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Ausgabe 07/2011 - Wirtschaftsgeschichte

Das Ende des Weltgeldes

• Er war ein Freund der klaren Worte. Zumindest dann, wenn die Tür geschlossen war. Als der damalige US-Präsident Richard Nixon am 15. August 1971 die Aufgabe des Goldstandards beschlossen hatte, donnerte er im kleinen Kreis: "Ich scheiße auf die italienische Lira."

Die Entscheidung war ein Schock für die Welt. 1944 hatten 44 Staaten klare Regeln für das Währungssystem erlassen: Der US-Dollar wurde mit 35 Dollar je Unze durch Gold gedeckt. Alle anderen Währungen wurden in einem festen Kurs an den Dollar gebunden. Eine Regierung konnte ihr Geld nur nach Absprache mit anderen Ländern abwerten. Und jeder Staat durfte seine gesparten Dollars jederzeit bei der US-Zentralbank gegen Gold tauschen.

Das ging so lange gut, bis die USA in die Krise schlitterten. Die Kosten für den Vietnamkrieg und hohe Ausgaben der Regierung hatten eine gefährliche Inflation verursacht. Die heimische Wirtschaft schwächelte, und zum ersten Mal hatten die USA ein Handelsbilanzdefizit. Damit nicht genug: Aus Angst vor einer Entwertung tauschte alle Welt schnell die bei Geschäften mit Amerika verdienten Dollars gegen Gold, wodurch die Reserven der Zentralbank sanken.

Schließlich hatte Nixon genug, hob die Golddeckung auf und wertete den Dollar ab. Dadurch verbilligte er amerikanische Exporte und versuchte so, das Wachstum zu stimulieren. "Die Stärke der Währung einer Nation basiert auf deren Wirtschaftskraft. Und die amerikanische Wirtschaft ist die stärkste der Welt", rechtfertigte er im Fernsehen seine Entscheidung.

Doch damit sprengte er das System fester Wechselkurse, das in der Nachkriegszeit dem Westen Stabilität und Wachstum beschert hatte und schuf den Devisenmarkt – und damit ein neues Betätigungsfeld für Spekulanten.

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