Navigation

Inhalt

brand eins 01/2009 - SCHWERPUNKT: Wirtschaft neu

zurück zum Inhaltsverzeichnis

Stillstand in der Bewegung

Hemmungslos modern und hoffnungsvoll preiswert sind die mobilen Häuser, die der Österreicher Gerold Peham als Beitrag zu einer flexiblen Lebensgestaltung in die Landschaft stellt.

Ein Heim für moderne Nomaden.

- Wie ein bunt strahlendes Ufo schwebt das Haus über den sumpfigen Wiesen an einem Zufluss des Wallersees nahe Salzburg. Eine matt glänzende Aluminiumhaut umschließt das Objekt, das beim näheren Betrachten auch Türen, Fenster und Terrassen hat und sich mit der Adresse Inselweg 14 als Wohnhaus im Dorf Seekirchen behauptet.

Erfinder, Erbauer und Bewohner dieses Wohnsatelliten ist Gerold Peham. Der 43-jährige Salzburger Innenarchitekt war schon 15-mal umgezogen und hockte gerade wieder mal in "einer unglücklichen Wohnung", als der Gedanke von ihm Besitz ergriff, etwas Eigenes haben zu wollen. Doch nicht das Besitzstandsdenken machte ihm da zu schaffen. Eher die bange Frage: Wie kann ich ein mir gemäßes Eigentum schaffen, ohne für 30 Jahre an einen Ort - und eine Bank - gekettet zu sein?

Etwas Bewegliches sollte her, etwas Erschwingliches und etwas ästhetisch Anspruchsvolles, wie es sich für einen erfolgreichen Innenraum- und Möbelgestalter geziemt. Seine Recherche über die Bodenpreise für leidlich attraktive Baugrundstücke um Salzburg herum erbrachte ein wichtiges Zusatzargument: "Unter 300 000 Euro für 1000 Quadratmeter war nichts zu machen. Aber zu pachten gab es einiges." Mit diesen Vorgaben und der eigenen Umzugserfahrung entwickelte Peham sein Haus für moderne Nomaden, die nicht im Container und nicht im Wohnwagen hausen wollen. Das war 2004.

Nach anderthalb Jahren des Planens und Probens baute sich Peham in der Garage eines Freundes den Prototyp seines Nomadhome, so der Name des neuen Produkts. Auf zehn Jahre pachtete er eine sumpfig-schwankende Wiese am Wallersee mit extrem schöner Aussicht, ließ 36 Eichenstämme in vier Reihen sechs Meter tief in den schwammigen Boden treiben und darauf wuchtige T-Träger montieren. Auf dieses Fundament liftete ihm ein Kran die sieben Module seines Eigenheims, fertig war die Hütte.

Na ja, Hütte ist stark untertrieben. Seit drei Jahren wohnt Gerold Peham nun in seiner Erfindung, deren je elf Quadratmeter große Module er zu einem beeindruckenden Haus zusammengefügt hat. Fünf Module nebeneinander und zwei gespiegelt ergeben nicht nur 77 Quadratmeter Wohnfläche plus Terrasse, sondern auch viel Luftraum - vorausgesetzt, die Fläche wird nicht mit Möbeln vollgestellt, sondern von einem geschickten Innenarchitekten frei gehalten.

Gerold Peham wollte für seine bewegliche Heimstatt auf nichts verzichten. Also baute er sich einen Schrank, der sich zu einem Ankleidezimmer entfalten lässt. Es gibt einen Küchentresen. Und die Wand dahinter lässt sich aufschwingen und hat alles an Equipment und Stauraum, was das Herz eines Kochs begehrt. Ähnlich wie Ausstatter von Jachten hat Peham viel Nutzraum geschaffen, damit ihm viel Lebensraum bleibt. Fast unnötig zu erwähnen, dass Peham für sein schmuckes Wohnmöbel die Standards für Wärmedämmung von Neubauten locker übertrifft. Billig? Nein. Teuer? Noch mal nein.

In der Basisversion des Nomadhome, in der die Rückwände gerade sind, ist das auf 40 bis 50 Jahre Nutzung angelegte Haus mit einem Quadratmeterpreis von zirka 1800 Euro nicht teurer als der Durchschnittspreis im sozialen Wohnungsbau. Das Modell "Trend", mit u-förmiger Rückwand aufwendiger herzustellen, ist etwa 15 Prozent teurer. Pehams eigene Behausung hat inklusive Innenausbau rund 200 000 Euro gekostet.

Und was, wenn der Pachtvertrag für das Grundstück 2015 ausläuft? "Dann kann ich das Haus, wie es da steht, verkaufen oder damit weiterziehen", sagt Peham. Der Abbau dauert einen Tag. Der Transport ist mit einem normalen Lastwagen machbar - zwei Module passen auf eine Ladefläche, danach hat er die Modulgröße errechnet -, und an einem neuen Ort dauert der Wiederaufbau zwei Tage.

Mit vier Modulen, findet Peham, "hat man schon ein ganz schönes Heim, bekommt keine Platzangst und kann es jederzeit nach Bedarf erweitern". Derzeit nutzen allerdings nur wenige Wohnraumsuchende das Angebot, von der Bestellung bis zum Einzug in zwei Monaten ein mobiles Eigenheim zu erstehen. Und dies sogar im Leasing-Verfahren bezahlen zu können. "Ich bin mit der Idee vielleicht ein wenig zu früh am Markt", meint Peham, "aber ich bin sicher: Das wird sich entwickeln."

Er hat, um diese Durststrecke zu überwinden, die Fill Metallbau als Gesellschafter dabei, die die Module fertigt. Und in der Wirtschaft ist sein schickes und praktikables System schon angekommen: Das System Nomadhome wird gern als repräsentatives Möbel im Messebau, als Büro auf Zeit, als Showroom oder als bewegliche Mitarbeiter-Wohnung eingesetzt.

Den ruhelosen Erfinder selbst - "Stillstand ist für mich das Schlimmste" - treiben derweil neue Pläne um, in die er seine Modulbau-Erfahrung einsetzt. Er denkt an ein Haus für Entwicklungsländer und Katastrophengebiete. "Eine Konstruktion, die so einfach und sicher wäre, dass man sie ohne Gebrauchsanweisung aufstellen könnte", erklärt Peham. Er rechnet mit Kosten von 8000 bis 10 000 Euro pro Haus, nicht viel mehr als die Zelte, die heute in solchen Notstandsgebieten verteilt werden. "Und es wären richtige kleine Hütten mit isolierten Wänden, mit Fenstern und Türen", sagt der Mann fürs Bewegliche, "saubere Holzkisten, die bei guter Pflege viele Jahre halten könnten." -

www.nomadhome.com


Anzeige

Anzeige