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Ausgabe 03/2002 - Artikel

Die Spaß-Maschine

Die Idee wurde vor zwei Jahren geboren, als der damalige Industrie-Design-Student Karl Emilio Pircher aus Südtirol den Schweizer Grafik-Designer Fidel Peugeot traf. Pircher hatte von den Fotokünstlern der Lomografischen Gesellschaft den Auftrag, ein SMS-Sendegerät zu entwerfen. Peugeot, durch seine Typografien für das britische Kult-Magazin " Wallpaper" berühmt geworden, sollte eine Schriften-Familie für die Lomografen kreieren. Als Peugeot laut über Pixel, die Bildpunkte auf Displays, nachdachte, funkte es. Pircher erkannte, dass sein Gerät erst mit der richtigen Schnittstelle funktionieren würde. Peugeot stieg ein.

Die beiden Gestalter gehen ihre Projekte gern grundsätzlich an und stellten sich große Fragen: Was ist eigentlich Kommunikation? Wozu gibt es das Telefon? Was ließe sich mit Handys alles machen? "Unsere instinktiven Überlegungen sind bis heute die wichtigste Inspirationsquelle", sagen beide. Dafür haben übermächtige Handy-Hersteller wie Nokia, Motorola oder Siemens, die alle sechs Monate ein neues Modell auf den Markt bringen, das nach spätestens anderthalb Jahren veraltet ist, keine Zeit.

Das Ergebnis des Brainstormings der Nicht-Techniker Pircher und Peugeot ist eine Spaß-Maschine namens Telepong: Telefon, Mini-Schreibgerät mit eigener grafischer Zeichenwelt, Fotoapparat, Fotoalbum, Musikmischmaschine sowie Spielekonsole in einem. Es ist für Multimedia-Messaging (MMS), also für das Versenden von SMS-Nachrichten mit Bild und Ton, vorgesehen. Und soll mit UMTS groß rauskommen. Telepong funktioniert aber auch mit dem bestehenden GPRS-Standard. Der Prototyp ist fertig und wird beim Elektronik-Konzern Flextronics in Produktion gehen. Dank seiner Bumerang-Form kann man das Gerät genauso gut ein- wie beidhändig bedienen. Die Benutzerführung basiert auf Symbolen und ist einfach. So lassen sich etwa mit Close-up-Bildern, poetischen Worten und Kuss-Sound charmante Alternativen zur " Ich-hab'-dich-lieb"-Textbotschaft übermitteln. Sogar eine kleine Lichtorgel, die den Rufton ersetzen kann, ist in das Handy integriert.

Was aber, wenn die potenzielle Kundschaft kein Interesse an der Spaß-Maschine hat? Macht nichts, sagen die Erfinder, denn Telepong ist nicht nur ein neues Endgerät, sondern vor allem eine Software-Lösung, die Mobilfunkbetreiber auf ihren Portalen integrieren können. Jeder, der wolle, könnte sich dort dann inspirieren lassen. "Wir haben die Chuzpe zu sagen, dass wir Kommunikation neu erfinden", sagt Christoph Atzwanger, der Dritte im Bunde und für die wirtschaftlichen Belange bei Telepong verantwortlich. Er führt das 20-köpfige Team, sucht Kooperationspartner und verhandelt mit Risikokapitalgebern.

"Unsere Zielgruppe ist die SMS-Generation der 15- bis 30-Jährigen", so Atzwanger, und er ist überzeugt, dass die Chancen gut stehen - wenn die Telekom-Industrie mitspielt. Weltweit gibt es mehr als 900 Millionen Mobil-Telefonierer. Und wenn nur ein Bruchteil von ihnen Spaß haben will, wäre Telepong für das Trio ein gutes Geschäft.

Information: Telepong Communication AG, Bahnhofstraße 13, 8808 Pfäffikon/SZ, Schweiz eMail: atzwanger@telepong.com, www.telepong.com

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