Ausgabe 07/2003 - Editorial

Am Gelde hängt ... es nicht

Was für eine konfuse Zeit! Der Staat reißt immer neue Finanzlöcher auf, die er mit anderen stopft; Städte und Kommunen kämpfen gegen den Konkurs; die Banken verschanzen sich hinter Basel II; der Mittelstand geht Pleite, neue Ideen haben so gut wie keine Finanzierungschance - gleichzeitig steigt die Sparquote in schwindelnde Höhen; Fonds- und Beteiligungsgesellschaffen schwimmen im Geld, und der Staat leistet sich Subventionen in Höhe von runden 160 Milliarden Euro.

Chaos. Und wo geht es raus?

brand eins-Redakteur Wolf Lotter hat die Antwort in der Vergangenheit gesucht. Sein Fazit: Wenn etwas Neues beginnt, bleibt das alte Geld immer erst einmal in ängstlicher Warteposition, Geld aus neuen Quellen muss den Weg ebnen (S. 46). Dass es vorhanden ist, daran lässt Max Schön, seit zwei Jahren streitbarer Präsident der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer (AS U) keinen Zweifel: Wer sich Subventionen in solchem Ausmaß leisten kann, hat Geld genug. Wie wäre es, wenn dieses Geld zur Abwechslung mal bei denen bliebe, die daraus mehr bauen als eine neue Verwaltung (S. 72)?

Nein, am Geld liegt es nicht. Das liegt herum und sucht sinnvolle Betätigung. In Herten beispielsweise, einer nordrhein-westfälischen Stadt im Konkurszustand: Dort haben die Stadtväter ihren Bürgern ein interessantes Angebot gemacht - und in Rekordzeit zehn Millionen Euro für städtische Aufgaben von ihnen bekommen (S. 68). Nicht minder erfolgreich ist die Idee, aus schwachen Einzelnen ein starkes Ganzes zu formen. Die Idee ist uralt, heißt Genossenschaft und erlebt gerade ihre Renaissance (S. 62). Und selbst das alte Geld ist aus der Reserve zu locken, wenn zum Risiko ein emotionaler Mehrwert kommt: Der Fundus-Fonds-Gründer Anno August Jagdfeld hat darin Erfahrung und auf diese Weise gerade das alte Seebad Heiligendamm gerettet (S. 76).

Nicht jammern, sondern machen - auch wenn nicht sicher ist, ob am Ende die Höchstrendite steht. Auf diesem Weg sind uns jene voraus, die auch in guten Zeiten jeden Pfennig umdrehen mussten: der kulturelle Mittelstand, jene Gruppe von Künstlern, die es nie zur geldwerten Prominenz brachte und es sich dennoch leistet, für ihre Ideen zu leben (S. 108).

Was alle Antworten und Beispiele verbindet: Mut braucht es. Den Willen zum Überleben. Und die Bereitschaft zu akzeptieren, was nicht mehr abzustreiten ist: dass nichts bleiben wird, wie es ist.

Warum sollte es dann nicht besser werden?

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