Ausgabe 08/2007 - Schwerpunkt Fehler

Dumm gelaufen

Eitelkeit

Weil er allen zeigen wollte, wie witzig er sein kann, fuhr ein 25jähriger Franzose im Frühjahr mit dem Auto 225 km/h, wo nur Tempo 110 erlaubt war. Dabei ließ er sich und den Tachostand filmen. Stellte das Video ins Internet-Portal Youtube, unter seinem Vornamen und dem Titel "Ich werde nie mehr zu spät kommen". Die Bilder reichten der Polizei von Lunéville in Lothringen, um den Raser vor Gericht zu bringen.

Unkenntnis I

Drei Einbrecher, die einen Fotoladen in Schwerin ausräumten, wollten ihren Coup unbedingt in Bildern festhalten. Sie fotografierten sich gegenseitig mit einer Polaroidkamera, warfen aber die scheinbar misslungenen Aufnahmen in den Papierkorb. Dass es einige Zeit dauert, bis die Bilder sichtbar werden, wussten sie nicht. Die Polizei fand die gestochen scharfen Beweismittel am Tatort.

Unkenntnis II

Ein Juwelenräuber in den Vereinigten Staaten war nicht darauf gefasst, wie fest und elastisch zugleich Plexiglas sein kann. Als er mit einem Stein das Schaufenster eines Ladens zertrümmern wollte, prallte der Brocken ab und traf ihn am Kopf. Noch bevor er wieder bei Bewusstsein war, kam die Polizei.

Wollust

Opfer einer Verwechslung wurden zwei Polizisten in Bremen, die einer Klage wegen nächtlicher Ruhestörung nachgingen. Sie klingelten an einer Wohnung, in der eine Party im Gange war. Die meist älteren weiblichen Gäste hielten die Uniformierten für die angekündigten Stripper und gingen ihnen an die Wäsche.

Ungeduld I

In Köln blieb ein Einbrecher ohne Beute: Die Bank, in die er eingestiegen war, sollte erst zwei Wochen später ihren Betrieb aufnehmen. Die Polizei fasste den Mann noch am Tatort.

Ungeduld II

Ein Häftling in den USA musste für seinen Freiheitsdrang büßen. Er war in Rhode Island zu 90 Tagen Haft verurteilt worden - und brach am 89. Tag aus. Als man ihn Monate darauf schnappte, bekam er die Quittung: anderthalb Jahre hinter Gitter.

Ordnungsliebe

Zu einer teuren Verwechslung kam es im Juni 2007 in Frankfurt am Main: Eine Rentnerin steckte ihre Schmuckschatulle mit Ringen, Ketten und Uhren im Wert von 40 000 Euro in eine Plastiktüte. Ihr 80-jähriger Mann hielt das Bündel für Abfall und entsorgte es. Als der Irrtum auffiel, war die Mülltonne längst geleert.

Rechthaberei

Pedanterie brachte den Verbrecher Hans-Jürgen R. im Jahr 2002 in Haft. Er hatte in einer Postfiliale bei Darmstadt 10 000 Euro geraubt. Als in der Lokalzeitung tags darauf von 25 000 Euro Beute die Rede war, rief er die Polizei an, um gegen die Übertreibung zu protestieren. Die Beamten peilten sein Handy an und nahmen den Mann fest. Urteil: fast zehn Jahre Gefängnis.

Unachtsamkeit

Sein Mangel an Konzentration kam den 18-jährigen Sean Davey in Norfolk/England teuer zu stehen. Er hatte einen Korb mit Wäsche auf dem Elektroherd in der Küche abgesetzt, versehentlich den Schalter für das Kochfeld betätigt und den Raum verlassen. Die Wäsche ging in Flammen auf, und das Feuer entzündete eine Dose mit Deo-Spray in einer Einkaufstüte. Die folgende Explosion zerstörte das Dach des Hauses. Der Sachschaden belief sich auf umgerechnet 46 000 Euro. Verletzt wurde niemand.

Hast I

Wegen eines Versehens ließ die "Frankfurter Rundschau" am 2. August 2004 ihre druckfrische Deutschland-Ausgabe wieder einstampfen. Den Redakteuren war entgangen, dass ein Foto von Woody Allen auf der Frontseite eine entscheidende Silbe in der Kopfzeile verdrängt hatte. Dort stand nicht mehr "unabhängig", sondern "abhängig". Peinlich: Der Druckfehler fiel in eine Zeit, als diskutiert wurde, ob die "Frankfurter Rundschau" nach dem Einstieg der SPD-Medienholding DDVG unabhängig bleiben könne.

Hast II

Der Besuch einer Burger-King-Filiale genügte - danach war der US-Amerikaner George Beane zahlungsunfähig. Weil sich der Kassierer vertippt hatte, wurden Beane über seine Kreditkarte für vier Burger 4334,33 Dollar berechnet. Bis der Irrtum entdeckt und die Abbuchung storniert war, stand Beane ohne Bargeld da. Aus Kulanz wurde der Preis für die vier Burger nicht abgezogen.

Hast III

Zu viel Spaß an Autorennen hatte ein 19-Jähriger in Immenstadt im Allgäu. Als er einen Raser sah, der von einer Zivilstreife verfolgt wurde, schloss er sich dem vermeintlichen Rennen an. Als es der Polizei gelang, den ersten Raser zu stoppen, gab der 19-Jährige Vollgas und zog an den beiden Autos vorbei. Nun droht ihm der Entzug des Führerscheins.

Schlamperei

Weil ein 62-Jähriger sein Dell-Notebook im Auto abgelegt hatte, während er angeln ging, wurde ein einfacher Akkubrand zum Image-GAU für Sony. Das Feuer entzündete drei Schachteln Munition im Handschuhfach, das Auto explodierte. Dell ließ alle Geräte zurückrufen, die mit Lithium-Ionen-Akkus von Sony ausgerüstet waren. Andere Hardware-Hersteller folgten. Der Zulieferer musste insgesamt knapp zehn Millionen Akkus ersetzen.

Maßlosigkeit

Zwei Räuber in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) hatten es auf die Einnahmen einer Mautstelle abgesehen. Sie reichten dem Kassierer einen Müllsack und zwangen ihn, 2000 Vierteldollar-Münzen hineinzufüllen. Der Wert des Kleingeldes war ihnen bewusst, das Gewicht nicht. Auf dem Weg zum Fluchtauto riss der Sack, und das Geld prasselte auf die Straße. Die Täter entkamen. -

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