Ausgabe 10/2005 - Was Menschen bewegt

Die Dollar-Oase

• „Ich verstehe mich in erster Linie als Intellektueller und Humanist, der das kulturelle Erbe Kubas erhalten möchte“, sagt Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal Spengler. Und fügt hinzu: „Wir haben zwar eine altruistische Ausrichtung, arbeiten aber in einer unternehmerischen Struktur.“ Der promovierte Historiker ist der Leiter eines ungewöhnlichen Projektes: Sein Büro, das Oficina del Historiador de la Ciudad de la Habana (OHCH), saniert mit einem Geflecht von Subunternehmen seit 1994 Havannas historischen Stadtkern. Und obwohl das Bruttosozialprodukt Kubas immer noch nicht so hoch ist wie in der Zeit vor 1989, steigen die Gewinne der OHCH seit Jahren.

Eusebio Leal ist ein wortgewandter 63-Jähriger von gedrungener Statur, der in der Öffentlichkeit fast immer in einem feinen grauen Anzug auftritt. Er ist Mitglied der Nationalversammlung der Volksmacht, doch auf der Straße nennen die Leute ihn „el dueno de la Habana Vieja“, den Herren der Altstadt, oder einfach „el historiador“, den Historiker. „Wir möchten die unternehmerische Effizienz nutzen“, sagt der deutschstämmige Christ, „um ein Projekt voranzutreiben, das sowohl in wirtschaftlicher als auch sozialer Hinsicht nachhaltig sein soll.“ Hier, am östlichen Zipfel Havannas, zwischen dem Capitolio und dem Hafen, wo sich Zuckerbarone seit dem 17. Jahrhundert prachtvolle Paläste errichten ließen, arbeitet Leal an seinem gewaltigen Vorhaben: Auf einem Gebiet von rund 2,1 Quadratkilometern, das 1982 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde und auf dem gut 50.000 Menschen leben, will er mehr als 3500 Gebäude restaurieren – weitgehend ohne finanzielle Hilfe des Staates.

Die Stunde Leals kam, als nach dem Zusammenbruch des Ostblocks die Unterstützung der kommunistischen Bruderländer entfiel und Fidel Castro sich genötigt sah, wirtschaftliche Reformen einzuleiten. Der Stadthistoriker überzeugte den Staatschef persönlich davon, die koloniale Altstadt als Chance zu begreifen, Touristen anzulocken, deren Devisen die Sanierung der Innenstadt finanzieren sollten. Der Plan ging auf: Im vergangenen Jahr kamen mehr als zwei Millionen Touristen nach Kuba – und die meisten besuchten mindestens einmal Havannas Altstadt.

Das Projekt startete im Oktober 1993, als das Büro des Stadthistorikers in einen staatlichen Eigenbetrieb mit privatwirtschaftlicher Ausrichtung umgewandelt wurde und umfassende Rechte zur Gewinnerzielung erhielt. Dazu wurde dem Stadthistoriker unter anderem erlaubt, „Grundstücke und Gebäude zu vermarkten, die staatliches oder öffentliches Eigentum sind“.

In Kuba ist so viel wirtschaftlicher Freiraum ungewöhnlich. „Eine Wirtschaft in der Endphase“ , benennt der kubanische Oppositionelle Oscar Espinosa Chepe die Situation. Es gebe „keine Elektrizität, keine Wohnungen, keine Zuckerindustrie und keine Viehwirtschaft mehr“. Schuld daran seien allerdings weniger die jüngsten Hurrikane als die „Zentralisierung der ökonomischen Entscheidungen“ und die „konstante Niederschlagung privater Initiative“. So hatten die Kubaner zum Beispiel in den heißen Sommerwochen unter häufigen Stromausfällen zu leiden, was sogar zu offenen Protesten gegen die Regierung führte.

In der Altstadt ist davon auf den ersten Blick kaum etwas zu spüren: Schaut man aus dem Fenster von Eusebio Leals Büro auf den Plaza de la Catedral sieht man Touristengruppen, die sich die restaurierten Sehenswürdigkeiten zeigen lassen oder einer Musikgruppe zuhören. Im Schatten der den Platz umgebenden Arkaden sitzen schwarze kubanische Frauen in weißen Santería-Gewändern und rauchen dicke Zigarren. Sie lassen sich zusammen mit Ausländern ablichten, aber selbstverständlich nur gegen ein ordentliches Trinkgeld – in Dollar. Der ist der eigentliche Treibstoff der lokalen Altstadt-Ökonomie: In inzwischen mehr als hundert Einrichtungen, Hotels, Bars und Geschäften bezahlt der Tourist in Havannas Altstadt ausschließlich in harter Währung. Die Angestellten dagegen werden weiterhin mit dem Kubanischen Peso bezahlt, ebenso wie viele der Waren.

Eine kapitalistische Taktik mit sozialen Folgen. „Mehr als ein Drittel der Gewinne fließt in soziale Projekte“, sagt Leal. Zu denen gehören Suppenküchen, ein Frauenzentrum, ein betreutes Wohnen für alte Menschen und ein Heim für geistig behinderte Kinder. Solche Hilfsangebote sind nötig, weil sich die sozialen Gegensätze in Kuba verschärfen, während sich die einst vorbildlichen Bildungs- und Gesundheitsleistungen verschlechtern. Bei einem Durchschnittslohn von knapp 13 US-Dollar sind viele Waren des täglichen Bedarfs, die in den staatlichen „Dollarshops“ nur in harter Währung erhältlich sind, für die Mehrheit der Kubaner kaum erschwinglich – ein Liter Speiseöl kostet mit zwei US-Dollar rund ein Sechstel des durchschnittlichen Monatsgehalts. Das neue Klassensystem in Kuba unterscheidet zwischen denen, die über genügend Devisen verfügen, und dem Rest.

Das OHCH ist ein kleines Gegengewicht – mit einer beachtlichen Bilanz: In den vergangenen zehn Jahren wurde ein Gewinn von 175 Millionen US-Dollar erwirtschaftet. „Seit einigen Jahren erzielen wir bei einem Umsatz von rund 70 Millionen US-Dollar einen Gewinn von rund 22 Millionen US-Dollar pro Jahr“, sagt Eusebio Leal. „Unser Eigenkapital beträgt mittlerweile mehr als 50 Prozent, überwiegend angelegt in dem Immobilienfonds Habaguanex.“ Dieses mit Abstand wichtigste und gewinnträchtigste Unternehmen des Stadthistorikers ist benannt nach einem Ureinwohner, der sich den spanischen Eroberern heldenhaft entgegengestellt haben soll. Das Unternehmen verfügt inzwischen über ein weit gespanntes Netz von Geschäften, Restaurants, Bars und zwölf Hotels. Formell ist Habaguanex eine Aktiengesellschaft, an der das OHCH 98 Prozent der Anteile hält. Laut Leal hat das den Vorteil, „dass es uns erlaubt, auf dem internationalen Markt zu agieren, ohne den kubanischen Staat zu belasten“.

Das ist wichtig, denn die Staatskasse ist leer: Allein die kubanische Auslandsverschuldung wird auf mehr als zwölf Milliarden US-Dollar geschätzt. Ein weiteres großes Problem ist das Handelsembargo der USA, das auch für die Sanierung der Altstadt Folgen hat: „Wir könnten mit einem Kredit von etwa 250 Millionen US-Dollar die wichtigsten notwendigen Reparaturarbeiten in der Altstadt ausführen, vor allem die undichten Dächer flicken“, sagt Patricia Rodríguez, die Direktorin der Altstadt-Sanierung. „Aber ein Entwicklungskredit mit einer langen Laufzeit und einem niedrigen Zinssatz wird uns nicht gewährt.“ Bacardi-Rum gibt es auf Kuba nicht, aber der Bacardi-Palast ist eine lukrative Edel-Immobilie In der Lonja del Comercio am Plaza de San Francisco de Asís ist von etwaigen Annäherungs-Schwierigkeiten zwischen dem sozialistischen Kuba und ausländischen Investoren nichts zu merken. Seit 2001 erstrahlt Havannas ehemalige Handelskammer am Rande der Altstadt in frischem Glanz. Zu den Unternehmen, die in dem wuchtigen Bau mit verglaster Kuppel ihre Repräsentanzen eingerichtet haben, gehört auch die Immobiliengesellschaft Áurea, ein kubanisch-spanisches Joint-Venture-Unternehmen, das der OHCH untersteht. Unter der Regie von Áurea, die im November 1996 als erste kubanische Immobiliengesellschaft nach der Revolution gegründet wurde, verwandelte sich die heruntergekommene Lonja del Comercio in eine Top-Adresse in der Nähe von Havannas Hafen.

Neben der Áurea gehört mit Fénix eine weitere Immobiliengesellschaff zur OHCH. „Insgesamt vermieten wir knapp 9500 Quadratmeter Bürofläche und rund 7000 Quadratmeter Wohnfläche, vor allem an ausländische Firmen und deren Mitarbeiter“, erzählt Eusebio Leal. Als zweite Edel-Immobilie zur Vermarktung hat man sich sinnigerweise das Edifício Bacardí ausgesucht. Der so prachtvolle wie überladene Art-déco-Palast unweit des Capitolios wird von einem Turm gekrönt, auf dessen Spitze eine Fledermaus sitzt – das Bacardi-Markenzeichen. Den Rum von Bacardi kann man allerdings nirgends auf der Insel bekommen, denn das Unternehmen wurde nach der Revolution enteignet. Dass sich in diesem Gebäude jetzt vor allem ausländische Firmen mit harter Währung einmieten, bringt dem Büro des Stadthistorikers jährliche Einnahmen von mehr als 180.000 US-Dollar.

Bei großen Geschäften wächst das staatliche Interesse, und so tut die kubanische Regierung inzwischen durchaus mehr, wie Leal immer wieder betont, als nur „den rechtlichen und administrativen Rahmen zu stellen“. Der Stadthistoriker räumt selbst ein, dass die OHCH bei kubanischen Banken einen Kredit von mehr als 60 Millionen US-Dollar aufgenommen hat. Zudem hilft der Staat mit Leistungen und Materialien aus, die in Kubanischen Peso bezahlt werden können. Außerdem kann der Stadtdirektor im Gegensatz zu anderen Staatsbetrieben weitgehend ohne die sonst üblichen bürokratischen Hürden arbeiten.

Die Sanierung bleibt trotzdem ein arbeits- und zeitaufwändiges Geschäft: Mühevoll werden Hauseingänge, Wandbemalungen und farbige Glasarbeiten originalgetreu wiederhergestellt. „In den vergangenen zehn Jahren haben wir ungefähr ein Drittel der Altstadt restaurieren können“, sagt Eusebio Leal, „darunter befinden sich 40 Museen und Paläste.“ Stolz erzählt er, dass zur OHCH drei Baufirmen gehören, die die Sanierung durchführen. Außerdem betreibt das Büro die Escuela Taller, eine Werkstatt, die alle zwei Jahre mehr als hundert Fachkräfte ausbildet – vom Maurer über den Steinmetz bis zum Archäologen.

Um die Altstadtsanierung voranzutreiben, wird die Restaurierung einzelner Gebäude mittlerweile häufig kofinanziert – zum Teil durch multilaterale Abkommen mit Partnerländern, -region en oder -Städten in Europa. Ein Beispiel ist die üppige Casa del Conde don Esteban de Canongo, die gerade am Plaza Vieja restauriert wird – als vorletztes Haus am Platz. Die Sanierung ist ein Kooperationsprojekt mit dem Land Belgien, der Region Wallonien und dem UNDP, dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Seit 1998 unterhält Leal ein eigenes Büro für solche Kooperationen, deren Bedeutung stetig wächst.

„Zurzeit laufen 25 Projekte im Wert von rund fünf Millionen US-Dollar“, erzählt der Koordinator Julio Portieles. Ein Nachteil der internationalen Zusammenarbeit ist allerdings die Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern: EU-Sanktionen, wie sie 2003 nach der Verhaftung von 75 Dissidenten verhängt wurden, können Projekte verschleppen. „Die Restaurierung des Plaza del Cristo musste gestoppt werden, weil die italienische Regierung versprochene Gelder nicht auszahlte“, sagt Julio Portieles.

Eusebio Leal spricht lieber über Leistungen als über Probleme: „Wir haben mehr als 10.000 Arbeitsplätze geschaffen, was die OHCH zu einem der größten Arbeitgeber Havannas macht. Allein im Bausektor arbeiten gut 4000 Menschen. Dazu kommen rund 500 Architekten, Ingenieure und Experten, zirka 3000 Beschäftigte in Hotels, Cafes und Restaurants und rund 2000, die für Sauberkeit und Ordnung auf den Straßen sorgen.“ Als „Stimulation“ zahle man jedem Mitarbeiter, der gut arbeite, monatlich rund zehn US-Dollar extra in konvertierbaren Pesos – von der Putzfrau bis zum Direktor. Zudem entstünden durch die Sanierungsarbeiten indirekt neue Arbeitsplätze: „Viele Kunsthandwerker verkaufen in der Altstadt ihre Produkte an Touristen.“ Cecilia Hernández heißt eigentlich anders, möchte aber ihren wirklichen Namen nicht nennen. Die 59-Jährige arbeitet für die OHCH und sagt kein schlechtes Wort über den Stadthistoriker: „Er hat viel für die Armen getan.“ Als Straßenfegerin verdient sie 140 Peso Cubano im Monat, etwa sechs US-Dollar. Weil das kaum zum Überleben reicht, ist sie auf die Stimulations-Prämie angewiesen. Früher hat Hernández als Wachfrau gearbeitet. Sie beobachtete, wie Bauarbeiter regelmäßig Materialien entwendeten, um sie auf dem Schwarzmarkt weiterzuverkaufen – so wie es viele Kubaner machen, um über die Runden zu kommen. Die Arbeit als Straßenfegerin ist ihr lieber, „weil man direkt mit Touristen zu tun hat und manchmal ein Trinkgeld bekommt“. Cecilia Hernández wohnt in einem Teil der Altstadt, der noch nicht restauriert ist. Sollten die Sanierungsarbeiten ihr Haus erreichen, ist ihr wichtig, dass sie dort wohnen bleiben kann.

Die Frage, was mit den Bewohnern der sanierten Gebiete geschieht, ist umstritten. Weil durch den Umbau einst überbelegter Quartiere und die Umwandlung von Erdgeschossflächen in Gewerbeeinheiten Wohnraum verloren geht, war ursprünglich vorgesehen, rund 20.000 Bewohner zumindest zeitweilig in neu entstandene Viertel wie etwa La Nueva Habana Vieja an der Peripherie Havannas umzusiedeln. Inzwischen versucht der OHCH, jeden Fall einzeln zu lösen: „Manche Mieter werden übergangsweise umgesetzt“, sagt Patricia Rodríguez, „andere ziehen innerhalb des historischen Zentrums dauerhaft um, ein Teil in benachbarte Bezirke“. Um Altstadtbewohnern einen Umzug schmackhaft zu machen, bietet die OHCH an, dass sie die neuen Wohnungen als Eigentum übertragen bekommen – in ihren alten Unterkünften blieben sie Mieter. „Für viele ist das ein attraktives Angebot“, sagt die Straßenkehrerin Cecilia Hernández.

Wer in der Altstadt bleibt, erlebt die wundersame Wandlung des Viertels: Der Stadthistoriker legt die Sanierung bewusst als ein „viaje en la memoria“ an, als eine Reise in die Vergangenheit. So entsteht manchmal der Eindruck, die Altstadt sei für die Touristen künstlich in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt worden. Besonders nachts ist auf den Straßen weniger Leben als in angrenzenden Wohnvierteln oder im Bezirk Centro auf der anderen Seite des Capitolios. Man fühlt sich in Eusebio Leals Historienkabinett eher wie in einem städtischen Themenpark staatskapitalistischer Prägung – und an fast jeder Straßenecke stehen Polizisten, damit ausländischen Gästen nichts passiert.

Auch Kubaner mit US-Dollar dürfen nicht in Dollar-Hotels wohnen. Weil das gerecht ist

Dass sich die Kluft zwischen der Altstadt und den angrenzenden Armenvierteln durch die bisherige Sanierung vergrößert hat, ist offensichtlich. Patricia Rodriguez, die Leiterin des Masterplans, will das nicht bestreiten, „aber deshalb können wir doch nicht aufhören“. Sie empfiehlt, den Convento de Nuestra Senora Bélen zu besuchen. Das Hilfsprojekt im Südteil der Altstadt, wo traditionell viele Arme wohnen, ist in den mächtigen Gemäuern eines alten Konvents untergebracht. Hier können Kinder wie Rentner Computer-, Mal- oder Theaterkurse belegen und gelegentlich ein Frühstück bekommen. „Es kommen immer mehr Menschen zu uns, in diesem Jahr täglich mehr als 200“, sagt Nelson Agila, der Leiter des Convento. Agila erzählt, dass sie vom Stadthistoriker keinen festen Etat bekommen, will sich aber nicht beschweren: „Wir sind froh über das, was wir erhalten. Mal können wir den Kindern morgens einen Saft geben, mal ein Stück Obst.“ „Man muss Kuba mit der Situation in Lateinamerika und nicht der in Europa vergleichen“, antwortet Eusebio Leal auf kritische Fragen. „Im Unterschied zum Rest Lateinamerikas müssen die Kubaner so gut wie nichts für ihre Wohnungen bezahlen. Die Telefongebühren sind wie die Stromkosten lächerlich niedrig. Die Kubaner zahlen für die Schulen genauso wenig wie für ihre Gesundheitsversorgung. Das alles ist ein indirektes Einkommen.“ Vor einigen Jahren rechnete man Leal, den De-facto-Gouverneur des historischen Zentrums, zu einem Quintett der Erneuerer. Doch seither haben die Hardliner Oberwasser bekommen, von politischen Ambitionen des Stadthistorikers ist nichts mehr zu hören. Zwar kursierten nach der Verhaftung dutzender Dissidenten im Mai 2003 Gerüchte, Eusebio Leal wolle Kuba verlassen, aber das dementiert er heftig: „Ich schäme mich nicht, ein Mitarbeiter, Freund und Kampfgefährte Fidel Castros zu sein.“ Auf politische Fragen antwortet der Stadthistoriker reserviert: „Wir sind als Restauratoren Konservative und keine Liberalen“, ist sein knapper Kommentar zur kubanischen Wirtschaftspolitik.

Wann das Kerngebiet der Altstadt komplett restauriert sein wird, weiß Eusebio Leal nicht. „Es fehlen noch viele hundert Millionen US-Dollar, um die historische Stadt und ihre Monumente zu erhalten.“ Zumal es akute Probleme gibt: Zwei der von Habaguanex in der Altstadt betriebenen Hotels wurden Ende September geschlossen, gut unterrichtete Quellen vermuten rückläufige Gästezahlen als Grund – das Geschäft mit zahlungswilligen Ausländern ist auch wegen der vielen Hurrikane aktuell schwierig.

Aus dem Hause des Stadthistorikers werden die Probleme freilich dementiert: Es handle sich lediglich um vorübergehende Schließungen wegen Renovierungsarbeiten, die man ganz bewusst in der Nebensaison durchführe. Eine Möglichkeit, den inländischen Tourismus anzukurbeln, indem man den Kubanern erlaubt, sich selbst in Dollar-Hotels einzuquartieren, lehnt die kubanische Regierung allerdings kategorisch ab – aus Gerechtigkeitsgründen: Wer keine Devisen von seinen Verwandten im Ausland erhalte, könne sich Übernachtungen in harter Währung nicht leisten.

Immerhin ist es wahrscheinlicher, dass die Altstadt in neuem Glanz erstrahlt, als dass ein anderes hochgestecktes Ziel Fidel Castros Realität wird. Nachdem der inzwischen greisenhaft wirkende Staatschef im Frühjahr in mehreren endlosen Fernsehansprachen die Aufwertung des Kubanischen Peso gegenüber dem US-Dollar mitgeteilt hatte, verkündete er: Langfristig wolle man die Währungsparität mit dem US-Dollar erreichen. Wahrscheinlich ist dem 79-Jährigen nicht klar, dass in Havannas Altstadt dieses Ziel längst aufgegeben worden ist. ---

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