Ausgabe 02/2015 - Schwerpunkt Marketing

Protonet Server

Danke, NSA!

Das kann die Technik

Es ist die Protonet-Software Soul, die aus einer schnöden Festplatte mit Netzwerkanschluss die „Cloud für zu Hause“ macht. Bis zu 50 Personen können via Soul miteinander Dateien teilen, wie man es zum Beispiel von Dropbox kennt. Ein paralleles Bearbeiten von ein und demselben Dokument à la Google Drive ist derzeit noch nicht möglich, aber für Anfang 2015 geplant. Ähnlich wie bei cloudbasierter Kollaborationssoftware wie Yammer, Slack oder Chatter (siehe brand eins 03/2012: Facebook fürs Büro) können sich die Soul-Nutzer in themen- oder projektbezogenen Gruppen zusammenschließen und dort miteinander kommunizieren. Außerdem lassen sich Aufgaben verteilen sowie To-do-Listen und Termine erstellen, wie es manch einer von Teamsoftware wie Basecamp oder Asana kennt. Externe Gäste – wie zum Beispiel Kunden einer Agentur oder Freelancer – können in einzelne Gruppen eingeladen werden. Je nachdem, wie viel sie dort sehen oder aktiv bearbeiten können sollen, kann man ihnen verschiedene Berechtigungen zuweisen. „Wir selbst arbeiten mit unseren 33 Mitarbeitern und mit allen externen Teams komplett über Soul“, sagt Jelveh. „Dadurch können wir völlig auf E-Mail und externe Cloud-Dienste verzichten.“ Zudem bietet Soul auch Eins-zu-eins-Kommunikation in einem privaten Chat. Auf Wunsch kann mit einem Klick ein Videoanruf gestartet werden. Ebenfalls für 2015 geplant ist ein App-Store für externe Entwickler, die dann spezifische Anwendungen für Soul entwickeln können.

• Es ist eine dieser Erfolgsgeschichten, die man gern hört. Eine kleine Hamburger Firma zeigt den Datenschnüfflern von NSA, GCHQ und BND den Mittelfinger. Raus aus meiner Leitung! Hoheit über die eigenen Daten! So lautet das Versprechen von Protonet. Ein Versprechen zum Anfassen: Die Protonet-Box, ein Server für den Hausgebrauch, ist so groß wie eine Kaffeedose, knallorange und aus pulverbeschichtetem Stahl. Sie ermöglicht Cloud-Computing in den eigenen vier Wänden als charmante Alternative zu den Rechenzentren von Google oder Amazon. Gefertigt wird lokal und per Hand („Made in Hamburg with ❤“). Das Startkapital kommt von begeisterten Mitstreitern, die an den Sieg des Guten glauben. Glauben wollen. Denn die Protonet-Server sind nicht nur um ein Vielfaches teurer als vergleichbare Modelle – Kritiker zweifeln auch daran, dass sie tatsächlich sicher sind. Doch den Fans scheint das nahezu egal zu sein. Solange die Story stimmt.

Der eigentliche Vorzug ist leichte Bedienbarkeit

Ein ausführlicher Test des Internetmagazins t3n attestierte dem Hamburger Start-up bereits vor etwa einem Jahr eine gravierende „Sicherheitslücke und ein bedenkliches Reverse-Proxy-Konstrukt“. Denn, so das Magazin, wenn man über seinen Browser auf die Protonet-Software zugreife, geschehe dies keineswegs auf dem direkten Weg zu der vielleicht nur ein paar Meter entfernt stehenden Server-Box. In Wirklichkeit werde der Datenverkehr über einen sogenannten Reverse-Proxy-Rootserver von Protonet geleitet – bereitgestellt von einem großen Anbieter – und erst von dort zur eigenen Box. Von Datenhoheit also keine Spur, so der vernichtende Sicherheitstest des Magazins.

Protonet reagierte damals mit einer Software-Aktualisierung. Sie ermöglicht dem Nutzer, die Umleitung der Daten zu deaktivieren. Im Auslieferungszustand bleibt jedoch die unsichere Variante, die von dem Fachmagazin bemängelt wurde, nach wie vor standardmäßig aktiviert. Das Problem: Die wirklich sicherere Variante – also die, in der keine Daten über fremde Server laufen – ist mit erheblichem Installationsaufwand verbunden. „Unsere Nutzer sollen eine gute ,out-of-the-box experience‘ haben“, sagt Ali Jelveh, einer der beiden Gründer, zu den Vorwürfen. „Diese Erfahrung soll nicht darin bestehen, erst stundenlang einen eigenen DynDNS, Portforwarding und ein vertrauenswürdiges SSL-Zertifikat einrichten zu müssen.“ Wer sich jedoch diese Mühe machen wolle, dem stehe der Protonet-Support mit Rat und Tat zur Seite, „denn das ist wirklich nicht ganz unkompliziert und kann schon mehrere Stunden in Anspruch nehmen“.

Die Kritiker sagen, die Firma gebe guter Bedienbarkeit den Vorzug gegenüber der angepriesenen Datensicherheit und -hoheit. Und halte ihre Versprechen nicht ein. In einem Bericht in den „Tagesthemen“ wurde ein Protonet-Kunde vorgestellt, der den orangefarbenen Server in seiner Rechtsanwaltskanzlei einsetzt. „Als Anwalt muss ich immer den sichersten Weg gehen“, sagte dieser, „und der sicherste Weg ist eben, die Daten nicht in eine Cloud zu stecken.“ Aus dem Off ergänzte der Sprecher: „Seine Daten sollen den Raum nicht verlassen.“ Das allerdings ist nur dann gewährleistet, wenn der Nutzer sich viel Arbeit mit der Box macht.

Doch Sicherheit ist das bessere Verkaufsargument

Den Siegeszug des Unternehmens konnten weder die Berichte über eine mangelhafte Sicherheit noch der Hinweis aufhalten, dass vergleichbare Serverlösungen bereits für einen Bruchteil des Preises erhältlich sind. Die Anti-NSA-Botschaft der Hamburger passt einfach zu gut zum techniknervösen Zeitgeist: Bei einem Crowdfunding auf der Plattform Seedmatch sammelte Protonet im Juni 2014 binnen zehn Stunden und acht Minuten 1,5 Millionen Euro ein – weltweiter Rekord. Nach weiteren fünf Tagen waren noch einmal 1,5 Millionen dazugekommen.

Dann stoppten Jelveh und sein Mitgründer Christopher Blum die Aktion. Insgesamt hatten sich mehr als 1800 Einzelinvestoren gefunden, die für ihr Geld jeweils einen eigenen Protonet-Server bekommen und eine Beteiligung am Firmengewinn. Außerdem gibt es Unterstützer wie den Business Angel Tarek Müller und die Agenturinhaber Stephan Rebbe und Stefan Kolle (Letzterer wirbt auf der Protonet-Website als zufriedener Kunde für das Unternehmen, ohne dabei sein Investment offenzulegen). Die Hamburgische Investitions- und Förderbank unterstützte Protonet bei der Softwareentwicklung mit rund 400 000 Euro.

Protonet Ali Jelveh
Protonet-Gründer Ali Jelveh

„Stärker noch als euer Geld hat euer Vertrauen gewirkt“, bedankt sich Jelveh in einem emotionalen Video bei den Investoren. „Euer Vertrauen in uns als Team, unsere Vision und das Produkt.“

Doch was ist das Produkt? Verkauft Protonet wirklich nur einen überteuerten Server plus Betriebssystem (siehe Kasten nächste Seite)? Oder das letztlich unbezahlbare Gefühl von Sicherheit plus eine ansprechend gestaltete Hülle in Signal-Orange für das minimalistische Agenturbüro? Ein Accessoire für Leute, die ihre NSA-Angst zwischen Eiermann-Schreibtisch und Vitra-Bürostuhl stilsicher bekämpfen wollen?

Am Ende bekommen die Kunden von Protonet vor allem eines: eine Geschichte. Sie handelt von Unabhängigkeit, vom Widerstand gegen das dunkle Reich der Geheimdienste, von Freiheit und Emanzipation. Eine Geschichte, die derzeit gern gehört wird. Denn die Angst vor Überwachung ist groß – gerade in Deutschland. Nirgends ist beispielsweise der Bekanntheitsgrad von Whistleblower Edward Snowden so hoch, ergab eine Studie des kanadischen Centre for International Governance Innovation. 94 Prozent der Deutschen wissen, wer Edward Snowden ist – in den USA sind es beispielsweise nur 76 und weltweit 60 Prozent. Rund um den Globus sind 36 Prozent der Befragten der Ansicht, ihre Daten seien im Internet sicher – in Deutschland, wo man am skeptischsten ist, sind es lediglich 15 Prozent.

Dennoch bleibt die Frage, wie Protonet gelingen konnte, was beispielsweise die Piratenpartei nicht hinbekam: die Angst der Deutschen vor amerikanischen Netzkonzernen im Allgemeinen und um ihre Daten im Besonderen zu kanalisieren. Die Antwort hat wesentlich mit Ali Jelveh, Mitgründer und „Chief Revolutionary Officer“ der Firma, zu tun. Ein charismatischer Mann, den man sich auch gut in der Politik vorstellen könnte – wenn die für Leute wie ihn nicht so unattraktiv wäre.

Das Lichtschwert der Hoffnung

Die orangefarbenen Boxen, sagt er beim Interview im Hamburger „Makerhub“, einem Coworking-Café und Techniktüftlertreff in Altona, befriedigten das menschliche Bedürfnis, „auf eigenen Beinen zu stehen. Seine Daten selbst in die Hand zu nehmen.“ In der Ecke brummt ein 3-D-Drucker mit der Espressomaschine um die Wette. In der Mitte des Raumes steht einer der ersten Protonet-Server, auf einem Sockel und unter Glas. Wie in einem Museum. Die Räumlichkeiten der Firma befinden sich ein Stockwerk höher.

Der 34-jährige Jelveh erzählt gern von der Wut, die ihn überkommt, wenn er die Nachrichten von immer neuen Geheimdienstskandalen und Dauerüberwachung liest. Von Maut-Infrastrukturen, die nun doch zur Rasterfahndung genutzt werden können. Von Politikern, die es einfach hinnehmen, dass die Bürger ausgespäht werden. „Das war doch nicht unser Deal, denke ich mir dann jedes Mal. Und genau gegen dieses Gefühl der Ohnmacht wollen wir angehen“, sagt er. „Wir wollen den Leuten Hoffnung geben und ihnen sagen: Unser Server – das ist dein Lichtschwert!“

Man versteht besser, warum Ali Jelveh eine schuhkartongroße Festplatte derart mit Bedeutung und großen Worten auflädt, wenn man seine Biografie kennt: 1980 wurde er in Teheran geboren, kurz nach der Islamischen Revolution. „Diese Revolution ist einerseits ein tolles Beispiel, was ein Volk erreichen kann, wenn es mit dem Status quo nicht einverstanden ist“, sagt er. „Aber leider hielt diese neu gewonnene Freiheit nicht lange. Bei einer Abstimmung über die neue Verfassung, die eine kleine Gruppe mit grenzenloser Macht ausstattete, stimmten 98 Prozent dafür. Man könnte sagen, damals hat einfach niemand die AGB gelesen – also im Grunde genau wie heute.“

In der neu ausgerufenen Islamischen Republik folgten Hinrichtungen politischer Gegner, Zensur und der Iran-Irak-Krieg. „Erst 1984 konnte man wieder Reisepässe erhalten“, sagt Jelveh. „Meine Mutter wartete drei Tage am Schalter, um für die ganze Familie welche zu bekommen. Dann kaufte sie Flugtickets nach Frankreich. Doch mein Vater wollte bleiben.“ Also flog die Mutter allein mit ihm und seinem sechs Monate alten Bruder nach Paris, wo ein Onkel lebte. 1987 siedelte die geflohene Familie nach Hamburg über.

„Ich habe mich damals absolut machtlos gefühlt. Und die Erkenntnis, dass Ohnmacht das Schlimmste ist, was einem Menschen widerfahren kann, habe ich aus dieser Zeit mitgenommen“, sagt Jelveh. „Aber eben auch dieses grenzenlose Streben nach Unabhängigkeit und Freiheit.“

Mit 16 gründete Ali Jelveh seine erste Firma, die Computergrafiken für Kunden erstellte. Ein paar Jahre später, im großen Internetboom zur Jahrtausendwende, gründete er mit W-factor sein zweites Unternehmen. Geschäftsfeld: Softwareentwicklung und digitale Audio- und Videobearbeitung. „Wir bekamen sehr schnell zahlreiche Großaufträge. Vielleicht zu schnell“, sagt Jelveh heute. „Ich stellte alle Leute ein, die ich kannte – auch wenn nicht jeder für den jeweiligen Job die perfekte Besetzung war. Da würde ich jetzt viel reflektierter herangehen.“

Nach dem Flop arbeitete Jelveh als angestellter Programmierer, zuerst bei einem sozialen Netzwerk namens Cyworld, später bei Xing. Dort hatte er auch die erste Idee für Protonet. So wie der Personal Computer den Rechner vom Büro in den Privathaushalt gebracht hatte, sollte der „Personal Server“ dasselbe mit dem Server tun. „Ich schrieb nachts in meiner WG-Küche ein Konzept und schickte es an alle Xing-Entwickler“, erzählt Jelveh. „Zum ersten Treffen kamen 16 von ihnen. Zum zweiten nur noch Christopher und ich.“

Gemeinsam kündigten die beiden ihre Festanstellung und taten sich mit dem Industriedesigner David Burkhardt zusammen, der ihnen half, die Hardware zu konzipieren. Im November 2012 gründeten Jelveh und Blum Protonet. Doch der Durchbruch kam erst mit der weltweiten Geheimdienstaffäre. „Wir wären auch ohne den NSA-Skandal ähnlich weit wie heute“, behauptet Jelveh zwar selbstbewusst. Er gibt aber auch zu, dass Protonet anfangs noch nicht als Lichtschwert der Rebellen konzipiert war. Sondern als WG-Server, auf dem man sich Dateien und Nachrichten mit seinen Mitbewohnern hätte hin- und herschieben können. Als Logo fungierte ein niedliches blaues Comic-Monster statt des orangefarbenen Sechsecks, das Jelveh heute auf dem T-Shirt unter seinem Kapuzenpullover trägt. „My Protonet is my castle“ steht darauf.

Es gibt sie noch, die guten Server

Ein dritter Pluspunkt für Protonet, neben dem charmanten Frontmann und der dramatischen Anti-NSA-Rebellengeschichte: der Manufactum-Faktor. Denn mit der Box kauft man kein schnödes Stück Fernostplastik. Man erwirbt ein Stück Hamburger Handarbeit. Im Fertigungsraum über dem „Makerhub“-Café montiert Nina Pelka, die Goldschmiedin gelernt hat, an einer Werkbank gerade ein Exemplar. Bis auf die Festplatte stammen fast alle Bauteile aus der unmittelbaren Hamburger Umgebung. Die Metalllamellen der passiven Kühlung werden von Hand in Wabenform gekurbelt, die sogenannten Heatpipes selbst gelötet. Bis man den Server im Manufactum-Warenkatalog neben Messingbriefwaage und Siegellack bestellen kann, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein. „Allein am Einschaltknopf haben wir etwa sechs Monate getüftelt“, sagt Ali Jelveh, „bis er genau so war, wie wir ihn uns vorgestellt hatten.“ Kleinteile aus Plastik werden im 3-D-Drucker selbst hergestellt, die Stückzahlen seien für eine Massenfertigung noch zu klein. Anderthalb Stunden, sagt Nina Pelka, brauche sie in etwa für den Zusammenbau eines Geräts. Dann wird es getestet und mit der Software versehen.

Made in Hamburg: Hier werden die Boxen hergestellt
An diesem Arbeitsplatz wird die Software aufgespielt

Ist der Erfolg von Protonet also vor allem gelungenes Marketing? Ja und nein. Eine temporäre Speicherung der Daten auf einem fremden deutschen Server ist zweifellos sicherer als eine dauerhafte Speicherung bei einem amerikanischen Cloud-Anbieter. Denn dieser muss im Zweifelsfall tun und herausgeben, was die US-Behörden von ihm verlangen. Von der wirklich privaten Cloud und einer „On-Premises-Infrastruktur“ – also eben Daten, die „den Raum nicht verlassen“ – ist ein Protonet-Server in seiner Standardkonfiguration jedoch leider noch weit entfernt.

Und auch gegen klassischen Diebstahl sind die Daten nicht geschützt, weil sie bislang in der Box nicht verschlüsselt werden. Man arbeite daran, heißt es. Trotzdem erinnert die Debatte um die Sicherheit von Protonet ein wenig an die Einführung der Entsperrung von Apples iPhone mittels Fingerabdruck. Damals vermeldete der Chaos Computer Club, man habe es geschafft, durch einen abfotografierten, digital bereinigten und invers auf Transparenzfolie gedruckten Fingerabdruck die Sperre zu überwinden. Was bei der folgenden Häme gegenüber Apple vergessen wurde: Für all die Nutzer, die ihr iPhone vorher aus Faulheit entweder gar nicht oder mit einem Passcode wie 1234 gesichert hatten, bot die Fingerabdrucklösung zwar immer noch keine absolute, aber dafür eine deutlich höhere Absicherung als zuvor.

Gute Gefühle und Honigtöpfe

„Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht“, sagt Jelveh und zitiert zur Bestätigung den Netzsicherheitsexperten Bruce Schneier: „All security involves a trade-off.“ Man müsse eben immer gewisse Abstriche machen. „Für Daten mit militärischer Sicherheitsstufe würde ich Protonet noch nicht empfehlen“, sagt Jelveh bei einem Rundgang durch die Büroräume. Die reichen mittlerweile bis in ein benachbartes Gebäude, weil die Firma so stark gewachsen ist. „Aber ein entscheidender Vorteil von Protonet ist, dass man als Ziel viel unattraktiver wird. Das lassen die Kritiker außer Acht. Dropbox, Google und Co. sind sowohl für Hacker als auch für Geheimdienste ein extrem attraktives Ziel.“ Dezentralisierung hingegen mache die Massenüberwachung erheblich schwieriger. „Je kleiner der Honigtopf wird, umso schwieriger wird es für andere, mit ihrer Tatze reinzukommen.“

Um den legendären Apple-Gründer Steve Jobs habe es ein „Reality Distortion Field“ gegeben, ist immer wieder zu lesen. Eine Verzerrung der Wahrnehmung, ausgelöst durch Jobs’ gigantisches Charisma, das Menschen dazu brachte, Dinge zu glauben, die bei Licht betrachtet nicht immer zu hundert Prozent der Wahrheit entsprachen. Vielleicht ist es auch Ali Jelveh gelungen, ein solches Reality Distortion Field zu erschaffen. Mit seinen Reden und Produktpräsentationen hat er der Firma eine euphorische Fangemeinde beschert.

Und so wäre es vielleicht zu erklären, wie Protonet auch nach der Enthüllung der Sicherheitslücken als „Start-up des Jahres“ und im November mit den „Lead Awards“ ausgezeichnet werden konnte. Warum Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz in seiner dortigen Laudatio stolz erzählt, auch in der Hamburger SPD-Zentrale im Kurt-Schumacher-Haus komme ein Protonet-Server zum Einsatz. Warum es ihm und den Investoren egal zu sein scheint, dass die vermeintlich sichere Box die Daten eben doch durchs Netz schickt.

Sicherheit ist in erster Linie ein Gefühl. Und seinen Kunden dieses Gefühl zu vermitteln ist es, was Protonet hervorragend kann. Für den blauen Comic-Kobold, mit dem Protonet einst seine WG-Server verkaufen wollte, wären mit Sicherheit keine Crowdfunding-Millionen zusammengekommen. ---

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