Ausgabe 10/2012 - Markenkolumne

Topro Rollatoren, Gehwagen und Sessel

Prinzip S-Klasse

• Thomas Appel, Geschäftsführer der Topro GmbH in Fürstenfeldbruck bei München, führt gleich in den Showroom. Dort dürfen die Modelle aus der Produktion des norwegischen Mutterunternehmens nicht nur bestaunt, sondern auch probegefahren werden. Zum Beispiel der Troja 2G – "unsere S-Klasse" mit allerlei Extras: von der Ankipphilfe über auswechselbare Räder für verschiedene Terrains bis hin zur Klingel, um sich Respekt im Verkehrsgetümmel zu verschaffen. Gegen Aufpreis gibt es auch einen Sturzalarm, der automatisch aktiviert wird, sollte der Rollator umkippen. Und für diejenigen, die es gern wirklich individuell mögen, sind auch Airbrush-Modelle in allerlei poppigen Farben im Angebot. Appel, ein lebhafter Mann mit Wurzeln im Ruhrgebiet, kann das alles prima erklären. Er gäbe auch einen guten Autoverkäufer ab. Mit dem Branchenvergleich fühlt sich der 46-jährige Betriebswirt durchaus wohl – schließlich stehe seine Firma "wie BMW für die Freude an der Mobilität".

Statussymbol statt medizinisches Hilfsmittel, Konsument statt Patient, das sind die Kernbotschaften des Topro-Statthalters. Wer einen Rollator braucht, bekommt von der Krankenkasse eine Zuzahlung – im Schnitt rund 50 Euro – und vom Sanitätshaus ein entsprechendes Gefährt angeboten. Es gibt schon Rollatoren für rund 100 Euro, die von Topro kosten mindestens drei- bis viermal so viel. Trotzdem sind bereits rund 350.000 hierzulande unterwegs – "und das nicht nur am Starnberger See oder in Blankenese", wie Appel betont. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als zwei Millionen Rollator-Nutzer und offenbar genügend Leute, die in der Lage und bereit sind, für ein solches Gefährt, das ihnen durchs Leben hilft, tiefer in die Tasche zu greifen. Appel sieht seinen Job nicht allein darin, die Marke Topro bekannter zu machen, sondern auch die spezielle Hilfsmittelbranche auf mehr Markt zu trimmen. Er ist gut vernetzt, hatte bei verschiedenen Unternehmen und Verbänden Führungsposten, arbeitet zudem nebenbei als Berater für Firmen, die nicht mit Topro in Konkurrenz stehen.

Die beste Werbung für Rollatoren, so sagt er, machten die Kundinnen. Appel spricht vom "Leithennenprinzip": So wie Mütter ihre schicken Kinderwagen führten ältere Damen gern ihre Rollatoren vor und weckten so Begehrlichkeiten in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis. Eine gab in einem Schreiben an den Hersteller gar eine "Liebeserklärung an ihren stillen Begleiter ab". Der habe auch in der Reha "viele Bewunderer" gefunden, "weil er sich so schlank machen kann".

Um möglichst viele Leute zu erreichen, lässt sich Appel allerlei einfallen, zum Beispiel den Rollatortag 2012 ("Für mehr Sicherheit, Komfort und Design"), den Topro in Kooperation mit verschiedenen Senioren- und Gesundheitsorganisationen sowie der Polizei organisiert hat und der in insgesamt 82 deutschen Städten stattfinden wird. Dort gibt es Tipps für die richtige Handhabung der Gefährte aller Hersteller, man kann sie von Fachleuten checken lassen – und auf einem Parcours zeigen, dass sich auch mit einem Gehwagen ein heißer Reifen fahren lässt.


Topro wird 1966 von fünf südnorwegischen Gemeinden in der Industriestadt Gjøvik gegründet. Unternehmenszweck ist die Weiterbildung und berufliche Wiedereingliederung von Menschen in einer modernen Arbeitsumgebung. Die Firma entwickelt sich zu einer der größten ihrer Art in Norwegen. Man produziert unter anderem elektronische und mechanische Bauteile für die Automobil-, Luftfahrt- und Ölindustrie sowie das Militär. Zum wichtigsten Geschäft des Unternehmens - das ein eigenes Institut für Gesundheit und Lifestyle unterhält - werden aber Rehaprodukte. Bei Rollatoren ist Topro norwegischer Marktführer und exportiert die Gehwagen in alle Welt. 2002 kommt der Troja auf den deutschen Markt, 2005 wird er Testsieger bei der Stiftung Warentest: "Das Designermodell", heißt es in der Begründung, "hat den höchsten Bedienungskomfort, ist leicht zu manövrieren und platzsparend zusammenzuklappen". Die Norweger setzen hierzulande zunächst auf einen Vertriebspartner, 2010 gründen sie ein Tochterunternehmen, dessen Führung Thomas Appel im Juli dieses Jahres übernimmt. Er schaut optimistisch in die Zukunft: "Wir wachsen Jahr für Jahr zweistellig."

Topro AS

Mitarbeiter: 440; Umsatz 2011: 40 Millionen Euro; davon in Deutschland: rund 10 Millionen Euro

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