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brand eins 02/2006 - SCHWERPUNKT: Leadership

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VIER-FRONTEN-KRIEG

Fußballtrainer haben einen ähnlichen Job wie Führungskräfte in der Wirtschaft.

Sie müssen aus Individualisten ein Team formen.

Der kleine Unterschied: Bei der Mannschaftsaufstellung reden Millionen mit.

Meistens ist Peter Neururer quer eingestiegen. So nennt er das, wenn sein Job als Trainer nicht vor einer Saison begann, sondern wenn er, wie zuletzt bei Hannover 96, im Laufe der Spielzeit kam. Wenn also gerade Abstiege drohten, Aufstiege in Gefahr oder andere Ziele auf einmal gefährlich weit entrückt waren. Groß ist in solchen Situationen die Aufregung und knapp die Zeit. "Ich lasse mir dann von der Mannschaft ein Soziogramm erstellen, um sie schneller kennen zu lernen", sagt Neururer.

Für diese kleine Sozialforschung verteilt er Fragebögen, auf denen seine Spieler die ihrer Ansicht nach beste Aufstellung notieren sollen. Oder die Frage beantworten müssen, mit welchem Mitspieler sie in einem öden Trainingslager am liebsten ihr Zimmer teilen würden und mit wem ungern. "Ich kann auf diese Weise feststellen, ob und welche Gruppen es gibt, wer beliebt und unbeliebt ist, sportlich anerkannt oder nicht", sagt Neururer. "Und wenn 16 Mann mit einem aufs Zimmer wollen, weiß ich: Das muss ein Riese sein." Mithilfe dieser Informationen wird er zum Kartografen eines für ihn zuvor unbekannten Terrains. Dann kann der Krieg beginnen.

Ottmar Hitzfeld hat ihn so erfolgreich geführt wie kein anderer in Deutschland. Mit 20 Titeln ist er hinter Sir Alex Ferguson und Jock Stein der erfolgreichste Vereinstrainer in der Geschichte des Fußballs. Jetzt sitzt er in der VIP-Lounge eines Fünf-Sterne-Hotels, die vom Pay-TV-Sender Premiere gemietet worden ist, für den Hitzfeld als Experte arbeitet. Gut sieht er aus, seit er nicht mehr selbst in der Verantwortung steht und zum Kriegsbeobachter geworden ist. Der Trainer führe einen "Vier-Fronten-Krieg", sagt Hitzfeld. Mal brenne es bei der Mannschaft, mal beim Vorstand, bei der Presse oder den Fans. Niemanden dürfe man aus den Augen lassen, denn von überall drohe Gefahr. "Ich habe nur Argumente, wenn ich gewinne, sonst bin ich als Trainer ein armes Schwein." "Allein der Erfolg rettet mich, nicht mein Fleiß, mein psychologisches Geschick und meine taktische Raffinesse", sagt Hitzfeld. Um Erfolge feiern zu können, muss er seine Spieler in einen optimalen körperlichen Zustand bringen, sie in Systematik und Taktik schulen, Gegner ausschauen und das eigene Team darauf vorbereiten sowie an der Weiterentwicklung jedes Spielers arbeiten. Und vor allem die Mannschaft führen. Dieser Teil der Arbeit trage zum Erfolg bei, sagt er.

Die Mannschaftsführung ist auch eines der am meisten diskutierten Themen von Fußballfans. Hat der Trainer seine verwöhnten Stars im Griff? Oder ist er auf altmodische Weise zu streng? Bringt der Coach seinen Spielern etwas bei, oder macht er sie durch zu wenig Rückhalt kaputt? Immer wieder neu werden solche Fragen gestellt, und die Antworten darauf unterliegen wechselnden Moden.

Ein Vertreter der aktuellen Mode, eines positiven, motivierenden Führungsstils, ist Jürgen Klopp. " Unser Plan ist, das Ziel so hell am Horizont aufscheinen zu lassen, dass es die Spieler wie ein Magnet anzieht", sagt er. Mit 38 Jahren ist Klopp der jüngste Bundesligatrainer, obwohl er beim 1. FSV Mainz 05 schon fünf Jahre Berufserfahrung gesammelt hat. Schön ist der Satz vom hell leuchtenden Ziel und so ganz Klopp. Er klingt zunächst ein wenig esoterisch, aber mit seinem jugendlichen Schwung wischt der Trainer den Eindruck gleich wieder beiseite. Letztlich will er seine Spieler "von dem überzeugen, was wir machen".

Darum bemüht sich auch Uwe Rapolder. Er ist impulsiv, früher war er verbissen. Den berühmten Satz, dass Fußball wichtiger als Leben und Tod ist, hat er sehr ernst genommen. "Es hat mir geschadet, dass die Spieler mangelnden Spaß beklagt haben", sagt er. Rapolder ist wohl der einzige Bundesligatrainer, der über Berufserfahrung in der Wirtschaft verfügt. Zum Ende seiner Spielerkarriere besuchte er die HW Zürich; die Höhere Wirtschaftsund Verwaltungsschule gehört heute zur Zürcher Hochschule und hat in der Schweiz einen hervorragenden Ruf. Rapolder arbeitete zudem in der Organisationsabteilung einer Bank und entschied sich erst nach dem Angebot, Spielertrainer eines Traditionsklubs zu werden, endgültig für die Karriere im Sport.

Seither nutzt er beim Fußball, was er bei der Bank gelernt hat. "Ich habe etwa die Mentalverträge von dort auf Fußball umstrukturiert." Dazu bespricht Rapolder mit einzelnen Spielern zunächst, wie sie sich selbst sehen und wie er als Trainer sie erlebt. Das geht von spielerischen Fähigkeiten über Charaktereigenschaften bis zu sozialer Kompetenz innerhalb der Mannschaft. Wo sie Defizite ausmachen, setzen sie gemeinsame Ziele und legen fest, wie diese erreicht werden sollen. Anschließend unterschreiben beide einen wirklichen Kontrakt. "Damit steht der Spieler für sich in der Verantwortung, aber auch ich für ihn", sagt Rapolder, der das besonders bei solchen Profis für gut hält, die nicht stabil oder mit ihrer Situation unzufrieden sind. Er denkt, dass sich Fußballtrainer noch mehr Führungstechniken ausborgen könnten, die in der Wirtschaft etabliert sind. Zugleich sieht er jedoch Grenzen. "Der entscheidende Unterschied zur Wirtschaft ist die Öffentlichkeit und dass Erfolge an jedem Samstag gemessen werden. Man braucht eine hohe mentale Belastbarkeit, denn im Fußball hat man 40 000 Vorgesetzte." Da sind sie also wieder, die Fronten: Fans, Vorstand, Medien. Sie erzeugen einen Druck, dem auch Rapolder nicht standhielt. Kurz vor Weihnachten wurde er als Cheftrainer des 1. FC Köln beurlaubt. Nicht nur dort ist der Druck gestiegen. In der Hinrunde der laufenden Saison wurden insgesamt acht Trainer entlassen, so viele wie noch nie in 43 Bundesliga-Spielzeiten.

Den schwierigsten Trainerjob wird 2006 dennoch kein Vereinstrainer haben. Jürgen Klinsmann und sein Assistent Joachim Löw dürften bald das Gewicht der Erwartung einer ganzen Nation spüren. "National- und Vereinstrainer sind fast zwei unterschiedliche Berufe", sagt Rudi Völler, der von 2000 bis 2004 Teamchef der deutschen Nationalmannschaft war und bei der WM in Japan und Korea vor vier Jahren bis ins Finale kam.

Eine Weltmeisterschaft ist eine Ausnahmesituation für einen Coach: Der sonst lose Zusammenschluss eines Nationalteams wird für einen Zeitraum von bis zu sechs Wochen plötzlich enger als im Klub. "Es gibt immer wieder Spieler, die dafür nicht geboren sind", sagt Völler. Man müsse sie daher entweder zu Hause lassen oder ihnen die eine oder andere Freiheit geben. Völlers Nachfolger Jürgen Klinsmann wird das selbst am besten wissen, denn Franz Beckenbauer übersah es 1990 bei der WM in Italien großzügig, wenn sein damaliger Stürmer ausbüchste und sich in seinem Haus am Comer See einen Nachmittag lang von der Enge des Teams erholte.

Das Team besteht aus Spielern. Und Nichtspielern Rudi Völler war mit einem traumwandlerisch sicheren Instinkt ausgestattet, wenn es um die Führung der Nationalmannschaft ging. Die meisten Spieler liebten ihn dafür, dass sie ein schönes Leben bei ihm hatten und zahlten es Völler bis zur Europameisterschaft in Portugal mit Erfolgen zurück. Seit Klinsmann übernommen hat, regieren dagegen Powerpoint-Präsentationen und der Slang von Motivationsseminaren. Eigenverantwortung ist das Mantra. "Das Ganze funktioniert nur, wenn die Spieler ihre Zukunft selber in die Hand nehmen", ist eine der immer wieder gestellten Grundforderungen von Klinsmann, der sich dabei selbst als Helfer sieht. Für den Betriebswirtschaftler Christian Scholz von der Universität des Saarlandes ist Klinsmann damit ein lebendes Beispiel für "Transformational Leadership".

Vielleicht ist es aber nur die zeitgenössische Adaption einer alten Kunst. Denn die erfolgreiche Führung eines Nationalteams bei großen Turnieren ist in Deutschland von Generation zu Generation weitergegeben und weiterentwickelt worden: Helmut Schön hat als Assistent von Sepp Herberger gelernt, Franz Beckenbauer und Berti Vogts waren Spieler bei Schön, Völler bei Beckenbauer und Klinsmann bei Beckenbauer und Vogts. Diese Erfahrungen haben zu drei Weltmeisterschaftstiteln beigetragen und zu dem Ruf, dass Deutschland eine Turniermannschaft ist.

"Es ist unsere Stärke, dass wir uns vier Wochen am Riemen reißen", sagt Völler. Doch der Appell an die eigene Disziplin reicht im modernen Fußball nicht mehr. Klinsmann stellte seinen Spielern schon bei den Länderspielen des Vor-WM-Jahres einen Raum mit Computern und Videospielen zur Verfügung, wo sie sich in ihrer freien Zeit treffen können. Außerdem hat er angekündigt, das System von Brasiliens Nationaltrainer Carlos Alberto Parreira übernehmen zu wollen, der unterschiedliche Zonen um die Mannschaft eingerichtet hat, in deren engsten Bereich nur noch die Spieler und Trainer Zutritt haben.

Völler hatte solche Fragen noch informell gelöst: " Wenn ich das Gefühl hatte, einer nervt, musste er raus." Schwierig ist seiner Meinung nach aber besonders der Umgang mit jenen Spielern, die zum Erfolg der Mannschaft nur indirekt beitragen können, wenn im Laufe des Turniers dem ein oder anderen dämmert, dass er wohl nicht zum Einsatz kommen wird. "Bei allem Erfolg gibt es lange Gesichter, und man beschäftigt sich deshalb mehr mit denen, die nicht spielen", sagt Völler.

Fußball ist ein Mannschaftssport, und das ist so wenig ein banaler Satz wie: Ein Team besteht eben nicht nur aus denen, die spielen. Für jeden Trainer ist zwar die Aufgabe, elf Spieler auf dem Platz zu einer Einheit zu machen. Doch das ist nur der erste Teil des Jobs, denn es gilt mit unzufriedenen Reservisten umzugehen, ob in der Nationalmannschaft oder im Bezirksligateam.

"Jeder muss sich als wichtigen Bestandteil sehen, auch die Nummer 22", sagt Peter Neururer, "wenn das nicht so ist, habe ich irgendwann riesengroße Probleme." Jürgen Klopp sieht das genauso. "Es ist mir ein Anliegen, dass sich meine Jungs untereinander grüner sind als normal." Teamgeist ist ein Wettbewerbsvorteil. "Die wichtigste Quelle für Unzufriedenheit ist nicht das Geld, sondern die direkten Vorgesetzten, das ist im Fußball nicht anders", sagt Uwe Rapolder.

"Es ist ein ganz wichtiger Faktor, dass man Ruhe im Team hat", weiß auch Ottmar Hitzfeld. Dazu müssen die drängenden Energien des Egoismus und die stabilisierenden Kräfte des Teamgeistes immer wieder ausgeglichen werden. Hitzfeld hat dem Problem in der Vergangenheit schon bei der Besetzung der Mannschaft Rechnung getragen. "Man darf nicht zu viele Stars haben", sagt er. Bei seinem Kader hatte er die Positionen daher stets mit einer Nummer eins und einem Ersatzmann besetzt. "Das erspart viel Ärger." Selbstverständlich war das System nicht starr, wegen Verletzungen und Formschwankungen ergaben sich ständig Veränderungen. Auch das von Hitzfeld beim FC Bayern München eingeführte Rotationsprinzip hatte nichts damit zu tun, den Wettbewerb noch weiter anzufachen, wie immer wieder behauptet wird. Hitzfeld wollte das genaue Gegenteil. "Ich habe es gemacht, um die Mannschaft zu führen." Damals war sein Team so hochkarätig besetzt, dass mitunter Nationalspieler nicht einmal einen Platz auf der Bank fanden. Also ließ er seine Leute munter rotieren und gab etablierten Stammkräften mitunter sogar frei, wenn die Bayern spielten. " Anfangs haben die anderen skeptisch geschaut, dann haben sie gesehen, dass es geht, und die von der Bank waren glücklich", sagt Hitzfeld.

Das Ideal: Alle Kräfte arbeiten auf ein Ziel hin Als Peter Neururer Ende 2001 Trainer beim VfL Bochum wurde, setzte er bald Rouven Schröder auf die Bank. Trotzdem wurde der Verteidiger nach der nächsten Partie von Neururer zum "Spieler des Spiels" erklärt, obwohl er keine Minute mitgespielt hatte. Ungeachtet seines persönlichen Grolls war er beim Siegtreffer nämlich jubelnd auf den Platz gerannt und dem Schützen um den Hals gefallen.

Neururer erzählt die Geschichte, weil er seinen Umgang mit Reservisten illustrieren will, aber auch weil sie einer ewigen Sehnsucht der Fußballtrainer Ausdruck gibt. Denn je länger man mit ihnen über das Ziel der Mannschaftsführung spricht, um so deutlicher wird, dass die Mannschaft selbst das Ziel ist. Erfolgreich kann sie nur arbeiten, wenn alle Kräfte in eine Richtung arbeiten.

Deshalb macht sich auch der Youngster Jürgen Klopp viele Gedanken darüber, wen er verpflichtet: "Ich überlege lange, ob jemand passt, und habe deshalb schon richtig gute Fußballer nicht genommen." Ausschlusskriterien für einen Vertrag bei Mainz 05 sind Hinweise auf fehlende Teamfähigkeit; Egoismus ist kein Problem, aber ausgeprägte Selbstdarstellung sehr wohl. "Ich kann keine Typen gebrauchen, die dann stark sind, wenn alle anderen stark sind", sagt Klopp. Wer in Mainz unterschreibt, willigt in eine Art zweiten Kontrakt ein. Der Spieler verspricht fortan hundertprozentigen Einsatz, und der Trainer sagt ihm dafür zu, ihn zu einem deutlich besseren Spieler zu machen.

Man könnte versucht sein, Klopp und den fast zwei Jahrzehnte älteren Hitzfeld als größtmöglichen Gegensatz zu beschreiben: Hitzfeld als den defensiven Kontrollierer, der an seinen Fronten ständig in Abwehrkämpfe verstrickt ist, und Klopp als den jugendlichen Modernen, der von einem Krieg nichts wissen will und sich mit offensivem Schwung in die Aufgabe stürzt.

Doch das hieße, Hitzfelds glühendes Herz zu übersehen, das ihn unermüdlich angetrieben hat, und Klopps klaren Verstand. Ihm kommt es bei seiner Arbeit wie Klinsmann vor allem auf Eigenverantwortung an, die sich für Klopp nicht nur darin äußert, dass die Profis in Mainz ihre Schuhe selbst putzen müssen. Er fordert von ihnen vor allem den Mut zum Fehler. "Es wird den Spielern im Profi-Fußball insgesamt zu leicht gemacht, sich zu verpissen", sagt der Trainer. "Aber sie müssen im entscheidenden Moment bereit sein, Fehler zu machen. Denn das Spiel funktioniert nicht ohne Fehler, und wenn ich nicht bereit bin, die nächste Aktion anzugehen, weil ich keinen Fehler machen will, wird es schwierig." Klopp ist ein origineller Redner und weiß auch komplizierte Zusammenhänge klar zu formulieren. Die Zuschauer des ZDF konnten sich davon schon überzeugen, weil er als Experte bei Länderspielen lebensnah und anschaulich blieb.

Originell war auch seine Reise nach Schweden in der Vorbereitung für die neue Saison in der ersten Bundesliga. Mit Kanus und Zelten waren die Spieler dort unterwegs, ohne Handy und Geld in der Wildnis. " Meistens geht es in solchen Situationen um die anschließende Reflexion, weil sie das Erlebnis vertieft", sagt Klopp. Ihm sei es aber um das Erlebnis als solches gegangen: "Nur extreme Erlebnisse haben eine extreme Wirkung." Also kein Vormittagsausflug in einen Klettergarten. Die verregnete Tour sollte den Spielern ein Gefühl vermitteln: " Wenn wir das schaffen, schaffen wir das andere auch." Mainz schaffte das andere, den Klassenerhalt in der Bundesliga und überstand dabei sogar eine Serie von neun Spielen ohne Sieg.

Sollte man sich die Methode von ihm abschauen? Sollten Abenteuer-Trips zum Standardprogramm von Bundesligisten zählen? "Nein", sagt Uwe Rapolder, "der Führungsstil muss der Persönlichkeit entsprechen." Kein Trainer sollte seiner Meinung nach versuchen, einen anderen Typus als sich selbst darzustellen, weder in der Art, wie er vor die Mannschaft tritt, noch wie er sie Fußball spielen lässt. "Der Langweiler, der abends ordentlich seine Pantoffeln vors Bett stellt, kann keinen Angriffsfußball predigen; und wer selber aus dem Leben kommt, kann nicht immer der Vorsicht das Wort reden." Auch Ottmar Hitzfeld wird nicht durch die Wildnis ziehen, wenn er doch wieder als Trainer einsteigen sollte. "Mir würde das die Mannschaft nicht abnehmen, und ich muss authentisch bleiben", sagt er. Es geht um eigene Wege zum Ziel, also eigene Wege zur Mannschaft, die im besten Fall mehr Team ist als andere und deshalb erfolgreicher.

Klopp sagt: "Ich möchte, dass meine Spieler ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass es auch ohne meine Kontrolle funktioniert." Und er behauptet, dass ihm das bislang gelungen sei: "Ich war noch nie von einem Spieler enttäuscht, weil er es am Willen hat fehlen lassen." Vielleicht funktioniert das nur bei einem kleinen Verein, wo die Wünsche noch bescheiden sind und die Freude groß ist über das Erreichte. Aber vielleicht hat der Trainer auch wirklich den richtigen Weg gefunden. "Die Eintrittskarte in das Bewusstsein der Spieler ist, dass sie gewinnen wollen. Ich zeige ihnen den Weg, wie das geht." Noch so ein schöner Klopp-Satz, der bestimmt eines Tages bei einem Klub überprüft werden wird, dessen Welt größer ist als die des FSV Mainz 05. Letztlich weiß jeder Trainer, dass sein Job mit einem Scheitern aufhört. So ausgeklügelt er auch arbeiten wird, kann er den Moment doch nur hinauszögern, in dem eine Front zusammenbricht und die Spieler ihres Trainers überdrüssig werden, der Vorstand die Nerven verliert, die Presse den Abschied fordert und die Fans auch. Dann aber gilt auch: Das nächste Soziogramm kommt ganz bestimmt.


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