Was wurde aus …

Jeder der rund 1000 Einwohner des Dorfes Otjivero/Omitara bekam 100 Namibische-Dollar (etwa 7,25 Euro) im Monat – ganz ohne Gegenleistung. Ziel des Experiments war es, zu zeigen, dass sich die Bewohner nicht auf dem Geld ausruhen, sondern aktiv werden und in ihre Zukunft investieren. Ursprünglich war das Projekt auf zwei Jahre angelegt und wurde von der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und Brot für die Welt finanziert. Später wurde es mit Spendengeldern aus Deutschland und Italien fortgeführt. Allerdings waren die Mittel nicht ausreichend, sodass der monatliche Betrag auf 80 Namibische-Dollar gesenkt wurde und die Auszahlungen nur noch unregelmäßig erfolgten. Im April 2015 wurde das Programm ganz beendet.

Eine Evaluierung zeigte durchweg positive Ergebnisse: mehr Kinder gingen regelmäßig zur Schule, mehr Menschen nahmen die Hilfe von Gesundheitsstationen an (beides nicht kostenlos). Es gab deutlich weniger unterernährte Kinder und es wurden kleine Geschäfte eröffnet, die zu einem Wirtschaftswachstum von enormen 12 Prozent pro Jahr führten.

Die Studie hatte aber einen Haken: Sie wurde von den Projektverantwortlichen vor Ort selbst durchgeführt. Externe Berater durften weder mitwirken noch Einblick in die Daten nehmen. Es zeigte sich aber, dass viele kleine Geschäfte wieder schließen mussten, als die Auszahlungen nur noch unregelmäßig kamen.

Die damalige Regierung Namibias beobachtete das Projekt zwar, erhob aber keine eigenen Daten und sprach sich stets gegen ein Grundeinkommen für ganz Namibia aus. Nur der damalige Wirtschaftsminister Hage Geingob hatte sich 2008 für das Projekt ausgesprochen. Nun ist er selbst in der Verantwortung. Im November 2014 wurde er zum Präsident gewählt, seit März 2015 ist er offiziell im Amt. Das Thema Grundeinkommen vermeidet er aber – aus Kostengründen. Ökonomen haben ausgerechnet, dass Namibia seine Steuereinnahmen um 16 Prozent steigern müsste, wenn es ein Grundeinkommen finanzieren wolle.

Stattdessen hat Hage Geingob ein Ministerium für Armutsbekämpfung geschaffen und den emeritierten Bischof Zephania Kameeta zum Minister gemacht – auch er einst ein Befürworter des Grundeinkommens. Kameeta will die Armut an mehreren Fronten bekämpfen: mit einer Landreform, besserer Ausbildung und besserer Infrastruktur, einer Erhöhung der Rente und Suppenküchen in Windhoek. Von einem bedingungslosen Grundeinkommen für ganz Namibia spricht auch er nur noch selten. Möglich scheint hingegen eine regelmäßige Auszahlung an arme und kinderreiche Familien, verbunden mit Auflagen: regelmäßige Besuche der Gesundheitsstationen und der Schulen sowie Impfungen. Das entspricht nicht der reinen Lehre des Grundeinkommens, wäre aber finanzierbar und könnte der Öffentlichkeit leichter vermittelt werden.

Zu den Hintergründen lesen Sie bitte auch den Artikel von Dr. Rigmar Osterkamp in der Allgemeinen Zeitung Namibia. Osterkamp hat zwischen 2007 und 2011 an der Universität von Namibia Ökonomie gelehrt.

Einen aktuellen Bericht über die politischen Ziele Namibias finden Sie hier

Mehr aus diesem Heft

Idea
Read