sei froh, nun einen "anderen Zugang" zur Welt der Konzerne zu haben, einen unabhängigen. Und er könne viel für sich tun: "Heute fahre ich nach eigenen Vorstellungen, Wünschen und Interessen zu Seminaren und Kongressen, bilde mich fort und gebe ein Vermögen für Bücher aus." Das Einzige, was er gelegentlich vermisse, sagt er zum Abschied, sei "eine EDV-Abteilung, die man anrufen kann, wenn der PC streikt". "Innerhalb der Wissensarbeiter entsteht eine neue Klasse: die kreative Klasse. Menschen mit großer Expertise und beträchtlichem Selbstinszenierungspotenzial. Sie verdienen ihr Geld mit Erfinden, Gestalten, Coachen, Entwerfen, Beraten. Es geht ihnen erst um Herausforderung, dann um Bezahlung. Sie arbeiten eigenständig, kreativ, auch wenn sie in ,festen' Beschäftigungsverhältnissen sind. Vor allem verstehen sie sich nicht als Weisungsempfänger, sondern als Partner bei Problemlösungen. Die kreative Klasse gestaltet Arbeitsort, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen weitgehend selbst nach ihren hohen Ansprüchen." Imke Keicher, Zukunftsinstitut, Kelkheim Der Rechner Manche Leute schlafen gelegentlich bei der Arbeit, Michael Dietrich arbeitet gelegentlich im Schlaf. Dann legt sich der Maschinenbauingenieur mit einem Problem ins Bett, träumt davon und weiß am nächsten Tag, wie sich ein entscheidendes Detail eines seiner Bagger verbessern lässt. Diese bis zu 1000 Tonnen schweren Giganten werden bei der Terex/O&K GmbH in Dortmund konstruiert, gebaut und montiert und in Minen auf der ganzen Welt eingesetzt. Das Unternehmen hat - nicht zuletzt wegen des Rohstoffheißhungers von China und Indien - gut zu tun.
Dietrich führt durch den Betrieb, in dem es nach Öl und schwerer Arbeit riecht, in dem Stahl auf Stahl prallt und die Schweißfunken stieben. Der 39-Jährige ist in der Konstruktion verantwortlich für das Fahrwerk der Bagger und seit einem Jahr auch für die Ausrüstung, so nennt man die Baggerarme mit den Schaufeln. Durch akribische Tüftelei haben Dietrich und seine fünf Mitarbeiter in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass die Maschinen seltener ausfallen. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil: Mit den Baggern, die oft weitab der Zivilisation eingesetzt werden, kann man nicht einfach in die nächste Werkstatt fahren, ihr Stillstand kostet die Minenbetreiber viel Geld - und sorgt für schlechte Nachrichten in der kleinen Branche. "Wenn irgendwo eine Maschine kaputtgegangen ist, dauert es keine 24 Stunden, dann ist das rund in der Welt", sagt Dietrich.
Seine Aufgabe ist es, immer mehr Leistung aus den Baggern herauszuholen, "ohne sich dabei ein Problem einzuhandeln". Falls doch eines auftritt, muss er es lösen. Dann fliegt er nach Südafrika, Indonesien oder sonst wohin und ist auch als Sozialtechniker gefragt, der sich schnell auf Menschen einstellen und die Wogen glätten muss. Oft stellt er vor Ort fest, dass das Problem ganz anders gelagert ist als vermutet. Diese Reisen mag Dietrich, weil er sich für Länder und Leute interessiert und weil er die "Geräte im Feld sehen muss. Ich muss wissen, wie die Maschine eingesetzt wird, was mit ihr da draußen passiert, wie verschmutzt sie ist. Ohne dieses Wissen kann ich sie nicht vernünftig konstruieren".
Dietrich ist ein umgänglicher Mensch mit jungenhaftem Charme und, obwohl rothaarig, geduldig und diplomatisch. Sein Team ist eingespielt, er muss den Leuten nicht viel erklären: "Man gibt Ziele vor, nicht Aufgaben." Wenn es mal hake, "streitet man um Sachen, nicht um Personen. Das ist das Schöne am Ingenieursberuf. Natürlich spielen Machtfragen auch eine Rolle, aber die Basis ist eine objektive Sache wie etwa ein defektes Bauteil".
Die Konstrukteure arbeiten im selben Großraumbüro wie die Servicemitarbeiter, sodass Dietrich jede Reklamation unmittelbar mitbekommt. Der 120 Jahre alte Industriebetrieb O&K, dessen Minengeschäft 1998 von dem amerikanischen Konzern Terex übernommen wurde, ist insgesamt modern organisiert. So gibt es eine Gleitzeitregelung, die den Mitarbeitern gewisse Freiheiten lässt. Dietrich kommt morgens gern etwas später, um seine produktive Traumphase zu verlängern.
Er arbeitet trotzdem viel, die Konstruktionsabteilung sei an der Grenze ihrer Kapazität angelangt. Dietrich sitzt oft nach Feierabend und am Wochenende zu Hause am Computer, wo er seine Ruhe hat und das Telefon nicht klingelt. Dann rechnet er aus, welche Kräfte auf seine Bagger wirken und welche Konstruktion der optimalen am Nächsten kommt. Er will es genau wissen, sich nicht auf Erfahrungswerte verlassen, er nennt das eine " analytische Herangehensweise". Das heimische Tüfteln macht ihm Spaß und nützt seinem Arbeitgeber; dass er dafür nicht bezahlt wird, ärgert Dietrich zuweilen, aber nicht übermäßig. "Das Wichtigste für mich ist eine innovative vielseitige Tätigkeit." Der Weg dorthin war nicht leicht, obwohl er die Sache mit der für ihn charakteristischen Systematik angegangen war. Der Abiturient Dietrich schwankte zwischen Zoologie und Maschinenbau und entschied sich für Letzteres, weil Ersteres "interessant und schön ist, aber eine brotlose Kunst". Während seines Wehrdienstes setzte er Fahrzeuge instand - und bereitete sich so auf das Maschinenbaustudium vor, das er Mitte der neunziger Jahre abschloss. Eine Stelle fand er nicht, weil die Konjunktur für Ingenieure damals schlecht war. Dietrich schlug sich ein Jahr als Dozent durch, ein Job, den er schon während des Studiums gemacht hatte, und erwarb dabei pädagogische Geduld, die ihm heute noch zugute kommt. Erst dank einer Weiterbildung, die ihm ein Praktikum in einem Unternehmen verschaffte, bei dem eigentlich Einstellungs-Stopp herrschte, gelang ihm der Einstieg in den Ingenieursberuf. Dietrich arbeitete fünf Jahre bei dieser Firma, die Motoren und Bremsen für den Anlagenbau herstellte, und wechselte dann zu den Baggern.
Macht sich Michael Dietrich manchmal Sorgen um seinen Arbeitsplatz?
Dietrich überlegt eine Weile und schüttelt dann den Kopf. Zum einen sei das, was er tue, für seinen Arbeitgeber wichtig. Zum anderen käme er auch anderweitig unter. "Mit meiner Arbeitsweise kann ich ganz generell Probleme lösen. Ich bin nicht auf ein Produkt festgelegt." Kopfarbeiter müssen in erster Linie durch Aufgaben geführt werden, die ihnen sinnvoll erscheinen. Und darüber hinaus müssen sie sich in erheblichem Maße selbst führen. Sie sind entweder Selbstorganisierer und Selbstmanager - oder sie sind ineffektiv. Das ist das neue Produktivitätsproblem in Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist auch ein Loyalitäts- und Stabilitätsproblem. Fredmund Malik, Management Zentrum St. Gallen Die Unermüdliche Die Münchener Filiale von Eligo, die unter anderem Programme für die Personalarbeit entwickelt, hat ihren Sitz in einem wenig glamourösen Stadtteil als Untermieterin bei einer kleinen Software-Firma. Dort sieht es noch aus wie zu Zeiten der New Economy, auch der Kicker-Tisch fehlt nicht. Christine Kirbach, groß, schlank, elegant, hat sich diesen Arbeitsplatz selbst ausgesucht, ohne sie gäbe es diese Dependance nicht. Nachdem ihr Mann vor drei Jahren einen Job in München angenommen hatte, überredete sie ihren Chef in der Bochumer Eligo-Zentrale, sie ebenfalls nach München gehen zu lassen. "Der hat erst einmal geschluckt", erinnert sich die 32-Jährige, die sehr überzeugend sein kann.
Sie hatte zudem noch ein gutes Argument: Mit der Allianz gab es einen Kunden in der bayerischen Landeshauptstadt, der sich einen Ansprechpartner vor Ort wünschte. Für den Finanzkonzern haben Kirbach und Kollegen ein mittlerweile preisgekröntes interaktives Computerspiel entwickelt, mit dem potenzielle Bewerber das Unternehmen kennen lernen können. Das Spiel ist unterhaltsam und lässt ein auf den ersten Blick nicht sehr aufregendes Unternehmen interessant aussehen. Eine Mischung aus Psychologie und Technik, die dem Unternehmen beim Wettbewerb um die besten Köpfe helfen soll. Zurzeit ist Kirbach dabei, für DaimlerChrysler eine Navigationshilfe durch den Dschungel von knapp 30 Trainee-Programmen des Konzerns zu entwickeln.
Sie denkt sich in die Probleme der Kunden ein, überzeugt sie, mal etwas Neues auszuprobieren, und sorgt dann dafür, dass die Sache auch funktioniert. "Wir helfen Unternehmen, Dinge schneller, einfacher, effektiver, eben ökonomischer zu tun", sagt sie und das klingt aus ihrem Mund auch wegen ihrer rheinischen Burschikosität gar nicht aufgeblasen.
Das Selbstbewusstsein ist hart erarbeitet. Christine Kirbach kommt aus einem kleinbürgerlichen Elternhaus in Bad Neuenahr bei Bonn, in dem ein Leistungsdruck herrschte wie bei General Electric unter Jack Welsh: "Meine Mutter hat gesagt: Ich erwarte, dass du immer unter den zehn Prozent Besten bist - wie du das machst, ist mir egal." Mit 16 zog sie von zu Hause aus, lebte einige Zeit wild und gefährlich, aber der Leistungsgedanke war verinnerlicht, sie spricht von " Persönlichkeitsprädisposition". Später studierte sie in Wien Psychologie und Medizin, arbeitete außerdem in einem Forschungslabor für Normierungsfragen und verkehrspsychologische Untersuchungen. Vollzeit.
Später übernahm sie das Labor und wurde dann vom Chef von Eligo abgeworben, einem Spin-off der Ruhr-Universität Bochum. Die Firma mit elf festen Mitarbeitern ist nach Kirbachs Umzug nach München noch virtueller geworden, es gibt nun auch eine Zweigstelle in Berlin, eine Kollegin arbeitet in Wien. Ein exotisches Modell, das dank Mitarbeitern, die gern selbstständig arbeiten, funktioniert.
Kirbach arbeitet besonders gern, sie erinnert sich an einen ihrer ersten Jobs an der Fleischtheke in einem Supermarkt in Bad Godesberg, mit dem sie als Teenager ihre Wohnung finanzierte und wo sie eine Menge Rezepte von den Kunden aufschnappte. Zurzeit promoviert sie nebenbei, in ihrer Doktorarbeit geht es, sehr vereinfacht, um die Frage, welche Teile ihrer häufig aufwändigen Personalauswahlverfahren Unternehmen sich sparen können, weil sie keine wesentlichen Informationen über die Eignung von Bewerbern liefern. Außerdem ist sie auch noch Mutter. Nach der Geburt ihrer Tochter im Dezember 2001 hat sie acht Wochen freigenommen, dann weitergearbeitet. Das findet sie mittlerweile selbst etwas übertrieben: "Ich würde heute mindestens ein halbes Jahr aussetzen. Damals habe ich noch gedacht: Wer weiß, was da alles passiert. Dabei geht gar nichts an einem vorbei, man hat halt irgendein Projekt nicht mitgemacht - na und?" Was sie ärgert, ist, dass Frauen wie sie in Deutschland als Rabenmütter gelten. "Die Kundinnen ohne Kinder, die ich hatte, als ich schwanger war, fanden mich völlig verantwortungslos." Dabei sagt sie, dass ihre Tochter das Tollste ist, was sie in ihrem Leben zu Stande gebracht hat. Sie kommt morgens extra früh ins Büro, um abends noch genug Zeit zu haben, das Kind ins Bett zu bringen, das, während die Eltern arbeiten, von einer Tagesmutter betreut wird. Wenn ihre Tochter schläft, setzt sich die Mutter wieder an den Rechner.
Eine wie sie bekommt Angebote anderer Unternehmen, die sie bis jetzt aber nicht angenommen hat, auch wenn sie dort deutlich mehr verdienen könnte. "Mich reizt es, Dinge zu tun, die andere noch nicht getan haben. Das ist auch der Grund, warum wir bei Eligo nicht so viel Geld verdienen. Mit Standardlösungen wäre das möglich, aber das würde zu Lasten dessen gehen, was uns allen viel Spaß macht." Sie ist gern vorn mit dabei und erzählt, dass es heute in vielen Firmen noch darum gehe, aus einer Masse an Bewerbungen die wenigen guten herauszufinden, dass es aber spätestens in zehn Jahren darum gehen wird, ältere Arbeitnehmer zu halten. Noch gelten in vielen Unternehmen bereits 40-Jährige als alt.
Und Sie, Frau Kirbach, haben Sie selbst Angst vor dem Alter?
"Die Angst hält sich in Grenzen. Ich tue viel für meine Weiterbildung und lerne hier sehr viel. Vielleicht gelte ich irgendwann als zu spezialisiert und bin nur noch für wenige Arbeitgeber interessant wäre - für die dann aber sehr."
