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brand eins 01/2009 - Das geht

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Einfach schrauben

Wer eine Sache stabil und sicher in der Erde verankern muss, braucht Kraft, Zeit, Geduld. Und Beton, selbstverständlich. Oder er ruft Klaus Krinner. Der hat mobile Fundamente erfunden, die mit wenigen Umdrehungen felsenfest sitzen.

- Marktforschung? Unternehmensberater? Braucht einer wie er nicht. "Wenn du jemandem dein Produkt vorführst und der sagt nur 'Wahnsinn! ', dann weißt du, dass deine Idee gut ist." Klaus Krinner bekommt es immer wieder zu hören: Wahnsinn.

Jahrzehntelang war er Landwirt, hielt Vieh und baute Zuckerrüben an. Von seinen Eltern hatte er den Bauernhof in Straßkirchen geerbt, zwischen Regensburg und Passau gelegen. Als die traditionelle Landwirtschaft nicht mehr lief, legte er riesige Erdbeerfelder an, auf denen jeder Beeren pflücken und kaufen konnte. Ende der Achtziger wurde auch dieses Geschäft schwieriger, wegen der billigen Import-Erdbeeren. Da ließ sich Krinner etwas Neues einfallen: Er entwickelte aus Haken, Drahtseil und Fußhebel einen kuriosen Weihnachtsbaumständer, den er seither millionenfach verkauft hat. Weil er verblüffend einfach ist und funktioniert. Und dann kamen die Schraubfundamente.

Das war Mitte der neunziger Jahre. Er wollte im Garten einen Sonnenschirm und eine Wäschespinne im Boden befestigen. Dazu hätte er den Spaten holen, auf dem Rasen Gruben ausheben, Zement besorgen, Beton anrühren, Fundamente gießen und Halterungen darin befestigen müssen. Um schließlich tagelang darauf zu warten, bis der Beton endlich trocken und hart war. "Viel zu anstrengend", fand Klaus Krinner. Und fragte sich, wie es wohl leichter ginge. Er dachte nach, zeichnete, probierte und meldete bald darauf sein erstes Patent für Schraubfundamente an.

Seine Entwicklung gründet auf einer Schraube, mal aus silbrig glänzendem Stahl, mal aus schwarzem Kunststoff, je nach Einsatz zwischen 33 und 350 Zentimetern Länge. Ob Carports, Zäune, Bänke, Solaranlagen oder Wohncontainer - mit diesen Schrauben lässt sich alles im Boden verankern, so sicher wie auf einem Fundament aus Beton. "Wir haben spezielle Maschinen, mit denen wir die Schrauben unter hohem Druck in den Boden drehen. Durch diesen Druck wird der Boden um die Schraube herum immer fester." Krinners Idee spart nicht nur Beton und Zeit.

Auf einer Wiese hinter der Firmeneinfahrt führt er vor, wie leicht es geht: Er greift sich ein kleines Schraubfundament aus Plastik, steckt einen großen Schlüssel hinein, schraubt eine Stange darauf, läuft knapp eine Minute im Kreis um das Fundament herum und dreht die Schraube in den Boden. Dabei kommt er nicht mal ins Schwitzen. Kaum länger dauert es bei den großen, 3,50 Meter langen Schrauben aus Stahl, allerdings mit maschineller Hilfe. Dutzende Fundamente kann man so binnen Stunden verschrauben. Für Betongründungen braucht man Tage.

Krinner zählt eifrig die weiteren Vorzüge auf: "Schraubfundamente hinterlassen keine Rückstände, die man später mit einem Presslufthammer zertrümmern und abtransportieren muss. Sie versiegeln den Boden nicht. Weil man sie schneller verlegt, sind sie für viele Anwendungen billiger als Beton. Dazu sind Sie flexibler, können sie einfach wieder herausdrehen und woanders einsetzen, ohne neue kaufen zu müssen."

Während der ehemalige Bauer über sein Leben erzählt und die Schraubfundamente, lässt er keinen Zweifel daran aufkommen, dass seiner Erfindung noch eine große Zukunft bevorsteht. "Dabei lösen wir doch nur simple Alltagsprobleme. Ich kann gar nicht verstehen, dass vorher niemand auf diese Idee gekommen ist", sagt er. Ihm gehört inzwischen ein Unternehmen, das viele Millionen Euro umsetzt und nach Asien und Nordamerika exportiert. Er hat als Erfinder viele Dutzend Patente und Gebrauchsmuster schützen lassen. Der Erfolg ist dem Mann nicht zu Kopf gestiegen: Er spricht Niederbayerisch, wie er es immer gesprochen hat. Und sagt, dass die Familie mehr Anteil am Erfolg habe, als man auf den ersten Blick sehe.

"Meine Eltern waren streng", berichtet er. "Die Zeit kurz nach dem Krieg war hart. Ich musste schon als Kind auf dem Hof mitarbeiten. Aber wenn ich eine neue Idee probieren wollte, haben sie nie gesagt: 'Lass es sein. Das klappt sowieso nie.' Sie haben mich immer machen lassen. Ich glaube, das hat mich ermutigt, einfach was zu probieren, ohne zu wissen, ob es funktioniert." Mittlerweile beschäftigt er 40 Mitarbeiter, doch im Kern ist die Firma weiter ein Unternehmen mit Familiencharakter.

Einige Hundert Meter abseits liegt Klaus Krinners Privatgrundstück, ein ehemaliger Bauernhof. In den einstigen Wirtschaftsgebäuden und der Scheune entwerfen zwei seiner Neffen neue Maschinen, konstruieren Schraubfundamente und Prototypen künftiger Produkte. Das Geschäft soll weiter wachsen.

Die Firma will der Erfinder in einigen Jahren an seine Söhne übergeben. Denen scheint er zuzutrauen, das Unternehmen gut führen zu können, doch "die sollen sich bloß nicht auf meinen alten Ideen ausruhen", sagt er. Dabei will er von Ruhestand noch lange nichts wissen.

"Mit 70 Jahren könnte ich jetzt eigentlich in Rente gehen. Trotzdem komme ich noch jeden Tag ins Büro. Ich entwickle selbst zwar keine Produkte mehr, aber ich gebe Anstöße für neue Ideen. Und solange mir das Spaß macht, bleibe ich." -

Kontakt:
Krinner GmbH
Passauer Straße 55
94342 Straßkirchen
www1.krinner.de


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