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brand eins 08/2007 - MARKEN-KOLUMNE

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Was Marken nützt: Hoch lebe Bruno!

Marken, die nicht mehr beworben werden, müssen sterben. Kaum eine kämpft so profitabel gegen den Tod wie HB.

• Gelegentlich, erzählt Andrew Schwager, Marketing Director bei British American Tobacco (BAT) Germany, in seinem Büro mit schönem Blick über Hamburg, lasse man Bruno bei Meetings noch hochleben. Bruno ist das legendäre, leicht erregbare HB-Männchen, das die Wirtschaftswundermarke groß machte. Die Anekdote ist insofern bemerkenswert, als der Australier Schwager, der vor fünf Jahren nach Deutschland kam, zu den Totengräbern von HB gehört – und sich damit bei den Fans der einst strahlenden Marke keine Freunde machte. BAT konzentriert sich seit einigen Jahren ganz auf "globalisierbare Marken" wie Lucky Strike und die in Lizenz produzierten Gauloises. Die sehr deutsche HB gehört nicht dazu. "Sie hat deshalb keine strategische Relevanz bei BAT", sagt der 41-jährige Marketingmann mit der auffälligen Holzkette am Hals.

So wurde sie auf eine Reklame-Nulldiät gesetzt – und erweist sich dennoch als erstaunlich überlebensfähig und profitabel. HB verteidigt mit rund 3,5 Prozent Marktanteil immer noch Platz acht unter den Zigarettenmarken in Deutschland. Zum Vergleich: BATs Top-Marke Lucky Strike liegt mit einem jährlichen Werbeetat in zweistelliger Millionenhöhe und 5,6 Prozent Marktanteil auf Platz fünf (Marktführer ist Marlboro). Was zeigt, dass Raucher, einmal für eine Marke geworben, wirklich treue – böse Zungen sagen: süchtige – Kunden sind. Dieses Phänomen beschert Zigarettenherstellern Margen von bis zu 50 Prozent.

Schwager, nach eigenen Angaben Gelegenheitsraucher (Lucky Strike Lights), schwärmt von der tollen Geschichte von HB. Keine Marke wurde so schnell so erfolgreich, keine andere verfügte über eine auch bei Nichtrauchern so populäre Werbefigur wie den cholerischen Bruno. HBs Werbekonzept – das Produkt als Problemlöser für Alltagsärger – inspirierte etliche andere Markenhersteller wie etwa Nestlé: Have a break, have a kitkat.

Bruno war ein Segen und wurde irgendwann zum Problem für den Tabakkonzern. Denn der Aufgeregte funktionierte nur in Werbespots, die bereits Anfang der siebziger Jahre im Fernsehen verboten wurden. In Print-Anzeigen machte das HB-Männchen ("Wer wird denn gleich in die Luft gehen?") keine gute Figur. Außerdem mochte der Zeitgeist irgendwann keine Verlierertypen mehr. HB wurde von den ganz und gar unironisch daherkommenden Marken Camel und Marlboro abgehängt. Es folgten wenig originelle Werbekampagnen in den achtziger ("Erleben und genießen. HB. Geschmack, der überzeugt.") und neunziger Jahren ("HB? Ich auch."), die nicht verfingen. Nun lassen die Marketingleute die Ikone in Ruhe. HB darf mit den Kunden altern – und irgendwann sterben.

Umso erstaunter war Schwager, als er jüngst bei privaten Feldstudien in Szene-Kneipen junge Leute HB rauchen sah. An eine Retro-Welle nach dem Vorbild von Jägermeister glaubt er trotzdem nicht. Selbst im Hause BAT gehören die HB-Freunde nur noch zu einer kleinen radikalen Minderheit. "Die meisten HB-Raucher", erzählt er, "sind schon im Ruhestand." •

1955 bringt BAT Deutschland mit HB "eine Filter-Cigarette, die schmeckt" auf den Markt. Die Mischung aus Orient- und US-Tabaken mit einem damals neuen Acetatfilter (heute Standard) und moderner Reklame erweist sich als erfolgreich. HB wird innerhalb von nur vier Jahren zum Marktführer in Deutschland – und lässt 200 Marken hinter sich. Der Packungsaufdruck "von Haus Bergmann" (nicht verwandt mit dem Autor) verweist auf eine traditionsreiche Dresdener Zigarettenfabrik der Vorkriegszeit und soll den Eindruck einer rein deutschen Marke erwecken. 1959 tritt das firmenintern "Bruno" genannte HB-Männchen auf den Plan, das in Werbespots unverständlich brabbelnd – es handelt sich um rückwärts abgespieltes und beschleunigtes Arabisch – in die Luft geht und sich dank Zigarette wieder beruhigt. Bruno wird zu einer der bekanntesten deutschen Werbefiguren, bei BAT gehen sogar Heiratsanträge ein. Er macht HB für ein Vierteljahrhundert zur meistgerauchten Marke. Heute hebt das HB-Männchen nur noch die Stimmung bei BAT-Meetings und Sammlern der mittlerweile heiß begehrten Spots.

BAT Deutschland:

Umsatz: 1,59 Mrd. Euro
Gewinn: 263 Mio. Euro
Mitarbeiter 1714
Top-Marken: Gauloises, Lucky Strike, HB, Pall Mall, Lord Extra


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