Navigation

Inhalt

brand eins 12/2008 - SCHWERPUNKT: Glück

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Schaf und Wolf

Der Pole Ignacy Lukasiewicz hat die Petroleumlampe entwickelt.

Der Amerikaner John D. Rockefeller ist mit ihr zum reichsten Mann der Welt geworden.

Ein Lehrstück darüber, dass man Glück haben kann, es aber auch festhalten muss.

"Selbstfließende Ölquellen sind in Nordamerika immer bekannt gewesen; sie fanden kaum andre Benutzung, als dass die Indianer mit dem Öl die Glieder einrieben gegen Rheumatismus; sie wurden sogar nicht selten als großer Übelstand befunden, da sie die fließenden Wässer verunreinigten. Nachdem aber einmal der Spekulationsgeist der Amerikaner sich auf den Gegenstand geworfen, wurden Bohrbrunnen zu vielen Tausenden angelegt; 1860 und 1861 waren die tollen Jahre des Ölfiebers mit ihren oft so drastisch geschilderten Scenen von Spekulation, Schwindel, Glück und Unglück." Merck's Warenlexikon, 1884

-Schauen wir in die "Fortune"-Liste, dort wird es stehen. "Fortune" heißt "Fügung", aber auch "Vermögen, Reichtum" und eben: "Glück". Ein Wirtschaftsmagazin, das sich so nennt und seit mehr als 70 Jahren diejenigen feiert, die am meisten Geld gemacht haben auf diesem Globus - solch ein Magazin muss es wissen. Sechs der zehn umsatzstärksten Unternehmen der Welt im Jahr 2007 waren Ölkonzerne.

Führt also der Weg zu Glück, Größe und Geld übers Öl? Auf jeden Fall zu Geld. Exxon Mobil setzte im vorigen Jahr fast 373 Milliarden Dollar um. Gerechnet nach Kaufkraft, ist das mehr als das Bruttoinlandsprodukt von rund 150 Staaten, darunter Schweden, Norwegen, Österreich oder der Schweiz.

Auch der "Polski Koncern Naftowy Orlen", kurz PKN Orlen, hat es in diese Rangliste geschafft: Das größte Unternehmen Ost- und Mitteleuropas steht im "Fortune Global 500" mit 17,6 Milliarden Dollar auf Platz 477, irgendwo zwischen Henkel und Bombardier.

Die Konzerne fördern Öl, veredeln Öl, füllen Öl in unsere Tanks für Wärme, Bewegung, Licht: Sie zu genießen und gar selbst erzeugen zu können, war der Menschheit schon immer ein Glück. Für uns, die wir dem Glück hinterherjoggen, ist Erdöl der Energieriegel.

Freilich, unser Öl ist endlich: Die Menschheit, die derzeit vier Gigatonnen Erdöl im Jahr verbrennt und verbraucht - sie wird zum nächsten Glücksbringer wechseln müssen. Bevor der aber gefunden ist, lohnt ein Blick zurück in die Anfänge der Ölnutzung. Denn zu Beginn war auch das Menschheitsglück Erdöl keineswegs eine abgemachte Sache. Die Widerstände, gegen die die Pioniere angehen mussten, waren enorm.

Dies ist die Geschichte von John Davison Rockefeller und Jan Józef Ignacy Lukasiewicz (sprich: Wukaschehwitz). Der eine Amerikaner, der andere Pole. Der eine Ölhändler in der Neuen, der andere Erfinder der Petroleumlampe in der Alten Welt. Der eine skrupellos, der andere zögerlich. Der eine beherrschte bald den globalen Ölmarkt, der andere schob damals die Region Galizien auf Platz drei der Weltproduktion, hinter den USA und Russland.

Dafür haben beide Glück benötigt, aber sie haben es auch selbst fabriziert. Ihre Fabrikate existieren bis heute: unter den Namen Exxon Mobil und Orlen. Exxon Mobil, das ist die Ur-Geschichte aus dem Mutterland des Kapitalismus und aus Zeiten, als die USA noch einen Wilden Westen hatten. Orlen, das ist die Geschichte aus dem Mutterland der Fremdbestimmung, als Polens Südosten noch ein Teil Österreichs war.

Und wenn man begreifen will, dass "to make a fortune" gleichermaßen "sein Glück machen" wie "ein Vermögen machen" bedeutet - dann mit einer Geschichte aus dem Wilden Westen und aus dem Wilden Osten. Zu jener Zeit lag das Gold, auch das schwarze Gold, nicht sehr tief in der Erde.

Man musste aber danach graben.

---

Als John D. Rockefeller am 3. November 1863 früh auf dem Bahnsteig von Kingsbury Run bei Cleveland (Ohio) stand, schaute er nur nach vorn. Die Gleise sirrten, und der Dampf, den die nahende Lokomotive der Atlantic & Great Western Railroad ausstieß, verdüsterten bereits den Horizont. Rockefeller beachtete all das nicht. Er rechnete.

Er war 24 Jahre alt und Teilhaber einer Raffinerie.

Der Zug würde einige Dutzend Fässer laden und nach New York bringen. Die Fässer enthielten Petroleum, ein Lampenöl, das seine Raffinerie seit Kurzem erzeugte. Es war bedeutend billiger als Wal-Tran. Es stank auch nicht, und es leuchtete heller. Genau das Richtige für New York und auch für das alte Europa. Kein Wunder, dass fast zwei Dutzend weitere Fabriken in dieser Gegend Petroleum produzierten. Allerdings: Immer wenn jemand auf Öl stieß bei Titusville oder Oil City, in diesen gottlosen Orten, in denen betrunkene Kerle in öligen Stiefeln ihre Spuren hinterließen in Kneipen, Bordellen und Spielhöllen - immer wenn eine neue Ölfontäne emporschoss, sackten die Preise für Petroleum ab. Mal kostete ein Barrel zehn Cents, mal zehn Dollar, und das innerhalb eines Jahres.

Ärgerlich war das für Rockefeller. Gefährlich unkalkulierbar. Dafür hatte er schließlich nicht Handelskaufmann gelernt. Er wollte kalkulieren.

Doch zunächst war Rockefeller froh, dass der Zug in Cleveland einrollte. Der erste. Dem Himmel sei Dank, ab heute würde es diese Verbindung nach New York und zu den Ölfeldern geben. Nun war er nicht mehr abhängig von den horrenden Preisen, welche die Schiffer auf dem Erie-See verlangten. Er würde Schifffahrts- und Eisenbahngesellschaften gegeneinander ausspielen. Er würde Vorzugstarife aushandeln. Und was die Fässer betrifft: Selbst herstellen müsste man sie, am besten in Serie.

Eine glänzende Perspektive.

Die Lokomotive lief in den Bahnhof ein, langsam stampfend und geschmückt mit der Fahne der Unionisten. 1863 waren die Staaten von Nordamerika nämlich alles andere als vereinigt: Es herrschte Bürgerkrieg. Erst ein Jahr zuvor hatte Präsident Abraham Lincoln die Sklavenbefreiung zum Kriegsziel erklärt, und General Ulysses S. Grant verfasste Meldungen im Schein einer Petroleumlampe.

John D. Rockefeller ( JDR) aber dachte an diesem grauen Novembermittag vor allem an seinen Profit. Der blasse junge Mann mit dem rotblonden Haar, mit Schnurrbart und Backenbart, der einen Gehrock, Seidenhut und gestreifte Hosen trug - er machte bereits etwas her. Männer wie ihn gab es viele in jenen Tagen. Die Geschichten von den Goldfunden in Kalifornien und Alaska spornten arme Farmerjungen an, ihr Glück zu suchen.

Als Junge hatte John große Bonbontüten erstanden, in Portionen aufgeteilt und mit Profit an seine Geschwister weiterverkauft. Und mit elf Jahren lieh er einem Bauern 50 Dollar zu einem Zinssatz von sieben Prozent. "Ich gewann den Eindruck", schrieb er in seinen Memoiren, "dass es besser sei, das Geld diene mir, als dass ich mich zum Sklaven des Geldes machte."

Als 1859 das Ölfieber einsetzte, vier Jahre vor dem ersten Zugtransport von Rockefellers Fässern, strömten Tausende Glücksritter in ein Dorf rund 200 Kilometer östlich von Cleveland. Praktisch über Nacht wurde aus Titusville (Pennsylvania) eine Art Goldgräberstadt aus hastig errichteten Baracken doch statt Goldsiebe zu schütteln, stellten die Männer Bohrgerüste auf. In einem Jahr hatten sie 2000 Bohrlöcher gegraben. Dampfmaschinen, die das Gestänge mit dem Bohrmeißel antrieben, erfüllten mit ihrem Lärm das Tal. "Auf jeder wackeligen Farm, in jeder armseligen Behausung der Gegend waren Männer, die mit voller Energie das Wagnis eingingen, ihr Hab und Gut für eine Ölpacht dranzugeben", schreibt die Journalistin Ida Tarbell in ihren Kindheitserinnerungen.

Rockefeller trank keinen Alkohol, er rauchte nicht, tanzte nicht. Er fühlte sich als Gottes gefälliges Werkzeug - und wenn er je zu Geld käme, weil Gott es so wollte, würde er weiter den Zehnten spenden, wie er es immer gemacht hatte.

An der Ölsuche selbst beteiligte sich Rockefeller nie. Die Prospektion neuer Quellen bestand in jenen Tagen aus teurem "trial and error": Konzession erwerben, Bohrturm aufstellen, Bohrmeißel und Gestänge verschrauben, bohren und beten, Bohrturm wieder abbauen, neue Stelle suchen. Schwer kalkulierbar. Rockefeller spekulierte stattdessen lieber darauf, dass Öl wichtiger werden könnte. Damit war er jener Fleisch gewordene "Spekulationsgeist", den der Deutsche Klemens Merck in seinem Warenlexikon halb abfällig, halb bewundernd skizzierte. Schon als Kind wollte Rockefeller ein reicher Mann werden.

Er wurde der reichste.

---

Mitte der 1890er Jahre verdiente ein Durchschnittsamerikaner 500 Dollar im Jahr - Rockefeller dagegen kam auf 20 000-mal so viel.

Er gilt als der vermögendste Mensch, der je gelebt hat. Dass er dies mit Öl erreichen würde, war alles andere als sicher an jenem Novembertag 1863, als Rockefeller auf dem Bahnsteig stand. Denn lange war nicht klar, was sich mit dem schwarzen Zeug alles anfangen ließ, das aus der Erde sickerte.

Ob Chinesen, Babylonier, Galizier oder Indianer: Erdöl half ihnen. Es schmierte Wagenradachsen, machte Schiffsleiber und Dächer wasserdicht, linderte rheumatische Beschwerden. "Täglich drei Löffel eingenommen", lobt ein deutsches Handbuch im 16. Jahrhundert das vermeintliche Wundermittel, "ist dieses die edelste Feuchtigkeit, die hilfft, wann die Nerven vertrucknet, bey heyserkeit und hundsbiss, vertreibet dieses Öl den Stein, stercket die memoriam, heylet fistelen, Teigwartzen und faulende stinckende Schäden".

Byzanz nutzte den schwarzen Schlick bei Feldzügen: als streng geheime Brandwaffe gegen den Feind. Aber ihn entzünden, aus friedlichen Motiven, für Licht und Wärme? Das hatten zwar die Babylonier getan, und daher nannten sie Erdöl "naptu" - von "nabatu", leuchten, ein Wort, das etwa im polnischen "nafta" heute noch Bestand hat. Doch der Gestank brennenden Erdöls wurde im Haus bald unerträglich, er verursachte Kopfschmerzen und Übelkeit. Zudem kam es immer wieder zu Explosionen.

Dabei verlangten Fabriken, Hand- und Heimwerker Mitte des 19. Jahrhunderts nach einer verlässlichen und hellen Beleuchtung, damit die Arbeit fortgesetzt werden konnte, wenn die Nacht anbrach. Tierfett, Harzfackeln, Öllampen, Tran, Kerzen aus Bienenwachs oder Stearin: Das alles war teuer oder gab wenig Licht. Und Gaslaternen, von Nachtwächtern entzündet, konnten sich allenfalls Metropolen wie London (1807), Paris (1819) oder Berlin (1826) leisten - und auch die nicht in allen Straßen.

Es gab den Wunsch nach mehr Licht. Aber Erdöl, so schien es, konnte dabei nicht helfen. Und war damit keineswegs von Anfang an "das schwarze Gold". Das änderte sich, als im fernen Europa jemand eine Idee entwickelte - zehn Jahre, bevor der erste Zug an Rockefellers erste Raffinerie heranrollte.

---

Am 31. Juli 1853 stand Ignacy Lukasiewicz nachts auf der Straße und blickte an der Fassade des Piaristen-Krankenhauses von Lemberg empor. Er sah das flackernde Licht hinter den Fenstern der Flure, und er war stolz. Das erste öffentliche Gebäude der Welt, das von Petroleumlampen beleuchtet wurde. Im Operationssaal schnitt Dr. Zaorski gerade einen entzündeten Blinddarm heraus - damals ein lebensgefährlicher Akt, und es half ihm eine Flamme, wie sie heller und sauberer nie zuvor einen Operationssaal erleuchtet hatte. Sie leuchtete in den Lampen des Ignacy Lukasiewicz, die er erfunden hatte.

Bis dahin war es ein langer Weg gewesen.

---

Als Lukasiewicz einige Monate zuvor morgens seinen Dienst in einer Apotheke in der Lemberger Kopernikusstraße angetreten hatte, roch, nein: stank es nach verbranntem Haar. Sein Kollege Jan Zeh trug einen Vollbart wie Lukasiewicz, doch jetzt war der angesengt, und auch sonst sah der Mann furchterregend aus. Es schien, als hätte er die Nacht durchgemacht an den Apparaten.

Sie waren gut vorangekommen, wie sie fanden, doch immer wieder ereigneten sich Explosionen: Gas trat aus beim Erhitzen des Gemisches, entzündete sich, verbrannte. Ihr Chef, der Apotheker Piotr Mikolasch, hatte schließlich die Versuche verboten: "Nicht mehr in meinem Laden! " Er hatte Angst um seine Apotheke. Seither mussten Lukasiewicz und Zeh tagsüber am Verkaufstresen stehen oder Salben anrühren. Experimentieren konnten sie nur noch nach Feierabend.

Dabei war es Mikolasch gewesen, der im Jahr zuvor von zwei jüdischen Händlern einige Fässer "kipiaczka" erstanden hatte. So hieß das Zeug bei den Bergbewohnern der Gegend: Kipiaczka, "kochende Flüssigkeit", weil unaufhörlich ölige Blasen an der Oberfläche auftauchten. Fast so wie bei siedendem Wasser. Der Apotheker fand, dass kipiaczka ähnlich roch wie jene Flüssigkeit, die er in kleinen Fläschchen zu horrenden Preisen aus Italien importierte: oleum petrae rectificatum, gereinigtes Steinöl. Es heilte Hautkrankheiten, ließ mattes Metall wieder glänzen, und zehn Tropfen davon, auf Zucker geträufelt, halfen gegen Würmer.

Der Meister hatte seine Gesellen angewiesen herauszufinden, ob kipiaczka ähnlich nützlich sein könnte, denn es war viel billiger: Die lybaki, die "Ölsammler" oben in den Karpaten, zogen Tücher über die Oberfläche von Tümpeln und wrangen sie über Bottichen aus. Oder gruben einfach ein Loch in den Waldboden. Schon in wenigen Fuß Tiefe lief es voll mit dem Ölblasenwasser.

---

Seit Monaten saßen Lukasiewicz und Zeh nach Dienstschluss zusammen. Sie hatten gefiltert, dekantiert, gekühlt, erhitzt und das Destillat gemischt mit allem, was ihnen in die Hände fiel. Und sie waren im Frühjahr 1853 so weit, dass sie durch langsames Erhitzen bis auf 250 Grad die Gase abscheiden konnten, die die Explosionen verursachten, und die Verunreinigungen, die für den Gestank sorgten. Doch es gab auch Rückschläge, wie Zehs versengter Bart bewies.

Zeh war 35, also fünf Jahre älter als Lukasiewicz, entsprechend früher war er Magister der Pharmazie an der Universität Wien geworden, und entsprechend größer war seine Berufserfahrung als Apotheker. Er war es, der den Ton angab. Vom vielen Destillieren habe er ständig an Kopfschmerzen gelitten, benebelt von den Gasen, klagte er später. Seine Kleidung, das Haar und die Haut hätten den Ölgestank derart aufgesogen, dass er sich wie ein Aussätziger vorgekommen sei: "Die Leute mieden mich, weil sie mich für verrückt hielten. Alte Frauen flüsterten und zeigten auf mich, wenn ich vorbeiging."

Zeh und Lukasiewicz mischten tags wieder Salben für Mikolasch, stampften Kräuter, standen im Laden. Und abends destillierten sie. Diesmal erhielten sie eine schwach grünliche Flüssigkeit. Lukasiewicz goss sie in eine der herkömmlichen Öllampen, wie sie schon seit Aladins Zeiten existierten, und hielt einen Glimmspan an den Docht.

Die Explosion sprengte den kleinen Ölbehälter.

---

Kurz zum Glück, das nötig ist, um erfolgreich und berühmt zu werden. Eine Bedingung ist natürlich, eine gewisse Zeit auf Erden zu überleben. Wäre Ignacy Lukasiewicz bei dieser Explosion gestorben, wäre er kaum berühmt geworden.

Nie gehört, den Namen? Und wo zum Teufel ist überhaupt dieses Galizien? Ganz Ähnliches wird auch Seiner Majestät, dem Kaiser Franz Joseph I. durch den Kopf gegangen sein. Der wusste natürlich, wo Galizien liegt. Er hatte Lemberg schließlich erst 1851 besucht. Ignacy Lukasiewicz war nicht gut auf den Herrscher zu sprechen. Einige Jahre zuvor hatte man den Studenten der Pharmazie wegen polnisch-nationaler Tendenzen inhaftiert. Er galt als politisch unzuverlässig und durfte Lemberg nicht verlassen. Entsprechend unbewegt wird er am Straßenrand gestanden und den Monarchen eher kühl begrüßt haben.

Kaiser Franz Joseph I. wiederum zeigte sich an wirtschaftlichen Fragen desinteressiert und an Galizien sowieso: Die Provinz war arm. Der Kaiser würde sie für die nächsten knapp 30 Jahre nicht mehr betreten. Erst als sie sich anschickte, auf dem globalen Ölmarkt eine Rolle zu spielen, ließ er sich wieder blicken.

Ignacy Lukasiewicz hat es nicht mehr erlebt, doch er ebnete Galizien den Weg in die neue Zeit. Vielleicht wäre er heute auch außerhalb Polens bekannt, hätte der Kaiser damals die galizische Sache gefördert, etwa durch den Bau der unbedingt nötigen Infrastruktur. Vielleicht hätte Lukasiewicz mit Unterstützung des Hofes und der Banken die vielen kleinen Raffinerien seiner Konkurrenten aufkaufen können, wie Rockefeller.

Letztlich hing genau wie in Amerika von der Logistik alles ab: Ohne Fässer, Tankwagen, Pipelines ist selbst die ergiebigste Ölquelle so viel wert wie eine Jauchegrube. Lukasiewicz hatte gehofft, seine Region möge Wohlstand aus dem Öl gewinnen. Vielleicht fehlte ihm jenseits dieser Vision eine Idee, oder er hatte zu viele Skrupel, sich auf den Weg zu machen. Doch für ihn war der Weg auch ungleich schwerer als für Rockefeller im fernen Amerika. Wer hätte ihm Kredit gegeben - ihm, dem Bewohner der fernen Provinz, dem Polen, dem Verschwörer gegen die donaumonarchische Herrschaft? Glück kann vom Standort abhängen.

Lukasiewicz starb im Alter von 59 Jahren, an einer Lungenentzündung, wie es heißt. Zwar hatte er es zu bescheidenem Ruhm und einem Vermögen gebracht. All das ist jedoch kaum zu vergleichen mit dem, was er wahrscheinlich jenseits des Atlantiks erreicht hätte. Er lebte eben nicht im "land of the free and the home of the brave", wie es in der US-Hymne heißt.

Glück bedeutet auch: in günstige Umstände hineingeboren werden, zum Beispiel in eine Familie, in ein Land oder eine Zeit, die Chancen bieten. Vielleicht hätte Lukasiewicz seine Heimat verlassen und auswandern sollen wie so viele andere aus dem armen Galizien. Als Amerikaner wird man leichter berühmt. Dort drüben lieben sie Pioniere. Sie erzählen deren Geschichten.

---

Hätte. Wäre. Könnte. Aber Geschichte ist kein Sandkasten. Lukasiewicz wanderte nicht aus. Er wurde bei seinen gefährlichen Experimenten nicht verletzt. Er suchte vielmehr den Blechschmied Adam Bratkowski auf, und gemeinsam entwarfen sie eine Lampe, in der die neue Flüssigkeit hell und sauber verbrannte. Sie existiert nicht mehr, die Original-Lampe, doch man weiß, wie sie ungefähr ausgesehen hat: ein Blechzylinder mit durchsichtigen Glimmerfenstern. Das Blech perforiert, um der Flamme Luft zuzuführen. Ein Docht, der Petroleum aus dem darunter liegenden Tank ansaugt. Eigentlich ganz simpel. Ihr Licht entsprach etwa der Helligkeit einer 25-Watt-Glühbirne.

Wie diese Petroleumlampe ins Lemberger Krankenhaus kam und damit Ignacy Lukasiewicz zu seinem ersten Auftraggeber mit Reputation, darüber gibt es zwei Versionen: eine legendenhafte, wie sie einem Helden zusteht, und eine kaufmännische. Die heroische besagt, dass Lukasiewicz eines Nachts aus dem Schlaf geweckt wurde - jemand sei lebensgefährlich erkrankt, im Krankenhaus werde eine Not-Operation vorbereitet, man benötige seine Hilfe und sein neues Licht. Lukasiewicz griff zwei seiner Lampen, eilte ins Hospital, einige Stunden später war der Patient gerettet - und der Direktor des Krankenhauses derart begeistert, dass er prompt mehrere Lampen und einige hundert Liter des neuen Leuchtmittels bestellte.

Der Apothekenkollege Jan Zeh erzählte Jahrzehnte später die weniger dramatische Version, ganz ohne Not-OP: Er habe 2000 Kilogramm Petroleum und mehrere Lampen ans Krankenhaus senden lassen. Kurz darauf habe das Direktorium verkündet, das Hospital sei als erstes öffentliches Gebäude der Welt komplett mit einer neuartigen Beleuchtung ausgestattet.

Gleichgültig, welche Version stimmt: Entscheidend ist, dass Lukasiewicz in jenem Sommer 1853 vor dem Krankenhaus stand und stolz auf sich war. Und sicher steigerte sich sein Stolz noch, als wenige Monate später ein Brief der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn eintraf. Die noch junge Eisenbahnlinie von Wien zu den schlesischen Kohlegruben wollte die neue Beleuchtung ebenfalls ausprobieren. Der Test verlief offenbar überzeugend: Binnen fünf Jahren wurden ihre Bahnhöfe von Talgkerzen auf Petroleumlampen umgerüstet.

Ignacy Lukasiewicz und Jan Zeh produzierten mehr Petroleum und weitere Lampen, und am 23. November 1853 betraten sie gemeinsam das Büro des Statthalters von Lemberg und beantragten ein kaiserliches Patent. Auf Seite 40 des Registers, unter der Nummer 399, werden "Zeh Johann, und Ignaz Lukasiewicz, beide Magister der Pharmazie in Lemberg" zu den "Privilegirten" ernannt. Und in der Spalte "Ob die Geheimhaltung der Beschreibung angesucht ward oder nicht" ist schlicht vermerkt: "geheim". Es war aber kein Patent auf die Lampe, sondern auf die Erzeugung von Paraffinkerzen: Weihnachten stand vor der Tür.

Neun Tage später dann ein weiterer Eintrag: Patent Nr. 400 vom 2. Dezember 1853 vergab das Privileg, "die natürliche Bergnaphta auf chemischem Wege so zu läutern, dass sie dadurch zu technischen Zwecken unmittelbar verwendbar werde". Im Klartext: ein Patent zum Raffinieren von Erdöl, jenes Verfahren, das die Apotheker miteinander entwickelt hatten. Wieder steht das Patent unter Geheimhaltung - doch unter "Vor- und Zuname, Charakter und Wohnort des Privilegirten" ist diesmal nur ein Eintrag zu finden: Johann Zeh.

Es ist nicht bekannt, was sich in jenen Wochen zwischen den langjährigen Partnern zugetragen hat. Nur dass sie getrennte Wege gehen: Lukasiewicz zieht 250 Kilometer nach Westen, pachtet eine Apotheke in Gorlice und beginnt im Nebenberuf eine Raffinerie zu betreiben. Zeh bleibt in Lemberg und eröffnet einen Laden für Kerosin, Schmiermittel und Paraffinkerzen. Der brennt ihm fünf Jahre später ab: Ein Streichholz lässt Ölgase explodieren, seine Frau und Schwägerin sterben bei dem Unglück. Zeh überlebt und will fortan mit Öl nichts mehr zu tun haben.

Weder er noch Lukasiewicz besitzen das Patent auf die Lampe.

---

Wer sein Glück in die rechte Richtung lenken will, sollte nicht zaudern, sondern beherzt auftreten. Ignacy Lukasiewicz aber meldete die Petroleumlampe nie zum Patent an. In den USA ahnten Erfinder wohl eher, welches Kapital aus solch einem Eintrag zu schlagen war: Alexander Graham Bell ließ sein Telefon 1876 patentieren, Thomas Alva Edison die Glühbirne 1879. Sie verloren keine Zeit, gründeten sofort Firmen und trieben über Lobbyarbeit die Elektrifizierung voran.

Aus Bells Firma wurde AT&T, im Jahr 2007 auf Platz 29 der "Fortune"-Liste, Edisons General Electric ist die Nummer 12. Umsatz beider Konzerne zusammen: fast 300 Milliarden Dollar.

Bell und Edison waren alles andere als zimperlich darin, Erfindungen ihrer Zeitgenossen auszuschlachten - "robber barons" wie Rockefeller, nur eben für geistiges Eigentum, nicht für das Ölgeschäft. Ihre Patentansprüche verteidigten sie hartnäckig und erfolgreich in jahrelangen Prozessen. Vielleicht war Ignacy Lukasiewicz einfach zu bescheiden und hat seine Lampe nicht als Erfindung verstanden, sondern bloß als Weiterentwicklung der Öllampe. Oder er hat die Tragweite seiner Erfindung nicht erkannt. Ähnlich wie Rockefeller seine erste Raffinerie zunächst allenfalls als bescheidenes Zubrot zum Handelsgeschäft ansah, pachtete Lukasiewicz 1854 eine Apotheke, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Die unpatentierte Petroleumlampe aber tragen Lemberger Händler zuerst nach Wien und dann hinaus in die Welt: Nach ihrem Modell produzieren sehr bald Fabriken zwischen Budapest und New York die neuen Leuchter. Jährlich zwei Millionen Stück verlassen etwa in Berlin die Fertigungshallen von Wild & Wessel.

Der Wiener Rudolf Ditmar lässt 400 000 Stück pro Jahr produzieren. In Paris stempelt ein findiger Fabrikant die Silhouette des gerade erbauten Eiffelturms in seine Lampen, und in den Vereinigten Staaten wird das Modell "Aladdin" populär. Die Handels- und Gewerbekammer in Lemberg berichtet zufrieden nach Wien, das Petroleum Galiziens verbreite sich sehr rasch "wegen seines schönen und intensiven Lichts und der vergleichsweise geringen Kosten".

Es gab freilich auch andere Tüftler, die dem Destillieren von Erdöl nachspürten. Ob 1813 Józef Hecker in Prag, 1837 Pierre Joseph Pelletier in Paris, 1852 Albert Gesner in New Brunswick oder 1855 Benjamin Silliman in Yale: Sie alle haben entweder ein Destillationsverfahren notiert oder durchgeführt, um Petroleum zu erzeugen. Und wäre Ignacy Lukasiewicz nicht gewesen, hätte sicher bald jemand anderes eine geeignete und sichere Petroleumlampe entwickelt. Hätte, wäre, könnte. Ignacy Lukasiewicz war zur Stelle. Wegen Mangels an Geld, Konsequenz, Kreativität oder Chuzpe war keiner vor ihm den Weg zu Ende gegangen und hat ebenso entwickelt wie produziert.

Keiner aber hat die "economies of scale", den Vorteil der Größe so konsequent zu Ende gedacht und genutzt wie Rockefeller. Ohne die Lampe wäre Rockefeller mit seinem Petroleum zu früh dran gewesen. Er hätte auf die nächste Chance, den Ottomotor warten müssen. Er hätte sich um gut 20 Jahre verspekuliert.

Doch Rockefeller hatte Glück.

Vielleicht wollte Lukasiewicz sein Glück nicht abhängig machen vom Eintrag eines kaiserlichen Beamten im Patentamt, sondern es selbst gestalten. Zumindest hatte er bald begriffen, dass die Veredelung des Erdöls Profit bringt - und dafür nutzte er das mit Zeh entwickelte Raffinations-Verfahren. Wiewohl Zeh das alleinige Patent darauf besaß: Hier zögerte Lukasiewicz nicht.

Im Jahr eins nach Entwicklung seiner Lampe förderte Lukasiewicz bereits gezielt Erdöl, um es zu veredeln.

---

In Moritz Baron Brunicki hatte Lukasiewicz einen Investor gefunden, um 1854 eine kleine Raffinerie in Ulaszowice zu errichten - genau acht Jahre vor Rockefellers Einstieg in die Erdölbranche. Diese Raffinerie gilt als die erste der Welt.

Nachdem ein Feuer sie zerstört hatte, baute Lukasiewicz eine weitere Raffinerie in der Gegend um Bóbrka. Und später noch zwei. Diese Raffinerien waren simple Konstruktionen, technisch aber auf dem neuesten Stand. Und auch wenn Rockefeller noch nicht nach Lukasiewicz googlen konnte - er muss von dem Apotheker in Galizien gehört haben, der diese Lampe gebaut und Erdöl lampenfertig aufbereitet hatte. Denn eines Tages stellten sich zwei Ingenieure von Standard Oil in Lukasiewiczs Raffinerie vor und fragten, ob sie sich den Weg des Rohöls durch die Apparaturen einmal anschauen dürften.

Wir müssen nicht davon ausgehen, dass Rockefellers Chemiker Samuel Andrews erst in Galizien das Raffinieren gelernt hat. Gleichwohl entspricht es dem Denken Rockefellers, keine Mühe zu scheuen, und sei es eine Fahrt nach Übersee, wenn es sich lohnen konnte, mithilfe fremder Ideen die Prozesse in den eigenen Fabriken zu verbessern. Früh schon ließ er die beim Raffinieren entstehenden Abfälle auf ihre Verwertbarkeit untersuchen. Und machte mit dem Verkauf der Rückstände Gewinn, während die Konkurrenz sie noch achtlos in die Flüsse kippte. Dazu passt jener Besuch der Amerikaner bei Lukasiewicz.

Was indessen die Größe von Lukasiewiczs Raffinerien anging, so waren sie nach Rockefellers Maßstäben vermutlich Klitschen. Und so war es denn auch die Zielstrebigkeit der Amerikaner, die Petroleum erschwinglich und damit zur Massenware machte -und natürlich der geschäftliche Instinkt von John D. Rockefeller.

Bodenschätze gibt es quasi gratis - nur wollen sie erarbeitet und erkämpft sein: Die amerikanische Erde lieferte zwar die Ölfontänen, lautmalerisch "gusher" genannt, doch den Rohstoff erbohrt, aufgefangen, transportiert und veredelt haben ihre Bewohner, im großen industriellen Maßstab. Als John D. Rockefeller 1862 seine erste Raffinerie bauen ließ, wurden im Westen Pennsylvanias bereits drei Millionen Barrel Öl gefördert. Das große Geschäft aber ging erst mit dem Ende des Bürgerkriegs richtig los. "Statt der Baumwolle regiert jetzt das Öl die Welt des Handels", notierte 1865 ein US-Abgeordneter zum Boom und klagte: "Das Ölfieber hat auch den Kongress heftig befallen." Rockefeller saß auf dem richtigen Dampfer. Viel wichtiger noch: Er stand am Steuer. Im Dezember 1865 eröffnete er mit seinem Partner Samuel Andrews die zweite Raffinerie. Er nannte sie Standard Works.

Überall entstanden nun neue Raffinerien. 1870 hatten alle Anlagen Pennsylvanias zusammen, gemessen am Marktvolumen, eine dreifache Überkapazität erreicht, schätzte Rockefeller. Zwangsläufige Folge: Die Ölindustrie verfiel in eine tiefe Depression.

Rockefeller aber wollte kalkulieren können. Weshalb der "Mann mit dem übertriebenen Ordnungssinn" beschloss, "dieser recht- und gottlosen Branche seinen eisernen Willen aufzuzwingen", wie der US-Publizist Ron Chernow in der bislang besten Biografie Rockefellers schreibt.

Um den Markt in die von ihm gewünschte Richtung zu zwingen, brauchte der Unternehmer Kapital. Im Januar 1870 gründete er mit Partnern eine Aktiengesellschaft: die Standard Oil Company (Ohio). Der Name signalisierte eine verlässliche, stets einheitliche Qualität - was ein großes Gewicht besaß in Zeiten, in denen unsauber raffiniertes Petroleum immer wieder für Explosionen und Unglücksfälle sorgte. Rockefeller hielt knapp ein Drittel der Aktien. Ausgestattet mit der damals enormen Summe von einer Million Dollar, besaß Standard Oil zu diesem Zeitpunkt einen geschätzten Marktanteil von gerade mal zehn Prozent.

Nur zehn Jahre später waren es 90 Prozent.

Mit den Chefs dreier Eisenbahngesellschaften, die sich bis dahin Preiskämpfe geliefert hatten, sowie einer Handvoll Raffinerien schmiedete Rockefeller per Aktientausch schon bald die South Improvement Company (SIC). Wirtschaftshistoriker bezeichnen sie als "erste echte Holding". Der Coup: SIC-Mitglieder sollten erhebliche Rabatte beim Transport ihrer Ölfässer mit der Bahn erhalten. Für Nichtmitglieder dagegen wurden in der Nacht zum 26. Februar 1872 die Preise verdoppelt. So wirkten gleich zwei Kartelle in einem: für Öl und dessen Transport. Es bedeutete das Ende für die meisten Raffinerien in Titusville und Oil City.

Der Druck, den die SIC erzeugte, reichte aus, um die meisten Raffineriebetreiber in die Knie zu zwingen. "Wenn wir nicht verkauft hätten", berichtete einer von ihnen, "wären wir vernichtet worden. Es hieß, sie hätten einen Vertrag mit den Eisenbahnen, mit dem sie uns ruinieren konnten, wenn sie wollten."

Die Anordnung, dass die SIC illegal und deshalb aufzulösen sei, folgte bereits einen Monat später. Was den verzweifelten Konkurrenten Rockefellers freilich nicht half. Das schmale Zeitfenster war für den Ölbaron groß genug: In kürzester Zeit kaufte er 22 seiner 26 Wettbewerber in Cleveland auf. Er verhandelte beinhart und übernahm die Anlagen für ein Viertel ihrer Baukosten. In seinen Augen waren sie ohnehin nur "alter Kram, reif für den Schrottplatz". Viele schloss er sofort, legte Überkapazitäten still und stieg zum größten Raffineriebetreiber der Welt auf.

Er war 31 Jahre alt.

Bald schon besaß Standard Oil zahlreiche Tochterfirmen und richtete seinen Hauptsitz am New Yorker Broadway 26 ein. Zum Konzern gehörten Raffinerien und Lagerhäuser, Tankwaggon-Flotten und Schiffe. Mittlerweile rollten Millionen von Fässern (barrel) aus Rockefellers eigener Fabrik, alle blau lackiert und mit einem Volumen von je 159 Litern - das Standardmaß für Öl bis auf den heutigen Tag.

Standard Oil bot sein Petroleum billiger an als alle Konkurrenten. Doch das schwarze Gold, so notiert es Merck's Warenlexikon von 1884, "erleidet durch den Transport nach New York oder Philadelphia eine Verteuerung, die die an den Quellen geltenden Preise fast verdoppelt". Und dann folgt ein Satz, der 125 Jahre später fast anrührt: "Es ist ernstlich das kolossale Projekt in Vorschlag gekommen", so Merck, "diesem Übelstande durch ein von dem Innern nach der Küste zu führendes mächtiges Ölrohr abzuhelfen." Eine Pipeline.

Welch eine Idee! Eine Revolution. Und wieder war es nicht Rockefellers Idee, sondern die seiner Gegner, um von den Eisenbahnen und ihrem Preisdiktat unabhängig zu werden. Doch die Gewalt, mit der der Marktführer sein Monopol verteidigte, machte jeden Widerstand zwecklos: Standard Oil kaufte ganze Landstriche auf, damit dort kein anderer Rohre verlegen konnte. Und kaum war eine neue Ölquelle gefunden, erschienen Rockefellers Angestellte und fragten, ob sie den Anschluss an die Pipeline herstellen sollten.

Besaßen die Ölförderer etwa eine Alternative? Den eigenen Planwagen, allenfalls.

Rockefellers Macht wuchs und dehnte sich aus. Wie die Fangarme einer ungeheuren Krake legte sich das Pipeline-Netz von Standard Oil über den Westen der USA. Zwar konnte jeder weiterhin für wenig Geld eine Raffinerie gründen oder nach Öl bohren - der Transport aber blieb in Rockefellers Hand. Er hatte in die chaotische Ölindustrie Ordnung gebracht - seine Ordnung. Skrupel verspürte er dabei nicht. "Wie alle Revolutionäre sah er sich als Instrument eines höheren Zwecks, ausgestattet mit einem visionären Glauben", schreibt sein Biograf Chernow. Und jeder Erfolg, jeder Sieg, jeder Dollar zeigte dem Ölmagnaten, dass sein strenger und gerechter Gott ihm beistand.

---

Das ist vielleicht der größte Unterschied zur Lage in den Vereinigten Staaten: Galizien war zersplittert, vielfach waren die Nachbarn einander zu nah. Sprudelte das Öl jenseits der Hecke stärker als bei einem selbst, fühlte sich mancher benachteiligt. Sicher waren die Ölfelder Galiziens weit weniger ergiebig als diejenigen Pennsylvanias, war die Selfmade-Mentalität weniger stark ausgeprägt, gaben und wagten die Regierung und die Banken in Wien zu wenig, um die ferne Provinz zu fördern. Immerhin hatten sie in der Hauptstadt der Habsburger vorsorglich ihren Besitzanspruch auf alles verkündet, was unter der Erde lag.

Dieses "Allgemeine Berggesetz für das Kaiserthum Oesterreich vom 23. Mai 1854" sorgte jahrelang für Streit, wer die "Bergnaphta" ausbeuten dürfe. Zudem schreckte Investoren ab, wie kleinteilig das galizische Land nach der Bauernbefreiung dalag: Jeder Kleinbauer besaß eine schmale Parzelle - und jeder spekulierte mit diesem Land, als Öl an Wert gewann.

Um einige zusammenhängende Hektar zu kaufen oder zu pachten, mussten Ölritter Dutzende Verhandlungen führen. Eine größere Scholle war erforderlich, denn bevor jemand einen Treffer landete, waren viele Probebohrungen nötig. Kein ungünstiger Wind sollte sprudelndes Öl zu den Nachbarn treiben. Gefüllte Tanks blieben ebenfalls besser verborgen. Um Fakten zu schaffen, zählte jeder Tag: Denn neidische Nachbarn konnten ihrerseits am Rand ihres Grundstücks so nah wie möglich an der Glücksstelle bohren - womöglich ein Stück tiefer und darauf hoffend, dasselbe Lager anzuzapfen, sodass der Öldruck ihres Bohrloches stärker und entsprechend ertragreicher war.

Die Heimtücke zwischen Nachbarn bildete den Stoff für Dutzende Geschichten aus Galizien. Auch wenn die kaiserliche Regierung eingriff und den Mindestabstand zwischen zwei Bohrlöchern auf zehn Faden (18,29 Meter) festlegte: Viele Bauern unterteilten selbst kleinste Ländereien noch, um möglichst vielen Öl-Suchern die Pacht abknöpfen zu können. Auf einem Gelände von der Größe eines Fußballfeldes konnten sich 30 oder sogar 40 Konkurrenten wiederfinden, jeder in seinem Schacht. "Die fieberhaften Aktivitäten der zumeist ungebildeten Geschäftsleute auf solch überfülltem Land", berichtet ein Zeitzeuge, "führten zum entsprechenden Zufügen grober Verletzungen und sogar zum Gesetz des Dschungels."

So endete das Ölfieber für manche ehrgeizig gestartete und bestens ausgerüstete Firma nach wenigen Jahren in der Pleite: zu viele Bohrungen auf zu engem Raum, fehlende Instrastruktur. In der Folgezeit mühten sich in Galizien vor allem bäuerliche Kleinunternehmer ums Öl, die mit Pickel und Schaufel, Winde und Kübel ein paar Gulden hinzuverdienen wollten, wenn das Wetter gerade nicht nach Pflügen oder Ernten war.

---

Beim Versuch, als Unternehmer sein Glück zu machen, kommt es häufig schon auf den richtigen Start an. Darauf, dass man sich nicht überschätzt und scheitert. Dass man eine Gelegenheit nicht verschläft und keine Wagnisse scheut. Die Ausgangslage von Rockefeller und Lukasiewicz war ähnlich - beide stammten sie aus jämmerlichen Verhältnissen. Der eine fand im freien Amerika unbegrenzte Möglichkeiten vor. Voller Energie und häufig rücksichtslos setzte er durch, was er sich vorgenommen hatte, gewann Verbündete auf Zeit, solange es für ihn nützlich war, überließ nichts dem Zufall. Er riss ein Geschäft mit Zukunft an sich und dachte gar nicht daran, mit irgendjemandem zu teilen. Er organisierte ein Kartell, wie es die Welt seither nicht mehr gesehen hat: Zwei Drittel des Welthandels mit Erdölprodukten entfielen auf Rockefellers Standard Oil.

Und der andere? Der schuf zwar die Mutter aller Petroleumlampen. Aber er dachte nicht daran, seine Idee zu schützen und zu vermarkten. Dass trotzdem aus dem Apotheker von einst ein wohlhabender Mann wurde, grenzt angesichts seiner Scheu fast an ein Wunder.

---

Im Juli 1878 wurde Ignacy Lukasiewicz von seinen Landsleuten geehrt. Ein Händedruck, eine Medaille, ein Buch zum 25. Jahrestag seiner Erfindung, der Lampe. Man stieß mit Wodka an und lobte ihn als Wohltäter. Denn er hatte Straßen bauen lassen, Volksschulen gegründet und Geld gespendet für Kirchen und Kapellen. Er brachte den Bauern bei, mit neuen Agrartechniken ihre Erträge zu steigern, gründete eine Stiftung für die Familien von Opfern der Ölförderung und stand einer Gewerkschaft der Ölmänner bei. Sein polnischer Patriotismus machte "Vater Ignacy" zum Vorbild für viele. Das Öl brachte schließlich Arbeit und Geld nach Galizien. Im Schlepptau der Raffinerien folgten Zulieferer, Maschinenbauer, Lampen- und Textilhersteller.

Bei seiner Ehrung war Lukasiewicz 56 Jahre. Er drückte dem Bürgermeister von Chorkówka die Hand. Vielleicht hat ihn die Wertschätzung gerührt. Er hatte nur noch vier Jahre zu leben. Nach seinem frühen Tod nahm seine Popularität noch zu. Gedenksteine in vielen Orten zeigen, dass man ihn nicht vergessen hat. Das Erdölmuseum in Bóbrka ist nach ihm benannt. Lukasiewicz war kein selbstsüchtiger, und auch kein naiver, weltfremder Erfinder. Er schuf die Lampe. Er entwickelte das Destillat aus dem Erdöl. Viel wichtiger aber war ihm, seinen späten Wohlstand mit anderen zu teilen. Er förderte Galizien, seine Heimat.

Beide Ölpioniere hatten Glück. Aber waren sie auch glücklich? Muss jemand, der ein Unternehmen wie Standard Oil gegründet und aufgebaut, also ein überaus glückliches Händchen bewiesen hat, nicht glücklich sein? Vom Alltag des Ignacy Lukasiewicz ist wenig bekannt. Ihm blieb zu wenig Lebenszeit, und er war viel zu bescheiden, als dass er sich um seinen Nachruhm und eine Legende hätte kümmern mögen.

John D. Rockefeller wurde fast 40 Jahre älter als Lukasiewicz. Auch er wollte seinen Namen nicht mit seinen vielfältigen philanthropischen Aktivitäten verknüpft sehen - ganz anders als sein Zeitgenosse, der Stahlkocher Andrew Carnegie, Stifter etwa eines legendären Konzerthauses in New York.

Rockefellers Enkel David beschreibt JDR, wie er genannt wurde, als "den am wenigsten verdrießlichen Menschen, den ich je kennengelernt habe; er lächelte ständig, war immer zu einem Scherz aufgelegt und erzählte lustige Geschichten". David ist Jahrgang 1915, und als sein Großvater 1937 starb, war er selbst immerhin schon 21 Jahre. Bei aller Verklärung für den Gründer einer Dynastie ist dies nicht der Blick eines Kindes. Aber wie sein Großvater als Unternehmer war, hat David Rockefeller nie erlebt: hart, entschlossen, verbissen, ganz wie seine Porträts ihn zeigen. Glück sieht meistens anders aus. Vielleicht keine Überraschung, wenn man erfährt, dass JDR mit gut 50 Jahren ausgebrannt war.

---

Wohltätigkeit war etwas, worauf er stolz war und aus dem er Kraft zog. So etwas delegiert man nicht, dachte er. Und spürte lange nicht, wie sehr es ihn erschöpfte, dass er Bittsteller von früh bis spät empfing. Es hatte sich herumgesprochen, dass man, wenn man es richtig anfing, von ihm Geld bekam. Also frühstückten die Leute mit Rockefeller, begleiteten ihn auf dem Weg zur Arbeit und wieder nach Hause, aßen mit ihm zu Abend.

"Er fühlte sich nicht nur verpflichtet zu geben, sondern klug zu geben, was viel schwieriger ist", schreibt sein Enkel David, selbst ein Milliardär, in seinen jüngst auf Deutsch erschienenen "Erinnerungen eines Weltbankiers". Zehn Prozent seines Einkommens zu verteilen war ein Fulltime-Job. "Es ist leicht, Schaden zu verursachen, indem man Geld gibt", notierte Rockefeller.

Die Last dieser Verantwortung machte ihn krank. Er hatte Standard Oil aus dem Boden gestampft und zum Trust aufgebaut. Er hatte die Ölbranche gezähmt und monopolisiert. Sein Unternehmen lief wie eine gut geschmierte Maschine, doch der Erfolg bereitete ihm nicht länger Freude: "Das Geschäft war nichts Neues und Aufregendes mehr, sondern nur noch lästig", notierte sein Chefberater in Wohltätigkeitsangelegenheiten, Frederick Gates.

Mit 50 klagte Rockefeller über Müdigkeit und Depressionen und blieb monatelang dem Büro fern. Ein Burn-out. 1891 zog er sich für acht Monate komplett aus dem Konzern zurück. Lieber malochte er mit den Landarbeitern auf seinem Anwesen in Cleveland, um sich zu erholen, übte sich im Fahrradfahren und sang vor sich hin. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten dachte Rockefeller nicht mehr an Standard Oil. Als er sich wieder gesund fühlte, spendete er der Universität Chicago eine weitere Million von insgesamt 35 Millionen Dollar. Sein Motiv: "Dankbarkeit gegenüber dem Allmächtigen", wie er notierte. Bald darauf stellte er verstört fest, dass ihm die Haare ausgingen. Er verlor Wimpern, Augenbrauen und Kopfhaare - Folgen der Alopezie, einer Viruserkrankung.

1896, noch nicht 57 Jahre alt, kehrte er seinem Büro am Broadway 26 endgültig den Rücken. Doch weder Firma noch Vermögen ließen ihn zur Ruhe kommen.

---

"Die ganze Wohltätigkeitsmaschinerie arbeitet heute aufs Geratewohl", nörgelte Rockefeller. Unternehmer wie er und Carnegie begannen, ihre Erfahrungen als Unternehmer nun auf karitative Bereiche zu übertragen. Als einer der Ersten professionalisierte er das Spendenwesen. Institutionen zu finanzieren, die dauerhaft spendenbedürftig bleiben würden - der Gedanke war ihm ein Graus. "Genau wie bei Standard Oil ging es Rockefeller auch auf diesem Gebiet um die Reduzierung von Verschwendung und Ineffizienz", schreibt sein Biograf Chernow.

Seit Ende der 1880er Jahre betrieb er systematisch das Outsourcing seiner Mildtätigkeit. Zunächst nutzte er für seine kirchlichen Spenden die American Baptist Education Society, später warb er deren Leiter ab und übertrug ihm einen Großteil der Philanthropie: Frederick Gates.

Ob ihn das glücklich machte? Als Gates seinen Chef einmal in einem Hotel im Süden besuchte, traf er ihn einsam und traurig an. Gates schlug ihm vor, er solle doch in den Ort gehen und eine Partie Golf mit ein paar kultivierten Herren spielen. Denn er wusste, dass Rockefeller Spaß an diesem Modesport gefunden hatte. Doch der 70-Jährige raunzte ihn nur an: "Mr. Gates, wenn Sie glauben, daran hätte ich nicht auch schon gedacht, dann irren Sie sich. Derlei hat doch fast immer das gleiche Ergebnis: Ungefähr am neunten Loch rücken sie mit irgendeinem Vorschlag heraus, sei er finanzieller oder karitativer Natur."

Er wollte Gutes tun. Doch auch das wollte er richtig tun. Sein Spendenmanager Gates bestärkte ihn darin. 1906 soll er seinem Arbeitgeber zugerufen haben: "Ihr Vermögen rollt heran wie eine Lawine! Sie müssen es schneller verteilen, als es wächst! Wenn Sie das nicht tun, wird es Sie überrollen und vernichten, Sie, Ihre Kinder und Kindeskinder! " Rockefellers Erben, so Gates, würden ihren Teil verschwenden und von der Macht verdorben, wenn er das Vermögen nicht rechtzeitig in eine andere Bahn lenkte.

Rockefeller beschloss, sein von Gott geliehenes Vermögen zum Teil an die Menschen zurückzugeben. Im Jahr 1913 entstand die Rockefeller Foundation. Allein im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens stattete der Namensgeber sie mit zwei Milliarden Dollar aus, gerechnet nach heutigem Geld. Schon 1901 hatte er das Institute for Medical Research ins Leben gerufen - und nun sollten beide effiziente und nützliche Entwicklungen vorantreiben, vor allem in der medizinischen Forschung.

Pathetisch formuliert: Rockefeller finanzierte den Kampf gegen Krankheiten. Er strebte nach dem Menschheitsglück: Gesundheit. Ausgerechnet er, der nach der Meinung vieler so oft über Leichen gegangen war.

---

John D. Rockefeller hatte zahlreiche Feinde. Obwohl sein Konzern das Petroleum verbilligte, er es manchmal sogar billiger verkaufte, als er für den Rohstoff zahlte, und das allein zu dem Zweck, Konkurrenten zu erledigen, protestierten mehr und mehr Menschen gegen seine Monopolstellung. Seit den 1880er Jahren fanden Rockefeller und die Standard-Oil-Manager stets Mittel und Wege, Vorwürfe wegen unlauteren Wettbewerbs abzuwehren - mal durch Auslagerung von Geschäften in Tochterfirmen, mal durch die Verlegung von Firmensitzen, aber auch durch Geheimabsprachen oder Repressalien. Selbst der Sherman Antitrust Act, ein Anti-Monopol-Gesetz von 1890, konnte dem Konzern zunächst nichts anhaben.

Im November 1906 ging die Regierung der Vereinigten Staaten in Missouri vor Gericht, um den Trust zu zerschlagen. Der Vorwurf: Aufbau eines Ölmonopols, Einschränkung des Wettbewerbs durch Rabatte bei Eisenbahntransporten, Missbrauch des Pipeline-Monopols, räuberische Preispolitik, Industriespionage, heimlicher Erwerb von Anteilen an vorgeblichen Konkurrenten.

Am 5. Mai 1911 urteilte der Oberste US-Gerichtshof, Standard Oil müsse sich aufteilen und habe sechs Monate Zeit, sich von seinen Töchtern zu trennen. Der Konzernführung wurde verboten, ein neues Monopol aufzubauen.

Hierin steckt nicht nur eine Ironie der Geschichte, sondern gleich zwei.

Die erste: Als John D. Rockefeller das Urteil überbracht wurde, stand er auf dem Golfplatz. Er soll nur kurz aufgeschaut und empfohlen haben: "Kaufen Sie Standard Oil."

Der Öl-Tycoon behielt mit seinem Aktientipp auf kuriose Weise recht. Denn unmittelbar nach dem Urteil stürzten die Kurse der Tochterunternehmen ins Bodenlose, und Rockefeller orderte massenhaft Standard-Oil-Aktien - zusätzlich zu seinem 25-Prozent-Anteil an Standard Oil of New Jersey und seinen Anteilen an den nun 33 Töchtern. Bald aber stiegen die Kurse wieder, und zwar sehr steil: Denn inzwischen hatten sich die Fließbänder Henry Fords in Bewegung gesetzt.

Zwei Jahre nach dem Prozess war Rockefeller nicht länger ein reicher Millionär. Er war jetzt ein mehrfacher Milliardär.

Die zweite Ironie der Geschichte: Die Zerschlagung des Monopols schuf ein mächtiges Oligopol. Aus Standard Oil wurden im Herbst 1911 offiziell unabhängige Töchter, darunter Standard Oil of New Jersey, Standard Oil Company of New York, Standard Oil of Indiana, Standard Oil of California. Später nannten sich diese: Exxon, Mobil, Amoco und Chevron. Der Seniorchef zog hinter den Kulissen weiter die Fäden und sorgte dafür, dass sich die Chefs aller seiner Unternehmen auch weiter jeden Morgen um 10.30 Uhr am Broadway 26 einfanden, um die "freundschaftlichen Beziehungen" zu pflegen.

Später fusionierten einige der Firmen. Sie halfen dem Glück etwas nach und schufen ein Kartell, als sich ihre Chefs 1928 im schottischen Achnacarry trafen und die "As-Is-Vereinbarung" schlossen. Die meisten Tochterfirmen haben davon profitiert - ein Blick auf die "Fortune"-Liste zeigt es.

Gelegentlich versuchen die Ölkonzerne auch heute ihr Glück und wenden erprobte Methoden an. Im Oktober 2008 verhängte die Kommission der Europäischen Union Strafen von insgesamt 676 Millionen Euro gegen zehn Ölfirmen wegen Bildung eines Kartells. Ihre Manager hatten sich Anfang der neunziger Jahre in einem Hamburger Hotel getroffen und die Preise für Paraffin abgesprochen.

Woraufhin die Verbraucher bei Grillfesten jahrelang einige Cent zusätzlich zahlten: Paraffin ist jenes Erdölprodukt, das etwa Einweg-Pappteller davor bewahrt, nach 30 Sekunden von Ketchup durchweicht zu zerfallen. Auch in Kerzen und Käserinde steckt und nützt Paraffin.

Fast die Hälfte der Strafe muss nun die südafrikanische Sasol zahlen, deren Besitzer keine Geringeren als Exxon Mobil, Total und die italienische ENI sind - immerhin die Nummern eins, fünf und neun der weltweiten Ölindustrie. Die Nummer zwei stieg irgendwann aus und petzte: Royal Dutch Shell hätte fast 100 Millionen Euro zahlen müssen, bekam jedoch von der Europäischen Union 100 Prozent Rabatt - eine Art Brüsseler Kronzeugenregelung.

"Es wird niemanden überraschen", spottete bei Gelegenheit der "Economist", "dass Öl und Ethik sich etwa so gut mischen wie Öl und Wasser." -


Anzeige