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brand eins 07/2004 - SCHWERPUNKT: Radikal

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Arbeitspflicht für alle

Wer in Dänemark Geld vom Staat will, muss dafür viel tun. Das hat zu einer niedrigen Arbeitslosigkeit geführt und soll Menschen ohne Jobs aktivieren. Aber nur IN DEN ENGEN GRENZEN VON STAATLICHER VORGABEN.

Es ist zehn Uhr morgens, und das Jungvolk von Marielyst wälzt sich verkatert im Bett herum. Bis zum Hellwerden war die Party-Jugend des kleinen Ostsee-Badeortes auf der Insel Falster auf Achse. In Gruppen wankten junge Menschen von "Dr. Emil's Laboratorium" zur "Motown Dance Bar" und zurück, mit mordsmäßig viel Schnaps, Bier und Pillen im Bauch und entsprechend lautstark. Pünktlich zum Beginn der Urlaubszeit ist der Sommer nach Dänemark gekommen, endlich, nach all den Regenwochen. Man tanzt, knutscht, torkelt und fallt durch die helle, laue Sommernacht, einem bleischweren Morgen entgegen.

Johannes, Tim und Demaili sind froh, dass der kilometerlange Sandstrand noch leer ist. Der Strand ist ihr Arbeitsplatz, und sie wollen ihr Tagewerk vollbracht haben, bevor der Tross der Urlauber anrückt mit Badetüchern, Luftmatratzen, Strandmuscheln und Dosenbier. Ausgestattet mit Müllzangen und großen blauen Abfalltüten durchkämmen die drei Männer die Dünen. Sie beseitigen die Reste des vergangenen Tages und der nächtlichen Spontanfeten am Strand von Marielyst: leere Bierbüchsen, Schnapsnaschen, Pommesschälchen, Kondome. Der Kolonnenführer passt auf, dass sie bei der Arbeit nicht bummeln und erst Feierabend machen, wenn alles picobello ist. "Beschäftigungsprojekt der Kommune Südfalster" steht auf dem Pickup, der die drei jeden Morgen zum Strand bringt.

Der Vorarbeiter zeigt auf Johannes. "Flüchtling aus Eritrea", sagt er. Das muss reichen als Erklärung. Zwei Wochen zuvor hatten die Behörden Johannes von Aalborg nach Südfalster geschickt. Gleich am nächsten Tag musste er sich zur Arbeit bei der Aufräumbrigade melden. Man hat ihm erzählt, dass Asylbewerber in Deutschland nicht arbeiten dürfen. "Hier ist es umgekehrt", sagt er, "hier ist Arbeitspflicht." "So ist das bei uns in Dänemark", ruft der Kolonnen-Vormann rüber, " wenn er nicht arbeitet, kriegt er keine Sozialhilfe!" Und seine Miene sagt, dass dies in keinem Land der Welt anders sein sollte.

Johannes, Tim und Demaili sind Nutznießer oder - je nach Standpunkt - Opfer einer Politik, deren Credo lautet: Ran an die Arbeit, und zwar so schnell wie möglich. Wer ohne Job ist, soll sich gar nicht erst in der Arbeitslosigkeit einrichten. Das gilt für Sozialhilfeempfänger ohne Schulabschluss genauso wie für Uni-Abgänger, 55-jährige entlassene Fabrikarbeiter oder eben Asylbewerber. Wer arbeiten kann, soll arbeiten. Früher konnten Menschen ohne Job in Dänemark bis zu sieben Jahre lang Arbeitslosengeld beziehen. Es beträgt bis heute 90 Prozent des vorherigen Netto-Einkommens, allerdings höchstens 2000 Euro. Im Unterschied zu früher muss ein Arbeitsloser heute jedoch oft schon nach wenigen Monaten eine Stelle annehmen, die ihm das Arbeitsamt anbietet.

Mit ihrer "aktivierenden Beschäftigungspolitik" attackieren die Arbeitsämter des Landes vor allem das Übel der Langzeitarbeitslosigkeit. Auch in Dänemark belegen Untersuchungen, dass mit jedem Jahr ohne Job die Chancen sinken, jemals wieder einen Arbeitsplatz zu finden. In Deutschland setzt die Regierung im Rahmen von Hartz IV jetzt darauf, das dauerhafte Leben ohne Job noch unattraktiver zu machen, indem die Arbeitslosenhilfe auf den Sozialhilfesatz abgesenkt wird.

Die Nachbarn im Norden dagegen versuchen, es erst gar nicht so weit kommen zu lassen. Die helfende Hand der Arbejdsformidlingen - so heißt das Arbeitsamt -packt den Arbeitslosen so früh wie möglich und mit festem Griff. Fester, als ihm manchmal lieb ist.

Das stärkste Argument der dänischen Strategie ist die Statistik. Seit die Regierung des Sozialdemokraten Poul Nyrup Rasmussen die aktivierende Beschäftigungspolitik Mitte der neunziger Jahre einführte, ist die Arbeitslosenquote von mehr als zehn auf derzeit rund sechs Prozent gesunken. Vor allem die Zahl der Langzeitarbeitslosen fiel dramatisch - von 1994 bis 2002 auf weniger als ein Viertel.

Wer nach einem halben Jahr keinen Job hat, muss jedes Angebot annehmen Kern des Konzeptes ist ein Pakt zwischen Arbeitsamt und Arbeitssuchenden, eine Vereinbarung mit beiderseitigen Rechten und Pflichten. Die Behörde hilft intensiv bei der Suche nach einem neuen Job - doch der Arbeitslose muss sich kooperativ zeigen. Jeder, der einen Job sucht, erhält von seinem Arbeitsvermittler einen persönlichen Aktionsplan. So muss er etwa innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Jobverlust einen Lebenslaufschreiben, den er mit seinem Vermittler durchspricht und auf der Internet-Plattform des Arbeitsamtes ablegt.

Mindestens alle zwei Monate wird er zu einem Gespräch mit seinem "Konsulenten", dem Arbeitsvermittler, einbestellt. Dann will der Mann vom Arbeitsamt wissen, was sein Kunde in der Zwischenzeit konkret unternommen hat. Hast du dich beworben? Hattest du ein Vorstellungsgespräch? Warum hast du den Job nicht bekommen? Brauchst du einen Computerkurs? Schon hier übt die Behörde sanften Druck aus: Wer ohne triftigen Grund zu einem Gespräch nicht erscheint, dem wird für diesen Tag das Arbeitslosengeld gestrichen.

An der Schwelle zur Langzeitarbeitslosigkeit verschärft das Arbeitsamt die Gangart. Wer unter 30 oder über 50 Jahre alt ist und nach einem halben Jahr noch keinen Job gefunden hat (für alle anderen Arbeitslosen gilt eine Frist von einem Jahr), erhält von seinem Arbeitsvermittler ein konkretes Angebot. Das kann, je nach Eignung, ein dreimonatiger Schnupperjob in der Wirtschaft sein, eine staatlich subventionierte Stelle bei öffentlichen Arbeitgebern, eine Aus- oder Fortbildung oder ein Betriebspraktikum. Jeder Arbeitssuchende ist verpflichtet, ein solches Angebot ohne lange Debatten anzunehmen. Entscheidet er sich trotzdem für die Arbeitslosigkeit, verliert er seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Arbeitszwang? Druck auf die Arbeitslosen? Per Bech Grönning verzieht das Gesicht, wenn er so etwas hört: "Wir reden lieber von Rechten und Pflichten." Grönning ist eine der großen Spinnen im Netz der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik. Als Arbeitsmarktchef der Arbejdsformidlingen Storström ist er zuständig für etwa 10 000 Menschen ohne Job in Falster und Lolland sowie im südlichen Teil von Zeeland. Die Arbeitslosenquote liegt dort mit 6,3 Prozent knapp über dem Landesschnitt - ein Wert, von dem die meisten Arbeitsamtsleiter in Deutschland träumen.

Grönning, ein rundlicher Mann in Poloshirt und Sandalen, der meist im Laufschritt auf den Fluren seines Amtes unterwegs ist, kommt richtig in Fahrt, wenn er die dänische Strategie gegen die Langzeitarbeitslosigkeit erläutert. "Wenn du nach sechs Monaten Arbeitslosigkeit vor mir sitzt, sage ich ganz klar: Junge, du kannst nicht weiter zu Hause bleiben. Du musst etwas machen!" Seine Kunden werden nicht lange gefragt, ob sie willens sind, sich ihr Arbeitslosengeld zu verdienen. "Hier habe ich einen Job für dich", sagt Grönning in solchen Fällen, "den nimmst du jetzt, das hast du unterschrieben." Ob die angebotene Arbeit der Qualifikation entspricht, ist nicht entscheidend. Findet der Arbeitslose in seinem Beruf keine Stelle, muss er im Extremfall jeden anderen Job annehmen. "Wir haben in der Region Storström 400 arbeitslose Erzieher", erklärt der Arbeitsmarktchef. "Die werden hier nicht gebraucht. Aber im Altersheim und im Krankenhaus, da brauchen wir Leute." Ein bisschen fassungslos verfolgt Grönning, wie lange schon in Deutschland über Arbeitsmarktreformen und Hartz IV debattiert wird. Das Prinzip "Fördern und fordern"? "Machen wir schon lange." Mehr als die Hälfte der deutschen Arbeitslosen sind länger als ein Jahr ohne Job? "In Dänemark nur noch knapp 20 Prozent." Das Arbeitsamt als Service-Agentur? "Bei uns gilt schon seit Jahren, dass der Arbeitslose kein Fall ist, sondern ein Kunde." Am wenigsten versteht er die feinsinnige deutsche Diskussion über strengere Zumutbarkeitsregelungen. Was hat er gelesen? Ein Arbeitsangebot dürfe "nicht dem sittlichen Anstand widersprechen"? "Der Junge hatte doch ein halbes Jahr Zeit", sagt er. "Wir haben ihm geholfen, aber er hat trotzdem nichts gefunden. Jetzt muss er nehmen, was wir für ihn haben." Das Kriterium Zumutbarkeit wird dabei äußerst großzügig ausgelegt. So sind bis zu vier Stunden Fahrtweg am Tag in Dänemark kein Grund, einen Job abzulehnen.

Zehn Prozent der Arbeitslosen machen alles, um keinen Job zu kriegen Natürlich weiß Per Grönning, dass manche seiner Kunden sich wünschen, er würde sie in Ruhe lassen. Ökonomen haben den wunderbaren Begriff vom " Grenzleid der Arbeit" geprägt. Arbeit ist nun mal in vielen Fällen kein Quell der Freude, sondern mit Mühsal verbunden, ein notwendiges Übel, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie konkurriert mit anderen - vielfach bequemeren - Möglichkeiten, das gleiche Ziel zu erreichen. Darf man Menschen notfalls zu etwas drängen, zur Arbeit etwa, weil die Gesellschaft der Meinung ist, dass es gut für die Betreffenden ist? Oder hat jeder - zumindest vorübergehend - ein "Recht auf Faulheit", wie es Paul Lafargue, ein Anarchist und der Schwiegersohn von Karl Marx einst gefordert hatte? In Dänemark ist die Debatte, ob die Gesellschaft für ihre Leistungen von jedem ihrer Mitglieder eine Gegenleistung verlangen soll, längst entschieden. Nester der Wohlfahrtskultur sollen gar nicht erst entstehen.

Per Bech Grönning hat von Enklaven der Armseligkeit in englischen Städten gelesen, wo Arbeit in dem Versuch, das Leben zu organisieren, keine Rolle mehr spielt, oft schon in der zweiten oder dritten Generation. Die Menschen dort sind in die trügerische Wohlfahrtsfalle geraten, aus der sie schließlich nicht mehr herauskommen - offenbar das Resultat eines Sozialsystems, das immer wieder Anreize schafft, nicht zu arbeiten. Grönning schätzt den Anteil seiner Kunden, "die alles machen, um nicht zu arbeiten", auf vielleicht zehn Prozent. "Das sind Leute, die vor jedem Gespräch krank werden. Die kosten uns die meiste Zeit." Jesper Skov Munk ist knapp drei Stunden täglich mit der Bahn unterwegs - früh morgens von Roskilde nach Nyköbing zur Arbeit und am späten Nachmittag zurück. "Das ist ganz klar innerhalb der Zumutbarkeitskriterien", sagt der 29-Jährige. Da kennt er sich hervorragend aus, schließlich arbeitet er beim Regionalarbeitsamt Storström als Rechtsberater. Sein Büro liegt auf dem gleichen Flur wie das von Per Bech Grönning. Munk bearbeitet die Beschwerden von Arbeitslosen, die sich vom Arbeitsamt ungerecht behandelt fühlen. Dem einen ist der Weg zur Arbeit zu weit, der nächste will nicht im Schlachthof arbeiten, dem dritten hat man das Arbeitslosengeld gekürzt, weil er nicht zum Vorstellungsgespräch erschienen ist. "Wir haben eine ganze Menge Beschwerden", sagt Jesper Skov Munk. "Besonders von Leuten Ende 50, die sich fragen, warum sie die paar Jahre bis zur Rente noch irgendeinen Job machen sollen." Nach seinem Jurastudium fand Jesper auf Anhieb keine Referendarstelle in einer Anwaltskanzlei, trotz 90 Bewerbungen und "obwohl ich kein schwacher Student war". Also reihte er sich ein bei den 40 Prozent der angehenden Juristen in Dänemark, die sich erst mal arbeitslos melden. An einem Freitag im Juni trat er zur letzten mündliche Prüfung an, montags darauf ging er zur Arbejdsformidlingen in Roskilde. Nach dem Prüfungsstress hatte er sich eigentlich auf einen längeren Sommerurlaub eingestellt, doch schon nach zehn Tagen durchkreuzte das Regionalarbeitsamt Storström die Ferienpläne.

Grönnings Leute offerierten Jesper in der eigenen Behörde ein ,Job-Training", so die hübsch klingende Umschreibung für befristete Jobs mit staatlicher Lohnsubvention. Drei bis sechs Monate lang überweist das Arbeitsamt dem Arbeitgeber die Hälfte des Lohnes - und der entspricht genau dem bisherigen Arbeitslosengeld des Job-Trainees, ganz egal, was anderswo für eine vergleichbare Arbeit gezahlt wird.

Grönnings Behörde ist landesweit rührend in Sachen Job-Training. Im vergangenen Jahr vermittelte das Regionalarbeitsamt Storström mehr als 2000 solcher Arbeitsplätze der Preiswert-Kategorie, die meisten an öffentliche Arbeitgeber wie Kommunalverwaltungen, Krankenhäuser und Schulen. Manche Job-Trainees erledigen Saisonarbeit, andere werden für zeitlich befristete Projekte eingestellt. Das städtische Museum will seine Broschüren überarbeiten, ein Ingenieurbüro sucht eine Schwangerschaftsvertretung, die Stadtverwaltung einen Rathauswächter, eine Nachtbar einen Rausschmeißer.

Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich so manches Job-Training freilich als Brutstätte der Unwirtschaftlichkeit. Grundlegende Marktgesetze, Angebot und Nachfrage und die Lenkungsfunktion des Preises sind außer Kraft gesetzt. Letztlich werden eine Menge Jobs aus dem Boden gestampft, nur weil der Staat die Hälfte bezahlt. Auf einem freien Markt für ihre Dienstleistungen - wenn es ihn denn gäbe - könnten viele Job-Trainees wohl nur zu serbischen Löhnen bestehen.

Auch ist in der dänischen Presse häufig von Finnen die Rede, die fest angestellte Mitarbeiter entlassen und anschließend billige Trainees den gleichen Job machen lassen. Oder sich vom Arbeitsamt mit einem Job-Trainee nach dem anderen versorgen, ohne auch nur einen einzigen anschließend zu übernehmen. "Wenn ich von so einer Firma höre, bekommt die von uns kein Job-Training mehr", versichert Grönning. "Wir haben eine schwarze Liste." Wenn seine Behörde die Subvention nach drei oder sechs Monaten einstellt, werden zunächst 70 Prozent der Trainees fest übernommen. Die Hälfte von ihnen verliert den Job allerdings im Laufe des folgenden Jahres wieder. Der Kündigungsschutz ist in Dänemark nicht sehr ausgeprägt, es ist kein Problem, Mitarbeiter loszuwerden.

Der dänische Arbeitsmarkt ist so groß wie der Berliner, aber besser organisiert Selbst der Fall des Arbeitsamts-Juristen Jesper erscheint, vorsichtig ausgedrückt, diskussionswürdig. "Bevor ich kam, gab es hier im Arbeitsamt einen fest angestellten Juristen", erzählt Jesper. "Der hatte aber ganz andere Aufgaben als Jesper", tritt Per Bech Grönning dem Verdacht entgegen, er habe einen festen Mitarbeiter durch einen Billiglöhner ersetzt. ,Ja, wenn Per das so sagt, wird es wohl stimmen", meint Jesper lakonisch. Er hat eben noch mit seinem Chef darüber gesprochen und möchte das Thema jetzt nicht weiter vertiefen.

Jesper versichert, dass seine Kollegen im Arbeitsamt ihm nicht das Gefühl geben, ein Mitarbeiter zweiter Klasse zu sein. "Die meisten wissen gar nicht, dass ich ein Job-Trainee bin", sagt er. Auch bei Bewerbungen könne kein Arbeitgeber sehen, dass sein derzeitiger Job nur dank staatlicher Geldspritzen existiert. "Nur auf meinem Lohnzettel sehe ich den Unterschied", sagt Jesper. "Als Job-Trainee bekomme ich 1700 Euro brutto pro Monat. Das ist ein Drittel von dem, was ich in einer Anwaltskanzlei verdienen würde. Aber da müsste ich auch 70 Stunden pro Woche arbeiten und nicht nur 35." Jesper Skov Monk war nicht einmal besonders überrascht, als wie aus heiterem Himmel die Offerte aus dem 150 Kilometer entfernten Nyköbing eintraf. Dass so etwas in Dänemark durchaus normal ist, hängt mit der völligen Transparenz und Überschaubarkeit des dortigen Arbeitsmarktes zusammen, der insgesamt nicht größer ist als der von Berlin.

Der vernetzte Stellen-Pool mit sämtlichen Jobgesuchen und -angeboten des Landes verschafft Arbeitssuchenden, Arbeitgebern und Arbeitsämtern per Mausklick einen sofortigen Überblick. Innerhalb von Sekunden verrät www.jobnet.af.dk, dass auf Grönland derzeit 22 Stellen frei sind und in Grönnings Region Storström 219. Zwei Klicks weiter, und die Anforderungsprofile der Jobs erscheinen auf dem Bildschirm. Das Restaurant " Chili" in Nyköbing sucht zwei Pizzabäcker, das Fitness-Studio "Fiona" braucht eine Mitarbeiterin für den Empfang mit einer gepflegten Erscheinung, und die Bewährungshilfe will einen Sozialarbeiter, der körperlich robust sein soll und sich mündlich und schriftlich ausdrücken kann. Da jeder Arbeitslose seinen Lebenslauf auf der Internetplattform des Jobnet abgelegt hat, kann er sich gleich online bewerben.

Ein Arbeitsplatz darf auch mal was kosten, Hauptsache, der Arbeitslose ist weg Anders als in Deutschland, wo die guten Jobs unter der Hand weggehen und über den Stellenmarkt der großen Zeitungen, haben die dänischen Arbeitsämter direkten Zugriff auf etwa 95 Prozent aller freien Stellen im Land. Natürlich gibt es Firmen, die eine Vakanz nicht dem Arbeitsamt melden. Doch der Behörde entgeht das nicht. Montagmorgens durchforsten Grönnings Mitarbeiter als Erstes den Stellenmarkt der Wochenend-Zeitungen. Jobangebote, die nicht im Pool des Arbeitsamtes sind, werden nachgetragen. Ob den Firmen das recht ist? "Manchmal beschwert sich jemand", sagt Grönning, "aber die meisten wissen, dass sie sich viel Arbeit ersparen, wenn wir für sie eine Vorauswahl unter den Bewerbern treffen." Ein dänischer Arbeitsmarktchef wie Grönning hat weit größere Kompetenzen als der Leiter eines deutschen Arbeitsamtes - auch finanziell. Im vergangenen Jahr saß ein arbeitsloser Pilot vor Per Bech Grönning. "In ganz Dänemark gab es keinen einzigen Piloten-Job", erzählt Grönning. Da bekam der Mann ein Angebot von einer Airline in Berlin. Er benötigte allerdings eine Zulassung für den Airbus, den er fortan steuern sollte. 11000 Euro sollte das Zertifikat kosten. "Ich hab' ihm das gekauft", sagt Grönning. ,Jetzt arbeitet der Mann seit einem halben Jahr in Berlin. Wäre er hier arbeitslos geblieben, hätten wir in der Zeit schon 12 000 Euro Arbeitslosengeld zahlen müssen. So haben wir bereits jetzt die Kosten für das Zertifikat wieder raus."


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