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brand eins 03/2001 - Frisch erfunden - Ehrlich wahr

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Auch Essen braucht Design

Der Spanier Martí Guixé macht Food-Design. Essen im 21. Jahrhundert muss reformiert werden,

meint er und findet dafür unkonventionelle Lösungen.

Es ist schon alles viel zu spät. Die Zeit ist knapp, die Deadline fast vorbei. Und zu allem Überfluss knurrt auch noch der Magen. Wieder nicht zum Mittagessen gekommen und abends auch keine Zeit fürs Restaurant. Wer hat da nicht schon einmal - vor dem Computer sitzend und auf den Bildschirm starrend -versucht, seinen Hunger mit einem kleinen Snack zu stillen? Was dabei herauskommt, ist meistens Essen, das zu fettig ist oder zu bröselig und selten ein Genuss.

Essen im computerisierten Arbeitsalltag ist ein Problem. Marti Guixe, Designer und Techno-Gastrosoph aus Barcelona, hat dafür eine Lösung gefunden: Er bringt Essen in die richtige Form: FZODNE heißt sein Fast-Food-De-Luxe-Menü für Rechenmaschinenbenutzer. Es kommt in kleinen Schachteln, ist mit einer Hand zu essen, tropft und fettet nicht und ist leicht bekömmlich. Sogar Spaghetti könnten dabei sein - Guixe kocht sie über Dampf, indem er sie quer über den Kochtopf legt. Nur die Mitte wird weich, die harten Enden werden zusammengebunden und können angefasst werden. Anregungen für solche Ideen bekommt Guixe in den Tapas-Bars seiner Heimat, wo Essen mit den Händen zur Kultur gehört. Guixe adaptiert das für den Alltag im 21. Jahrhundert.

"Mir geht es um Funktionalitäten", sagt der in Barcelona und Berlin arbeitende Guixe. Seine Lösungen scheinen exzentrisch. Der Lollipop etwa mit drei Stielen, der sich während des Lutschens auch mal beiseite legen lässt, ohne dass Fusseln draufkommen. Oder die Pizza mit Firmen-Logo, die - von Unternehmen gesponsert - gratis für Marketingzwecke zu haben sein könnten. Er justiert die Dinge nur um Kleinigkeiten und erzielt damit doch eine große Wirkung. Und: In all seinen Ideen steckt immer etwas, was sich jeder insgeheim schon einmal gewünscht hat.

Orangen, Tomaten, Frühlingszwiebeln oder Nudeln sind die Grundmaterialien, aus denen er Neues macht. Wichtig dabei: Das, was herauskommt, muss eine Alltagssituation verbessern. Laut Guixe wird dieser Aspekt in der Design-Welt nämlich vernachlässigt. "Designer sind grundsätzlich mehr an Formen als an Menschen interessiert", sagt er und das frustriere und irritiere ihn, "sie wissen gar nicht, worum es eigentlich im Leben geht." Mit seinen Ideen zum Food-Design erobert Guixe, der sonst als Objekt- und Shop-Designer international erfolgreich ist, seit kurzem auch kommerzielles Terrain. Pharma-Food zum Beispiel. Vitamine und Mineralien enthaltende Tabletten werden aufgelöst, wie ein Raumparfüm in der Luft verteilt und dann eingeatmet. Die Industrie interessiert sich für "gesunde Luft". Auch hat er kürzlich für eine niederländische Firma einen Drink entworfen. Noch sei es aber zu früh, um konkret darüber reden zu können.

Den Alltag im 21. Jahrhundert mit der Lebens- und Essenskultur in Einklang zu bringen, dafür besteht durchaus Bedarf. Viele kleine Unzulänglichkeiten könnten hier aus dem Weg geräumt werden.

Der Hungeranfall am Computer etwa gehört für die meisten mittlerweile zum Alltag. Wenn die Tastatur und die Unterlagen dann fettig und voll geschmiert sind, flucht man vor sich hin, holt den Lappen und ärgert sich. Und denkt gar nicht, dass jemand daran etwas ändern könnte.

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siehe auch: 
Was wurde aus ... Martí Guixé?
(vom 14.5.2007)

 


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