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brand eins 05/2006 - SCHWERPUNKT: Ende.
Der Arbeiter
Er war der Vorstandsvorsitzende von KarstadtQuelle.
Einer der mächtigsten Wirtschaftsbosse in diesem Land.
Bis Wolfgang Urban im Mai 2004 jäh abstürzte.
Peter Felixberger lernte ihn kurz danach kennen.
Und erlebte die Zeit nach dem Ende mit.
Wolfgang Urbans letzter Arbeitstag ist ein sonniger Freitag im Mai 2004. Der Vorstandsvorsitzende der KarstadtQuelle AG und der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Meinhardt haben sich nichts mehr zu sagen. Urban fragt: "Wo ist der Auflösungsvertrag?" Nach einer halben Stunde ist alles vorbei, der heute 60-Jährige fährt ohne Umwege nach Hause. Nie mehr wird er seinen Fuß in die Essener Konzernzentrale setzen. Am Montag darauf einigt sich der Aufsichtsrat auf die übliche Sprachregelung: "Ausgeschieden aus gesundheitlichen Gründen." Urban fährt an jenem Montag sofort nach Belgien. Abschalten. Er ist für niemanden erreichbar. Zunächst fühlt er sich wie befreit "aus einer Situation, in der ich nicht mehr gewinnen konnte". Aber hinter der Fassade brodelt es. Urban ist menschlich enttäuscht, will aber nicht reden. "Ich wollte das mit mir selbst abmachen." Nicht einmal seine Frau Angelika oder enge Freunde lässt er an sich heran. Nach außen versteinert sein Gesicht. "Doch innen kochte die Suppe fast über." Noch heute kann er kaum sitzen bleiben, wenn er über diese Zeit spricht. Er hebt die Arme, die Stimme wird laut, rastlos rennt er kreuz und quer durchs Büro. Plötzlich hält er inne, dreht sich um und lässt eine Frage los, die man in Gesprächen mit ihm häufig zu hören bekommen hat: "Was hätte ich denn tun sollen?" Unterdessen bricht nach Urbans Demission das übliche Mediengetöse aus. " Urban fehlte das Rezept, um den Umsatz- und Gewinnrückgang des Handelskonzerns aufzuhalten", titelt die "Financial Times Deutschland". Die "Süddeutsche Zeitung" stellt lapidar fest, Urban sei "als Sanierer gescheitert".
Die Vorgeschichte: Urban übernimmt im Oktober 2000 den Vorstandsvorsitz der KarstadtQuelle AG. Die Geschäfte laufen zunächst nach Plan. 2001, verkündet er auf der Hauptversammlung, ist das "beste Jahr der Konzerngeschichte". Doch dann schlittert Europas größter Waren- und Versandhauskonzern allmählich in die Krise - Umsatzrückgang und Verluste nagen am Sieger-Image. Urban versucht, strategisch dagegenzuhalten. Sein ambitioniertes Aktionsprogramm heißt " Challenge" und fußt auf zwei Säulen: Verkaufsflächen an Partner mit guten Namen unterzuvermieten und ins zukunftsträchtige Lifestyle-Geschäft zu investieren. Urban geht ein Joint Venture mit der Café-Kette Starbucks ein und beteiligt sich am Deutschen Sportfernsehen (DSF). Überdies erwirbt er den Textilfilialisten SinnLeffers, die Golfbedarf-Kette Golf House sowie mehrere Fitness-Clubs.
Doch Konsumkrise, Euro-Umstellung und Rabattschlachten im Handel sind stärker - die Rechnung geht nicht auf. Im ersten Quartal 2004 kommt es dann besonders dick. Urban muss als Quartalsergebnis ein Minus von 4,4 Prozent und eine Vervierfachung des Verlustes bekannt geben. Die Großaktionäre sind sich uneins. Madeleine Schickedanz, die wichtigste Eigentümerin von KarstadtQuelle, hält zu Urban. Sie ist von den Sanierungsplänen, die der noch am 18. März 2004 dem Aufsichtsrat unterbreitet hat, überzeugt. 3000 weitere Arbeitsplätze sollen abgebaut und neue Partner für schwächelnde Innenstadtflächen verpflichtet werden. Von den 180 Warenhäusern sollen nur 120 in der bisherigen Form weiter bestehen.
Auf der anderen Seite opponiert die Gruppe um Margarete Riedel gegen Urban. Die Nichte Madeleines verfügt über 12,2 Prozent der KarstadtQuelle-Aktien. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die Riedels wollen mehr Rendite sehen. Ein klassischer Familienzwist. Und Aufsichtsratschef Hans Meinhardt gilt nicht unbedingt als treuer Gefolgsmann von Urban.
Während Urban an einem langfristigen Konzept des Geschäftsmodells Warenhaus arbeitet und sich dafür intensiv bei der europäischen Konkurrenz in Großbritannien (Selfridges) und Frankreich (Galaries Lafayette) umsieht, sorgt die Konsumflaute für miese Nachrichten. Das kurzfristige Drehen des Tankers KarstadtQuelle will nicht gelingen. Heute sagt er: " Es geht im Shareholder-Kapitalismus immer um kurzfristige Lösungen, nie um langfristige. Wer da nicht mitspielt, hat keine Chance." Wer sich nicht wehren kann, bekommt die Schuld Die ersten Monate nach der Entlassung vergehen wie im Flug. Gegenüber den Medien bleibt Urban stumm, obwohl der öffentliche Druck auf ihn steigt. In dieser Zeit kontaktiert mich Detlev Samland von der PR-Agentur Pleon. Samland, der damals als Urbans Kommunikationsberater tätig ist, glaubt, dieser müsse zur eigenen Rehabilitation unbedingt ein Buch schreiben. Thema: "Die Zukunft des Warenhauses". Ich treffe Urban zum ersten Mal in Düsseldorf im Sommer 2004.
Wer mit Urban spricht, muss sich warm anziehen. Man wird von seinem Blick und seinem schnörkellosen Gesprächsstil förmlich in den Sessel gedrückt. Schwächen sollte man lieber nicht zeigen. Mehr als eine Stunde hört er sich meine Ideen an. Er ist konzentriert, obwohl man ständig das Gefühl hat, der Mann schwebe in anderen Sphären. Dann kommt die Absolution: "Das gefällt mir. Wir machen das!" Aus. Punkt. Treffen beendet. Kein weiterer Dialog. Was ein Trugschluss ist: Denn von diesem Ausspruch an gehört man zur Familie. Schon eine Stunde später klingelt erstmals das Handy. "Über mich und meine Zeit bei KarstadtQuelle kein Wort. Haben Sie verstanden?" Misstrauisch, argwöhnisch, fast ein wenig feindlich ist der Tonfall.
Inzwischen wächst der mediale Druck auf Urban. Ende Juni bittet der neue Aufsichtsratschef von KarstadtQuelle Thomas Middelhoff zur Abschiedsparty seines Vorgängers Meinhardt nach Bielefeld. Nur ein kleiner Kreis ist geladen, darunter Großaktionärin Madeleine Schickedanz, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Pokriefke und Christoph Achenbach, der neue Vorstandsvorsitzende. " Ein persönlicher Affront", kommentiert Urban noch heute Achenbachs Berufung. Ein paar Tage später zieht Middelhoff in Urbans ehemaliges Büro. Achenbach, zuvor für das Versandgeschäft von Quelle und Neckermann zuständig, schwört im umgebauten Kasino der Karstadt-Zentrale in Essen-Bredeney die Mitarbeiter der ersten und zweiten Führungsebene auf neue Zeiten ein. Er wird nicht mal ein Jahr im Amt bleiben.
Der Mai 2004 ist ein Desaster, heißt es bei Karstadt, der Umsatz rauscht mit einem zweistelligen Minus in den Keller. Die Probleme sind bekannt: Mehr als 80 Prozent des Umsatzes von rund 15 Milliarden Euro werden in Deutschland erzielt - doch dort herrscht Konsumflaute. Immer weniger der 180 Häuser in den Innenstädten werfen noch Gewinn ab. Und das, obwohl die Kosten schon dramatisch reduziert und mehrere tausend Stellen gestrichen wurden. Die Warenhäuser sind aber nicht das einzige Problem: Auch die konzerneigenen Textilfilialketten SinnLeffers und Wehmeyer machen Verluste. Im Versandhandel sieht es noch schlechter aus: Quelle und Neckermann haben es nach dem Wegfall des Rabattgesetzes besonders schwer. "Konkurrent Otto ist Quelle längst meilenweit enteilt", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".
Unterdessen sieht Wolfgang Urban in Köln tatenlos den Mediensturm heranbrausen. Ausgelöst wird er durch den neuen Karstadt-Chef Christoph Achenbach, der "die fehlende Entschluss- und Umsetzungsfreudigkeit der früheren Führung" rügt - obwohl er selbst Teil davon war. In der Mitarbeiterzeitung schreibt er: " Unsere Ausgangslage hat sich in den vergangenen Monaten auf breiter Front deutlich verschlechtert." Gleichzeitig kündigt er weiteren Stellenabbau bis 2006 an: 6000 Arbeitsplätze in den Kaufhäusern, 2500 im Versandhandel.
Am 30. September kommt es zum zweiten Showdown für Urban. Bundeskanzler Gerhard Schröder macht das frühere Management in scharfer Form für die Krise des Unternehmens verantwortlich. Bei Karstadt habe es Managementversagen in seiner krassesten Form und Unfähigkeit bis zum geht nicht mehr gegeben. Schröder hatte sich einige Tage zuvor mit dem neuen Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff getroffen. Am nächsten Tag stehen Fernsehteams vor Urbans Einfahrtstor, Mikrofone ragen über den Zaun, Fotografen lauern an der Einfahrt auf Schnappschüsse. Bei verschlossenen Türen und Fenstern beobachten die Urbans im Fernsehen, wie sie demontiert werden. Am nächsten Morgen, erzählt Urban, habe Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier telefonisch ausrichten lassen, der Kanzler habe es dezidiert nicht so gesagt und gemeint. Man bitte aber um Verständnis, dass ein Rückzieher nicht möglich sei.
Wolfgang Urban sieht seine Bilderbuchkarriere in tausend Scherben zerbersten. Wie ein Film läuft in diesen Tagen sein Leben vorüber. Angefangen hatte der heute 60-Jährige als Lehrling in der Produktion beim Bielefelder Nähmaschinenhersteller Phönix. "Eine Zeit, die mich mehr als alle anderen geprägt hat. Ich habe gesehen, was die einfachen Arbeiter wirklich bewegt", sagt er heute. Die weiteren Stationen: Facharbeiterbrief 1964, Kaufmannsgehilfenbrief 1967. Über den zweiten Bildungsweg arbeitet sich der in Schlesien geborene Urban nach oben. Diplom-Betriebswirt (FH) 1973. "Eigentlich wollte ich weiter studieren", doch auf Empfehlung eines Professors landet er in der Buchhaltung bei Kaufhof in Köln. Schnell werden Vorgesetzte auf ihn aufmerksam. Mit Siebenmeilenstiefeln rennt er in Richtung der Chefetagen. Und damit mitten hinein in die Krise.
Denn bereits Ende der siebziger Jahre glänzt, was längst nicht mehr Gold ist. 1978 macht Kaufhof erstmals Verlust. "Ein riesiger Konflikt wurde sichtbar. Wir mussten an eine Zukunft glauben, von der wir eigentlich nicht mehr überzeugt sein konnten." Wolfgang Urban managte in einem Umfeld, von dem er glaubte, dass es dem Ende geweiht war. Wie ein Berserker arbeitet er an kleinen Verbesserungen im Tagesgeschäft. "Wenn man jeden Tag über dem Abgrund schwebt, hat man wenig Zeit für hochtrabende Visionen", sagt er.
1987 wird Urban in den Vorstand der Kaufhof AG berufen. Von Finanzen über Personal bis zur Öffentlichkeitsarbeit bekleidet er in den folgenden Jahren fast alle Vorstandsposten. Kaufhof expandiert in dieser Zeit durch Firmenzukäufe: 1985 wird Saturn-Hansa übernommen, 1988 Media Markt, 1993 die Warenhausgruppe Horten und weitere Finnen. "Die erfolgreichste Zeit in meinem Berufsleben. Uns trieb der Wille zur Höchstleistung an. Alles, um das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen." An der Spitze des Unternehmens stand Erwin Conradi - Urban spricht immer noch mit Hochachtung von ihm.
Seit 1980 hielt die Metro Cash & Carry Mehrheitsanteile an der Kaufhof AG - im März 1996 kommt es zur endgültigen Fusion von Kaufhof und Asko mit der Metro-Gruppe. Urban wird Co-Sprecher des Vorstandes und ist ab sofort zuständig für Controlling und Finanzen. Doch von nun an geht's bergab. "Die Metro-Kultur war völlig anders", beschreibt Urban diese Phase. Erste Vorwürfe machen die Runde: Conradi sagt, Urban sei zwar eine integre Persönlichkeit, aber auch übereifrig, jemand, der sich bisweilen verzettele. Das Ende vom Lied; Conradi entzieht Urban die Ressorts Finanzen und Controlling. Es hält sich bis heute das Gerücht, Conradi habe vorzeitig erfahren, dass Urban auf dem Absprung in Richtung KarstadtQuelle war. Im März 1998 geht Urban als Mitglied des Vorstandes in die Schickedanz Holding-Stiftung nach Fürth, ein Jahr später rückt er in den Karstadt-Vorstand auf. Dort trifft er auf den Vorstandsvorsitzenden Walter Deuss, der Urbans Berufung von Anfang an ablehnend gegenübersteht. Die Folge: Deuss tritt vorzeitig zurück. Urban übernimmt den Chefsessel mit dem Segen der Familie Schickedanz.
Das Schlachtfeld Konzernkapitalismus Wer mit Wolfgang Urban heute spricht, wundert sich manchmal über seine aufbrausende Art. Aus heiterem Himmel wird die Stimme laut, komplexe Argumente werden zu einfachen Wahrheiten, und fertig ist das Statement. Als "Workaholic in Rage" hat ihn die "Süddeutsche Zeitung" bezeichnet. ,Ja, ich war bisweilen sehr massiv. Ich habe Leute unter Leistungsdruck gesetzt und bin sehr laut geworden", gibt Urban zu. "Ich habe den Druck weitergegeben, in der Hoffnung, ich würde es doch noch hinkriegen. Ich habe der Realität nicht ins Auge gesehen." Urban wird bei solchen Sätzen ruhig, seine Stimme immer leiser, bis sein Gemurmel fast lautlos versandet und man ihn nicht mehr versteht.
Sein Selbstbild hingegen ist klar und eindeutig: Er sieht sich als treuen Angestellten, dem nichts anderes übrig blieb, als das tagesaktuell Mögliche zu realisieren. Für die ganz großen Visionen blieb ihm nie genug Zeit. In den Medien heißt es dagegen eher, dass er mit der harten Hand Conradis im Nacken gut gewesen sei, ohne straffe Führung jedoch versagt habe. Ein rastloser Aktionist, der Mitarbeiter zu jeder Tages- und Nachtzeit anrief, um mit ihnen über neue Ideen zu diskutieren.
Es gibt aber noch eine andere Interpretation: Urban ist ein klassischer Held im modernen Konzerndrama, der zwangsläufig untergehen musste. Denn Vorstandsvorsitzende müssen heute nicht nur mit dem kurzfristigen Shareholder-Denken kämpfen, sondern auch mit ihrer Rolle. Viele sehen sich eher als selbstständige Unternehmer denn als optimierende Manager und vergessen, dass sie der Rendite der Eigentümer zu dienen haben. Im Konzernkapitalismus regieren aber Aktienkurse und Finanzquartalsberichte, also kurzfristige Erfolgsmeldungen - langfristige unternehmerische Ideen haben da kaum Platz. Sind sich die Shareholder über den Geschäftskurs uneins, können Vorstände in ein Dilemma geraten. So erging es Urban: Der Zwang zum kurzfristigen Managerdenken und der Zwist unter den Gesellschaftern zermalmten ihn.
Die Zukunft des Warenhauses Das Buch-Manuskript ist mittlerweile fertig. In unzähligen Gesprächen und Interviews hat sich Urbans Idee für das Warenhaus herausgeschält. Er hatte viel Zeit, darüber nachzudenken. Ob es publiziert wird, steht in den Sternen. Urban hat es auch für sich geschrieben: als Selbstvergewisserung, dass ihn 25 Jahre Kaufhof-Metro-Karstadt-Welt nicht blind gemacht haben. Die These des Buches ist eindeutig: "Innenstädte werden sich in Zukunft völlig neu organisieren - als zusammenhängender Erlebnisraum mit Einkaufsstätten, Kultur- und Sporteinrichtungen, Gastronomie und anderen Treffpunkten." Dort sieht Urban neue Spiel-, Arbeitsund Lebensstätten. Die neuen Alten etwa werden die alten Warenhaustempel zu Wohn- und Lifestyle-Welten umfunktionieren, mit Fitness- und Gesundheitseinrichtungen, Restaurants und Wohlfühloasen. Kurze Wege, hohe Angebotsqualität - die Bedürfnisse der Menschen wollen unmittelbar befriedigt werden. Der Warenhaus-Generalist hat ausgedient. "Das neue Geschäftsmodell basiert auf der Kooperation von Spezialisten, die jeder für sich Spitzenklasse sind." Urban glaubt an hoch qualifizierte Erlebnishäuser. "Die Welt kann viel mehr produzieren, als sie konsumieren kann. Noch mehr vom immer Gleichen abzusetzen ist absurd - auch wenn es noch so billig auf den Markt geschleudert werden kann. Wenn billig hier zu Lande der letzte Wohlstandsanker ist, dann wird es höchste Zeit, die Augen zu öffnen und nach vom zu blicken. Wenn die Kostenvorteile aus dem globalen Wettbewerb weiterhin in Form von Preisstürzen verbrannt werden, mag der Kunde zwar profitieren - aber zu welchem Preis? Der deutsche Einzelhandel jedenfalls wird daran zugrunde gehen, mit ihm viele Arbeitsplätze und Zukunftschancen. Wenn sich ein Industrieland wie Deutschland seinen Wohlstand durch die Billiglöhne der Dritten Welt subventionieren lassen muss, ist das ein Armutszeugnis. Wenn sich der Standort Deutschland aber seiner Innovationskraft und seiner reichen, aber brachliegenden Wissensressourcen erinnert und diesen ganz spezifischen Globalisierungsvorteil in den wirtschaftlichen Fortschritt investiert, ist damit allen gedient." Wolfgang Urban ist derzeit viel unterwegs. In der Unternehmenswelt ist sein Ruf weitaus besser als in der Wirtschaftspresse. Vorstandskollegen haben es ihm hoch angerechnet, dass er nach seinem Ende bei KarstadtQuelle keine schmutzige Wäsche gewaschen hat. Und auf die Idee, wie seine Ex-Kollegen aus der Chefetage, Dienstwagen und Chauffeur einzuklagen, wäre Urban nie gekommen. Seine persönliche Integrität ist alles, was ihm geblieben ist.
Ich erinnere mich an einen Anruf am Weihnachtstag 2004. Urban erzählt von der Machtlosigkeit, ein Gefühl, das ihn tagsüber immer wieder überfällt. Er redet eine dreiviertel Stunde ohne Punkt und Komma. "Glauben Sie mir! Von einer Sekunde auf die andere ist man weg. Das ist die ganze Erkenntnis des Lebens." Vielleicht ist es auch erst der Anfang.
