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Ausgabe 08/2013 - Schwerpunkt Privat

Bloggen, weil man muss

Christoph Kappes

Der Intellektuelle

Als einen „Super-Selbsterfahrungstrip“ bezeichnet Christoph Kappes all die Jahre, die er nun schon im Netz verbracht hat. Bereits seit Anfang der Neunzigerjahre ist er online und hat eine Internetagentur gegründet. Nach wie vor ist der 50-Jährige fasziniert vom Netz und davon, wie es sich und die Gesellschaft verändert. In seinem Blog wird der Hamburger zum Chronisten dieser Entwicklung und schreibt differenziert auch über jene Debatten, die im Netz mitunter erschütternd einfältig geführt werden. Kappes analysiert auch die Blogkultur, deren Teil er selbst ist.Und widerspricht der These, dass sich Blogs in einer Krise befänden, weil es ihnen an Einfluss auf Debatten, Medien und Politik fehle. „Das Gegenteil ist der Fall“, schreibt Kappes, „die Kulturtechnik des Bloggens weitet sich aus.“

Er ist überzeugt, dass Menschen die Technik heute in Form eines Wechselspiels von „artikulieren, antworten und referenzieren“ nutzen, weil sie sowohl Bestätigung suchen als auch Widerstand brauchen, um „ihre Identität ständig neu auszuloten“. In der Blogosphäre würden so Werte verhandelt und soziale Normen weiterentwickelt. „Das Internet“, formuliert Kappes, „fungiert als postelterliche Sozialisierungsstube“ und sei „die permanente Weiterbildung nach der Grundausbildung“. 

Es sind Sätze wie diese, die ihm im Netz den Ruf eines Intellektuellen eingebracht haben – „obwohl ich doch auch oft ganz normale Sätze sage wie: Ich gehe jetzt ein Bier trinken“. Kappes ist kein Selbstdarsteller, der das Netz als Bühne nutzt. Aber ihm ist durchaus bewusst, dass man sich im Internet nie in seiner Gesamtheit darstellen kann.

Man spielt eine Rolle, vielleicht zwei. Nicht mehr. Man kann nicht Vordenker und Thekenkumpel zugleich sein. Er hat gelernt, dass es zu Missverständnissen kommen kann, wenn man versucht, beides zu sein: Als die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth, im Juni bei den Demonstrationen in Istanbul in eine Tränengasattacke geriet, zitierte Kappes ein altes Fernsehinterview, in dem Roth gesagt hatte: „Ich liebe die Konflikte in der Türkei.“ Trotz eines hinterhergeschobenen „#zwinkerzwinker“ übten einige seiner Leser sofort scharfe Kritik, andere nutzten den Beitrag als Steilvorlage, um gegen die Politikerin zu wettern. Beides hatte Kappes nicht gewollt, sondern lediglich eine „humoristische Einlage“ versucht.

Solchen Missverständnissen zum Trotz hat Kappes im Netz in den vergangenen Jahren immer mehr von sich preisgegeben. Der mögliche Nutzen sei größer als das Risiko, findet er. Das spiegelt sich zum Beispiel auf Twitter wider: Anfangs verschwieg Kappes seinen Standort, dann fälschte er ihn, aus Angst, jemand könnte seine Wohnung ausräumen, wenn er nicht zu Hause ist – und heute teilt er seinen Aufenthaltsort ganz selbstverständlich mit. „Ich habe mich schrittweise geöffnet, weil einfach nichts Schlimmes passiert.“

Im Gegenteil: Wenn seine Leser wissen, wo er steckt und was er macht, können sie ihm leichter weiterhelfen – ob er nun ein gutes Restaurant in einer fremden Stadt sucht oder einen Experten für ein bestimmtes Thema. 

Im Netz diskutiert er zum Beispiel oft mit Soziologen, die er früher für Wirrköpfe mit langen Haaren hielt. Heute liest er Niklas Luhmann und drückt sich gewählt aus: „Ich habe gelernt, dass ich von der Allmende profitiere.“

www.christophkappes.de

Die Wehrhafte

Sylvia Oberstein nimmt die Belästigung nicht mehr hin

Hätte Sylvia Oberstein damals den Rat der Staatsanwältin befolgt, gäbe es ihr Blog nicht mehr. Sie hatte es 2005 begonnen und Gedankenzoo genannt, hatte den Namen vier Jahre später zu schnulzig gefunden und ihn in Serotonic umgeändert – nach dem Glückshormon Serotonin. Inzwischen hat sie mehr als 600 Artikel veröffentlicht, zumeist erzählt die 32-Jährige aus Bonn von ihren Reisen, den Schwankungen ihres Körpergewichts oder anderen Alltäglichkeiten. Ihr Blog ist der Ort im Netz, den man aufsuchen sollte, wenn man schlechte Laune hat und Ablenkung braucht.

Nur selten schreibt sie über etwas, das in ihrer serotoninhaltigen Welt eigentlich keinen Platz hat: den Stalker, der sie seit sieben Jahren in ihrem Blog mit Kommentaren und E-Mails belästigt. Sie hat ihn ignoriert und geschwiegen, sogar als er in einer E-Mail drohte, ihr „einen Mühlstein um den Hals“ zu legen und sie zu ertränken. Sie bloggte weiter wie bisher und bat ihre Leser, die „Schmierereien“ zu ignorieren, um den „Bloghund“ nicht zu füttern, da der sowieso schon Durchfall habe.

Doch als kürzlich bei Twitter unter dem Hashtag #Aufschrei eine Debatte über Sexismus entbrannte, ging sie in die Offensive. Und beschrieb öffentlich, was geschehen war, als sie den Stalker angezeigt hatte: nichts. 

Der Polizist, der die Anzeige aufnahm, habe ihr gleich gesagt, dass es im Netz sowieso keine Regeln gebe. Und die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein. Das Verhalten des Stalkers sei zwar "unschön und lästig", aber könne durch ein „zumutbares Mittel“ gestoppt werden: die Schließung des Blogs. 

Wenn Sylvia Oberstein davon erzählt, dann kann sie nur mit dem Kopf schütteln. Sie sitzt im Café Rheinlust, vor dem Fenster liegt der Fluss wie ein dicker, grauer Teppich. Sie hat den Treffpunkt vorgeschlagen, denn sie liebt den Rhein ungefähr so innig wie ihr Blog. „Für mich stand es außer Frage aufzuhören“, sagt sie. Blogs sind für viele ihrer Autoren mehr als Plakatwände, die man aufstellen und nach Belieben wieder einsammeln kann.

Sie sind eine Art digitales Wohnzimmer, in das man andere einlädt, um sich auszutauschen und kennenzulernen. Nicht etwa die Staatsanwaltschaft, sondern diese anderen haben Sylvia Oberstein geholfen, mit dem Stalker fertig zu werden. Nachdem sie über den Mann berichtete, erntete sie viel Zuspruch von ihren Lesern, dieihr in E-Mails und Kommentaren eigene Erfahrungen beschrieben und Tipps gaben. Der ein oder andere schlug ihr auch vor, den vollständigen Namen und ein Bild des Stalkers zu veröffentlichen, was sie aber nicht tat. „Wenn ich ihn an den Pranger stellen würde“, sagt sie, „dann würde ich ihm die Chance nehmen, wieder gesund zu werden.“ Rache passt eben nicht zu Sylvia Oberstein und ihrem Blog. 

www.serotonic.de

Der Cyborg

Enno Park
Enno Park berichtet über seine Krankengeschichte

Enno Park verwendet das Wort ganz selbstverständlich, wenn er sich vorstellt und dabei auf das schwarze runde Etwas deutet, das groß wie eine Münze an seinem Hinterkopf klebt: Cyborg. Es handelt sich um eine Antenne, die den Schall an ein Implantat überträgt, das in seinen Schädelknochen eingebettet unter der Kopfhaut liegt. Das Implantat wiederum verwandelt die Signale der Antenne in elektrische Impulse und leitet diese an sein Innenohr, in dem die Nerven sie als Höreindrücke an das Gehirn weitergeben. Park kann mit diesem Implantat seit dem Jahr 2011 wieder fast so gut hören wie in seiner Kindheit, bevor sein Gehör nach und nach fast vollständig verloren ging.

All das kann man über den Berliner in Erfahrung bringen, auch ohne ihn zu treffen. Denn Park bloggt über den Einsatz seines Implantats und die Rückkehr seines Hörvermögens. Er hat über die Voruntersuchung berichtet, das Hin und Her mit der Krankenkasse, die Operation in der Berliner Charité und darüber, wie es war, auf einmal wieder hören zu können. Er hat Fotos von sich mit Antenne, von seinem vernarbten Ohr und sogar Videos von der Operation sowie die Bilder einer Computertomografie ins Netz gestellt, auf denen sein Schädelknochen zu sehen ist. 

Warum hat er das gemacht? Zum einen hat Park selbst erst durch ein anderes Blog erfahren, dass Implantate helfen können, wenn der Hörnerv intakt ist. Indem er seine eigene Geschichte veröffentlicht, will er anderen Mut machen und mit Informationen weiterhelfen. Zum anderen hat er sein Hörvermögen schon im Netz thematisiert, als er über Implantate kaum etwas wusste und er gerade angefangen hatte zu bloggen.

Seit dem Jahr 2000, als die deutsche Szene noch sehr überschaubar war, schreibt Enno Park im Netz über sein Leben, seine Jobs, seine Reisen, seine Gedanken. Leser waren anfangs vor allem diejenigen Menschen, die er auch außerhalb des Netzes kannte. „Bevor ich mit dem Bloggen angefangen habe, ging es mir oft ziemlich mies“, erzählt Park. „Erst das Internet hat es mir ermöglicht, wieder mitzureden.“

Im Jahr 2005 wurde er lauter. Er benannte seinen Blog um und schrieb über politische Themen: über die Teilung der Gesellschaft in jene, für die das Internet immer noch Neuland ist, solche, die sich dort bereits häuslich eingerichtet haben und die Wege, auf denen beide Seiten zusammenfinden können, ohne sich gegenseitig zu verspotten. Wenn diese Beiträge geteilt und übers Netz verbreitet werden, dann freut das ihren Autor – und wenn sie Kontroversen auslösen, erst recht. Er habe wohl ein "Rampensau-Gen" in sich, sagt Park, der seine Texte inzwischen öffentlich vorträgt. Vor ein paar Jahren noch wäre das undenkbar gewesen – das Implantat und sein Blog haben ihm die Angst genommen.

Auf seiner selbst gezimmerten Bühne im Netz gibt er auch weiterhin viel von dem preis, was für andere Privatsache ist. Er schreibt über Cyborgs wie sich selbst, für die Technik ein Teil von Körper und Alltag geworden ist. Als „sehr post-privacy“ umschreibt Park seine offene Einstellung. „Das führt zwar zu Konfrontationen mit Menschen, die anders denken, aber es hilft auch, mit ihnen klarzukommen.“

Allerdings macht auch der 39-Jährige Ausnahmen. Texte, die um die Liebe oder seine Beziehungen kreisen, sucht man in seinem Netztagebuch vergeblich. Für solche Intimi täten betreibt Enno Park etwas, das in der Szene nicht selten ist: einen zweiten Blog. Unter einem Pseudonym, irgendwo in den unendlichen Weiten des Web.

www.ennomane.de

Die Entblößte

Meike Lobo
Meike Lobo macht sich durch schonungslose Offenheit angreifbar

Meike Lobo sieht auf den ersten Blick so düster aus, wie man sie sich nach der Lektüre einiger ihrer Blog-Beiträge vorstellt: Sie bevorzugt schwarze Kleidung; sie hat ihre Haare so kurz rasiert, dass die ihren Kopf nur noch als dunklen Flaum bedecken. Aber sie tut etwas, das man nicht erwartet hätte angesichts all der Schwere ihres Blogs: Sie lacht. Und empfiehlt einem erst mal Crêperöllchen, hier im Café Anna Blume im Berliner Prenzlauer Berg. 

Ihr Programm ist radikal: Sie hat sich explizit zum Ziel gesetzt, sich öffentlich zu entblößen. Sie schreibt über ihre Entscheidung, die Karriere als Biologin aufzugeben, genauso wie über Magen-Darm-Beschwerden, ihre Einstellung zur Sexismusdebatte oder jene Zeit in ihrem Leben, in der sie „Einsamkeit zum Frühstück, Todessehnsucht zum Mittag und Verzweiflung zum Abendbrot aß“. All das mache sie, um sich zu schützen: Nur indem sie sich im Netz quasi „nackt auf die Bühne“ stelle, könne sie sich „souverän und ruhig, beinahe unangreifbar fühlen“, hat sie einmal geschrieben.
Deswegen soll es dort schlicht um „alles“ gehen. 

Dazu gehört auch der Tod - ein Thema, über das viele Menschen nur mit ihrer Familie und guten Freunden sprechen. Meike Lobo nicht: In mehreren Beiträgen hat sie die letzten Lebenstage ihres krebskranken Vaters protokolliert. Ungeschönt. Die 38-Jährige beschreibt darin seinen rasselnden, „süßlich-klebrig“ riechenden Atem, seinen Gewichtsverlust, die letzten Gespräche mit ihm, den Abschied – und wie sie ihn vermisst.

All das aufzuschreiben hat für sie auch eine therapeutische Wirkung. „Mein Bauch sagt mir, worüber ich schreiben soll. Und manchmal weine ich dabei. Anschließend fühle ich mich befreit.“ Ihr öffentliches Tagebuch hat aber auch mit Eitelkeit zu tun, wie sie einräumt. „Jedem Blogger geht es um Klicks, Likes und Shares“, sagt Lobo, „das ist einfach so.“

Vor allem aber hofft sie, „in meiner Gesamtheit erkannt und geliebt“ zu werden. Damit erwartet sie eine Menge von ihren Lesern: dass sie sich die Zeit nehmen, sie auch wirklich kennenzulernen und zu verstehen.

Nicht jeder reagiert mit Zuneigung. „Peinliche Blogscheiße“ hat ein Leser kommentiert, als Meike Lobo die „Evolution meiner Offenheit“ zu erklären versuchte. Enttäuschend sei das gewesen, sagt sie. Gelöscht hat sie den Kommentar nicht. Aber solche Reaktionen sind die Ausnahme.

Im Netz fühlt sich Meike Lobo besser verstanden als bei Small Talks auf Partys, die sie inzwischen meidet. Online habe sie Menschen gefunden, die sie offline lange vergeblich gesucht habe. Anfang Mai hat sie einige ihrer „Lieblingsinternetmenschen“ in Berlin um sich versammelt – „es wurde einer der schönsten Abende überhaupt“, sagt sie. Und im Café Anna Blume hat sie sich kürzlich mit Sylvia Oberstein getroffen, mit der sie seit Langem in Kontakt steht – die Chemie stimmte. Auch ihren Mann Sascha Lobo hat sie online kennengelernt, über Twitter, die beiden schickten sich Kurznachrichten, verstanden sich, trafen sich und heirateten – und wenn sie ihn heute in ihrem Blog erwähnt, dann nennt sie ihn „Seelenpartner“ oder nur den „besten Mann“.

Sascha Lobo ist bekanntlich einer der bekanntesten Blogger der Republik, ein sogenannter „A-Blogger“. Er vermeidet es, sich online zu entblößen. Seine Frau akzeptiert das: Ihre Offenheit endet dort, wo die Verschlossenheit ihrer Mitmenschen beginnt. Niemand muss sich für sie öffentlich ausziehen – aber es darf sie auch keiner davon abhalten, es selbst zu tun.

www.fraumeike.de

Die introvertierte Extrovertierte

Patricia Cammarata
Patricia Cammarata sagt lieber im Netz ihre Meinung

Vielleicht hat der Kommentator mit dem Spitznamen „Nomadenseele“ es ja wirklich geglaubt: dass Patricia Cammarata das Geschrei ihrer Kinder aufgenommen hat und jetzt aus Rache gezielt jenen Nachbarn damit beschallt, der sich schon mehrfach über den Lärm ihrer Kinder im Treppenhaus beschwerte. Womöglich ist auch schon ein Leser ihrem Aufruf gefolgt, Berlin zum „Gentrifizierungsfreilandmuseum“ zu machen, und hat Warntafeln aufgehängt, wo sich die Stadt am meisten zum Schlechten verändert. Und vielleicht übt auch schon der ein oder andere Vater mit seinem Kind die „Trotz-Yoga“-Stellungen, die Cammarata an ihren Kindern beobachtet hat – die Brücke des Aufstands zum Beispiel oder den amselhaften Bauchwurf. Die meisten Leser ihres Blogs aber werden bei jeder dieser Geschichten aus Cammaratas Leben nur herzlich gelacht haben. Denn was sie schreibt, ist eine pointierte Version ihres Alltags als Mutter, Berlinerin, Psychologin und IT-Arbeiterin mit einem guten Schuss Ironie.

Wer die 38-Jährige persönlich trifft, den überrascht sie allerdings mit ihrer Ernsthaftigkeit. Sie ist ein eher leiser und unauffälliger Mensch, der erst einmal einen Milchkaffee bestellt und auch gelassen bleibt, wenn man ihm dann einen Kakao vorsetzt. Man fragt sich: Ist das wirklich die Frau, die im Netz erzählt, wie sie mit puterrotem Kopf joggt und dabei rätselt, wie körperliche Anstrengung Verliebtheitszustände begünstigt? Oder amüsiert davon erzählt, wie eines ihrer Kinder sie gefragt hat, welche Körperteile die Insekten wohl als erste fressen, wenn sie jetzt sterben würde? Die für ihr Blog die Ken-Puppe aus ihrer Barbie-Sammlung hervorkramt und gemeinsam mit ihrem Mann fotografiert, weil beide eine erschreckende Ähnlichkeit aufweisen? 

„Leute, die viel von mir lesen, denken, ich wäre eine Spaßbombe, aber das bin ich nicht.“ Sondern eher jemand, der Menschen „nur manchmal mag und dann nicht zu viele auf einmal“. Eben „kein Ich-reiße-das-Mikrofon-an-mich-Typ“, wie sie es formuliert. Online ist das anders – und womöglich kann sie sich ein Leben ohne Blog schon deswegen nicht mehr vorstellen, weil sie hier laut und lustig sein kann und es ihr aus der Kommentarspalte ebenso entgegentönt.

Angefangen hat ihre Leidenschaft fürs Schreiben damit, dass sie Kurzgeschichten aus ihrem Leben notiert hat – erst in eine Kladde, dann am Computer. Vor neun Jahren stellte sie die ersten Geschichten ins Netz. Anfangs unter einem Pseudonym, seit sechs Jahren unter ihrem Klarnamen.

Cammarata ist freigiebiger geworden – auch weil ihre Sorgen, jemand könnte das ausnutzen, sich nicht bestätigt haben. Im Gegenteil: Durch die Offenheit hat sie immer wieder Einladungen bekommen, für Zeitungen Gastbeiträge über die digitale Welt zu schreiben. Die Grenzen zieht sie dort, wo viele andere Blogger sie auch ziehen: Über ihren Job als IT-Projektleiterin redet sie selten, auch oder weil ihre Vorgesetzten und Kollegen mitlesen. Ihren Nachbarn würde sie nie namentlich nennen. Und auch wenn sie ihre Kinder immer mal wieder erwähnt, verschweigt sie deren Namen. Trotzdem reagieren manche Menschen nervös: Andere Eltern hätten sie schon ermahnt, deren Kinder im Blog bloß nicht zu erwähnen, erzählt Cammarata. Das hat sie verletzt: Als ob sie nicht wüsste, wo die Grenze ist.

In letzter Zeit macht sie auch immer mal wieder ihre Meinung zum Thema. Neulich ergriff sie Partei für einen befreundeten Blogger, der sich in einer Diskussion über Mobbing missverstanden fühlte. Und nachdem sie im Juni in Berlin einen Vortrag über die Vorteile der digitalen Arbeitswelt gehört hatte, kritisierte sie in ihrem Blog die Elitendiskussion. Im Saal hatte sie den Griff zum Mikrofon gescheut, im Netz meldete sie sich dafür umso lauter und pointierter zu Wort. Ihre Selbstbezeichnung passt gut zu ihr: introvertierte Extrovertierte. ---

www.dasnuf.de

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