Ausgabe 05/2014 - Schwerpunkt Im Interesse des Kunden

Die Sprache des Anwalts *

1. Schritt — Sie nehmen eine ganz normale und verständliche Formulierung:

Vielen Dank für Ihren Brief. Wir beantworten Ihre Fragen, sobald wir mit Herrn Müller darüber gesprochen haben.

2. Schritt — Sie reichern den Satz mit Substantiven an. Ersetzen Sie einfach alle Verben durch Hauptwörter oder Streckverben. Und vergessen Sie nicht, die Substantive mit der Endung „ung“ aufzublähen:

Vielen Dank für Ihren Brief. Wir kommen in Beantwortung Ihrer Fragen auf Sie zurück, sobald wir Rücksprache mit Herrn Müller gehalten haben.

3. Schritt — Sie anonymisieren (natürlich zur Wahrung des Anwaltsgeheimnisses) den Text:

Vielen Dank für das vorgenannte Schreiben. Die Unterfertigten kommen in Beantwortung der darin aufgeworfenen Fragen auf diese zurück, sobald sie Rücksprache mit dem Mandanten gehalten haben.

4. Schritt — Sie übersetzen alles ins Passiv:

Für das vorgenannte Schreiben möchten wir uns bedanken. Die Unterfertigten werden in Beantwortung der darin aufgeworfenen Fragen auf diese zurückkommen, sobald unsererseits Rücksprache mit dem Mandanten gehalten werden konnte.

5. Schritt — Sie würzen Ihre Arbeit mit unnötigen Adjektiven und Partizipien:

Bezugnehmend auf das vorgenannte Schreiben möchten wir uns bedanken. Die Unterfertigten werden in alsbaldiger Beantwortung der darin aufgeworfenen interessanten Fragen umgehend auf diese zurückkommen, sobald unsererseits die unverzichtbare Rücksprache mit dem derzeit abwesenden Mandanten gehalten werden konnte.

6. Schritt — Wiederholen Sie abschließend auf jeden Fall Schritt 2:

Bezugnehmend auf das vorgenannte Schreiben möchten wir unseren Dank aussprechen. Die Unterfertigten werden in alsbaldiger Erledigung der darin aufgeworfenen interessanten Fragen umgehend auf diese Bezug nehmen, sobald unsererseits die unverzichtbare Rücksprache mit dem sich derzeit auf einer Reise befindlichen Mandanten gehalten werden konnte.

*Dieses Anschreiben wurde im Hinblick und unter Berücksichtigung einer sowohl prinzipiellen als auch allgemeinen wachsenden Sorge über die gewohnheitsmäßige Verstetigung negativer sprachlicher Formulierungen seitens vor allem des anwaltlichen sowie generellen juristischen Nachwuches von Kanzleigründer Herrn Rössner sowie dem Kollegen Klaner vor 20 Jahren zur Demonstration eines abschreckenden Beispiels mit der zutiefst verankerten Hoffnung auf Erregung einer positiven Wirkung hinsichtlich einer Motivation bezüglich eines Entschlusses der Nichtnachahmung sprachlich fixiert.

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