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brand eins 03/2010 - SCHWERPUNKT: LOGISTIK

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Container kann jeder

Sie sind unübersehbar und für Autofahrer oft ein Ärgernis, weil sie oft so sperrig sind, dass sie selbst die Gegenfahrbahn blockieren: Schwerguttransporte. Was so offensichtlich daherkommt, ist im Detail allerdings ein verschwiegenes Geschäft. Hier spricht ein Insider darüber, der mit Rücksicht auf seine Kunden anonym bleiben will.

brandeins: Wie viele Schwertransporte machen Sie?

Wir haben etwa 60 bis 80 Anfragen dieser Größenordnung pro Jahr. Das sind Tunnelvortriebsmaschinen, die wir nach Malaysia bringen, oder Zement-Fabriken in die Türkei. In letzter Zeit haben wir auch viel nach Sotschi befördert, für die Olympischen Winterspiele 2014.

Welches waren die spektakulärsten Transporte?

Öffentlichkeitswirksam war sicher der Transport eines alten russischen Space Shuttle ins Technik Museum nach Speyer.

Wie lange dauert ein Projekt im Durchschnitt?

Insgesamt zwei Jahre von der ersten Anfrage bis zur Abwicklung.

Ein Großteil Ihrer Arbeit findet statt, bevor Sie einen Auftrag haben.

Sogar bevor unser Auftraggeber einen Auftrag hat. Es hat ja keinen Sinn, eine Anlage zu bauen, die hinterher nicht transportiert werden kann. Wir müssen alles vorher abklopfen.

Wie lange brauchen Sie dafür üblicherweise?

Vier bis fünf Wochen. Mehr wäre schon sehr ungewöhnlich.

Bis dahin haben Sie noch kein Geld verdient.

Nein, das sind alles Vorleistungen. Es kann sein, dass wir den Auftrag nicht bekommen. Es kann auch sein, dass der Kunde den Auftrag nicht bekommt.

Können Sie Ihre Arbeit nicht in Rechnung stellen?

Nein, so etwas ist nicht üblich. Der Kunde sagt oft: "Wir machen das wieder gut", und man kann ihn bei Gelegenheit auch mal daran erinnern. Aber das "Wir machen das wieder gut" läuft oft ins Leere.

Wie viel Prozent der Anfragen werden zu Aufträgen?

Das Verhältnis ist etwa vier zu eins.

Wenn der Transport rollt, können Sie nur noch zuschauen, oder?

Man versucht, so viel wie möglich im Vorfeld zu planen, aber im Laufe des Projektes ergeben sich zahlreiche Änderungen und Unwägbarkeiten. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die richtigen Partner auszuwählen, damit alles möglichst reibungslos läuft. Wenn man uns im Schadensfall ein Verschulden nachweisen kann, dass wir zum Beispiel aus Kostengründen einen schlechten Transporteur genommen haben, dann hängen wir mit drin. Dann sind wir in der Haftung und den Kunden los. Deshalb begleiten wir solche Transporte auch meistens persönlich, um rechtzeitig eingreifen zu können.

Was bringt Ihnen die Hilfe von Experten vor Ort?

Sie bringt uns genau das Spezialwissen und die Erfahrung, die uns -viele tausend Kilometer entfernt -fehlt. Diese Kenntnisse qualifizierter Partner sind unbezahlbar.

Eigentlich hätten die doch dazu raten müssen, den Transport dieser riesigen Anlage nach Kanada besser im Sommer abzuwickeln.

Nein, die Anlage wurde zu diesem Zeitpunkt benötigt. Und wenn in Kanada das Tauwetter einsetzt, weicht der Boden auf, und bestimmte Gewichte dürfen dann nicht mehr gefahren werden.

Sie nennen sich selbst Logistik-Architekt. Warum?

Weil wir mehr machen, als nur etwas von A nach B zu fahren. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit allen Behörden, Verkehrsträgern und Versicherungen auf der gesamten Transportstrecke, um einen steten Waren- und Informationsfluss zu gewährleisten. Gefragt sind logistische Gesamtkonzepte. Container kann doch jeder.-


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