Dieses Mal sind Wendepunkte unser Thema. Gemeinsam mit unseren Speakern und Gästen wollen wir im ehemaligen Kraftwerk Bille in Hamburg-Hammerbrook ausloten, wann sich Umbrüche lohnen, wie man den richtigen Zeitpunkt zum Absprung erkennt, und welche Türen aufgehen können, wenn man sich getraut, eine hinter sich zu schließen.

Es geht also um Veränderung, Entscheidung, Wandel – in der Gesellschaft, im Unternehmen und persönlich.

Wendepunkte – Ein Tag über die Kunst des Kurswechsels und die Lust am Neuen.



So war die Zukunftskonferenz 2015. Sehen Sie hier einen Rückblick im Video.

Redner

Caroline Seifert geht es darum, Mehrwert zu schaffen. Zukunft, Aufbau und Vereinfachung sind der rote Faden ihrer Arbeit: eines der ersten Mobilfunknetze, das erste Wearable der Welt, Navigation auf dem Handy vor 20 Jahren, der Aufbau des Futurelabs T-Gallery und des Designs der Deutschen Telekom – immer Produkte, die unseren Alltag einfacher machen. In Mumbai baut die Marken- und Designchefin jetzt das digitale Ökosystem Jio mit auf und schafft so für eine Milliarde Inder Highspeed-Internet – und damit für viele erstmals den Zugang zu Wissen. Von der Energie des Landes ließ sie sich anstecken und freut sich, täglich zu lernen. Jede geübte Methodik versagt hier, sagt die Technik-Pionierin: Nach vier Wochen hat sie ihren Terminkalender weggeworfen. Auf unserer Konferenz erzählt sie, wie man sich im größten Start-up der Welt fühlt, warum künftig nichts mehr linear ist und welche Verantwortung damit einhergeht.

Daniel Häni (*1966) ist Unternehmer und Mitbegründer des Basler Kultur- und Kaffeehauses „unternehmen mitte“. Sein Credo lautet: „Wer nicht muss, der kann“, und das zeigt sich auch im Kaffeehaus: Es gibt hier keinen Konsumzwang. Außerdem ist er Mitinitiator der Schweizer Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“, über die am 5. Juni abgestimmt wird. Zusammen mit dem deutschen Autor Philip Kovce schrieb er das Buch zur Abstimmung: „Was fehlt, wenn alles da ist?“ Häni sagt: „Das bedingungslose Grundeinkommen ist die humanistische Antwort auf den technologischen Fortschritt.“ Was ihn antreibt und wie er sich Eigentum im 21. Jahrhundert vorstellt, erzählt er uns auf der Konferenz.

Stephan A. Jansen (*1971) war Deutschlands jüngster Uni-Chef, als er 2003 bis 2014 zum Gründungspräsidenten der Zeppelin Universität am Bodensee wurde. 2016 wechselte er mit seiner Professur von Friedrichshafen an die Karlshochschule nach Karlsruhe, wo er auch das „Center for Philanthropy & Civil Society“ leitet. Außerdem berät der brandeins-Kolumnist Unternehmen, Stiftungen, Bildungseinrichtungen und Bundesministerien. Jansen sagt uns, wie soziale Innovationen möglich sind und nach welchen Regeln das neue „Gesellschaftsspiel des Guten“ funktioniert.

Florian Kaps (*1969) ist eigentlich Biologe, Spezialgebiet Spinnen. Doch sein Interesse für die analoge Fotografie war größer: Für die Lomographische Gesellschaft verkaufte er Nachtsichtgeräte und baute die Online-Community und den Online-Shop auf. Anschließend rettete er mit Freunden die letzte Fabrik für Polaroid-Filme vor dem Untergang, und ihm gelang ein nahezu unmöglicher unternehmerischer Erfolg: Seit 2010 wird das klassische Filmmaterial für Sofortbilder wieder hergestellt und weltweit vertrieben. „The Impossible Project“ heißt folgerichtig die Firma, die Kaps dafür gründete. Inzwischen widmet er sich einem neuen Projekt: „Supersense“ ist eine rein analoge Manufaktur in einem Dogenpalast aus dem 19. Jahrhundert mitten in Wien, zu der eine Werkstatt, ein Aufnahmestudio, ein Café und ein Laden gehören. Florian Kaps wird uns erzählen, wie er das Analoge für die digitale Welt fit und wertvoll macht.

Kilian Kleinschmidt (*1962) war 22 Jahre für das UN-Flüchtlingshilfswerk tätig, zuletzt im Norden Jordaniens als Leiter Zaataris, des zweitgrößten Flüchtlingslagers der Welt, in dem rund 80.000 syrische Flüchtlinge leben. 2014 gründet er die Agentur „Innovation and Planning Agency“, die Privatwirtschaft und Entwicklungshilfe vernetzen soll, außerdem berät er die österreichische Regierung in Flüchtlingsfragen. In seinem Buch „Weil es um die Menschen geht“ untersucht er die Möglichkeiten und Grenzen humanitärer Hilfe. Er weiß, was Menschen brauchen, um miteinander leben zu können, und plädiert dafür, sie zur Verantwortung zu ziehen für das, was sie nutzen. 

Die Britin Anne Koark (*1963) ist Unternehmensberaterin, Übersetzerin und Autorin und lebt seit 1985 in Deutschland. 1999 gründete sie ein Unternehmen, das ausländischen Firmen bei der Etablierung einer Niederlassung in Deutschland half und das mit dem Existenzgründerpreis Breakeven ausgezeichnet wurde. Doch im Nachgang zum 11. September 2001 geriet ihre Firma in Schwierigkeiten. Letztlich ging Koark in die Insolvenz, verlor alles. Darüber schrieb sie ein sehr erfolgreiches Buch, in dem sie für eine Kultur des Scheiterns und gegen die Stigmatisierung der Insolvenz eintritt. Wie es nach ihrem tiefen Sturz weiterging, welche Überraschungen auf sie warteten, wie ihr Pioniergeist in einen Paradigmenwechsel mündete, weil sie die Definition von Erfolg in Frage stellte und wie schließlich der vermeintliche Misserfolg in Auszeichnungen und einer Einladung von der EU-Kommission mündete, werden wir auf der Konferenz erfahren – machen Sie sich aber auch auf eine gute Prise britischen Humor gefasst.

Hans-Dietrich Reckhaus (*1966) leitet seit 1995 den gleichnamigen Familienbetrieb, einen der führenden Hersteller von Bioziden in Deutschland und der Schweiz. Das von ihm mitinitiierte Kunstprojekt „Fliegen retten“ zeigte, wie wichtig Insekten für die Menschheit sind und veränderte 2012 sein Leben und das Unternehmen grundlegend. Seitdem setzt sich der Bielefelder für ein weltweit einzigartiges Modell ein, das Insekten mit Ausgleichsflächen neuen Lebensraum bietet, und strebt mit dem Gütezeichen „Insect Respect“ eine nachhaltige Transformation seiner Branche an. Reckhaus wird davon berichten, wie es ist, wenn man alles in Frage stellt – und was man gewinnt.

Die Chemikerin Helga Rübsamen-Schaeff (*1949) leitete zunächst ein chemotherapeutisches Forschungsinstitut der akademischen Grundlagenforschung mit Arbeiten an HIV/AIDS und Krebs. Danach war sie bei der Bayer AG Forschungsleiterin für Medikamente gegen Infektionskrankheiten. Als Bayer die Infektionsforschung aufgeben wollte, war das für sie ein Wendepunkt: Die Professorin wurde zur Unternehmerin, sie wagte den Schritt aus dem Konzern in die Selbstständigkeit, fand Investoren für die Weiterentwicklung ihrer Projekte und gründete die Biotech-Firma AiCuris, die sie neun Jahre leitete. Heute ist sie Vorsitzende des Beirats von AiCuris und Mitglied in diversen Aufsichtsräten. „Man muss offen sein für Chancen, die sich bieten“, sagt sie. Ein weiterer Wendepunkt steht an: Bald entscheidet sich, ob die Marktzulassung für ein neues Medikament beantragt werden kann. Wie sie Schwierigkeiten auf ihrem Weg meisterte, werden wir auf der Konferenz erfahren.

Volkert Ruhe (*1955) hat 1999 den Verein „Gefangene helfen Jugendlichen“ gegründet, der auffällig gewordene Jugendliche vor einer kriminellen Karriere bewahren will, indem er sie mit Inhaftierten und Ex-Häftlingen zusammenbringt, die ihnen die Realität des Gefängnisalltags vermitteln. Ruhe kam die Idee, als er selbst wegen Drogenhandels einsaß: „Wenn ich vorher gewusst hätte, wie es im Knast so ist“, sagt er, „hätte ich das mit den Drogen garantiert gelassen.“ Bei uns wird der Sozialunternehmer erzählen, was Menschen bewegt, ihr Leben zu ändern.

Jannike Stöhr (*1986) ist Bloggerin, Autorin, Gesprächspartnerin. Sie testete auf der Suche nach ihrem Traumjob dreißig verschiedene Jobs. Ihre sichere Stelle als Personalerin in einem deutschen Konzern ließ sie dafür ruhen. Warum? Eigentlich lief ja alles ganz gut. Trotzdem hatte sie das Gefühl, dass das Leben an ihr vorüberzieht. Wie im Zug. Man schaut in Gedanken aus dem Fenster, die Landschaft rauscht an einem vorbei und plötzlich ist man da. Nach ihrem Neustart ist sie heute glücklicher. Manchmal muss man eben nur loslassen – dann passiert der Rest von ganz alleine. Wie das Traumjob-Experiment sie verändert hat, erzählt Jannike Stöhr auf der Konferenz.

Hans Stoisser (*1959) baut seit mehr als 30 Jahren Infrastruktur in Afrika auf. Seit 1992 leitet er die Managementberatung Ecotec, die unter anderem in Bulgarien, Palästina und Brasilien, vor allem aber in vielen afrikanischen Ländern, tätig war. In seinem Buch „Der schwarze Tiger“ erklärt der Ökonom, warum Europa die Wende in Afrika verpasst hat, was jetzt zu tun ist, warum Entwicklungshilfe beim Flüchtlingsproblem nicht hilft und was wir von Afrika lernen können. „Wenn Europa seinen Platz in der sich weiter vernetzenden Welt sichern will, braucht es einen neuen Blick auf Afrika“, sagt Stoisser. Wie der aussehen könnte, erklärt er auf der Konferenz.

Emilio Galli Zugaro (*1960) war mehr als zwei Jahrzehnte Kommunikationschef und Leiter des Krisenstabes des Allianz Konzerns. Karriere, Status, festes Einkommen – alles bestens. Als der gebürtige Neapolitaner im vergangenen Jahr trotzdem seinen Job aufgab, war das für viele eine exotische Entscheidung. Heute ist Galli Zugaro selbstständig – und genießt sein neues Leben. Er arbeitet als Coach und Mentor, ist Aufsichtsratsvorsitzender bei der Change Management Company Methodos S.p.A. aus Mailand sowie Dozent an der Uni München und der European School of Management and Technology in Berlin. „Unter Führungskräften“, sagt er, „ist es tabu, über ein alternatives Leben nachzudenken.“ Warum es sich trotzdem lohnt, verrät er auf unserer Konferenz.

Manfred Füllsack (*1960) steht für interdisziplinäres Denken im Zeitalter der Digitalisierung. Der Professor für Systemwissenschaften an der Universität Graz studierte Informatik, Soziologie, Philosophie, Mathematik und Musikwissenschaften. Auf unserer Bühne wird er berichten, wie Automatisierung die Arbeitsgesellschaft verändert. Er wird Szenarien aufmachen, welche Jobs von selbstlernenden Systemen übernommen werden könnten, die bisher als nicht-automatisierbar galten – und natürlich auch, wo die Grenzen der Arbeit der intelligenten Maschine liegen.

Location: Kraftwerk Bille

Die Zukunftskonferenz veranstaltet brand eins in Kooperation mit

Wir danken unseren Unterstützern

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