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brand eins 03/2007 - Das geht

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Medicus oeconomicus

Das Medizinstudium vermittelt den ersten Semestern zu wenig Praxis. Studenten in der Schweiz haben das geändert – und damit ein Unternehmen begründet.

- Vor vier Jahren fragten die Veranstalter eines Uni-Hockeyturniers in Winterthur den angehenden Arzt Andreas Juchli, ob er die Veranstaltung nicht medizinisch betreuen wolle. Schließlich geht es bei dem Sport bisweilen hart zur Sache.

Mittlerweile ist Juchli Chef einer GmbH, unter deren Dach gut 400 sogenannte Juniordoktoren tätig sind, die bei Veranstaltungen eingesetzt werden. Im Zürcher Hardturm-Stadion etwa, wo der Schweizer Renommierfußballverein Grasshopper-Club und sein Stadtrivale FC Zürich ihre Heimspiele austragen, kümmern sich seit vergangenem Sommer nicht mehr nur Mitarbeiter des Samariterbundes am Spielfeldrand um verletzte Kicker und kollabierende Zuschauer, sondern auch Männer in T-Shirts, auf denen "Medical" steht. Sie gehören zum Junior-Doc-Medical-Team ( JDMT) und sind das Personal der JDMT Medical Services GmbH - Juchlis Unternehmen.

Für die Juniordoktoren arbeiten ein paar Sanitäter und fertig ausgebildete Ärzte, 80 Prozent der Mitarbeiter sind aber Studenten der Medizin. Die Arbeit ist für viele von ihnen eine willkommene Ergänzung zur Theorie, steht doch das Medizinstudium gerade in den ersten Semestern in dem Ruf, den jungen Leuten zwar beizubringen, welche chemischen Prozesse im menschlichen Körper ablaufen, wenn jemand einen Hockey-Schläger aufs Schienbein gehauen bekommt. Aber nicht, wie man den Patienten behandelt, wenn es tatsächlich passiert ist. "Während ich in Zürich Medizin studierte, fiel mir auf, wie wenig Medizinstudenten können", sagt Andreas Juchli, Gründer der kleinen Doktoren. "Es gab Medizinstudenten, die an einen Unfallort kamen und nicht helfen konnten."

Über mangelnden Zulauf von Studenten kann sich Juchli nicht beklagen. Die jungen Leute müssen sich wegen des Jobs als Veranstaltungsmediziner keine Nachtwachen in Krankenhäusern um die Ohren schlagen, um Geld zu verdienen. Wer Juchlis Leute engagiert, hat den Vorteil, dass er motiviertes und qualifiziertes Personal bekommt. "Wir profitieren vom theoretischen Wissen der Studenten. Zusätzlich bilden uns Ärzte und Rettungssanitäter aus", sagt Juchli.

Wer bei Juchli anruft, um seine Veranstaltung medizinisch betreuen zu lassen, muss dafür ordentlich Geld berappen. "Der Dienst ist teurer als die Sanitäter", sagt Peter Landolt, Manager des Zürcher Hardturm-Stadions. Die Jungärzte im Einsatz verdienen 20 Franken die Stunde, also rund zwölf Euro. Der Veranstalter, der sie bucht, muss aber 90 Franken pro Stunde an das JDMT überweisen. Was nicht direkt an die Mediziner geht, fließt in die Kassen der Organisation. Die bezahlt davon Ausrüstung und Verwaltung.

Dass die Züricher Profikicker dennoch mehr bezahlen und weniger Sanitäter beschäftigen als zuvor, liegt am gestiegenen Anspruch: "Wir wollten professioneller werden", sagt Stadionmanager Landolt. Sanitäter seien Amateure: Pflaster aufkleben, das könnten sie. Aber sobald es kompliziert werde, seien die Juniordoktoren einfach besser ausgebildet und ausgerüstet. "Sie kommen mit Fachärzten auf den Platz und professionellem Equipment."

Seit Abschluss seines Medizinstudiums 2004 arbeitet Juchli als hauptberuflicher Geschäftsführer der Nachwuchsärzte. Weniger Arbeit als seine Ex-Kommilitonen, die sich in Krankenhäusern mit langen Schichten hochdienen müssen, hat er auch nicht. "Ich habe regelmäßig 100-Stunden-Wochen", sagt Juchli. Das kommt vor, wenn er, wie etwa während der Snowboard-WM in Arosa, als Einsatzleiter arbeitet. Offiziell hat er zwar nur eine Halbtagsstelle, für die er sich für Schweizer Verhältnisse bescheidene 4000 Franken im Monat zahlt, aber wichtiger als Zeit und Geld ist ihm im Moment, sein Unternehmen zu etablieren.

Der barmherzige Samariter, selbst Mitglied einer Kaste, die nicht zu den angesehenen gehörte, half einem biblischen Gleichnis nach bekanntlich einem Menschen, der von Räubern geschädigt am Straßenrand darnieder lag, während Mitglieder der ehrenwerten Gesellschaft sich darum nicht kümmerten, und gab einem Wirt auch noch Geld, auf dass er das Opfer pflege.

So betrachtet, unterscheiden sich Juchli und seine Mitstreiter nicht nur in Sachen Ausbildung von den Sanitätern, die mit ihnen am Spielfeldrand um zu verarztende Wunden konkurrieren, sondern auch in der Intensität des kommerziellen Impetus. Juchli plant, das Wachstum nun erst so richtig anzuschieben.

Die kleinen Doktoren wollen größer und professioneller werden. "Wir wollen in der Schweiz die Nummer eins werden im Bereich VIP und Rennsport", sagt Juchli. Mitte Januar ist aus dem Verein Little Doc, bisheriger Träger der Aktivitäten, deshalb die JDMT Medical Services GmbH geworden. Die Gesellschaftsstatuten erlauben eine Expansion ins Ausland. Auf der Homepage bewirbt sich das Unternehmen um Aufträge schon einmal mit dem Hinweis, dass man nicht nur Sattelschlepper und Rettungshubschrauber mitbringen könne, sondern sogar Personal, das Kreolisch spreche. -


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