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brand eins 07/2000 - "Wir alle werden lernen."

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"Wir alle werden lernen."

Ernüchterung am Neuen Markt. Wird es nun wieder so schwer wie früher, an Geld zu kommen?

Fragen an Max Burger-Calderon, Gründungspartner der Venture-Capitalist-Gesellschaft Apax.

brand eins: Herr Burger-Calderon, werden Venture Capitalists nach den Erfahrungen der vergangenen Monaten noch Web-Unternehmen finanzieren?

Burger-Calderon: Es sind tatsächlich jede Menge Unternehmen finanziert worden, bei denen man sich fragen kann, ob es richtig war. Aber daraus zu schließen, es würden keine mehr finanziert werden, ist Unsinn. Man wird in Zukunft sicherlich wieder sorgfältiger analysieren, ob die Geschäftsidee, mit der ein Gründer kommt, wirklich originell ist. Es wird für Firmen mit der x-ten eCommerce- oder Internet-Applikation schwieriger sein, Geld zu bekommen. Aber nun schwarz zu sehen, dafür gibt es keinen Anlass. Okay, vielleicht wird die Zahl der Gründungen etwas zurückgehen, aber ich glaube, ihre Qualität wird besser sein: die Konzepte durchdachter, die Gründer vielleicht durch ihre Kenntnisse über die erste Welle besser vorbereitet und weniger arrogant. Das wird sowohl das Klima der Zusammenarbeit erheblich verbessern als auch die Erfolgsquote erhöhen.

Woher kommt das viele Geld, das Sie als VC in die Unternehmen investieren? Wir sammeln unser Geld bei unterschiedlichen Investoren ein. Die meisten von ihnen sind institutionelle Anleger, etwa Pensionskassen. Manchmal kommt das Geld aber auch von sehr vermögenden Privatpersonen. Wir bündeln die Mittel und legen dann spezielle Fonds auf. Diese Fonds investieren in eine Vielzahl von Wachstumsindustrien wie Biotech, Internet, Informationstechnologie. Oftmals sind Investmentpools aber auch auf bestimmte Branchen spezialisiert.

Das bedeutet auch, dass die Mittel an bestimmte Vorgaben gebunden sind. Natürlich ist es so, dass Sie Geld, das Sie etwa für einen Internet-Fonds gesammelt haben, nicht einfach in Biotechnologie-Unternehmen investieren können. Das ist auch das Problem mancher unserer Mitbewerber: Sie haben sehr viel Geld eingesammelt und müssen es nun auch investieren. Die Frage ist nur: Wo? Ich will nicht ausschließen, dass da in Unternehmen investiert wird, in die man sonst vielleicht nicht investiert hätte.

Wir dachten immer, in Ihrer Branche wären vor allem Profis beschäftigt, die sehr penibel prüfen. Das ist im Großen und Ganzen auch so. Aber natürlich haben sich auch Profis von der Euphorie anstecken lassen. Da ist es wie im wirklichen Leben: Nach der Begeisterung kommt oft genug die Ernüchterung. In dieser Phase befinden wir uns jetzt. Die Schwierigkeit in unserem Geschäft ist, dass man leicht überkritisch, aber auch genauso überenthusiastisch ist. Der Grat ist sehr schmal. Beides ist keine gute Strategie. Genauso wenig, wie es klug sein kann, Deals um jeden Preis zu machen.

Machen die Investoren bei der Auswahl der Unternehmen Druck auf die VCs? Für die von uns beratenen Pools übernehmen wir die Verantwortung, das Geld ordentlich anzulegen. Welche Unternehmen wir ins Portfolio nehmen, entscheiden wir. Wir sehen uns die Unternehmen an, analysieren ihr Potenzial, investieren und betreuen sie bis wir wieder aussteigen. Das ist unser Job, der Investor möchte damit nichts zu tun haben. Meist haben unsere Anleger Planungshorizonte von fünf bis zehn Jahren. Was in diesem Zeitraum herauskommt, ist für sie interessant, nicht der einzelne Deal.

Ihrer Firma Apax wurde immer wieder vorgeworfen, sie sei mit ihren Investments geradezu konservativ und habe den Trend in Richtung Internet verschlafen. Wir waren nur etwas weniger enthusiastisch als unsere Kollegen. Am Markt werden Sie beobachten können, dass viele meiner Kollegen nun sehr viel konservativer und kritischer agieren werden, als wir es bei Apax je waren. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass das, was wir gesehen haben, keine Blase war. Es wird weitergehen, und das ist gut so. Viele Leute wollen anders arbeiten, Unternehmer sein oder mitgestalten. Dabei ist auch eine Menge Blödsinn passiert, aber das sollte uns nicht entmutigen. Wir alle werden lernen. Schließlich sind weder VCs noch Gründer Dummköpfe.


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